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Nächster Schritt nach Corona-Programm: Grüne schlagen einen Runden Tisch für die City vor

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    Dass es nun eine Koordination für die City gibt und Geld, damit City und Magistralen wieder um Kundschaft werben können, ist beschlossen. Aber die Folgen der Corona-Lockdowns und der Boom des Online-Handels haben auch gezeigt, dass die lebendigen Herzen der Städte in größter Gefahr sind und Kommunen gut daran tun, ihre City am Leben zu erhalten. Die Grünen schlagen dafür in Leipzig nun einen Runden Tisch vor.

    „Die weltweite Pandemie hat mit monatelangen Lockdownzeiten zu Einbrüchen im selbst erwirtschafteten Umsatz des stationären Einzelhandels und dienstleistender ladengeführter Gewerbe geführt. Staatliche Hilfen haben die Auswirkungen gemildert, aber die Risiken gerade für eingemietete Läden und Gewerbe nicht beseitigt, und wie bereits in Städten und Stadtteilen sichtbar, ein Geschäftssterben beschleunigt“, stellt die Fraktion der Grünen in ihrem jüngsten Antrag zum Thema fest.„Im stationären Handel wird der Trend zu digitalen Vertriebsmodellen weitreichend Auswirkungen auf innerstädtisches Leben und Attraktivität haben, zunehmende Leerstände von Ladenlokalen weisen mehr als deutlich darauf hin.“

    Womit der stationäre Handel jetzt erlebt, worunter die Medien schon seit Jahren leiden: Gigantische IT-Konzerne zerstören mit disruptiven Geschäftsmodellen die Existenzgrundlage ganzer Branchen – und der Staat schaut einfach zu, obwohl er gleichzeitig um die Steuereinnahmen betrogen wird.

    Im Corona-Lockdown hat auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen im Homeoffice festhingen, dazu geführt, dass Online-Händler direkten Zugriff auf die Wahrnehmung dieser Menschen hatte, die dann immer mehr Produkte auch gleich online kauften und sich liefern ließen. Das trieb die Umsätze der Online-Giganten in die Höhe und selbst gestandene Filialbetreiber mussten ihre Geschäfte in den menschenleeren Einkaufsstraßen schließen.

    Aber das kann nicht die Zukunft der Innenstadt sein, finden die Grünen. Die Kommunen müssten selbst aktiv werden, um die Verödung der Innenstädte zu verhindern.

    „In Leipzig haben akute Hilfen über fraktionsübergreifende Beschlüsse in Zusammenarbeit mit der Verwaltung zur Aufstockung des Mittelstandsförderprogrammes geführt. Darüber hinaus sollte sich die Stadt Leipzig jetzt gezielt engagieren, um Leerständen nachhaltig zu begegnen, damit neue Konzepte für urbane Lebendigkeit entwickelt werden“, schreiben die Grünen.

    „Mit dem aktuellen Konzept ‚Aktivitäten Innenstadt, Stadtteilzentren und Magistralen 2021/2022‘ wurden durch externen Auftrag Maßnahmen erarbeitet und durch die Stadt dem Rat zur Kenntnisnahme vorgelegt. Mit vorliegendem Antrag wird dieses Konzept um die bewährte Moderation im Form eines Runden Tisches zur Stärkung der Beteiligung vorgeschlagen.“

    „Für die Innenstadt sowie Stadtteilzentren und Magistralen hat die Corona-Pandemie den strukturellen Veränderungsprozess erheblich beschleunigt. Es ist zu befürchten, dass nach der Öffnung des Einzelhandels und der Aufhebung der Beschränkungen ein großer Teil der Kunden nicht wieder auf den stationären Handel zurückgreift. Um eine Abwärtsspirale aus Schließungen, Verödung und ausbleibenden Kunden zu verhindern, ist eine schnelle Reaktion notwendig“, heißt es auch mahnend in der Informationsvorlage der Verwaltung zu den „Aktivitäten Innenstadt, Stadtteilzentren und Magistralen 2021/2022“, mit der unter anderem das Citymanagement, der Familiensommer oder der forcierte Umbau im Salzgässchen begründet werden.

