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Facebook: Die PARTEI foppt über 180.000 AfD-Anhänger und kapert geheime Gruppen

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    Seit dem 3. September 2017 dürfte der größte Coup des bisherigen „Netzwahlkampfes“ auf die Kappe der Partei Die PARTEI gehen. In einem Video teilt PARTEI-Mitglied und „Reichspropagandaminister“ Shahak Shapira nahezu gleichzeitig in allen bislang von der AfD gesteuerten geheimen Gesprächs-Gruppen auf Facebook mit, dass nunmehr das Admin-Team der PARTEI „die Macht übernimmt“. Gleichzeitig wurden die Gruppen umbenannt, mit PARTEI-Werbung versehen und öffentlich gestellt. Damit verliert die AfD mit einem Schlag den bisherigen Einfluss auf über 180.000 User, welche sich nach Herzenslust in den verborgenen Gruppen flüchtlingsfeindlich und islamophob austoben konnten.

    „Der Koran“, „Freunde von Björn Höcke“, „Immer mehr Salafisten“, „Nicolaus Fest AfD FanCLUB“ oder „Professor Dr. Jörg Meuthen Fanclub“. So waren einige der bislang geheimen Gruppen im Netzwerk Facebook benannt, viele trugen Namen, welche auf gezielte Unterstützung von einzelnen AfD-Mitgliedern wie zum Beispiel Beatrix von Storch hindeuteten. Seit heute heißen sie zum Beispiel „Der Kancler“, „Freunde von Bernd Höcke“, einige sind bereits aus dem Netz verschwunden. Auf allen anderen öffentlichen Gruppenseiten erschien das Video von der PARTEI mit der Erklärung von Shahak Shapira.

    In diesem erklärt das PARTEI-Mitglied erst einmal den verdutzten Seitennutzern, dass die „Infiltration“ der Adminteams der Gruppenseiten bereits vor 11 Monaten begann. Gleichzeitig legt er den Weg offen, wie erst Bots und anschließend ein AfD-Mitglied Leiter der Gruppen wurde – bis heute, wo alle anderen rausflogen und das „PARTEI-Admin-Team“ die Lenkung übernahm. Auf dem Weg dahin scheinen führende AfD-Mitglieder auf den Rückhalt in den Gruppen gebaut zu haben – zwei Beispiele blendet Shapira ein, in welchen sich Uwe Junge (AfD Rheinland Pfalz) und Frauke Petry zu den Gruppen in Bezug setzen sollen.

    Die PARTEI mit dem Erklärvideo zur Machtübernahme. Quelle Facebook / Shahaka Shapira

    Alle 31 Gruppen sollen demnach bislang von einem einzigen weiblichen AfD-Mitglied administriert worden sein, welches nach eigenen Angaben aus Hamburg stammt und nun bei der Stadtverwaltung in Bad Dürkheim arbeitet. Ob diese Angaben – bis hin zum Namen des Profils – korrekt sind, kann man derzeit kaum sagen. Auf Fotos des Profils jedoch sind unter anderem gemeinsame Szenen der Profilinhaberin mit Petry, Junge und Marcus Pretzell zu sehen. Noch direkter führt die Verbindung zwischen AfD und den geheimen Gruppen über den Vorstandsvorsitzenden des AfD – Kreisverbands Speyer, Benjamin Haupt. Dieser soll laut Shahak Shapira alle Gruppen als Moderator betreut haben.

    Verärgerung, aber keine Ahnung, was passierte

    Interessant auch, wie die ersten Nutzer der Gruppen auf die Öffentlichmachung reagierten. Die Meisten haben die letzten Stunden damit verbracht, ihre „Merkel muss weg“ – Aufrufe, Links zu Seiten der Identitären Bewegung und diverse teils strafwürdige Postings eilig zu löschen. Gleichzeitig dauerte bei einigen der Verständnisprozess derart lange, dass sich hier und da noch bis jetzt Beschwerden über die Öffentlichmachung breitmachen. „Ein Fehler“, schreibt ein User, andere finden die ebenfalls erfolgte „Zusammenlegung der Seiten“ gut und freuen sich nun auf den Wahlkampfendspurt. Derzeit helfen andere Nutzer und Anhänger der PARTEI durch eindeutige Satire-Beiträge bereits dabei, das Verstehen für die Übernahme zu befördern.

