Wenn andere Leute mit ihrer schnittigen Familienkutsche im Rosental im Stau stehen, weil sie zusammen mit tausend anderen Helene-Fischer-Anhängern nach einem netten schwarzen Parkplatz für ihre Familienkutsche am Sportforum suchen, dann biegt man als Radfahrer einfach mal ab auf die Waldwege im Rosental, denn dort wurde in der vergangenen Woche ein Frosch gesichtet.

Eigentlich sogar schon vor dem 22. Juni, als die Stadt dann meldete, dass ein neuer Frosch gesetzt wurde. Aber das Rathaus hat sein eigenes Tempo. Da geht nicht alles raus, wenn’s fertig ist. Und manches ist fertig und keiner merkt’s. Deswegen wurde der Frosch am vergangenen Wochenende nur aus dem Augenwinkel erhascht. Mit stiller Verwunderung. War der schon immer hier? Oder hat ihn nur einer frisch angemalt?

Er war noch nicht immer hier. Im Gegenteil. Als wir hier auf dem Partheradweg vor zwei Jahren vorbeikamen, war hier Öde. Ein abgeräumter Spielplatz, der von der Verzweiflung der Spielplatz-Verantwortlichen im Amt für Stadtgrün und Gewässer erzählte. Denn das Fleckchen so kurz vorm Zusammenfluss von Weißer Elster und Parthe ist idyllisch.

Gern sind hier ganze Familien und lauschen. Denn im späten Frühjahr ist hier Froschkonzert. Am 17. Juni war hier so ein richtiges Froschkonzert zu erleben. Dimension: London Philharmonic Orchestra. Fünf Trommler, 16 Schaller, 22 Quaker, 30 Gluckser. So ungefähr. Und überall, wo es Trampelpfade zum Ufer gab, standen die Leute und lauschten.

So sah der Spielplatz Marienweg 2016 aus. Foto: Ralf Julke
So sah der Spielplatz Marienweg 2016 aus. Foto: Ralf Julke

Die Gohliser lieben diesen Teich, den die Stadt beharrlich Rosentalteich nennt. Aber den findet keiner, wenn man ihn danach fragt. Aber den Froschteich kennt jeder. Deswegen war die Idee gut, hier einen Frosch hinzusetzen. Denn die Philharmoniker im Teich hört man zwar, sieht man aber meistens nicht. Hier ist jetzt einer zum Sehen und Anfassen und – für kleine Kinder – zum Draufklettern.

Oder in der spröden Nachricht der Stadt vom 22. Juni:

Der öffentliche Spielplatz „Marienweg“ am hinteren Rosentalteich hat ab sofort ein neues Spielangebot. Unter dem Motto „Schlösschen mit Froschkönig“ versprechen die neuen Geräte Spaß für alle Altersklassen. Neben einer Sandtheke kann man Klettern, Rutschen, Balancieren und sogar am Barren turnen. Aktuell kam zu den neuen Geräten als Holzspielfigur der „Froschkönig mit seiner goldenen Kugel“ hinzu, welcher Bezug auf den bekannten Froschteich nimmt.

Seit dem Sommer 2016 gab es auf der Fläche keine Spielgeräte. Aufgrund von Vandalismus durch Brandstiftung musste die alte Spielgerätekombination damals sofort gesperrt und abgebaut werden. Die Planungsphase des neuen Spielangebots für insgesamt rund 31.000 Euro wurde nun auch genutzt, um Wünsche aus der Bürgerschaft zu berücksichtigen.

***

Die Aufzählung klingt nach einem richtig großen Spielplatz. Aber das trügt. Es ist ein kleiner, schön versteckter Spielplatz. Was auch sein Problem ist. Denn wenn die jugendlichen Kraftmeier in der Stadt glauben, dass sie ganz allein sind auf diesen Plätzen, dann glauben manche auch, sie könnten alles zerstören. Deswegen sah es 2016 hier so aus. Gar nicht idyllisch.

Der Barren für die Sportlichen. Foto: Ralf Julke
Der Barren für die Sportlichen. Foto: Ralf Julke

Die Kletterburg ist auch nicht wirklich für alle Altersklassen, sondern für die Kleinen. Und man kann nur wünschen, dass die Großen das auch so lassen und nicht ihre Kräfte dran üben. Was einen auf das augenscheinlich doch zu rudimentäre Sportangebot in der Stadt bringt. Warum trainieren die jungen Kraftbolzen da nicht lieber für Olympia? Oder leben wir in einer Zeit, in der jeder den Trump spielen darf und alle das toll finden?

Der Frosch sitzt daneben, groß genug, dass vor allem Krippen- und Kindergartenknirpse damit ihren Spaß haben dürften.

Und der Barren steht etwas abseits auf einer Fläche mit Holzspänen, damit man als ungelenkiger Erwachsener nicht so hart fällt, wenn die Turnübung nicht mehr so klappt. Noch ein paar Radbügel. Und ansonsten die alten, robusten Bänke und Steine, auf denen Eltern sitzen können, wenn sie ihren Kleinen beim Spielen zuschauen. Oder einfach das neueste Froschkonzert in C-Dur, opus 2018 genießen.

Die neue „Leipziger Zeitung“ kämmt die Sommeridylle mal gegen den Strich

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