Beharrlichkeit hilft

Leipzigs Verwaltung will die Verbesserung des Radverkehrs in der Prager Straße mittelfristig prüfen

Für alle LeserAm Montag, 8. Oktober, geht es los. Dann wird der stadtauswärtige Rad- und Gehweg an der Prager Straße zwischen „An der Tabaksmühle“ und dem Eingang zum Südfriedhof ausgebaut, teilt Leipzigs Stadtverwaltung mit. Das von Baumwurzeln aufgetriebene Pflaster wird entfernt und eine ebene Asphaltdecke aufgebracht.

Ende November 2018 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Gebaut wird in zwei Abschnitten. Dafür muss die rechte Fahrspur jeweils von 8:30 bis 14:30 Uhr gesperrt werden. Die Fußgänger werden auf die andere Straßenseite geführt. Die Radfahrer werden stadtauswärts über die Ludolf-Colditz-Straße / Naunhofer Straße / Kommandant-Prendel-Allee umgeleitet.

Eine hübsche kleine Weltreise.

So weit eine kurze Meldung, die zumindest eine bessere Wegesituation auf dem eigentlich viel zu schmalen Geh-/Radweg verspricht. Ein Thema, mit dem sich ja bekanntlich die SPD-Stadträtin Cornelia Wohlfahrt schon mehrmals beschäftigt hat. Denn nicht nur dieses Wegstück ist eine Katastrophe. Die Bedingungen für Radfahrer bis zum Eingang zum Südfriedhof sind im Grunde nicht akzeptabel.

Deswegen hat sich die Stadträtin auch nach der ersten abwiegelnden Antwort der Verwaltung nicht abwimmeln lassen und grundlegende Veränderungen für Radfahrer an dieser Stelle beantragt.

Und Beharrlichkeit zahlt sich aus. Manchmal sind die Antworten der Verwaltung auch nur ein Versuch, ein unliebsames Thema abzuwimmeln und sich erst einmal nicht darum kümmern zu müssen.

Aber wenn Stadträtinnen beharrlich bleiben, bleibt auch das Thema auf dem Tisch. Deswegen gesteht das Dezernat Stadtentwicklung und Bau jetzt nicht nur der Sanierung dieses unmöglichen Rad-/Gehwegs zu, sondern stellt auch etwas größere Veränderungen in Aussicht: „Der neue Fahrgastunterstand an der stadteinwärtigen Haltestelle wird im Zuge des neuen Werbevertrages konfliktfrei eingeordnet. Mittelfristig wird eine Variantenuntersuchung zur Verkehrsraumaufteilung der Prager Straße, unter Berücksichtigung aller Verkehrsarten, zwischen Tabaksmühle und Sackeklinik durchgeführt.“

Das ist zwar auch erst einmal nur ein Versuch, Zeit zu gewinnen, obwohl die Änderungen überfällig sind. Aber das Planungsdezernat versucht auch zu erklären, warum es lieber so ein Vorgehen vorschlägt.

„Die beengten Verhältnisse für Fußgänger und Radfahrer in der Prager Straße zwischen An der Tabaksmühle und Sackeklinik sind bekannt“, gesteht es zu. „Das Verkehrs- und Tiefbauamt wird mittelfristig eine Variantenuntersuchung für eine Umgestaltung der Prager Straße zwischen An der Tabaksmühle und Sackeklinik durchführen. Dabei werden alle Verkehrsarten berücksichtigt.“

Was aber heißt jetzt „mittelfristig“?

„Ein Realisierungszeitraum für diese komplexe Baumaßnahme kann derzeit noch nicht genannt werden. Er ist abhängig von der Prioritätensetzung in der Fortschreibung des Mittelfristigen Straßen- und Brückenbauprogramms 2020-2025. Um den Zustand des stadtauswärtigen Rad-/Gehweges trotzdem zu verbessern, erhält dieser im Oktober 2018 eine Asphaltbefestigung.

