Demokratiepreise gibt es schon eine Menge. Aber ausgerechnet die Stadt der Friedlichen Revolution vergab bislang keinen. Aber das soll sich jetzt ändern, konkret im Jahr 2024. Und er soll nach dem bekanntesten aller Leipziger Revolutionäre benannt sein: Robert Blum, der für Leipzig auch in der Nationalversammlung saß und 1848 vor Wien füsiliert wurde. Eigentlich hätte sich Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke die erste Preisvergabe schon 2023 gewünscht.

Aber ab dem Jahr 2024 will die Stadt Leipzig im Zwei-Jahres-Rhythmus den Robert-Blum-Demokratiepreis vergeben. Das geht aus der Dienstberatung des Oberbürgermeisters hervor. Anlass ist der 175. Jahrestag der Deutschen Revolution 1848/49, an der Robert Blum als maßgeblicher Streiter für die demokratische Bewegung beteiligt war.

Als Verleihungstag ist der 3. März vorgesehen – der Tag an dem Blum in einer Rede vom Leipziger Rathausbalkon den Rücktritt der damaligen Sächsischen Regierung sowie Pressefreiheit und eine Volksvertretung am Bundestag in Frankfurt am Main verlangte.

Symposium 2023

Da die Vorbereitung für den neu aus der Taufe zu hebenden Preis nicht bis zum Jahrestag in vollem Umfang abgeschlossen sein kann, plant die Stadt zudem am 3. März 2023 eine Vorstellung des Preises mit all seinen Facetten und Hintergründen im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig. Weiterhin ist ein Symposium zum Wirken Blums vorgesehen.

Der Preis wird mit 25.000 Euro dotiert und soll an eine Persönlichkeit aus Kultur, Kunst, Wissenschaft, Religion oder Publizistik verliehen werden, die sich im Geiste Robert Blums sowie im Einklang mit den Werten der Friedlichen Revolution vom Herbst 1989 für Demokratie, Parlamentarismus, Meinungsfreiheit, Aufklärung, gewaltfreien Wandel und innerdeutsche sowie europäische Verständigung einsetzt.

Ein besonderer Aspekt soll dabei auf der mutigen öffentlichen Rede, dem kritischen Hinterfragen intoleranter Macht- und Denkstrukturen sowie einem über die angestammte Profession und Prägung hinausreichenden Eintreten für die Verteidigung demokratischer Verhältnisse und Austauschformen sowie gegen Ausgrenzung und Unterdrückung jedweder Art liegen.

Die Verleihung soll jeweils im Rahmen eines Festaktes im Festsaal des Alten Rathauses erfolgen, von dessen Balkon aus Robert Blum seine viel bejubelte Rede hielt. Die Preisträgerin oder der Preisträger verpflichten sich zudem darüber hinaus, einen öffentlichen Auftritt in Form einer Rede, eines öffentlichen Bildungsprojektes oder einer Vorlesung zu absolvieren.

Der Preis selbst soll in einem künstlerischen Wettbewerb, der noch in diesem Jahr ausgeschrieben wird, als Plastik oder Skulptur entstehen.

Robert Blum im Schloss Bellevue

Als Schirmherr für den Preis soll der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland gewonnen werden. Einen wertvollen Anstoß und eine beträchtliche Ermutigung erhielt das Vorhaben durch die Initiative des gegenwärtigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der bereits im November 2020 im Schloss Bellevue eine Galerie mit repräsentativen Bildzeugnissen der deutschen Demokratiegeschichte einweihte und diesen Saal mit einer wegweisenden Ansprache demonstrativ nach Robert Blum benannte. Ein Bildnis Robert Blums hängt als Dauerleihgabe des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig in dieser Galerie.

Das Dezernat Kultur, das die Vorlage auch in den Stadtrat einbringt, ist nun beauftragt, ein hochkarätig besetztes Kuratorium zu gewinnen, welches ein Statut für den Preis erarbeitet, in dem die Zugangskriterien für Preisträger und somit die Wert- und Zielvorstellungen
festgehalten sind.

