Rührend kümmerte sich das Leipziger Jugendparlament in den vergangenen Monaten um den fast vergessenen Großen Bürgermeister. Das ist die unterirdische Toilettenanlage, die 1905 zusammen mit dem Neuen Rathaus in den Grünanlagen gleich südlich davon entstand. Einen Kleinen Bürgermeister auf der Westseite gab es auch noch. Aber der Große war Legende. Nur: Was wird aus ihm? Die Stadt hat ihn ja verkauft.

Das war auch dem Jugendparlament nicht so klar, als es seinen ersten Antrag dazu stellte, den Großen Bürgermeister zu retten. Immerhin ist die über 100 Jahre alte Toilettenanlage ja denkmalgeschützt, auch wenn man das nicht so recht glauben mag, wenn man die beiden weiß gefliesten Abstiege hinter Gittern und Veranstaltungsplakaten in der Grünanlage sieht.

Aber das reizte vor über 20 Jahren auch einen Käufer, der sich in dem alten Gemäuer statt einer öffentlichen Toilette sogar ein besonderes Café, jedenfalls eine gastronomische Einrichtung vorstellen konnte. 1999 kaufte er deshalb die Anlage von der Stadt. Doch alle seine in den Folgejahren vorgelegten Baupläne wurden vor allem aus Denkmalschutzgründen abgelehnt. Die Idee zerplatze eigentlich, auch wenn seine Erben das Projekt weiterverfolgten.

Das Liegenschaftsamt erklärte dann in seiner Stellungnahme recht ausführlich, warum der Antrag des Jugendparlamentes in seiner ursprünglichen Fassung nicht umsetzbar wäre.

Das Liegenschaftsamt warnte darin auch: „Die Anlage ist seit mindestens 20 Jahren nicht mehr in Betrieb. Die Höhe der potenziellen Folgekosten bzw. erforderlichen Investitionsmittel für eine Instandhaltung oder Wiedererschließung des Baudenkmals kann ohne Bestandsgutachten ebenfalls nicht bemessen werden.“

Der Abstieg zum Großen Bürgermeister. Foto: Ralf Julke
Der Abstieg zum Großen Bürgermeister. Foto: Ralf Julke

Aber seinen Schilderungen kann man auch entnehmen, dass die Eigentümer der Anlage praktisch keine Chance haben, hier eine Baugenehmigung zu bekommen. Auch ein Widerspruch bei der Landesdirektion hatte 2020 keinen Erfolg.

Was eben im Umkehrschluss auch heißt: Der Verkauf der Anlage durch die Stadt im Jahr 1999 gleich mit Investitionsverpflichtung war mehr als blauäugig. Praktisch sind hier kaum sinnvolle Nutzungen möglich, ohne den Denkmalstatus aufzuheben. Weshalb auch der Vorschlag der Stadt keine Neu-Nutzung etwa als Toilettenanlage vorsieht.

Darauf zielte ja ein Antrag der CDU-Fraktion. Aber diese Idee scheitert schon an der fehlenden Barrierefreiheit, die wiederum nur hergestellt werden könnte, wenn man massiv in das Bauwerk eingreift. Was aus Denkmalschutzgründen nicht geht.

Logisch, dass dann Marius Wittwer als Vertreter des Jugendparlaments an diesem Tag auch den CDU-Antrag als nicht übernehmbar deklarieren musste.

Er stellte sowieso die Stellungnahme der Stadt zur Abstimmung, die vor allem darauf abzielt, das Bauwerk überhaupt erst wieder zurück ins Eigentum der Stadt zu bekommen und den Kaufvertrag von 1999 rückabzuwickeln. Was ganz und gar nicht einfach werden dürfte, wie das Liegenschaftsamt feststellt:

„Grundsätzlich kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt der finanzielle Aufwand für eine Rückabwicklung des Kaufvertrages nicht abschließend bemessen werden. Diesbezüglich ist die Wertminderung durch einen öffentlichen Sachverständigen nachzuweisen.“

Aber eine Wertermittlung des Amtes für Geoinformation und Bodenordnung von 2016 habe ergeben, dass der Wert des Grundstücks eigentlich nur noch einen Euro beträgt.

Man wird also mit den Eigentümern zu einem guten Kompromiss für beide Seiten kommen müssen. Erst wenn das erfolgt ist, kann die Zukunft des Großen Bürgermeisters weiter geplant werden.

Die Ratsversammlung jedenfalls stimmte dem Verwaltungsstandpunkt am 15. Juni einmütig zu.

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