Ein eigener Fahrradstreifen westlich neben dem bisherigen für Radfahrer freigegebenen Fußweg wird dagegen aktuell nicht realisiert. Er würde einen Eingriff in das Ensemble des Völkerschlachtdenkmals bedeuten, in dem in größerem Umfang in die Böschung eingegriffen und eine aufwendige Stützmauer errichtet werden müsste.“

Westlich heißt in diesem Fall: Die Hecke an der Böschung zum Völkerschlachtdenkmal müsste rasiert werden. Das war der Vorschlag von Cornelia Wohlfahrt gewesen, um den eindeutig zu schmalen Geh-/Radweg an dieser Stelle zu verbreitern. Auf die eigentlich naheliegende Lösung, auf der Prager Straße einen Radstreifen aufzumalen, geht das Dezernat gar nicht erst ein.

Und wie sieht es mit der Situation vorm Eingang zum Südfriedhof aus?

„An der Haltestelle Südfriedhof stadteinwärts wird im Zuge des neuen Werbevertrages der Stadt Leipzig ab 01.07.2019 bei der Neueinordnung des Fahrgastunterstandes dieser Standort so eingeordnet, dass kein Konflikt mehr mit dem Abspannungsmast besteht.“

Ob sich die Stadträtin aus der SPD-Fraktion mit dieser Magerkost abspeisen lässt, ist wohl eher fraglich.

Nicole Wohlfahrt beantragt eine richtige Lösung für die faulen Kompromisse in der Prager Straße

RadwegeVölkerschlachtdenkmalPrager Straße
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Was verrät das BIP eigentlich über die Wirtschaftsentwicklung 4.0?
Kassensturz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWas passiert eigentlich, wenn man einfach mal die Wirtschaftsentwicklung aller Bundesländer nebeneinanderlegt? Sieht man da etwas? Oder bekommt man wieder nur die gewohnte Bestätigung, dass in Süddeutschland die Post abgeht und in Ostdeutschland der Hund begraben liegt? Weder noch. Auch dann nicht, wenn man weiß, dass sich Wirtschaftsleistung nicht vergleichen lässt. Nicht einmal mit dem Bruttoinlandsprodukt.
„a cappella“-Jubiläum startet am heutigen Freitag
Singer Pur © Arne Schultz

© Arne Schultz

11 Festivalkonzerte zeigen die Welt der Vokalmusik - und schlagen die Brücke zur Neuauflage der "Leipziger Disputation" im Juni mit einem gemeinsamen Konzert von amarcord und Calmus. Das Internationale Festival für Vokalmusik "a cappella" Leipzig startet am Freitag in seine 20. Ausgabe. Vokalensembles aus den USA, Norwegen, Uganda, Großbritannien, Belgien und weiteren Ländern sind zum Jubiläum des renommierten Acappella-Events eingeladen.
Die wenigsten Deutschen sind rechtsextrem aber die Marktradikalität der Politik hat unübersehbare Folgen
Die neue Studie „Verlorene Mitte - Feindselige Zustände“. Cover: Friedrich-Ebert-Stiftung

