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Ludwigstraße 71: Eine Demo nach der Besetzung + Videos

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    Knapp eineinhalb Wochen lang hatte das Haus Nummer 71 in der Ludwigstraße wieder ein paar Bewohner. Bewohner, nicht Mieter, ob wohl sie das wohl gern geworden wären. Am 2. September etwa 6 Uhr erfolgte die Räumung des besetzten Hauses durch die Leipziger Polizei. Mit Motorsägen, wie die kurzzeitigen Bewohner heute in einer Stellungnahme berichten, doch ohne jemanden in der Immobilie anzutreffen. Zudem wurde der mutmaßliche Besitzer des Hauses bekannt und sein Schweigen hält an, Konzepte waren mit ihm nicht zu machen.

    0:50 Uhr: Schlussbilder

    Es kehrt langsam Ruhe ein im Leipziger Osten. Auch für die Anwohner entspannt sich die Lage – der Polizeihubschrauber ist abgezogen worden und wird nicht die ganze Nacht über dem Viertel kreisen. Eine offizielle Pressemitteilung zum Einsatz hat die Leipziger Polizei noch nicht versandt. Laut L-IZ.de-Informationen soll eine Neubesetzung der Ludwigstraße 71 durch Beamte verhindert worden sein – noch ist hierzu jedoch die Faktenlage zu dünn.

    Im Zuge des Abends hat es Ingewahrsamnahmen durch die Polizei gegeben, wie viele ist noch unbekannt. Gegen 2 Uhr meldete der Twitteraccount „LeipzigBesetzen“, dass sich noch einige Demonstranten vor dem Polizeipräsidium an der Dimitroffstraße befinden sollen, um Solidarität mit den Verhafteten zu zeigen.

    Ersten Informationen nach soll es sich um 11 Personen handeln, welche die Polizei in Gewahrsam genommen hat. Nachträglich ist nun von 16 Personen die Rede, die ersten werden mittlerweile wieder von der Polizei entlassen.

    Deshalb für heute zwei Schlussbilder und das Ende des Liveberichtes. Wir sind seit 1 Uhr nicht mehr vor Ort.

    0:40 Uhr: Die Feuerwehr löscht den Rest der Barrikade

    Video: L-IZ.de

    Kurz vor 0 Uhr

    Beamte treffen ein – ohne Wasserwerfer – und mehrere Einsatzfahrzeuge „zerfahren“ die Glimmende Barrikade in der Ludwigstraße. Vereinzelt werden Gruppen angesprochen, die Beamten filmen die Umstehenden ab.

    23:45 Uhr: An der Ecke Ludwigstraße/Hermann Liebmann

    Wasserwerfer haben (bereits vor Stunden, d. Red.) am Rabet Stellung bezogen, denn als sich die Polizei zurückzog, wurde in der Ludwigstraße eine Barrikade errichtet und entzündet.

    Video: L-IZ.de

    Impressionen von der Ludwigstraße vor o Uhr

    23:20 Uhr

    Es gibt Gerangel um die Ludwigstraße. Vor Ort geht das Gerücht, dass einige versuchen, das Haus erneut zu besetzen. Beamte haben sich an der „Luwi71“ postiert und werden verbal attackiert. „Die Häuser denen, die drin wohnen“ wird gerufen. Die Beamten setzen mindestens einmal kleine Kartuschen mit Tränengas ein.

    Video: L-IZ.de

    Video: L-IZ.de

    23:00 Uhr

    Seit einer halben Stunde stehen sich immer weniger werdende Demonstranten und Anwohner sowie die Polizei an der Kreuzung Eisenbahnstraße und Hermann-Liebmann-Straße gegenüber. Ab und zu fliegen Böller, doch die Straßen sind weitgehend frei. Im Einsatz dürften sich ca. 100 Beamte befinden, die Lage ist weitgehend entspannt.

    An der Eisenbahnstraße gegen 23 Uhr am 3. September 2020 (falsches Datum im Video)

    Video: L-IZ.de

    22:40 Uhr

    Video: L-IZ.de

    22:15 Uhr: Katz-und-Maus-Spiel nach aufgelöster Demo

    Kurz nach 21 Uhr ist die Demonstration mit etwa 500 bis 600 Teilnehmenden am Rabet gestartet. Nachdem die Demonstrierenden über die Eisenbahnstraße gelaufen waren, trafen sie an der Kreuzung Mariennenstraße/Hildegardstraße auf die Polizei. Diese versuchte es gar nicht erst mit einer Kontaktaufnahme, sondern wollte die Demo offenbar sofort auflösen. Zuvor war Pyrotechnik abgebrannt worden. Es gab mindestens eine versuchte Verhaftung.

