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Im Kickerlingsberg wurden die Radstreifen entfernt, um Platz für Schrägparker zu gewinnen

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    Im November erregte ein seltsamer Vorgang die Gemüter der Radfahrer/-innen in Gohlis. Denn im Kickerlingsberg wurden die alten Radfahrstreifen – die größtenteils schon völlig heruntergefahren waren – entfernt. Aber statt sie durch neue zu ersetzen, ordnete das Leipziger Verkehrs- und Tiefbauamt auf der zum Zoo gelegenen Straßenseite schräg gestellte Stellplätze an. Aus einer einst breiten Straße wurde so eine schmale Gasse – ohne Radwege.

    Und auch eine Einwohneranfrage ans Verkehrs- und Tiefbauamt brachte keine Aufklärung. Am 3. Dezember hat sich auch der Stadtbezirksbeirat Nord mit der Frage beschäftigt. Denn es ist völlig unklar, auf welcher Basis diese radikale Verschlechterung für den Radverkehr in der Straße erfolgte, in der etliche Anwohner ihr Leben mit den Automarken Porsche, BMW und Mercedes verbringen.

    2011 war hier schon ein geregeltes Anwohnerparken eingeführt worden, um dem Parkwildwuchs im Umfeld des Leipziger Zoos Einhalt zu gebieten. Doch im Corona-Jahr 2020 ist endgültig klar, dass es eher selten die mit Auto anreisenden Zoobesucher sind, die für Parkchaos sorgen, sondern die Anwohner selbst, die auch dann nicht auf den Autokauf verzichten, wenn es im Innenhof keinen Stellplatz gibt und die Straße längst vollgeparkt ist.

    Tagsüber kann man zwar mit Parkschein auch hier parken. Aber wie in allen innerstädtischen Wohnquartieren fangen die Probleme in der Regel erst nach Feierabend an. Die Anwohner können hier mit Anwohnerparkschein kostenlos parken. Aber augenscheinlich beantragen mehr Autobesitzer/-innen einen solchen Parkschein, als im Kickerlingsberg Fahrzeuge Platz finden. Und das in einer Straße, die eigentlich von Villen und freistehenden Mehrfamilienhäusern dominiert ist.

    Nachdem fast die halbe Straße nun für schräg gestellte Stellplätze geopfert wurde, ist ganz augenscheinlich kein Platz mehr für Radstreifen. Dazu ist der verbleibende Straßenraum einfach zu schmal geworden.

    Und es wird ganz bestimmt interessant, wie Leipzigs Verkehrsdezernat die deutliche Verschlechterung zuungunsten der Radfahrer/-innen in der Ratsversammlung begründen wird. Denn der Stadtrat der Linksfraktion Steffen Wehmann hat den Vorgang zum Inhalt einer Stadtratsanfrage gemacht. In der Ratsversammlung am 16. Dezember möchte er sie beantwortet bekommen. Die findet ganz zufällig ganz in der Nähe statt, in der Kongresshalle an der Pfaffendorfer Straße.

    „In den letzten Wochen wurde die Parkanordnung für PKW durch die Stadt Leipzig im Bereich des Kickerlingsbergs geändert“, stellt Steffen Wehmann in seiner Anfrage fest. „Statt des Parkens parallel zum Fußweg (Bordsteinkante) wird nun schräg vom Fußweg in Richtung Straßenmitte die Parkanordnung gewählt. Dies führte zu einem Wegfall des Fahrradstreifens auf beiden Seiten sowie zu einer Fahrbahneinengung.“

    Und so möchte er ganz konkret beantwortet haben: „Aus welchem Grund wurde auf die beidseitigen Fahrspuren für Radfahrer verzichtet? Welche Auswirkungen hat die neue Parkanordnung in Verbindung mit den fehlenden Fahrradspuren auf die Verkehrssicherheit in diesem Abschnitt? Wie sind diese Entscheidungen mit dem beschlossenen Nachhaltigkeitsszenario vereinbar?“

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    4 KOMMENTARE

    1. Natürlich kann man auch über die Gohliser Straße mit dem Rad fahren *knurr*.
      Ansonsten geht’s nicht um Ideologie, sondern dass hier einfach ein Radweg kommentarlos entfernt wurde.
      Und wer schon mal an schräg geparkten Autos vorbeigefahren ist, ständig bremsbereit auf weiße Rückfahrscheinwerfer zu achten (ob nun mit oder ohne Brille), schwierig.
      Ansonsten hätte es für einen vernünftigen Radweg keines grundhaften Ausbaues bedurft.
      Und Autos werden mit mehr Parkplätzen nicht weniger sondern mehr. Das mag jetzt ideologisch bedingt sein, aber wohl eher der eigenen Faulheit bzw. dem eigenen Egoismus geschuldet. Also als Kind konnte ich noch gefahrlos auf der Straße spielen ^^

    2. Der Straßenbelag ist dort wunderbar zum Radfahren, habe dort selten jemanden mit Rad gesehen. Nach grundhaften Ausbau der Straße lohnt sich ein Radstreifen. Aber wer soll auf diesem Kopfsteinpflaster fahren. Macht niemand und deshalb vernünftig die Parksituation zu entspannen. Hin und wieder die ideologische Brille abzusetzen tut ganz gut.

    3. Nun, da hängt wohl wieder mal alles mit allem zusammen. Wenn der Dienstwagen dem Arbeitgeber als preiswerte Lohnersatzleistung dient und der „Arbeiter“ über dieses „Familienauto“, die Diesel-/Bezinkosten abrechnen kann, dann braucht’s für die kurzen Fahrten noch einen „kleinen“ Zweitwagen.
      Und dann auch 2 Parkplätze pro Wohnung.
      Wenn dann noch die Stadtteile, die irgendwann mal von der sozialen und demografischen Zusammensetzung her sowas wie kleine Dörfer waren, „entmischt“ werden,
      wird’s nicht nur sozial eng.
      Die Sanierungen der 90er haben bestehende Gemeinschaften das erste Mal umgekrempelt, also Wegzug Jüngerer der Arbeit hinterher und Umzug Älterer in kleinere, unsanierte Wohnungen mit „Luxus“-Gasheizung in Gegenden ohne vorherigen Lebensbezug.
      Dann kam das Arbeitsamt/Jobcenter/Sozialamt mit angemessenen Kosten und damit nochmal Aussortierung.
      Da bleiben dann in den sanierten und mietteuren Vierteln halt nur „Autos“ als soziale Wahrnehmung in den öffentlichen Beziehungen übrig.
      Wenn man dann als Anwohner, der noch eher sozial durchmischten Viertel, mit dem Rad da durchfahren will.. ist das dann wohl eher nicht das Hauptanliegen der „neuen“ Bewohner.
      Außerdem bezahlen die ja viel mehr Steuern, naja, außer für „ihren Diesel“ + Zweitwagen und deren Schadstoff-Ausstoß.

    4. Tja, so ist das halt in der autogerechten Stadt. Da sind Fußgänger und Radfahrer nur Menschen zweiter Klasse. Und gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer schon mal garnicht. Und Klimanotstand heißt für unsere Politik und Verwaltung, daß die Klimaanlage im Auto spinnt.

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