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Verkehrsdezernat lehnt Linke-Antrag ab: Am Cottaweg können wir nichts ändern

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    Das Herumgeeier um den Cottaweg und seine gefährliche Einmündung in die Jahnallee zeigt recht exemplarisch, wie schwer sich Leipzigs Verkehrsplaner tun, altes Autostraßendenken zu verlassen und wirklich moderne Lösungen für den Stadtverkehr zu finden. Die neuen Geländer an der Einmündung stehen geradezu für dieses Denken von Vorgestern. Gibt ja nun keine Unfälle mehr, meint das Planungsdezernat zu einem Antrag der Linksfraktion.

    Die hatte ja bekanntlich beantragt, noch einmal zu prüfen, ob die Cottastraße zur Einbahnstraße gemacht werden könnte.

    Aber das geht nicht, meint das Verkehrs- und Tiefbauamt. Weil: „Die Verwaltung empfiehlt die Ablehnung des Antrags, eine Prüfung ist bereits mit negativem Ergebnis erfolgt.“

    Als wenn sich seitdem nichts geändert hätte an Leipziger Verkehrsströmen.

    „Der Cottaweg ist Teil des Straßenhauptnetzes der Stadt Leipzig. Entsprechend der Richtlinie für integrierte Netzgestaltung (RIN) ist der Cottaweg als Erschließungsstraße der Kategorie HS IV eingruppiert. Der Cottaweg dient dabei der Erschließung des Trainingszentrums von RB Leipzig, des Kleinmessegeländes und der Sportanlagen im nördlichen Teil“, zählt das Verkehrs- und Tiefbauamt noch einmal alle Problemstellen auf.

    Oder besser: fast alle. Denn so richtig zum Problem wird der Cottaweg erst dann, wenn er von Fußballanhängern und Kleinmessebesuchern zu hunderten mit dem Pkw angesteuert wird. Dann wird auch hier wild geparkt, bilden sich lange Autoschlangen, die irgendwie auch noch auf den künstlich geschrumpften Parkplatz wollen, und man merkt, dass Leipzigs Verwaltung mitnichten eine Lösung für die Verkehrsprobleme rund um das Sportforum gefunden hat.

    Auf der Ostseite ist es ja ganz ähnlich. Seit 2012 besteht der Stadtratsauftrag. Aber nicht einmal eine leistungsfähige Straßenbahnhaltestelle für die Stadionbesucher wurde konzipiert.

    Deswegen liest es sich zumindest recht altbacken, wenn die Verwaltung jetzt meint: „Das Kleinmessegelände ist Bestandteil des Parkplatzkonzeptes für Großveranstaltungen im Sportforum mit über 1.000 Pkw-Stellplätzen. Die Zu- und Ausfahrt zum Kleinmessegelände muss dafür sowohl aus Richtung Jahnallee als auch aus Richtung Hans-Driesch-Straße in beiden Fahrtrichtungen gewährleistet sein.“

    Was genau zu den Problemen im Cottaweg führt, die mit dem Wort „unübersichtlich“ noch sehr vorsichtig beschrieben sind. Radfahrer werden hier regelrecht verdrängt. Nur gibt es halt keine Ausweichstrecken, weil dann in der Regel auch der Elsterradweg und die Capastraße „dicht“ sind.

    Die Verkehrsprobleme rund ums Stadion sind schlicht bis heute nicht gelöst. Und Ideen, wie sie gelöst werden könnten, hat die Verwaltung ebenfalls noch nicht vorgelegt. Obwohl auf der Hand liegt, dass man die Anbindung mit dem ÖPNV dringend verbessern muss und eine Verwaltung des Parkmissstandes keine Lösung sein kann.

    Und natürlich fällt auch auf, dass das Verkehrsdezernat einzig erwähnt, dass der Cottaweg eine „Erschließungsstraße der Kategorie HS IV“ ist. Und völlig ausblendet, dass er gleichzeitig eine innerstädtische Radverbindung der Kategorie IR IV ist. Er wird nur ungern von Radfahrer/-innen genutzt, weil sie hier von einer unübersichtlichen Situation in die nächste geraten. Die Kreuzung mit der Hans-Driesch-Straße ist eine Zumutung.

    Aber die Planer sind sich ganz sicher, dass die Lösung an der Jahnallee eine kluge ist: „Am Knoten Jahnallee/Cottaweg wurden erst im August 2020 neue Sicherheitseinrichtungen in Form von Geländern, die in den Cottaweg hineinreichen, eingerichtet. Zudem wurde im selben Zeitraum eine verkehrsrechtliche Anordnung eines Radfahrstreifens in der Jahnallee im Bereich der Zeppelinbrücke/Cottaweg realisiert.

    Diese Anordnung in Form eines Verkehrsversuchs hat insbesondere das Ziel, die Unfallhäufungsstelle am Cottaweg zu entschärfen. Der Verkehrsversuch wird nach einem Jahr ausgewertet. Daraufhin wird durch die Verkehrsunfallkommission entschieden, ob die bestehende Maßnahme weitergeführt wird oder andere Maßnahmen ergriffen werden. Seit den ergriffenen Maßnahmen ist der Verwaltung keine erneute Unfalllage in diesem Bereich bekannt.“

    Was dann die Verwaltung zu dem Schluss bringt: „Die Einrichtung einer Einbahnstraße bzw. Sackgasse für Autos oder einer Spielstraße bzw. eines verkehrsberuhigten Bereichs, ist aus den o. g. Gründen nicht möglich.“

    Denn wenn man eine Verkehrssituation immer nur vom Auto her („Die Zu- und Ausfahrt zum Kleinmessegelände muss dafür sowohl …“) denkt, gelangt man nun einmal nur zu faulen Kompromissen, in denen die schwächeren Verkehrsteilnehmer zum Ausweichen und Meiden gezwungen sind. Lösungsangebote liegen für diese schwächeren Verkehrsteilnehmer bis heute nicht vor. Parken hat nach wie vor die höchste Priorität.

    Die Pop-up-Bikelane auf der Zeppelinbrücke: Radfahrer sollen noch eine indirekte Linksabbiegemöglichkeit bekommen

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      6 KOMMENTARE

      1. Ironie ist meiner Meinung nach nicht per se niveaulos, eher im Gegenteil. Und das „Freie-Fahrt-für freie Bürger“-Anspruchsdenken ist auch eher rücksichtslos und gestrig, weniger niveaulos. Insofern mache ich mir um die Kommentare hier weniger Sorgen.

      2. @Igor: es gibt eine verdammt gute Erfindung seit einiger Zeit… nennt man Fahrrad. Und wenn Fussballfans oder Trödelmarktbesucher von außerhalb kommen, können sie theoretisch auch zwei weitere interessante Erfindungen nutzen: Zug und ÖPNV. Obwohl ich Esel ganz nett finde, klar, kann man auch als Verkehrsmittel nutzen, muss man aber gar nicht.

      3. Vorschlag – wir brauchen, um Zukunft gestalten zu können, auch noch eine Spur für Eselskarren und an Futterkrippen für die Grautiere denken – das ist noch wichtig.

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