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In der Leipziger Elsteraue wäre naturnahe Landwirtschaft zwingend anzuraten

Von Gastbeitrag von Johannes Hansmann und Prof. Dr. Bernd Gerken vom NuKLA e.V.
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    Wenn man mag, wäre es dennoch durchaus von Nutzen, auch in der Elsteraue wieder Eichen zu pflanzen. Schon lange ist die Gestaltung der landwirtschaftlichen Flächen in und um Leipzig ein Thema. Seit 2007 (!) thematisieren die Grünen im Stadtrat, dass Biolandbau und die Anpflanzung von Hecken auf landwirtschaftlichen Flächen, die der Stadt sogar gehören und an konventionell landwirtschaftende Betriebe verpachtet sind, gefördert und ausgebaut werden sollten.

    Seit über 10 Jahren ist, wie es in einem Artikel der L-IZ vom 19. Februar 2019 zu lesen ist, dazu nichts passiert. Stattdessen wird mitten im FFH-Gebiet heute noch bei gefrorenem Boden mit teilweise viel zu geringem Abstand zu Gewässern Gülle ausgebracht, was für Amphibien und Fische eine Katastrophe ist und – für die Menschen ebenfalls – da so die betroffenen Gewässer verunreinigt werden, langfristig verbunden mit durchaus auch schädlichen Auswirkungen auf das Grundwasser und damit dem Trinkwasser der Zukunft!

    Auch bedrohte Pflanzengesellschaften leiden darunter. Und wieder befördert man damit stickstoffliebende Pflanzen – wie den Spitzahorn. Laut der Anfragen der Partei der Grünen gehören 1.800 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche der Stadt. Die Stadt ist Eigentümerin und könnte als solche durchaus Einfluss nehmen, wenn sie wollte.

    Alle Fuß- und Radwege, Bäche und Gräben und Ähnliches sollten Hecken als Saumstrukturen bekommen. Vor allem schützt jede Heckenstruktur nicht nur den Boden vor Erosion, hält Wasser fest (was in heißen Sommern hohe Relevanz hat), sie schützt nicht nur den dort sich erholenden Wanderer mit angenehmen Klima, sie ist zudem ein Schlüsselelement unserer einheimischen Natur und ein Lebensraum von hoher Relevanz für weitere zahlreiche bedrohte Arten. Ein Lebensraum, welcher deutschlandweit im Rückgang begriffen ist, da überall am besten noch bis zum letzten Zentimeter das Gras auf wenige Millimeter gemäht wird.

    Und nicht nur Hecken sollten hier zugelassen werden, sondern genau hier wäre auch Raum für ganze Eichenalleen, welche man dort pflanzen könnte. Soweit wir aktuell wissen, haben einzeln oder in kleinen Gruppen stehende Eichen später auch einen besonders hohen Biotopwert. Bei 1.800 Hektar und all den diese Flächen durchziehenden Wegen und Fließgewässern aller Größen und Arten müssen das hunderte Eichen, wenn nicht tausende sein, die man nach und nach dort setzen könnte.

    Nächtliche Düngung am Schlosspark Lützschena. Foto: NuKLA e.V.
    Nächtliche Düngung am Schlosspark Lützschena. Foto: NuKLA e.V.

    Auch wäre eine gezielte Pflanzung von Eichen in den ehemaligen Auengebieten, welche heute Parks und Grünanlagen sind, in Betracht zu ziehen, abgesehen davon, dass auch so manchem Park und so mancher Grünanlage mehr naturnahe Hecken und Säume sehr gut zu Gesicht stünden. Der Kritik des NABU Leipzig in Bezug auf den Umgang mit dem Stadtgrün, wie es jüngst der Presse zu entnehmen war, ist in dieser Sache absolut zuzustimmen! Auch in die Parks gehören naturnahe Hecken, unter denen man eben nicht mit Laubgebläse fast schon zwanghaft jedes noch so kleine Blättchen wegpustet und jedes noch so kleine Wildblümchen wegmäht, lange bevor es sich wenigstens aussäen könnte. Was übrigens auch noch hohe Personalkosten und Kosten für Benzin sowie Abgase verursacht… in dieser jetzt schon unmäßig eutrophierten Umwelt.

    Wenn man wollte, könnte man auch die Eiche vermehrt als Straßenbaum pflanzen. Eventuell mag das in besonders vom Stadtklima geprägten Bereichen zu überdenken sein, in den eher ländlichen Randbereichen jedoch spricht nichts dagegen, auch hier kleine, ruhige Straßen und Wege in prachtvolle Eichenalleen samt Hecken und Säumen zu verwandeln. Auch für das Stadtklima, also für uns Menschen, wäre das von größtem Gewinn!

    Es gäbe viele Wege, das eine zu tun, ohne das andere noch weiter zu zerstören. Es gibt viele Möglichkeiten, die Eiche auf dem Zuständigkeitsgebiet der Stadt Leipzig zu fördern. Vereine wie Parteien weisen schon jetzt – ganz unabhängig voneinander – auf die verschiedenen Möglichkeiten hin, die es gäbe.

    Die Bürger wünschen auch mehr Grün und ein besseres Stadtklima, profitieren sie doch direkt davon in heißen Sommern. Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt und Maßnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas sowie zum Erhalt der Allgemeingüter Luft, Wasser und Boden; sie gehen Hand in Hand und gehören zusammen.

    Der Waldumbau im Auwald zerstört mehr, als er künstlich herstellen kann

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      1 KOMMENTAR

      1. Vielleicht ist Weniger manchmal Mehr.

        Die Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren im Auwald ist Resultat des Wassers.
        Die Artenvielfalt wird vom Bund mit viel „Kohle“ gefördert. Der allerdings nicht differenziert zwischen künstlicher Artenvielfalt durch die Kettensäge (Wirtschaftswald) und natürlicher Artenvielfalt durch die Natur selbst, wie beim Auwald.

        Die Artenvielfalt durch die Kettensäge ist eine künstliche, ein Ökodisneyland. Kostet einen Haufen Geld und ist Spielwiese für Förster und die sie unterstützenden „Wissenschaftler“. Ein Geschäftsmodell. So wie intensive Landwirtschaft, gefördert mit zig EU-Millionen €.
        Natürlich wird auch prächtig durch den Verkauf von Wertholz, den hundert/zweihundertjährigen Eichen und Eschen verdient. Verschwindet irgendwo im städtischen Haushalt.

        Natürliche Artenvielfalt ist nachhaltig, nachsorgefrei, langfristig preiswert. Lediglich zu Beginn müssen Fehler der Vergangenheit beseitigt werden. Das verursacht natürlich Kosten.
        Natur bleibt Natur, wird nicht „in Wert gesetzt“, ist kein Wirtschaftsgut mehr.
        Insbesondere, wenn es sich wie beim Leipziger Auwald um mehrfach geschützte Natur handelt. Geschützt, weil es eben ein besonderes Stück Natur ist.

        Wirtschaftswald ist nötig, gibt es, muß und darf aber nicht der eben besondere Auwald sein.

        Die politische Verlogenheit von Bürgermeister, Verwaltung, Forst und „Wissenschaftlern“ ist einfach nur erbärmlich.

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