âWir sind noch nicht laut genugâ, sagte Linke-Stadträtin Cornelia Falken am 25. Februar in der Ratsversammlung, als ein Antrag aus dem Stadtbezirksbeirat West mit dem eher blassen Titel âSchulstandorte und Sporthallenkapazitäten im Stadtbezirk West nachhaltig sichernâ zum Aufruf kam. Doch was Sebastian Petrick fĂźr den Stadtbezirksbeirat dann alles aufzählte, war im Grunde die Bilanz einer schleichenden Katastrophe. Es geht um Schulen, die dringend saniert werden mĂźssen, Ăźbervolle Klassen und Sporthallen, die fehlen. Und am Ende um Geld. NatĂźrlich um Geld.
Geld, das die Stadt Leipzig schon in den vergangenen Jahren nicht hatte, weil Sachsens Regierung bei der FĂśrderung von SchulbaumaĂnahmen bereits vor dem Sparhaushalt 2025/2026 angefangen hatte, zu sparen und die FĂśrderung fĂźr Schulen und Sporthallen zu kappen. Während gleichzeitig die Schulbaukosten geradezu explodierten und Leipzig seit zehn Jahren in einem Wettrennen mit steigenden SchĂźlerzahlen war.
Dafßr, dass genßgend Plätze fßr Schßler und Schßlerinnen zur Verfßgung stehen, ist die Stadt verantwortlich. Es ist eine Pflichtaufgabe. Genauso wie das Bereitstellen von Sporthallen fßr den Schulsport. Doch dafßr gab es vom Freistaat erst recht kein Geld. Darunter litt und leidet der Stadtbezirk West besonders.
Insgesamt fehlen 5.700 Quadratmeter Sporthallenflächen. Die ßberalterten Sporthallen fallen oft ßber Monate aus, weil Baumängel festgestellt werden. Die Stadt kommt mit Flicken und Reparieren nicht hinterher.
Logisch, dass sich der Stadtbezirksbeirat West mit seinem Antrag jetzt wĂźnschte, dass das Drama endlich abgestellt wird. Und er bezog sich dabei auf den Schulentwicklungsplan von 2024, der fĂźr den Westen deutlich mehr SchĂźler prognostizierte, als in der Schulbaustrategie berĂźcksichtigt sind. Es mĂźsste dringend gebaut und saniert werden.
Schulen und Sporthallen im Stau
Doch dann verschob sich auch noch das wichtige Bauprojekt Karlsruher StraĂe, das nun erst 2029 zur VerfĂźgung stehen wird. Erst dann kĂśnnten die dringend benĂśtigten Sanierungen in den anderen GrĂźnauer Schulen beginnen. Mal abgesehen davon, dass der Freistaat Leipzig auch in der Karlsruher StraĂe auf dem LĂśwenanteil der 50 Millionen Euro Baukosten sitzen lässt. Und dass schon seit 2024 eine Ăberbelegung der GrĂźnauer Schulen vermeldet wurde.
So entsteht ein regelrechter Stau, teilweise noch durch BauverzÜgerungen an laufenden Schulprojekten befeuert. Nur ist das Problem nicht ßber den Schulentwicklungsplan zu beheben, wie der Stadtbezirksbeirat West in seinem Antrag formulierte. In dem geht es tatsächlich nur um die Bedarfe, nicht um die Baustrategie der Stadt. Die auch immer wieder angepasst wird, wie auch das Amt fßr Schule in seiner Stellungnahme erklärte.
Worin auch betont wird, wie wichtig der Neubau in der Karlsruher StraĂe ist: âMit dem Neubau der Schule Karlsruher StraĂe steht in GrĂźnau das bisherige Schulgebäude der Friedrich-FrĂśbel-Schule als Auslagerungsstandort zur VerfĂźgung. Mit dem Schulneubau entsteht perspektivisch eine zusätzliche Sporthalle mit zwei Sportfeldern. Dies ermĂśglicht eine strukturierte Abfolge von Sanierungen im Einzugsbereich. Die Sanierungskette wird bei der Aktualisierung der Schulbaustrategie prioritär berĂźcksichtigt.â
Das klingt nach geregelten Abläufen. Aber die Wahrheit ist: Es erzählt von einem enormen Stau, der sich ßber Jahre gerade im Westen der Stadt aufgebaut hat. Die Stadt hätte viel frßher mit Sanierungen beginnen mßssen, meinte am 25. Februar Cornelia Falken.
Doch auch hier geht es um Geld. Und der Druck, neue Schulkapazitäten zu schaffen, bestimmte zehn Jahre lang die Schulbaustrategie. Geld fĂźr Sanierungen war genauso wenig vorhanden wie Kapazitäten fĂźr Ausweichschulen. Und da ist man wieder bei der Unterfinanzierung der Stadt, die sich schon vor Jahren andeutete, inzwischen aber katastrophale AusmaĂe angenommen hat. Und deswegen sagte Falken: âWir sind noch nicht laut genug.â
Denn es ist der Freistaat, der die Kommunen beim Schulbau kurz gehalten hat. Und nicht nur beim Schulbau: Er lässt Städte wie Leipzig mit den ausufernden Sozialkosten regelrecht allein, spart sich eine Schwarze Null zurecht, während gleichzeitig jedes Jahr 1 Milliarde Euro in den Generationenfonds abflieĂen.
So hungert man ein ganzes Land aus, lässt Kommunen in Schulden ersaufen und sorgt so ganz beiläufig eben auch dafßr, dass Leipzig beim Bauen von Schulen und Sporthallen nur im Kleckertempo vorankommt, weil das Geld im ßberschuldeten Haushalt nicht vorhanden ist.
Damit beschäftige man sich im Fachausschuss Jugend, Schule und Demokratie ausgiebig, erklärte SPD-Stadträtin Ute KÜhler-Siegel. Man habe die zunehmenden Probleme im Stadtbezirk West im Blick und suche dort nach LÜsungen. Aber die gibt es eben nur ßber die knappen Spielräume in der Schulbaustrategie. Der Schulentwicklungsplan hilft da nicht weiter. Sie stellte deshalb den Standpunkt der Verwaltung zur Abstimmung, der dann von der Ratsmehrheit auch mit 46:15 Stimmen bei 4 Enthaltungen positiv votiert wurde.
Das Problem ist nicht gelĂśst. Und es wird nicht das einzige bleiben, das die Stadt immer weiter Ăźberfordert, weil die Stadt mit Pflichtaufgaben von Bund und Land regelrecht im Stich gelassen wird.
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