    Die Polizei wurde daraufhin mit Stühlen vom Freisitz und anderen Gegenständen beworfen. Zudem wurden Mülltonnen auf die Straße geschoben; offenbar, um Barrikaden zu bauen. Danach hat sich alles schnell zerstreut. Nun streifen einige Kleingruppen durch das Viertel; die Polizei sucht diese – ein Katz-und-Maus-Spiel. Beschädigungen an Autos oder Geschäften waren für uns bisher nicht zu beobachten.

    Die nachfolgenden Videos zeigen den Verlauf an der Mariannen-/Ecke Hildegardstraße chronologisch von oben nach unten

    Video: L-IZ.de

    Video: L-IZ.de

    Video: L-IZ.de

    Video: L-IZ.de

    Video: L-IZ.de

    Die Vorgeschichte zur Demo

    Den Hergang ihrer Verhandlungsbemühungen schildern die ehemaligen Besetzer der Ludwigstraße heute noch einmal chronologisch. In einer Pressemitteilung heißt es zu dem Zeitpunkt, als ihnen klar wurde, dass es keine Lösungen geben würde: „Am Dienstag, den 25.08.2020, besuchte uns der Leiter des Amts für Wohnbau und Stadterneuerung und teilte uns stellvertretend mit, dass der Eigentümer die Gespräche am Mittwoch (3. September 2020, d. Red.) nicht länger führen und weiter anonym bleiben will.“

    Die Kommunikation zum Eigentümer könne allerdings über das Amt laufen. Und dann wird es interessant, denn, so laut der Besetzer/-innen: „Der Amtsleiter informierte uns außerdem, dass der Eigentümer fragt, ob wir das Haus kaufen oder mieten könnten. Wir haben keine der Optionen abgelehnt, sondern unser Interesse bekundet, nach einer konkreten Summe gefragt und als weitere Alternative angeboten, dass wir uns auch einen Wächterhausstatus vorstellen könnten. Dies zeigt, dass wir konkrete finanzielle Abmachungen mit dem Eigentümer eingehen wollten, wodurch erneut unser Bemühen um Verhandlungen zur Legalisierung des Hausprojekts deutlich wurde. Des Weiteren haben wir einen Brief an den Eigentümer verfasst, welchen wir auch veröffentlichten.“

    Die Antwort zu ihrer Ideen erhielten die jungen Menschen dann aus einer Zeitung, welche sie eher mutmaßlich sonst weniger lesen – in einem Interview mit der BILD am 28. August schilderte der Besitzer des Hauses, Udo H., seine Nöte, ohne weiter auf die Ideen der Briefschreiber einzugehen. Der Titel des Beitrages sagt hier bereits einiges aus: „Gebäude in Leipzig besetzt – Chaoten lassen mich nicht in mein Haus“.

    Versucht haben dürfte er es nicht, zumindest ist davon nichts bekannt. Kaya von LeipzigBesetzen dazu: „Es gab im Zuge dieses Akts des zivilen Ungehorsams von unserer Seite keinerlei Eskalation – eher im Gegenteil, symbolisiert durch eine erste Nachbar/-innenversammlung am Sonntag, den 23.08.2020 und eine zweite, die für Mittwoch, den 02.09.2020, um 19:00 angesetzt war.“

    Umso mehr zeigte Udo H. Interesse daran, dass seine Eigentümerschaft am Haus nicht bekannt würde, zu den Versammlungen kam er nicht – man hätte ihn sicher hereingelassen. Auch auf Fragen der L-IZ.de hat er nicht reagiert, obwohl es sicher scheint, dass alle Angaben zu ihm stimmig sind.

    Eine Demo als Finale

    Geändert hat sich also für die „Luwi71“ nichts, die Polizei hat nun Bretter an allen vom Boden erreichbaren Stellen angebracht, sozusagen Udo H.´s Haus für ihn gesichert. Auch für die Besetzer/-innen geht das Kapitel letztlich ergebnislos vorüber, bei der polizeilichen Maßnahme wurde niemand im Haus angetroffen – der Nachweis, wer die Besetzer/-innen gewesen sind, dürfte schwer werden. Aber das Thema ist wieder in aller Munde: wie wird es mit der Mieten-, Wohn- und Baupolitik in Leipzig weitergehen? Und wo endet bei einem seit 20 Jahren leerstehenden Haus der Immobilienbesitz zum Wohnungsangebot und beginnt ein spekulativer Umgang damit?

    Heute, am 3. September 2020 wird es nunmehr einen vorläufigen Abschlusspunkt geben. Ab 21 Uhr versammeln sich Unterstützer und Aktivisten zu einer Demonstration am Rabet, Eisenbahnstraße.

    Ludwigstraße 71: Räumung am Morgen, eine Demo und unbeantwortete Fragen

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