Cover: Friedrich-Ebert-Stiftung

Für alle LeserEs gibt ja seit ein paar Jahren zwei parallel laufende Extremismus-Studienreihen, beide zeitweilig unter dem Titel „Mitte-Studie“ laufend. Die ältere ist die Leipziger Studienreihe, die mittlerweile unter dem Begriff „Autoritarismus-Studie“ firmiert. Die Friedrich-Ebert-Stiftung setzt ihrerseits die Mitte-Studien fort. Am Donnerstag, 25. April, wurde der jüngste Band unter dem eher irritierenden Titel „Verlorene Mitte – Feindselige Zustände“ veröffentlicht.
Erst der Beschäftigungsanstieg seit 2012 besserte die Einkommen der Leipziger Familien tatsächlich auf
Schöner Sachsen-Euro. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn manchen Statistiken der Stadt Leipzig sieht es einfach berauschend schön aus, wie die Haushaltseinkommen in den vergangenen Jahren gewachsen sind. Aber dem schönen Schein wollte Linke-Stadtrat Steffen Wehmannn nicht trauen. Denn oft wird der Zuwachs ja schon durch die Inflation aufgefressen. Also fragte er im Februar nach, wie die Einkommensentwicklung eigentlich real verlief, mit eingerechneter Inflation. Und im März gleich noch mal.
Russisch Dolmetschen und Wirtschaftspädagogik an der Uni Leipzig sind noch nicht gerettet
Die Gebäude der Universität am Augustusplatz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Mittwoch, 24. April, meldete sich der Student_innenRat der Universität Leipzig bestürzt zu Wort über die drohende Abschaffung der Studiengänge Wirtschaftspädagogik und Russisch Dolmetschen an der Universität Leipzig. Schon seit Anfang 2017 ist bekannt, dass im Masterstudiengang Russisch Dolmetschen die Lehre durch fehlendes Lehrpersonal nicht ausreichend abgedeckt werden kann. Auch die Probleme in der Wirtschaftspädagogik sind seit Mitte 2018 bekannt.
Am 3. und 4. Mai im Westflügel: The Anatomy Lesson von Marijs Boulogne
Foto: Nada Zgank

Foto: Nada Zgank

Im Zentrum der unverwechselbaren Performances von Marijs Boulogne steht die Stickerei als ewige Wiedergutmachungsarbeit, als Medizin gegen Zerfall und Verderben. Mit ganz einfachen Materialien wie Garn und Faden kreiert Marijs Boulogne Traumwelten, die den Gesetzen von Profit und Kapital entfliehen.
In Ost- und Südsachsen fehlt der Nachwuchs und der Freistaat hat sich in die Personalfalle gespart
Fachkräfteprognose für Sachsen. Grafik: IHK-Fachkräftemonitor

Grafik: IHK-Fachkräftemonitor

Für alle Leser82.000 qualifizierte Arbeitskräfte werden 2025 in Sachsen fehlen, meldet die IHK zu Leipzig. Das Angebot an Arbeitskräften im Freistaat geht bis dahin um neun Prozent zurück. Das Durchschnittsalter aller Fachkräfte wird von heute 44,8 Jahre auf 45,7 Jahre steigen. Vor einem Jahr lag die Bedarfslücke bei 71.000. Aber es werden eigentlich ganz andere Probleme sichtbar. Zum Beispiel das Thema einer völlig vergeigten Demografie-Politik.
SC DHfK Leipzig vs. Ludwigshafen 28:22 – Zu deutlicher Sieg gegen Tabellenschlusslicht
Sechs Tore steuerte Franz Semper bei. Foto: Karsten Mann

Foto: Karsten Mann

Für alle LeserGegen den Tabellenletzten aus Ludwigshafen haben die Handballer des SC DHfK am Donnerstagabend den Verbleib in der höchsten Spielklasse so gut wie gesichert. Folgerichtig, stieg die Formkurve der Leipziger in der Rückrunde doch beständig. Dabei taten sich die Hausherren gegen die „Eulen“ allerdings lange Zeit schwer, der finale Spielstand von 28:22 spiegelte den Spielverlauf nicht wider. Tore gelangen gegen die zum Schluss verzweifelt anrennenden Gäste durch Tempogegenstöße in der Schlussphase.
Leipziger Zeitung: Wo ein Wille ist … zwei Wahlen stehen vor der Tür
Wo ein Wille ist .. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm 26. Mai ist Kommunalwahl, verknüpft mit der Europawahl, einer Europawahl, bei der es tatsächlich mal wieder um Europa geht. Erstmals werden auch viele Leipziger wieder zur Europawahl gehen mit dem leichten Summen im Kopf: Es könnte ja doch wichtig sein. Und im Leipziger Stadtrat, der ja auch gewählt wird? Da rumort es schon seit ein paar Monaten.
Chemnitz vs. Lok: Randbeobachtungen an einem denkwürdigen Abend
Der vergebene Elfmeter von Paul Schinke entschied das hochspannende Halbfinale. Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Für alle LeserNach 175 Minuten - inklusive Pausen - war Schluss und das Sachsenpokal-Halbfinale zwischen dem Chemnitzer FC und dem 1. FC Lok Leipzig entschieden. Ein Spiel mit zahlreichen Zweikämpfen, Zwischentönen und Zusätzen. Ein paar Randbeobachtungen.
BUND Sachsen fordert den Ausstieg aus dem fossilen Verkehr in Sachsen in den nächsten 20 Jahren
Die „Prognose“ zum Modal Split im Landesverkehrsplan. Grafik: Freistaat Sachsen, Landesverkehrsplan

