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Wald für Leipzig: Was wird aus der Nordwestaue und was aus dem Auen-Nadelöhr am Cottaweg?

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    6,4 Prozent des Leipziger Stadtgebietes sind offiziell Waldfläche. Eigentlich sollen es 10 Prozent werden, aber die Stadt tut sich schwer, entsprechende Freiflächen zu finden, Und in der Nordwestaue, wo Platz wäre, sollen Feuchtwiesen entstehen. Auch die fehlen ja im Leipziger Auengebiet. Angefragt hatte die Grünen-Fraktion, der nicht wirklich ersichtlich war, was die Stadt denn nun wirklich tut, um die Waldfläche im Stadtgebiet zu mehren.

    Aber man tut sich schwer damit, antwortet das Amt für Stadtgrün und Gewässer. Denn natürlich ist jeder freie Platz im Stadtgebiet hochbegehrt. Und auch die landwirtschaftlichen Flächen stehen dafür nicht zur Verfügung. Denn auch hier hat der Stadtrat ja beschlossen, dass eine Umwandlung in Wald nicht infrage kommt.Und erstmals verrät das Amt für Stadtgrün und Gewässer auch, was mit den landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Elsteraue passieren soll. Hier hatten sich die Grünen durchaus neuen Auwald vorstellen können.

    Aber historisch waren das alles mal Wiesen. „Im Zusammenhang mit der Erstellung eines Auenentwicklungskonzeptes für das Gebiet der Elster-Pleiße-Luppe-Aue wird der zukünftige Umgang mit landwirtschaftlich genutzten Flächen im Überschwemmungsgebiet beachtet. Derzeit als Ackerfläche genutzte Bereiche im FFH-Gebiet sollten nach derzeitigem Kenntnisstand prioritär in extensiv genutztes Grünland (Wiesen) überführt werden. Stromtal-Auenwiesen, Frisch-, Feucht- und Nasswiesen gehören zu einem auentypischen Mosaik von Wald und Offenland und müssen als wertvolle Auenbiotope erhalten und vor allem entwickelt werden“, erläutert das Amt für Stadtgrün und Gewässer.

    „Im Unterschied zu anderen mitteldeutschen Auen ist das Leipziger Auensystem, ausgesprochen waldreich und der Offenlandanteil ist verhältnismäßig gering.“

    Natürlich auch, weil genau hier in der Nordwestaue einmal der größte Offenlandanteil war, bevor man das Gebiet durch die Neue Luppe trockenlegte und damit erst Ackerwirtschaft möglich machte. Wichtige Offenlandbereiche waren auch einmal die Überschwemmungswiesen zwischen der Leipziger Altstadt und der Weißen Elster, die seit den Aktivitäten von Carl Heine im 19. Jahrhundert entweder großflächig aufgefüllt und bebaut wurden oder zu Parks wurden wie im Clara-Zetkin-Park.

    „Die biologische Vielfalt von Auen wird zum einen durch die Geländemorphologie und zum anderen durch kleinräumig wechselnde Standortfaktoren, bedingt durch auentypisch wechselnde Wasserstände hervorgerufen“, so das Amt für Stadtgrün und Gewässer.

    „In diesem Sinne stellt das anzustrebende Wald-Offenland-Mosaik von Auen die Lebensgrundlage für viele Arten nach FHH-Richtlinie dar und nicht sämtliche landwirtschaftlichen Flächen sollten zum Wald entwickelt werden. Vielmehr ist eine Umstellung der landwirtschaftlichen Nutzung auf auentypische, möglichst extensive Grünlandnutzung zu verfolgen.“

    Keine Lösung für die Engstelle am Cottaweg

    Aber die Grünen stellten auch noch eine knifflige Frage, die im Grunde sichtbar macht, dass die Stadtverwaltung beim Umgang mit Sportforum und Kleinmesse die naturschutzfachlichen Fragen bislang völlig ignoriert hat. Und bislang auch nicht gedenkt, das zu korrigieren.

    „Was plant die Stadt um den Biotopverbund zwischen nördlichen und südlichen Auenwald, insbesondere zwischen Hans-Driesch-Straße und Jahnallee zu stärken?“, hatten die Grünen gefragt.

    Das ist genau der Abschnitt, auf dem sich das Kleinmessegelände befindet. Und die Antwort macht deutlich, dass die Verwaltung hier noch keine Minute darauf verschwendet hat, eine Stärkung des Auenverbundes anzugehen.

    „Die genannte Engstelle im Biotopverbund zwischen dem nördlichen und südlichen Auwald ist in den übergeordneten Planwerken der Stadt Leipzig, so z. B. im Landschaftsplan und auch im Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2030 (INSEK) benannt und im letztgenannten auch mit der Zielsetzung ,Erhalt und Förderung des Zusammenhangs zwischen nördlichem und südlichem Auwald (Grünverbund Cottaweg)‘ verbunden“, gesteht das Amt für Stadtgrün und Gewässer zwar zu.

    Aber: „Eine weitere Konkretisierung hat dazu bisher nicht stattgefunden bzw. ist als Potenzialraum die Fläche zwischen dem Elsterbecken und dem Cottaweg entsprechend naturschutzrechtlich geschützt. Aktuell bereitet die Stadt Leipzig eine Stadtbiotopkartierung als Grundlage für eine zukünftig anvisierte Biotopverbundplanung vor. In diesem Kontext wird auch dieser Raum beleuchtet werden und es werden sich konkrete Handlungsansätze ergeben.“

    Die Biotopkartierung aber wird Zeit fressen, die mittlerweile von anderen genutzt wird, am Cottaweg wieder Nägel mit Köpfen zu machen, ohne dass auch nur ein Quadratmeter mehr für die Engstelle im Auensystem hergegeben wird. Und die Antwort macht eben auch deutlich, dass bislang niemand in der Verwaltung daran denkt, die Fläche der Kleinmesse mit Wald bepflanzen zu wollen.

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    1 KOMMENTAR

    1. Das wäre ja mal ein radikaler Stadtumbau, aber andersherum: Die komplette Fläche entlang des Cottawegs aufreißen und in eine laaange Wiese (in einen besonders breiten „Blühstreifen“ *grins*) umwandeln. Oder gleich einen Wald künstlich aufbauen, aber vermutlich kann Mensch das noch gar nicht richtig.

      Platz für Kleinmesse, Trainingsgelände usw. ist in Leipzig noch genug vorhanden. Allein die vielen größeren Brachflächen, die es nämlich auch gibt. (Ja, ich weiß, aus ihnen könnten auch kleine Parks entstehen.)

      Man ist bloß zu faul zum Suchen und will unbedingt am Cottaweg festhalten, obwohl die Auenwald-Lücke genau an dieser richtig falschen Stelle ist.

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