Erst 2023 stellte OBM Burkhard Jung den Masterplan für das Sportforum vor. Das schien nach Jahren der Diskussion erst einmal ein gangbarer Kompromiss zu sein. Doch inzwischen haben sich allerlei Player zu Wort gemeldet, die noch lauter Extrawünsche haben oder denen die Pläne zu weit gehen. Zu viele Parkplätze? Zu wenig? Noch ein Parkhaus? Das Gezerre hat zumindest die CDU-Fraktion im Stadtrat völlig konfus gemacht. Und der Fanverband von RBL meldet sich mit einem Interview zu Wort.

Normalerweise gilt das, was die Stadt in ihrem Masterplan aufgeschrieben hat. Im Frühjahr soll dieser Masterplan in der Ratsversammlung zur Abstimmung kommen. Doch gilt dann noch, was im Masterplan geschrieben steht?

Die CDU-Fraktion im Stadtrat zeigt sich völlig überfordert von der wilden Debatte und will in der nächsten Ratsversammlung nun ein bisschen Klarstellung bekommen.

„Die Ausschreibung für den Weihnachtszirkus gestoppt, die Ballsporthalle kommt, aber der Rest ist unklar, die Parkplatzsituation miserabel – Was ganz genau gerade beim Stadionumfeld ansteht, das kann vermutlich niemand genau beantworten“, erklärt die Fraktion in ihrem Antrag dazu. „Die Verwaltung muss hier mit einer Stimme sprechen, da es immerhin um eines der wichtigsten Entwicklungsprojekte Leipzigs geht und mit RB Leipzig auch um einen wichtigen Wirtschaftsfaktor.

Wir geben der Verwaltung die Möglichkeit, die diffuse Situation aufzulösen und die Öffentlichkeit, sowie den Stadtrat über die Zukunft des Stadionumfeldes, Kleinmesse und Weihnachtszirkus zu informieren.“

Am Wirrwarr um den Masterplan zum Stadionumfeld sind einige Ratsfraktionen nicht ganz unschuldig, denn aus ihnen kommt die Debatte um ein Parkhaus auf Arena 2 bzw. einem weiteren auf der Kleinmesse und sowieso um die aus ihrer Sicht ungenügende Ausstattung mit Stellplätzen für Pkw.

Baubürgermeister Thomas Dienberg kündigte zudem an, dass die Stadträte darüber abstimmen sollen, ob der Sperrkreis, der momentan in einer weiteren Testphase bis Saisonende umgesetzt wird, dauerhaft beibehalten wird. Der Sperrkreis war eine zentrale Forderung des Fanverbands in seinem Verkehrskonzept #staufrei.

Zu dem ganzen Heckmeck äußerte sich jetzt Ulf Walther aus der AG Stadionumfeld des Fanverbands in einem Interview mit RB-Fans.de.

Die wichtigsten Themen aus dem Interview

Stichwort Sperrkreis

Du hast den Sperrkreis angesprochen, seit Sommer gibt es diesen vor dem Spiel in der Jahnallee und Friedrich-Ebert-Straße, damit der ÖPNV möglichst in dem Bereich staufrei fahren kann. Kennst du Zahlen, wie sich die An- und Abreise nach dem hauptsächlichen Verkehrsmittel seitdem verändert haben?

Wir hatten vorher die absurde Situation, dass die An- und Abreise mit dem ÖPNV empfohlen wurde, aber die Bahnen in der Jahnallee und Friedrich-Ebert-Straße zusammen mit den Autos im Stau standen. Teilweise ist man vom Hauptbahnhof schneller gelaufen, als man mit der Bahn unterwegs war. Dies hat weder für die Anreise mit der Bahn noch mit dem Auto Sinn ergeben. Jetzt fahren die Bahnen staufrei durch, ohne dass es zusätzlichen Pkw-Stau gibt, was an der Veränderung der An- und Abreise liegt.

In der Saison 2022/2023 entfielen laut Ulrich Wolter von RB Leipzig bei der An- und Abreise 39 % auf den ÖPNV, 37 % auf das eigene Auto, 9 % auf das Fahrrad, 7 % gingen zu Fuß zum Stadion, 4 % nutzten hauptsächlich Regional- und Fernverkehrszüge und 3 % sonstige Verkehrsmittel.

Zur Saison 2023/2024 nutzten 42 % hauptsächlich den ÖPNV, 31 % das eigene Auto, 11 % das Fahrrad, 7 % gingen zu Fuß, 4 % nutzten Regional- und Fernverkehrszüge sowie sonstige Verkehrsmittel. Somit nutzen etwas mehr Fans den ÖPNV sowie das Fahrrad als hauptsächliches Verkehrsmittel als in der Vorsaison und weniger das Auto.

Stichwort Parkhaus/Wendeschleife

Es gibt immer wieder die Forderung, ein Parkhaus zu bauen, was jetzt auch noch mal relevanter wird, wenn die Arena auf 12.000 bis 15.000 Plätze erweitert werden soll und die Parkplätze vor der Arena durch die zusätzliche Ballsporthalle wegfallen. Wäre es aus deiner Sicht sinnvoll, dort ein Parkhaus hinzubauen oder sollte eine andere Lösung gefunden werden?

