Die Trockenheit der letzten Jahre hat Folgen. Auch im sogenannten Feenwald bei Mölkau, wo ganze Bestände von Ahorn und Birken vertrocknet und abgestorben sind. Weshalb sich der Ortschaftsrat Mölkau für dieses 11,5 Hektar große Waldstück dringend eine Neubepflanzung wünscht. Ein Wunsch, den das Amt für Stadtrgün und Gewässer mit deutlichen Worten ablehnte. Und auch Grünen-Stadtrat Jürgen Kasek hatte seine Bedenken in einen Änderungsantrag gegossen.

Denn eigentlich war das Anliegen des Ortschaftsrates Mölkau irgendwie verständlich. Nur in dieser Dimension eigentlich deutlich überzogen. „Der durch Trockenheit zugrunde gegangene Feenwald zwischen Pommernstraße, Zweinaundorfer Straße. Rückseite ‚Sommerpark‘ und KGA ‚Neues Leben‘ wird neu angelegt und bepflanzt. Hierfür werden 25.000 Euro in 2023 und 110.000 Euro in 2024 eingestellt“, lautete der Antrag des Ortschaftsrats Mölkau.

Der Fehler wurde in DDR-Zeiten gemacht, als man hier einfach drauflos pflanzte, ohne die örtlichen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Baum ist ja Baum. Und irgendwie wächst das Zeug schon.

Der Feenwald aber ist das beste Beispiel, dass so eine unüberlegte Waldanlage keinen Sinn ergibt.

Das stellte dann das Amt für Stadtgrün und Gewässer in seiner ablehnenden Stellungnahme auch deutlich fest: „Der sogenannte ‚Feenwald‘ (Forstabteilung 212b0) hat eine Größe von 11,5 ha und ist bestockt mit Bergahorn, gemeiner Hainbuche, Esche und Blaufichte als gepflanzte Baumarten. Er wurde im Zuge eines Aufforstungsprogrammes des Rates des Bezirkes Leipzig vom Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre angelegt.

Hinzu kommen gemeine Birke, Robinie etc. als natürlich angesamte Baumarten. Durch die extrem trockenen Sommer der Jahre 2018 – 2020 und 2022 ist es zu massiven Ausfällen bei den meisten Baumarten des Oberstandes, insbesondere bei gemeiner Esche durch das Eschentriebsterben sowie bei Bergahorn durch die Rußrindenkrankheit, gekommen.“

Der Kahlschlag ist ökologisch völlig sinnlos

Aber das heißt eben nicht, dass man jetzt einfach alle Bäume fällen müsste, um dann völlig neu zu pflanzen, wie es sich auch Mölkaus Ortsvorsteher Klaus-Ruprecht Dietze in seine Rede in der Ratsversammlung am 13. Dezember wünschte.

Denn stabile Wälder entstehen nicht, wenn einfach alles großflächig gefällt und neu gepflanzt wird.

Selbst im Feenwald ist längst eine standortgerechte Naturverjüngung zu beobachten, stellte das Amt für Stadtgrün und Gewässer fest: „Der Bestand ist jedoch bereits zu großen Teilen durch Naturverjüngung der verschiedenen Baumarten im Unterstand geprägt, welche unbedingt genutzt und weiterzuentwickeln sind.

Die Beräumung einer Fläche dieser Größenordnung ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll; zudem ist das Risiko einer Neuanlage im Zuge des Klimawandels nicht abschätzbar. Es ist daher fachlich begründet, die natürlich zur Verfügung gestellten Ressourcen zu nutzen, was eine spätere Anlage eines Weges nicht ausschließt.

Eine Entwicklung ähnlich des benachbarten urbanen Waldes wird aus fachlichen Gründen abgelehnt.“

Versammlung lehnt Kompromiss ab

Das erfordert natürlich Geduld und das Vertrauen darauf, dass Wälder in Mitteleuropa sich selbst verjüngen können und dass dann vor allem Bäume wachsen, die mit den örtlichen Gegebenheiten zurechtkommen. Eine Erkenntnis, die aber noch immer nicht Stadtratswissen ist.

Der von Jürgen Kasek vorgebrachte Grünen-Antrag sollte die Radikalabholzung eigentlich verhindern und der Stadt die Möglichkeit geben, den Wald vorsichtig umzugestalten: „Für den durch Trockenheit geschädigten Feenwald zwischen Pommernstraße, Zweinaundorfer Straße, Rückseite ‚Sommerpark‘ und KGA ‚Neues Leben‘ wird ein Pflege- und Nutzungskonzept erarbeitet, das insbesondere die Wege, die durch den Wald führen, berücksichtigt.“

Doch diesmal folgte die Stadtratsmehrheit nicht dem Vorschlag der Grünen, lehnte ihn mit 23:30 Stimmen ab. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Stadtratsmehrheit nach wie vor der Meinung ist, Wälder müssten aufgeforstet werden. Das Vertrauen in die Kraft der Natur ist ganz offensichtlich nicht vorhanden.

Und so stimmte die Mehrheit dann dem sehr radikalen Antrag aus dem Ortschaftsrat mit 36:17 Stimmen zu. Und OBM Burkhard Jung konnte nur noch seine Hoffnung äußern, dass in diesem großen Waldstück trotzdem eine ökologisch verträgliche Lösung gefunden wird.

Aber eine Neuanlage und Neubepflanzung, wie vom Ortschaftsrat Mölkau gefordert, ist keine ökologische und naturverträgliche Lösung. Ganz zu schweigen davon, dass auch ein ramponierter Wald Heimstadt für alle möglichen Lebewesen ist, deren Biotop damit erst einmal gründlich zerstört wird.

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Es gibt 3 Kommentare

Was für ein unsäglicher Schwachsinn. Einfach so lassen und zehn Jahre warten, dann haben wir den schönsten Wald.

Aber, aber, aber. Das haben wir doch schon immer so gemacht. Alte weiße Männer. Traurig!

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