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Festgelände am Cottaweg: Runder Tisch soll jetzt eine neue Heimat für die Leipziger Kleinmesse suchen

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    Es war wieder so eine wundersame Kai-aus-der-Kiste-Nummer, die im Oktober die CDU-Fraktion aufschreckte. Irgendwer in der Leipziger Verwaltung hatte quasi über die Sommerferien entschieden, dass die traditionsreiche Leipziger Kleinmesse ihren Festplatz am Cottaweg verlieren soll, damit RB Leipzig mehr Platz für sein Trainingsgelände bekommt. Noch im Mai hatte dieselbe Verwaltung behauptet: Da passiert nichts.

    Denn Gerüchte waberten vorher schon, eifrig unterstützt von einer fußballbegeisterten Zeitung, die alles dafür tun würde, die Berichterstattung über den Fußballbundesligisten ganz exklusiv betreiben zu können. Also gingen auch schon mal die Testballons hoch, wie Stadtgesellschaft und Verwaltung reagieren würden, wenn der Club auch noch den Rest des Festgeländes bekäme.Einen solchen konzertierten Vorstoß gab es übrigens 2015 schon einmal.

    Was im April die AfD-Fraktion dazu bewegte nachzufragen, ob da was dran ist mit der Vergrößerung des Parkplatzes und dem Federstrich für die Kleinmesse.

    Auf die Frage „Hat die Stadtverwaltung tatsächlich die Absicht, die Durchführung von Kleinmessen und anderen öffentlichen Veranstaltungen auf dem Gelände des Kleinmesseplatzes am Cottaweg zukünftig zu verhindern bzw. wesentlich einzuschränken?“ antwortete im Mai das Kulturdezernat denkbar knapp: „Es ist nicht beabsichtigt, die bisherige Zusammenarbeit zu ändern.“

    Aber als nun im Oktober die CDU-Fraktion nachfragte, klang das schon ganz anders. Irgendjemand hatte da über den Sommer augenscheinlich schon einmal Nägel mit Köpfen gemacht.

    Jetzt fielen die Antworten schon deutlich länger aus. „Mit ihrer weit über 100-jährigen Geschichte ist die Leipziger Kleinmesse eine städtische Institution und das Festgelände am Cottaweg Anlaufpunkt für die Leipziger, ganz gleich ob Jung oder Alt. Durch die Weiterentwicklung des Trainingszentrums am Cottaweg wird für die Schausteller nunmehr aber ein neuer Standort benötigt“, teilt jetzt das Kulturdezernat auf die Nachfrage mit, was denn nun aus der Kleinmesse werden solle.

    „Für die Schausteller ist es dabei insbesondere wichtig, über einen Veranstaltungsort zu verfügen, der den Ausrichtern dauerhafte Heimstatt bietet, dabei eine verkehrsgünstige Lage und eine den Anforderungen entsprechende Größe aufweist als auch mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Ausrichter vereinbar ist.“

    Augenscheinlich hat da also die Verwaltung mit den Schaustellern schon gesprochen. Auch wenn man noch nicht weiß, welcher neue Platz dafür zur Verfügung stehen könnte. Das soll nun ein Runder Tisch klären, erklärt das Kulturdezernat.

    „Mit der Einberufung eines Runden Tisches zur Sicherung der Zukunft der Leipziger Kleinmesse verpflichtet sich die Stadtverwaltung, die Tradition der Kleinmesse in Leipzig zu bewahren und eine Perspektive für die Zukunft aufzuzeigen. Um den Stellenwert der Schausteller zu unterstreichen, beruft der Oberbürgermeister den Runden Tisch persönlich ein“, heißt es in der Stellungnahme des Dezernats.

    „In die Einberufung eines Runden Tisches zur Zukunft der Leipziger Kleinmesse ist das Marktamt einzubinden. Die Koordination des Runden Tisches obliegt dem Dezernat Kultur. Das Marktamt betreibt seit 30 Jahren den Festplatz Cottaweg und war federführend für die grundlegende Sanierung 2007–2010. Es ist Ansprechpartner für den Leipziger Schaustellerverein e. V. für die jährlich stattfindenden Kleinmessen und bietet gern seine Beteiligung am Runden Tisch an.“

    Einen Effekt hatte dieses Vorgehen übrigens schon, bei dem der Stadtrat bislang überhaupt noch nicht eingebunden wurde: Auch die Umweltverbände werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Und das, obwohl das Gelände eigentlich direkt ans Leipziger Auensystem anschließt.

    Der Ökolöwe wurde jetzt aufgeschreckt und der fordert nun: „Kommt es tatsächlich zu einem Umzug der Kleinmesse, haben wir Ökolöwen eine klare Forderung an die Stadt Leipzig: Auf der ehemaligen Fläche der Kleinmesse ist ein Wald zu pflanzen, denn nur so lässt sich die riesige Lücke im Auwald-Gürtel vor den Toren Lindenaus schließen!“

    Das wäre dann tatsächlich einmal eine große und wirksame Ausgleichsmaßnahme für die massiven Verluste an grünen Lebensräumen in Leipzig. Aber wenn man sich die „Zielrose“ mit den Nachhaltigkeitszielen der Stadt anschaut, ist das Feld „Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität“ nicht angekreuzt, dafür ein neues eingefügt worden: „Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraumangebote“.