    Die PARTEI selbst hat unterdessen eine Erklärung zur Aktion auf ihrer Facebookseite mit weit über 200.000 Fans veröffentlicht. In dieser heißt es unter Anderem: „In der Zusammenarbeit mit Putin, dem Israelischen Geheimdienst und den führenden Köpfen der Osterinsel wurden mehrere Dutzend von sehr schlechten AfD-Gruppen mit fast 200.000 Mitgliedern unterwandert. Durch technische Raffinesse ist es uns möglich, diese Gruppen in sehr gute PARTEI-Gruppen zu wandeln und somit korrigierend auf die Gedanken verblendeter Menschen einzuwirken. Habt keine Angst, wir reparieren das Internet.“

    Da es durchaus Überschneidungen zwischen den Nutzern der Gruppen geben dürfte – wie immer in sozialen Blasen – ist unklar, wie viele Nutzer die Öffentlichmachung ihrer Postings wirklich betrifft. Interessant dürften also nun die Reaktionen der AfD selbst und die rechtliche Frage sein, wer eigentlich auf Gruppenseiten einen rechtlichen Anspruch hat. Denn immerhin müssen die PARTEI-Leute vor der Löschung der Administratorin und des Moderators selbst eine sogenannte „Administratoren-Rolle“ gehabt oder eingeräumt bekommen haben.

    Was der Schlusssatz Shapira´s im Video an die Nutzer der Gruppen unterstreicht: „… denken Sie daran. Wer eine Facebookgruppe nicht aufrecht erhalten kann, wird es mit einem ganzen Land erst recht nicht schaffen. Wählen Sie deshalb am 24.09. die PARTEI. Sie ist sehr gut.“

    21 Tage vor der Bundestagswahl in jedem Fall ein Kracher der Satire-Partei, welche sich ebenfalls zur Wahl stellt.

    Nachtrag 1, 3. September 2017: Unterdessen hat sich die ehemalige Administratorin der Seiten zu Wort gemeldet und räumt den Verlust der Gruppenseiten ein. Wie das geschehen konnte, erklärt sie nicht. „Liebe Freunde und AfDler, heute Nacht wurden die 31 AfD Gruppen von der linken die „Partei“ gestohlen. Da ich dort Admin war bedanke ich mich für Eure gute Mitarbeit für unsere AfD. Bitte seid vorsichtig und verlasst die Gruppen.“

    Nachtrag 2, 4. September 2017: Die PARTEI kratzt nunmehr mit ihrer Parteiseite bei Facebook deutlich an der 300.000er Marke. Damit ist sie mehr als doppelt so groß, wie die offizielle CDU-Seite in diesem sozialen Netzwerk. Diese steht derzeit bei knapp 146.000 Fans. Die Linke steht derweil bei über 200.000, die SPD bei 162.000 und nur die AfD ist mit über 300.000 über allen Bewerbern stehend vertreten. Mit welchen Mitteln sie dies erreicht hat, war wohl der Grund der Aktion der PARTEI, die nicht grundlos auf die Verwendung von Bots, also Programmierungen zur Massenverbreitung von Fakes und Meinungen, schon im „Bekenner-Video“ hinweist.

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    6 KOMMENTARE

    1. Auf jeden Fall. Aber bei der AfD ist das ja echt kein Einzelfall. Die haben von nix ne Ahnung, stellen dumme Anfragen und übergeben mitten im Wahlkampf mal eben die Seiten an wildfremde Menschen. Man stelle sich diese Intelligenzverweigerer in Regierungspositionen vor. Die könnten glatt den Trampel vom Idiotenthron stossen.^^

    2. … mich machte das mit den Bots etwas stutzig, aber Du hast recht, die haben die Adminrechte übertragen bekommen. Bestätigt, dass man im Internet sehr vorsichtig sein sollte, wenn man andere nicht persönlich kennt.

    3. Steht doch im Text. Die Adminrechte wurden übertragen. Vielleicht auch mal das Video ansehen, da wirds auch noch mal erklärt.

    4. … wenn diese „Übernahme“ allerdings ohne Hacks oder ähnlichem erfolgte, dann sind die ehemaligen Administratoren einfach nur unfähig gewesen und haben es nicht anders verdient.

    5. Es ist eine Straftat und als solche auch zu verfolgen! Wenn dieses Land es nicht demokratisch schafft Meinungen und Ansichten zu ändern, dann hat es die Bezeichnung Demokratie nicht verdient!

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