Ein Bildnis Robert Blums hängt als Dauerleihgabe des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig in def Galere von Schloss Bellevue. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Ein Bildnis Robert Blums hängt als Dauerleihgabe des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig in der Galerie von Schloss Bellevue. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Dieses soll aus Vertretern der Stadt Leipzig, des Freistaates Sachsen, der Bundeszentrale für Politische Bildung, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der Stiftung der deutschen Demokratiegeschichte und der Partnerstadt Frankfurt am Main bestehen. Die Stadt wird durch den Oberbürgermeister vertreten sein, der auch den Vorsitz des Kuratoriums übernimmt.

Das Kuratorium soll zudem die fünf- bis achtköpfige Jury bestimmen, die in ehrenamtlicher Tätigkeit über die Preisvergabe entscheidet. Den Juryvorsitz übernimmt für das erste Preisjahr die Stadt Leipzig.

Für die Folgejahre ist ein alternierender Vorsitz der Vertreter des Kuratoriums je nach Zusammensetzung und Grad der Beteiligung möglich. Die anderen Mitglieder sind Fachexperten, die vom Kuratorium auf die Dauer von zwei Preisjahren gewählt werden.

Das kurze Leben Robert Blums

Robert Blum wurde am 10. November 1807 in Köln geboren und machte sich als Politiker, Verleger, Publizist und Dichter einen Namen. Als Sohn eines Dienstmädchens und eines Lagerhausschreibers arbeitete er sich trotz Sehschädigung infolge einer Masernerkrankung und mehrerer abgebrochener Ausbildungen nach oben. Er schloss schließlich 1825 eine Lehre zum Gelbgießer ab und arbeitete einige Jahre bei einem Laternenfabrikanten.

Als er aus wirtschaftlichen Gründen diese Anstellung verlor, zog er zurück in seine Heimatstadt Köln und schloss sich dem dortigen Stadttheater als Theaterdiener an. Als das Theater ihn ebenfalls aus finanziellen Schwierigkeiten entlassen musste, ging er 1832 zusammen mit dem Kölner Theaterleiter als Theatersekretär, Bibliothekar und Kassenassistent nach Leipzig.

In der Messemetropole ließ sich Blum privat nieder und widmete sich neben dem Beruf mit durchwachsenem Erfolg der Dichtkunst und Schriftstellerei. Zugleich kam er in der politischen Atmosphäre des „Vormärz“ mit liberalen politischen Strömungen in Kontakt. Er wurde Mitglied in einer Burschenschaft, besuchte Treffen des Hallgarten-Kreises und übernahm 1844 die Leitung des Schillervereins in Leipzig.

Er gab die oppositionelle Zeitung „Sächsische Vaterlandsblätter“ heraus, in der auch die Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters Beiträge veröffentlichte. Bei verschiedenen Anlässen wie dem „Leipziger Gemetzel“ im August 1845 wurde er als ausdrucksstarker Redner landesweit bekannt.

Am 1. März 1848 forderte er im Leipziger Stadtrat in Reaktion auf die Revolution in Frankreich einen Sturz der Sächsischen Regierung, was er zwei Tage später vom Balkon des Alten Rathauses aus wiederholte, nachdem der sächsische König Forderungen nach Pressefreiheit und einer Volksvertretung am Bundestag in Frankfurt am Main abgelehnt hatte.

Am 19. März hielt er auf dem Kornmarkt in Zwickau eine Rede vor mehreren tausend Zuhörern und wurde anschließend für das Vorparlament in Frankfurt nominiert, nachdem er dies zuvor in Leipzig noch abgelehnt hatte. In Frankfurt wurde er sogleich zu einem der vier Vizepräsidenten des Vorparlamentes gewählt. Für Leipzig zog er schließlich in die Frankfurter Nationalversammlung ein, die am 18. Mai 1848 eröffnet wurde.

Im Oktober 1848 reiste er als Delegationsleiter der demokratischen Fraktion nach Wien, wo ebenfalls eine revolutionäre Erhebung begonnen hatte. Hier wurde er nach mehreren Reden sowie dem Einsatz im Verteidigungskorps gegen die kaiserlichen Truppen trotz Immunität als Abgeordneter am 4. November verhaftet. Am 8. November wurde er zum Tode verurteilt und am folgenden Tag erschossen. Seine Hinrichtung gab der revolutionären Bewegung in Deutschland neuen Schub, bevor diese 1849 militärisch niedergeschlagen wurde.

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