Ökolöwe zur Zukunft des Auenwaldes: Die Leipziger Aue braucht exklusiven Schutz

Für alle LeserIn Deutschland sind 63 Prozent der zu schützenden Arten in einem ungünstigen Erhaltungszustand. 69 Prozent der geschützten Biotope sind in einem schlechten Zustand. Zu diesen ernüchternden Ergebnissen kommt der Bericht „Lage der Natur Deutschlands“, den das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) Mitte Mai veröffentlicht hat. Das betrifft auch den Leipziger Auenwald, zu dem der Stadtrat am 20. Mai endlich einen grundlegenden Beschluss gefasst hat.
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Der Bericht des Bundesumweltministeriums macht deutlich: Für den Erhalt der Artenvielfalt müssen Lebensräume entwickelt, wiederhergestellt und vernetzt werden, denn die Hälfte der geschützten Lebensräume zeigen einen negativen Entwicklungstrend. So ist unter anderem die Renaturierung von Flüssen eine wichtige Maßnahme für den Artenschutz. Doch gerade Binnengewässer haben in Deutschland einen überdurchschnittlich schlechten Erhaltungszustand. Und das Flussgebiet der Weißen Elster mit dem schwer gezeichneten Auenwald gehört dazu.

„Auch vor unserer Tür sieht es nicht anders aus“, stellt der Ökolöwe fest. „Die Leipziger Auenlandschaft war einmal ein weit verzweigtes Netz aus Fließ- und Stillgewässern, wo Flüsse natürlich mäandrierten und von Kies- und Schlammbänken sowie Abbruchkanten begleitet wurden. Ausgedehnte Auenwälder und Auenwiesen wechselten sich mit Sümpfen, Bächen und Tümpeln ab. Ein optimaler und vielfältig strukturierter Lebensraum für sehr viele Tier- und Pflanzenarten!“

Doch gerade im letzten Jahrhundert wurden Leipzigs Flüsse überwiegend begradigt und eingedeicht. Zusammen mit dem niedrigen Grundwasserspiegel als Folge des Braunkohletagebaus fehlen seither die dynamischen Wasserstände und die Auenlandschaft trocknet aus. Dadurch geht wertvoller Lebensraum verloren und die auwaldtypischen Tier- und Pflanzenarten sterben aus.

Abgedeichte Elsteraue mit Luppehochwasser. Foto: Ralf Julke

Abgedeichte Elsteraue mit Luppehochwasser. Foto: Ralf Julke

Hoffnungsschimmer für den Ökolöwen: Für ein Pilotprojekt im südlichen Auwald wird seit 27 Jahren regelmäßig eine fünf Hektar große Fläche geflutet, wodurch sich die Artengemeinschaft in diesem Gebiet erfolgreich stabilisiert. Der Auwald bekommt hier also wenigstens Wasser, auch wenn das beteiligte Amt für Umweltschutz auch selbstkritisch feststellt, dass man eine Flutung hier nur simuliert – tatsächlich steht das Wasser ja über Wochen, was mit natürlichen Über- bzw. Durchflutungen (etwa nach einer Schneeschmelze) nicht identisch ist.

Um die seltene Auenlandschaft und ihre Tier- und Pflanzenarten zu retten, ist es eigentlich seit Jahren das oberste Ziel, die Leipziger Auenlandschaft wieder zu revitalisieren und somit das Artensterben zu stoppen. Denn eine intakte Aue ist und bleibt der beste Arten- und Biotopschutz.

Die Schaffung des Projekts „Lebendige Luppe“ war 2011 ein erster Schritt, überhaupt wieder eine Wiedervernässung der Nord-West-Aue anzupacken. Mit dem erhellenden Ergebnis, dass das mit der aktuellen Verdeichung und Verbauung der Aue nicht funktioniert. Deswegen wird jetzt tatsächlich endlich an einer Vision gearbeitet, wie die Aue wieder für das natürliche Flussregime geöffnet werden kann.

Paußnitzflutung im Leipziger Ratsholz. Foto: Ralf Julke

Dafür hat der Leipziger Stadtrat in der Ratsversammlung am 20. Mai auf Initiative von Bündnis 90/Die Grünen die Erstellung eines Entwicklungskonzeptes für die gesamte Leipziger Auenlandschaft auf den Weg gebracht. So wird zunächst die Revitalisierung für die Nord-West-Aue und anschließend für den südlichen Auwald erarbeitet.

„Dank der Fraktionen Die Linke und SPD müssen zudem alle Projekte, die der Revitalisierung im Weg stehen, abgeändert werden. Jetzt ist endlich nach langem Drängen ein großer und wichtiger Schritt gelungen“, kommentiert der Ökolöwe die Entscheidung.

„Denn in der Leipziger Aue ist Naturschutz für uns Ökolöwen unverhandelbar. Dies gilt es im Naturschutzleitbild klarzustellen, an dem alle Projekte und Pläne rund um die Leipziger Aue auszurichten sind. Es ist die essentielle naturschutzfachliche Grundlage für die Entwicklung der Leipziger Auenlandschaft und somit auch für das beschlossene Auwaldentwicklungskonzept. Nur durch das Naturschutzleitbild wird erst ersichtlich, welche Maßnahmen für den Biotop- und Artenschutz erforderlich und welche Konzepte und Projekte sinnvoll sind, um die Auenlandschaft und seine exklusiven Tier- und Pflanzengemeinschaften zu retten.“

Bislang berief sich die Stadt immer auf den Managementplan für das FFH-Gebiet Leipziger Auensystem. Doch der genügt nicht ansatzweise, um das eigentliche Ziel – nämlich das bedrohte Biotop wieder in einen guten Zustand zu versetzen – zu erreichen.

Der Ökolöwe zählt auf, was es zum Schutz der Leipziger Aue braucht. Was ja auch über die Diskussionen zum Leipziger Forstwirtschaftsplan deutlich geworden ist, der 2019 erstmals mit Naturschutzauflagen beschlossen wurde:

– Für den Erhalt und die natürliche Ausprägung des Auwaldes ist die Wiedervernässung und eine darauf abgestimmte Forstwirtschaft mit Naturschutzauflagen erforderlich.

– Für die geschützten Auenwiesen und ihre spezialisierten Pflanzen- und Artengemeinschaften muss naturschutzfachliche Pflege sichergestellt werden.

– Natursensible Erholung ja, aber kein Massentourismus im Auwald! Wir Ökolöwen fordern keine Motorboote auf Flüssen und Seen im Schutzgebiet. Pläne, die nicht im Sinne des Arten- und Naturschutzes sind, müssen sofort gestoppt werden.

Der Stadtrat tagt: Leipzig soll ein Entwicklungskonzept für den Auwald erhalten + Video

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