Grafik: Freistaat Sachsen, Landesverkehrsplan

Für alle LeserDer Entwurf des Landesverkehrsplans (LVP) Sachsen beinhaltet gute Ansätze, ist insgesamt aber unzureichend. Vor allem den Mangel an zukunftsorientierten und integrierten Lösungen kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Sachsen in seiner aktuellen Stellungnahme. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ werde in vollkommener Beliebigkeit verwendet, ohne dass der Landesverkehrsplan tatsächlich präzisiert, wie nachhaltiger Verkehr konkret auszusehen habe.
Premiere am 27. April im Schauspiel Leipzig: Prinz Friedrich von Homburg
Prinz Friedrichvon Homburg. Quelle: Schauspiel Leipzig

Quelle: Schauspiel Leipzig

Der preußische Reitergeneral Prinz Friedrich von Homburg soll sich auf die bevorstehende Schlacht gegen das schwedische Heer vorbereiten, wird stattdessen aber vom Kurfürsten und dessen Hofstaat schlafwandelnd aufgefunden.
SPD- und Linksfraktion tun sich zusammen, das 365-Euro-Jahresticket zu einer echten Leipziger Vision zu machen
Blick aus dem Cockpit einer Leipziger Straßenbahn. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDie Diskussion um das 365-Euro-Jahresticket für Leipzig zeigt Folgen – gleich in mehrfacher Hinsicht. Jetzt wird nicht nur ernsthaft darüber diskutiert, wie das Angebot der LVB wachsen müsste, um die erwartbaren Fahrgastzahlen zu stemmen. Die Linksfraktion, die den Antrag dazu im Stadtrat gestellt hatte, das Ticket gleich nach Ende des Tarifmoratoriums 2021 einzuführen, bekommt jetzt mit der SPD-Fraktion direkte Unterstützung.
Chemnitzer FC vs. 1. FC Lok Leipzig 13:12 – Ausgerechnet und ausgeträumt
Der stimmungsvolle Beginn eines denkwürdigen Fußballabends. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

In einem denkwürdigen Halbfinale hat der 1. FC Lok den Einzug ins Sachsenpokal-Finale verpasst. Vor 7.489 Zuschauern verschoss Paul Schinke den 22. (!) Elfmeter. Sein Fehlschuss beendet nach fast drei Stunden ein Spiel, was nach 26 Minuten vorentschieden schien. Lok kämpfte sich nach einem 0:2-Rückstand jedoch zurück ins Spiel, ging nach 102 Minuten gar in Führung. Im Elfmeterschießen sah Benjamin Kirsten wie der Held des Tages aus, aber dann musste Schinke das zweite Mal antreten...
Warum hat Leipzig so viele zukunftsuntaugliche Dinosaurier angemeldet?
Im Südraum fast überall zu sehen: das Kraftwerk Lippendorf. Foto: Matthias Weidemann

Foto: Matthias Weidemann

Für alle LeserDass der Kohleausstieg nun bis 2038 kommt, ist so gut wie sicher. Wahrscheinlich fließen auch die 40 Milliarden Euro vom Bund in die Kohleregionen. Aber ob der Strukturwandel gelingt, steht selbst nach der furiosen Findungsrunde für tolle neue Großprojekte im März völlig in den Sternen. Den mitteldeutschen Regierungen – und auch Leipzig – fällt auf die Füße, dass sie nicht den geringsten Vorlauf für einen solchen Strukturwandel haben.