    Ob sich das nun auf die Kleinmesse bezieht oder auf den Fußballclub, ist freilich nicht genauer angegeben.

    Und was das neue Prüffeld „Klimawirkung“ betrifft, hat ein fleißiger Sachbearbeiter einfach das Feld „Vorlage hat keine abschätzbare Klimawirkung“ angekreuzt. So einfach kann man sich das machen, um sich die leidige Klimadiskussion vom Hals zu schaffen.

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    9 KOMMENTARE

    1. Ganz klar, das kann nur die Festwiese mit den Flächen ()direkt an der Jahnallee) davor sein die entsprechend zu ertüchtigen ist. Zum einen hat dort vor mehr als 100 Jahren die Kleinmesse das erste Mal so richtig stattgefunden bis die Nazis diese Fläche als Aufmarschfläche nutzten (schon deshalb gehört m.E. die Kleinmesse wieder dorthin) und zum anderen ist das ein allzu fairer Ausgleich von RB Leipzig die ja ih gewiisermaßen ihr Traininggelände auf Kosten der Kleinmesse ausweiten wollen.
      Dieser Festplatz ist super angebunden an den ÖPNV und hat auch mit dem Parkplatz an der Arena genügend Stellplätze …

    2. @André
      Volle Zustimmung.

      Es ist wie an mehreren Stellen in Leipzig. Und unsere Mitbürger in den westlichen Bundesländern wären da sicher aufgrund ihrer Erfahrung vorsichtiger und schlauer gewesen, als z.B. Leipzig / Sachsen den Stadtflughafen so gepuscht und die Bürger vor Ort belogen hat. Wieso entwickelt man denn einen solchen Flugplatz so nah an einer Großstadt?
      Oder hier in diesem Fall RB; so schön das ist und stolz man sein kann – aber müssen Trainingsflächen im Stadtzentrum (das Kerngebiet für die Bürger) liegen? Muss man mit der Jugendförderungs- und Sportkeule nun die Öffentlichkeit erpressen und Vergrößerung einfordern? Man stelle fest: hier agieren zuvorderst privatwirtschaftliche Interessen, hier arbeitet kein ehrenamtlicher Verein!

      Ja, auf der Kleinmesse kann man auch etwas kaufen, aber hier geht es um lang gewachsene und ansässige Institutionen, die man nicht wie eine Autofabrik an den Rand abschieben kann, darf und sollte.

      Hier werden Prioritäten falsch gesetzt und das Wohl der Allgemeinheit aufgrund privater Interessen eingeschränkt. Moderne Raubritterei, nett verpackt.

      Im Übrigen sehe ich bei den neu zu bebauenden Flächen am Leuschnerplatz ebenso „Ausmistpotential“. Müssen Amts- und Forschungsflächen direkt in die Innenstadt? Nein! Diese ist für die Bürger da, und sollte es auch bleiben.

    3. Ich finde es einen Skandal, dass die Kleinmesse irgendwo in die Pampa abgeschoben werden soll, nur um dem Fußball zu weichen.
      Wo soll denn alternativ ein von allen Leipzigern verkehrsgünstig erreichbares und ausreichend großes Gelände liegen, was dauerhaft zur Verfügung stünde?
      Zentral gibt es da nichts, was mir einfallen würde.

      Fußball ist nicht alles und erst recht sollte sich nicht alles dem Fußball unterordnen.

      So sehr ich RB auch den sportlichen Erfolg gönne, aber an der Stelle bin ich absolut gegen die Pläne.

    4. Interessant zu lesen, dass der Ökolöwe „jetzt ganz neu“ die Wiederbewaldung des Kleinmessegeländes fordert (die alte BUND-Idee, wie es auch J. schreibt), wobei sich der Ökolöwe doch bisher dadurch „ausgezeichnet“ hat, Abholzungspläne des städtischen Forstamtes im Auwald zu unterstützen (darüber habe ich schon häufig kommentiert).
      Prinzipiell natürlich angesichts des Auwaldnadelörs eine gute Idee (ich meine die Bewaldung), aber hat der Ökolöwe überhaupt verstanden, worum es geht? RB (der vor ca. 10 Jahren schon am Auwald herumknabbern durfte) will die Fläche für sich haben – da kann die Coronakrise sicherlich gut genutzt werden („Brot und Spiele“ von den Großkonzernen für die Bürger…) – und die Kleinmesse soll woanders hin. Kapitalträchtige Unternehmen wie RB, Porsche oder BMW erreichen in der Stadt immer das, was sie wollen. Ein Platz für das „normale“ Bürgervergnügen mit Kirmes, Flohmarkt usw. ist da nicht so wichtig (da steckt auch kein Großkonzern dahinter, sonst wäre das natürlich anders).
      Und eine neue Kleinmesse braucht viel Platz. Und dort werden dann bestimmt wieder einige „Bäume“ stören. So wie auf dem Leuschnerplatz. Übrigens, wo war eigentlich der Ökolöwe bei den Mahnwachen des NaBu, irgendwie wurden die nicht gesichtet…

    5. @Hearsdt. Runder Tisch, äh- darum gehts doch gerade. Und die Meisten haben den Kapitalismus noch nicht verstanden: Fußball bringt Geld, Natur nicht. Interessant wird es erst, wenn wir merken, dass man Geld nicht atmen, essen oder trinken kann… Aber das betrifft dann unsere Enkel und das ist den Spitzen der heutigen Stadtverwaltung vollkommen Rille. Außerdem braucht das Volk Brot und Spiele oder zumindest die Hoffnung darauf, damit es stille bleibt, wenn die nächsten Restruktionen und die große Insolvenzenwelle kommen.

