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Architektur-Wettbewerb für Gohliser Ahmadiyya-Moschee entschieden: Die Siegerentwürfe

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    Wird sie groß, wird sie eher klein? Werden die Minarette die Dächer überragen? Wird es laut an der Georg-Schumann-Straße, wenn die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde zum Gottesdienst kommen? Wo stellen sie ihre Autos ab? - Fragen über Fragen beschäftigten die Leipziger Öffentlichkeit seit Bekanntwerden der Baupläne für die Moschee in Gohlis. Jetzt ist der Architektenwettbewerb entschieden.

    Und das Ergebnis ist natürlich genau das, was auch zu erwarten war: Sie wird klein. „Wir müssen ja den Bau aus eigenen Kräften stemmen“, sagt Uwe Wagishauser, Amir der deutschen Ahmadiyya-Gemeinde. Und er flachste auch gleich noch ein wenig in Richtung Baubürgermeisterin der Stadt, als er meinte: „Das ist vielleicht ein bisschen anders als bei Ihnen …“

    Kein Humor in Moscheen? Denkste. Und mit deutschem Baurecht kennt man sich jetzt auch schon gut aus. Trotzdem ist der Ahmadiyya Muslim Jamaat e.V. froh, dass man gemeinsam mit der Stadt nicht nur den Dialog gesucht hat, sondern auch einen Architekturwettbewerb für die geplante Moschee an der Georg-Schumann-Straße / Ecke Bleichertstraße gemacht hat. Immerhin galt es, eine Reihe städtebaulicher Vorschriften einzuhalten – bis hin zu der für Gohlis geltenden Traufhöhe. Auch das war ja so eine Frage: Werden die Minarette künftig die Dächer der Wohnhäuser überragen? Und wie viele werden es?

    „Für die Anzahl der Minarette gibt es eigentlich keine Vorschrift“, sagt Wagishauser.

    Und so war auch der Wettbewerb in dieser Hinsicht offen, auch wenn natürlich gewünscht war: Es sollte beim Vorbeifahren auf der Georg-Schumann-Straße schon sichtbar werden, dass man es hier mit einem Gotteshaus zu tun habe.

    Der Siegerentwurf für die Ahmadiyya-Moschee. Visualisierung: Mustafa Ljaic
    Der Siegerentwurf für die Ahmadiyya-Moschee. Visualisierung: Mustafa Ljaic

    Sechs Architektenbüros hatte man zum Wettbewerb eingeladen. Fünf haben mitgemacht und ihre Entwürfe eingesandt. Am Donnerstag, 15. Oktober, tagte im Neuen Rathaus die Jury. Und am Ende – so stellt Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau fest – war sich die Jury erstaunlich einig. Der erste Preis ging einmütig an Dipl. Ing. Mustafa Ljaic aus Stuttgart, der seine kleine Moschee direkt auf die Straßenecke gesetzt hat, um hinter dem Gebetshaus den Platz für die Tiefgaragenzufahrt zu bekommen. Diese wird sich direkt an der Georg-Schumann-Straße befinden, was vor allem ein Problem berücksichtigt, das die direkten Anwohner beschäftigt hat: die Lärmbelästigung. Die möglichen Auto fahrenden Gäste der Moschee werden gar nicht erst in die Bleichertstraße einfahren.

    Auch die durchaus zurückhaltende Gestaltung des Bauwerks imponierte. Es gibt nicht – wie in früheren Entwürfen – zwei Minarette, sondern nur eines, dezent auf die Westecke des Grundstücks gesetzt und derzeit noch ungefähr mit 16 Meter Höhe kalkuliert. Und damit das Gebetshaus als Moschee erkennbar wird, hat es eine Kuppel. „Die könnte durchaus noch ein wenig niedriger werden“, meint Dubrau, „könnte aber auch noch beleuchtet werden, wie wir das in der Jury besprochen haben.“

    Und auch das Konzept, das Musatafa Ljaic gewählt hat, überzeugte: „Offenheit Transparenz Mitgefühl“ hat er sich als Leitmotiv für seinen Entwurf gewählt.

    Das Bauwerk mit zwei Gebetsräumen auf zwei Etagen und einem Zierminarett ist für etwa 100 Gläubige konzipiert. Der Entwurf hat aber auch dadurch überzeugt, dass er im Wesentlichen barrierefrei ist: Die Besucher der Moschee werden auf einer leicht ansteigenden Ebene um die Moschee herumgeführt.

