Wäre die Sache nicht gar so eilig gewesen und die Zeit nicht schon so fortgeschritten gewesen in der Ratsversammlung am 15. März, es hätte garantiert noch eine heftige Diskussion um die Vorlage zur Tieferlegung der Wiederitzscher Straße im Bereich der Eisenbahnunterführung in Gohlis gegeben. Denn für Radfahrer wird’s nach Fertigstellung eine ganze Ecke steiler.

Schon jetzt ist es eine nicht gerade flache Steigerung, über die Radfahrer und Kraftfahrer hinauf müssen, wenn sie von der Wiederitzscher Straße zur Hans-Oster-Straße wollen oder gar in scharfer Kurve in die Ludwig-Beck-Straße.

Dass die Wiederitzscher Straße eine wichtige Hauptradroute ist, sieht man ihr auch nicht an. Denn schon lange lohnt es sich nicht mehr, von hier über den Weg an der Kleingartenanlage vorbei zur Georg-Schumann-Straße zu fahren.

Der Weg sollte zwar schon seit zehn Jahren saniert werden als elementarer Bestandteil des Gohliser Bahnbogens. Aber nichts ist passiert. Brombeerhecken wuchern ihn vom Bahndamm her zu und der noch existierende Asphalt ist eher ein Buckel- und Löcherkurs.

Die Brücke über die S-Bahn muss dringend erneuert werden

Und genauso wie hier scheinbar alle Aktivitäten, den Radweg endlich auf Vordermann zu bringen, eingeschlafen sind, ist auch die Brücke der Wiederitzscher Straße über die Gleise der S-Bahn Richtung Grünau scheinbar in Dornröschenschlaf gefallen. Nur gibt es hier ein gewaltiges Problem: Die Brücke ist am Rande ihrer Standfestigkeit und muss in den nächsten Jahren dringend erneuert werden.

Aber das kann die Stadt erst angehen, wenn die Anlieferung zu den Anliegern und Kleingartenfreunden nördlich der Brücke gesichert ist. Und das geht nur durch die Unterführung unter der Bahnlinie, die die Wiederitzscher Straße etwas weiter nördlich überquert.

Doch die Unterführung ist zu niedrig für heutige Lastkraftwagen.

Womit sich auf einmal eine Eilbedürftigkeit ergibt, die die Vorlage aus dem Verkehrs- und Tiefbauamt gar nicht extra benennt. Aber sie steckt trotzdem drin, denn noch 2022 muss die Wiederitzscher Straße unter der DB-Brücke abgesenkt werden. Bislang hat sie nämlich nur eine Durchfahrtshöhe von 2,9 Metern, soll aber eine von 4 Metern bekommen.

„Maßgebend für die Tieferlegung der Straße sind die kommunalen Fahrzeuge, welche einen Lichtraum von 3,70 m + 0,30 m Sicherheitsraum benötigen“, heißt es in der Vorlage. Und: „Die Straße wird südlich, ca. 50 m vor der Eisenbahnüberführung beginnend, kontinuierlich abgesenkt und erreicht ihren Tiefpunkt in der Bauwerksmitte. In Richtung Nord steigt die Straße bis zum Knoten mit der Ludwig-Beck-Straße an. Die Ausbaulänge in dieser Richtung beträgt ca. 100 m.“

Geplant ist die Tieferlegung der Wiederitzscher Straße für den Zeitraum Herbst 2022 bis Sommer 2023. Das Geld ist auch schon fest eingeplant: 2,16 Millionen Euro.

Steile Rampe für Radfahrer

Nur die Radfahrer hat man in all der Eile vergessen. Darauf wies am 15. März Grünen-Stadträtin Kristina Weyh hin und drang darauf, dass sich die Verwaltung dieses Problems bitteschön noch annehmen würde. Denn im nördlichen Teil des Bauabschnitts wird es dann künftig für Radfahrer noch steiler, was in der weiterhin engen Straße durchaus zu einem Problem werden kann. Forderungen zur Qualifizierung dieser Radverkehrsverbindung gebe es schon lange, betonte Weyh. Der Einbau einer 10-prozentigen Steigung sei sogar eine Verschlechterung für Radfahrer.

Einen Änderungsantrag hatten die Grünen nicht gestellt, sodass die Verwaltungsvorlage unverändert zur Abstimmung kam und eine klare Mehrheit von 40:1 Stimmen bekam. Die zehn anwesenden Stadträt/-innen der Grünen enthielten sich der Stimme. Denn jetzt heißt es dranbleiben, um die Verwaltung auch noch zu einer Lösung für den Radverkehr zu bewegen.

Die Debatte vom 15. März 2022 im Stadtrat

Video: Livestream der Stadt Leipzig

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