    6. Mit der Kleinmesse verliert Leipzig weiter an Attraktivität, zumindest für die Nicht Soli Zahler.
      Einen passenden Ersatz wird es nicht geben.

      Wie wäre es mit einem Runden Tisch zur Sicherung der Zukunft und Weiterentwicklung des Trainingszentrums bei der sich die Stadtverwaltung verpflichtet, die Tradition des Trainingszentrums zu Leipzig zu bewahren und eine Perspektive für die Zukunft aufzuzeigen? Entscheidend wäre es eine dauerhafte Heimstatt zu bieten und eine den Anforderungen entsprechende Größe die auch mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der GmbH vereinbar ist. Um den Stellenwert der GmbH zu unterstreichen könnte der Oberbürgermeister den Runden Tisch persönlich einberufen und von irgendjemand durchführen lassen.

      Verhindern kann das letztlich nur ein gut besoldeter Naturschutzverband via Rechtsweg.

      Wie am Cottaweg ein Wald entstehen soll der nicht gleich wieder platt gewalzt wird ist mir ebenfalls schleierhaft.

    7. Erinnern wir uns. 2011 muss es gewesen sein, da gab es die Diskussion schon mal. Damals ging es um den Bau des Trainingszentrums am Cottaweg. Auch damals gab es Protest seitens der Natur- und Umweltschutzverbände, weil allen klar war, dass diese Stelle als Grünkorridor eine sehr wichtige ist im FFH-Gebiet – und leider sehr schmal. Manche sagten damals, man sollte dort kein Trainingszentrum hinbauen, sondern statt dessen der Natur an diesem neuralgischen Punkt mehr Platz bieten. Aber letztlich kam nur ein windelweicher Kompromiss raus, dass es irgendwo in der Nähe dann Ausgleichsmaßnahmen gäbe. Keine Ahnung, wo genau nun diese Ausgleichsflächen liegen und ob sie diese Nadelöhrsituation verbessert haben. Laut Luftbild hat sich da in der Ecke nichts zugunsten der Natur getan in größerem Maßstab. Allerdings war damals schon absehbar, dass RB irgendwann wachsen wird und dass die nicht zufrieden sein werden mit dem, was sie damals bekommen haben. Ich hab das auch damals schon nicht verstanden, wieso die Natur- und Umweltschutzvereine sich so haben abspeisen lassen, wo es doch klar wie Kloßbrühe war, dass RB mit Sicherheit noch mehr Platz dort für sich beanspruchen wird. Und ob die aktuelle Forderung des Ökolöwen, die eigentlich eine Forderung des BUND von 2011 ist, nun daran was ändern wird? Da wird sicher wieder ein windelweicher Kompromiss geschlossen zu Ungunsten der Natur, der nett auf dem Papier klingt, aber das Nadelöhr nicht verbreitert und auch sonst nichts ändert. Ich weiß, ich bin pessimistisch, aber hier geht es um Fußball und Prestige und jede Menge Geld. RB Leipzig hatte 2019 einen Umsatz von 268 Millionen Euro, wenn die die Innenstadt abreißen wollen würden, um sich da einen Fußballplatz hinzubauen, gäbe es mit Sicherheit auch noch so manche Politiker, welche der Abrißbirne auch noch einen roten Teppich ausrollen würden. Irgendeine gewisse Natur hat da ganz schlechte Karten, muss man mal realistisch sagen. Und wer weiß, welche Fläche dann RB in wieder 10 Jahren bekommt…vielleicht beanspruchen sie dann ja den Palmengarten oder das Leutzscher Holz – wundern tut mich nichts mehr.

    8. Hallo Frank, es würde schon mal gut tun, die vorhandenen Bäume im Auwald stehen zu lassen anstatt sie umzulegen…..
      Was so alles im Windschatten von Corona über die demokratischen Tische geschoben wird (oder auch darunter rutscht)! Dieser Wunsch von RB ist uralt, genauso wie die informelle Zusage eines Repräsentanten der Stadt, diesen Wunsch zu erfüllen. und alles ist schon lange irgendwie Thema. Wieso da jetzt jähes Erschrecken aufkommt, darüber kann man sich nur wundern.

    9. Auch wenn es verrückt klingt, jeder der kann sollte sich stark machen für die Anpflanzung von Wald um das Auewald-System zu stärken. Denn warum sollte ausgerechnet „Fußball“ für Wenige wertvoller sein als Natur für Alle.

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