    Das war auch der Grund, warum der durchaus beeindruckende Entwurf von Prof. Paul Böhm aus Köln zwar einstimmig den 2. Preis bekam, aber nicht zur Umsetzung vorgeschlagen wurde. Da ist zwar der Gebetsraum in der „richtigen“, nach Mekka ausgerichteten Südwestecke des Grundstücks direkt an der Erfurter Straße platziert. Dafür führt eine breite Schautreppe an der Georg-Schumann-Straßenseite hinauf in die Moschee. Für Menschen mit Gehbehinderungen oder Familien mit Kinderwagen ist das keineswegs nutzerfreundlich. Es hätte zwar zwei kleine Minarette Richtung Westen gegeben und einen erhöhten, durchaus eindrucksvollen Vorplatz.

    Aber der Ahmadiyya Muslim Jamaat e.V. plädiert selbst eher für eine zurückhaltende Präsenz.

    Die drei mit einem Preis gewürdigten Entwürfe: im Vordergrund der Siegerentwurf. Foto: Ralf Julke
    Die drei mit einem Preis gewürdigten Entwürfe: im Vordergrund der Siegerentwurf. Foto: Ralf Julke

    Was dann auch der 3. mit einem Preis gewürdigte Entwurf zeigt, den Prof. Wolfgang Lorch aus Köln beigetragen hat. Auch hier ist der Moschee-Bau sehr zurückhaltend, sehr kompakt an der Ecke zur Georg-Schumann-Straße geordnet. Eine Form, die die Jury auf den ersten Blick regelrecht entzückte – aber beim zweiten Blick stellte sich heraus, dass das Lärmproblem nicht ganz gelöst wurde.

    Also wird der Entwurf von  Mustafa Ljaic verwirklicht. „Dieses Jahr nicht mehr. Dazu ist das Jahr zu weit fortgeschritten“, sagt Uwe Wagishauser. „Nächstes Jahr werden wir anfangen zu bauen.“ Der Kostenrahmen von 700.000 Euro stehe. „Ich denke, dass wir das auch schaffen, da drin zu bleiben. Wenn es 750.000 werden, werden wir auch das schaffen.“

    Die Ausstellung:

    Die Ergebnisse des Gutachterverfahrens sind vom kommenden Montag, 19. Oktober, bis 2. November im Neuen Rathaus Leipzig (5. Obergeschoss) zu sehen. Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau eröffnet die Ausstellung am 19. Oktober, 10 Uhr. Anschließend wird sie bis 27. November auch in Gohlis, im Infozentrum Georg-Schumann-Straße 126, gezeigt. Eröffnet wird sie dort am 3. November, 19 Uhr, mit einer Podiumsdiskussion, an der u. a. Dorothee Dubrau teilnimmt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger haben hier die Gelegenheit, Einblicke in die Entscheidungen der Jury zu den im Rahmen des Gutachterverfahrens eingereichten Entwürfen zu erhalten. Veranstalter sind der Bürgerverein Gohlis und die Initiative Dialoge für Gohlis.

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      4 KOMMENTARE

      1. Na, ein Glück. Die besorgten Bürger hatten sicher befürchtet, so eine Art Zigarettenfabrik-Yenidze aus Dresden zu bekommen. Dies hier kann glattweg als Planetarium durchgehen. Aber da wissen die Besorgten auch bloß nicht, was es ist. Und falls einer von denen gerade mitliest: Planetarium – da landen immer die Marsmenschen.

      2. Ich finde den Bau von der Formsprache her auf jeden Fall spannender als die neue Propsteikirche. Wobei ich glaube, dass ich mich an die auch noch früher oder später gewöhnen werde.
        Anders als die Moschee ist die Kirche eben ein ziemliches Monstrum in exponierter Lage, den Entwurf der Moschee finde ich dagegen geradezu kuschelig. Wie sich die Leser vielleicht schon denken ist das meine private Meinung.

      3. (Obwohl man bei Moscheen aufpassen muss: die sind m.W. nicht wirklich „sakral“ im islamischen Sinne wie man es bei römisch-katholischen Kirchen kennt, da will ich mich jetzt nicht aus dem Fenster lehnen…)

      4. Ach schade… ich dachte, das wird auch so ein quietschbuntes Moscheelein wie in Frankfurt am Main ganz weit im Süden (sieht man von der Schnellstraße aus, die am Monte Scherbelino vorbeiführt).

        Aber schön. Wieder ein neuer sakraler Bau in Leipzig! 🙂

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