Die Diskussion über ein Parkhaus auf der Schotterfläche vor der ehemaligen Schwimmbadtribüne gibt es schon seit 2011. Diese Fläche ist auch Thema des Rahmenplans Stadionumfeld, zu dem es seit dem Jahr 2020 eine Bürgerbeteiligung gab und wir uns als AG Stadionumfeld des Fanverbands mit eingebracht haben. Wir haben dort eine Straßenbahnwendeschleife verortet, die von der Fregestraße ausgehend verlängert wird und mehrere Abfahrtsgleise hat.

Dies hatten auch Verkehrsexperten im Verkehrskonzept aus dem Jahr 2014 empfohlen. Unser Vorschlag dazu ist auch auf der Website des Fanverbands abrufbar.

Die Stadtverwaltung hat jedoch auf Nachfrage erklärt, dass sie dort keine Wendeschleife will, was ich einen durchaus bemerkenswerten Vorgang finde, weil der Stadtrat eigentlich schon vor vielen Jahren die Stadtverwaltung beauftragt hat, einen Plan für eine Wendeschleife an der Ostseite des Stadions zu entwickeln.

Diesen Plan gibt es tatsächlich: Er sieht genau wie unser Plan als Standort die Fläche vor dem Schwimmstadion („Arena 2“) vor, mit Aufstellflächen für Bahnen und einer mehrgleisigen Haltestelle. Er wird allerdings unter Verschluss gehalten. Wir haben unseren Vorschlag im Sommer 2023 noch mal konkretisiert, nämlich mit einem Parkhaus darüber.

Der Vorschlag für eine Straßenbahn-Wendeschleife auf Arena 2 von 2020. Grafik: Fanverband Leipzig e.V.
Vorschlag für eine Straßenbahn-Wendeschleife auf Arena 2 von 2020. Grafik: Fanverband Leipzig e.V.

Wir finden die Idee, auf der Fläche vor der Arena („Arena 1“) eine Sporthalle zu bauen und die Arena weiterzuentwickeln, sehr gut. Das dort zu bauen und die Schwimmbadtribüne in ein Sportmuseum am Sportforum zu integrieren, das ist Sportstadt Leipzig pur. In diesem Zusammenhang die Chance zu nutzen, auch die ÖPNV-Infrastruktur der zukünftig höheren Zuschauerkapazitäten anzupassen, wäre ganz wichtig.

Eine Parkhauslösung mit Straßenbahnwendeschleife unten drunter, mit genügend Aufstellfläche für die Straßenbahnen, und zwar für die Fußballspiele genauso wie für Veranstaltungen in der Arena, finde ich durchaus eine Sache, über die die Stadt und die Stadträte noch mal nachdenken sollten. Das ist jetzt eine einmalige Gelegenheit – und der innovative Bau wäre sicher auch förderfähig.

Wenn die Arena erweitert wird, eine neue Ballsporthalle auf dem derzeitigen Parkplatz vor der Arena realisiert wird und auch der Stadionvorplatz sowie Festwiesenvorplatz entwickelt werden, wie viele Parkplätze fallen am Ende weg und wie viele Parkplätze gibt es am Ende noch?

Es fallen auf Arena 1.420 Parkplätze weg, gemäß Entwurf Rahmenplan Stadionumfeld vom Sommer 2023 weitere 140 auf dem Stadionvorplatz und 199 Parkplätze auf dem Festwiesenvorplatz, damit die Fans besser die Haltestelle Sportforum Süd von der Festwiese erreichen können. Zudem sollen die 1.155 Parkplätze am Cottaweg entfallen, wenn die Kleinmesse da ist. Somit gibt es rd. 1.900 Stellplätze im direkten Stadionumfeld nicht mehr.

Damit existieren noch 431 Stellplätze innerhalb des Stadions, 98 Stellplätze an der Goyastraße, 180 Stellplätze auf dem Festwiesenvorplatz sowie 500 Stellplätze auf der Schotterfläche vor der Schwimmstadiontribüne. Insgesamt verbleiben somit rd. 1.200 Stellplätze. Das heißt, es geht also bei dieser Parkhausdiskussion nicht um zusätzliche Parkplätze, sondern einfach nur um die Kompensation der bereits bestehenden und wir sehen das auf jeden Fall als absolut notwendig an, dass hier die Parkplatzzahl nicht weiter reduziert wird, weil es jede Menge Leute gibt, die ins Stadion und auch die Arena müssen und auf das Auto angewiesen sind.

Dazu gehören Mitarbeitende, die dafür zuständig sind oder dafür Sorge tragen, dass der Spieltag reibungslos läuft. Ob das die Gastro ist, Techniker, Journalisten oder die Security. Dazu kommen Mobilitätseingeschränkte oder Offizielle, wie von der UEFA. Wir haben somit eine Zahl an Leuten, die am Stadion parken müssen, sodass eine weitere Reduzierung der Plätze nicht akzeptabel ist.

Über eine verbesserte ÖPNV-Infrastruktur sollte jedenfalls zuerst nachgedacht werden und erst danach darüber, ob eventuell noch ein weiteres Parkhaus nötig wäre, wenn Stadt und Stadträten tatsächlich der ÖPNV am Herzen liegt. Der ÖPNV ist, gerade bei Großveranstaltungen, das Rückgrat des Veranstaltungsverkehrs!

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Die Stellungnahme zu Verkehrskonzept #staufrei findet man hier.

Die Stellungnahme zur Gestaltung Arena 1 und 2, Parkhaus und Wendeschleife (Stand Juni 2023) findet man hier.

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