Die durch Pflichtaufgaben des Bundes verursachte, desaströse Haushaltslage der Stadt schlägt auch auf ein Thema durch, das für die Schülerinnen und Schüler in der Stadt wichtig ist: den Zustand bzw. die Nicht-Existenz von verfügbaren Sporthallen. Das betrifft auch das Schillergymnasium in Gohlis, für das die Stadt schon seit Jahren eine neue Sporthalle plant. Nur gibt die aktuelle Haushaltslage dafür überhaupt keine finanziellen Spielräume her. Aber prüfen könne man das doch zumindest, hatte die SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat beantragt. Und es wird geprüft.

Am 25. März fand der SPD-Antrag dann auch endlich in die Ratsversammlung: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, bis zum Ende des IV. Quartals 2025 zu prüfen, wo und wann fußläufig zur Friedrich-Schiller-Schule, Gymnasium der Stadt Leipzig, eine weitere Sporthalle gebaut werden kann. Dabei wird auch die Errichtung einer Mehrfeld-Sporthalle mit einem Sportfeld auf dem Dach geprüft.“

Aus der 2025 ist inzwischen eine 2026 geworden. Die Hintergründe schilderte am 25. März SPD-Stadträtin Christina März. Denn da das Schillergymnasium in den letzten Jahren immer wieder zusätzliche Klassen aus anderen Gymnasien aufnehmen musste, die derweil saniert wurden, wurde die völlig unzureichende Platzsituation in der beliebten Turmschule sehr deutlich: Die Mensa ist viel zu klein und kann die Schülerinnen und Schüler zur Mittagspause kaum fassen, schon gar nicht, wenn zusätzliche Klassen im Haus sind.

Weshalb die SPD-Fraktion auch beantragte: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, bis zum Ende des IV. Quartals 2025 zu prüfen, ob die Mensa des Schiller-Gymnasiums in der bisherigen Sporthalle der Schule untergebracht werden kann.“

Platz ist da, Geld nicht

Nur: Wo soll dann der Sportunterricht stattfinden?

Im Amt für Schule hat man dazu eigentlich auch schon ein paar Ideen.

„Grundsätzlich ist geplant, in einer Machbarkeitsstudie die Möglichkeit der Errichtung einer Zweifeld- bzw. Dreifeld-Sporthalle an der Sasstraße zu prüfen, bei der sowohl die Umsetzung in verschiedenen Kubaturen (unterschiedliche Varianten baulicher Volumen, gestapelte Spielflächen und Nebenflächen und weitere Alternativen) als auch weitere Standorte untersucht werden sollen. Auf der Fläche der Sasstraße soll gleichzeitig die Integration der Sportfreianlagen wie Laufbahn und Weitsprunganlage mitgedacht werden. Weiterhin soll geprüft werden, ob dauerhaft Flächen für ein Kleinspielfeld zur öffentlichen Nutzung geschaffen werden können“, hatte das Amt für Schule in seiner Stellungnahme zum SPD-Antrag geschrieben.

„In Bezug dieser Sportstättenherrichtung sollen zusammenhängend weitere geeignete Flächen in der Machbarkeitsstudie zur Abdeckung des Sportbedarfs, auf dem Areal der Geschwister-Scholl-Schule zur Herrichtung einer gestapelten 2-Feld-Sporthalle vs. Erhalt der bestehenden 1,5-Feld-Halle mit betrachtet werden. Ziel ist es, dem aktuellen Bestand an Sportinnen- und Sportfreiflächen für die Friedrich-Schiller-Schule und die Geschwister-Scholl-Schule, verschiedene Lösungsansätze gegenüberzustellen und zu bewerten.“

Cornelia Falken (Die Linke) im Leipziger Stadtrat am 25.03.2026. Foto: Jan Kaefer

Klamme Haushaltszeiten

Aber in den nächsten fünf Jahren – so Linke-Stadträtin Cornelia Falken – ist an einen solchen Neubau gar nicht zu denken. Einfach weil kein Geld da ist. Und das dürfte noch eine sehr optimistische Schätzung sein.

„Eine Einordnung der aus den Überlegungen folgenden Investmaßnahmen ist aus heutiger Sicht weder finanziell noch zeitlich abschätzbar. Eine zeitnahe Umsetzung ist vor dem Hintergrund der sich sehr kritisch entwickelnden Haushaltslage nicht realistisch“, wurde das Amt für Schule noch viel deutlicher. „Die Nutzung der bestehenden Sporthalle an der Friedrich-Schiller-Schule ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt essentiell für den Schulsportbedarf erforderlich.

Eine Neugestaltung der Sporthalle zur dauerhaften Nutzung als Speiseversorgung im Rahmen einer langfristigen Modernisierung des Schulgebäudes oder in Form einer möglichen Teilsanierung der Sporthalle, kann erst mit Bereitstellung neuer Sportflächen umgesetzt werden. Bis dahin kann die Schaffung von weiteren erforderlichen Flächen für die Speiseversorgung im Schulhaus nur über eine schrittweise Reduzierung der Klassen in den kommenden Schuljahren herbeigeführt werden.“

Wie löst man diesen Knoten? Dazu schrieb dann die Linksfraktion einen Änderungsantrag: „Darüber hinaus prüft der Oberbürgermeister, in welcher Art und welchem Umfang nach Abschluss der Sanierung der Geschwister-Scholl-Grundschule eine Aufstockung der zugehörenden Sporthalle möglich ist und berichtet dem Stadtrat bis Ende des II. Quartals 2026.“

Also irgendwie ein Kompromiss, der nicht so teuer ist. Denn einen Neubau, so Cornelia Falken, gibt ja die Haushaltslage nicht her. Den Änderungsantrag übernahm Christina März mit in den SPD-Antrag. Und der bekam am 25. März dann auch eine sehr deutliche Mehrheit von 54:2 Stimmen. Nun dürften nicht nur die Stadträtinnen und Stadträte aus Gohlis gespannt sein, was die Verwaltung als Prüfergebnis im Herbst vorlegen wird.

Denn wie ja mehrere Punkte auf der Tagesordnung vom 25. März zeigten, dürfte selbst eine „preiswerte“ Aufstockung der Turnhalle des Schillergymnasiums an der aktuellen Haushaltslage scheitern. Und wohl auch an der in den nächsten fünf Jahren.

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