    Aber irgendwie fehlt da noch eine konzertierte Aktion der Stadt. Denn bislang überlässt sie das Befüllen der Ladenflächen immer noch dem „freien Markt“. Doch wenn die Immobilienpreise steigen, steigen auch die Ladenmieten und immer mehr kleinteilige und abwechslungsreiche Ladengeschäfte verschwinden auch aus der City. Die Vermieter, die immer öfter irgendwo im Ausland sitzen, schauen nur noch auf die Rendite. Ob man dann in Leipzigs City noch ein schönes Einkaufserlebnis hat, interessiert da meistens nicht.

    Und so schlagen die Grünen jetzt vor: „Zur Stärkung von Einzelhandel und Gewerbe in der Innenstadt und in Stadtteilzentren und in Vorsorge gegen drohende Leerstände und Geschäftsaufgaben unterbreitet der Oberbürgermeister an Inhaber/-innen des Einzelhandels und Geschäftstreibende aus der Innenstadt und den Stadtteilzentren ein Moderationsangebot. Dazu wird ein Runder Tisch mit Eigentümer/-innen, Behörden oder städtischen Gesellschaften und Interessenvertretungen (Kammern, Vereinigungen etc.)  sowie den Einzelhändler/-innen und Gewerbetreibenden etabliert, mit dem Ziel, die in Leipzig ansässige Geschäftstätigkeiten zu stärken und Risiken zu mildern.“

    Und auch als Moderator mit den Vermietern sei die Stadt gefragt, finden die Grünen und schlagen vor, dass „die Stadtverwaltung – Stadtentwicklung, Wirtschaft und Kultur – das vielfältige Geschäftstreiben und Attraktivitäten in Innenstadt und Stadteilzentren“ anregt, „indem sie bei unüberwindbaren Leerständen nachhaltige Zwischenvermietungen zwischen Vermieter/-innen und interessierte Mieter/-innen aktiv koordiniert.“

    Und auch dabei soll es nicht bleiben, denn in einem zweiten Schritt soll der Runde Tisch dann „um Konsument/-innen in Zukunftswerkstatt-Gesprächen zur Frage, was die Leipziger/-innen von ihrer (Innen-) Stadt zukünftig erwarten“, erweitert werden.

    Das wäre dann tatsächlich neu: Die Verbraucher selbst mal zu fragen, was sie eigentlich vorzufinden wünschen, wenn sie in die City fahren. Was natürlich die Frage aufwirft: Wem gehört die City eigentlich? Oder muss sich Leipzig auch künftig gefallen lassen, dass riesige Immobilienkonzerne bestimmen, was sich hier rechnet und was nicht?

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      1 KOMMENTAR

      1. Ich bin sehr dafür, dass es Einzelhandel gibt. Ich bestelle weiterhin fast nichts online mit Paketlieferung nach Hause – mindestens bestelle ich mit „Abholung im Markt“.

        Aber wo sich die Leipziger Einzelhändler mal kräftig an die Nase fassen sollten, ist, dass sie gedanklich davon abkommen sollten, ihren Laden als reine Warenausgabestelle anzusehen und die Kunden technisch abzufertigen. Da ist noch ganz viel Luft nach oben. Allein ein freundliches Gesicht machen, würde viel bringen.

        Selbst in Ostberlin wird man besser behandelt. Da macht die Kassiererin plötzlich einen kleinen Scherz. Hier völlig undenkbar.

        Einen Wunsch habe ich: Ich hätte gerne eine Buchhandlung in Reudnitz oder Anger-Crottendorf. Warum gibt es das nicht? (nein, nach Stötteritz fahre ich nicht)

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