Viele Menschen erleben diese Zeit als Zumutung: Die Preise steigen, politische Entscheidungen wirken fern, gesellschaftliche Debatten sind laut und hart, Verlässlichkeit scheint brüchig. Dieses Gefühl ist real. Es lässt sich nicht wegreden und auch nicht allein durch bessere Kommunikation auflösen. Doch der anhaltende Erfolg der Alternative für Deutschland (AfD) erklärt sich nicht nur aus wirtschaftlichen Sorgen oder politischen Fehlentscheidungen.

Er hat auch mit etwas zu tun, das in der öffentlichen Debatte oft unterschätzt wird: mit dem Verlust politischer Bindung – und mit der Art, wie politische Nähe heute hergestellt wird.

Lange Zeit war Politik für viele Menschen eingebettet in den Alltag. Parteien waren Teil stabiler sozialer Zusammenhänge: Gewerkschaften, Kirchen, Vereine, Betriebe. Politische Zugehörigkeit war keine tägliche Entscheidung. Man konnte unzufrieden sein und blieb dennoch verbunden.

Wie politische Bindung verloren ging – eine „Beziehungskrise“

Diese Strukturen sind in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend erodiert. Mitgliedschaften gingen zurück, Milieus lösten sich auf, Parteibindungen wurden brüchig. Politik steht dem Einzelnen heute oft direkt gegenüber – ohne das soziale Netz, das Enttäuschungen früher abgefedert hat.

Gleichzeitig sind politische Entscheidungen komplizierter geworden. Sie entstehen in langen Verfahren, auf verschiedenen Ebenen, unter nationalen und internationalen Zwängen. Für viele ist kaum noch nachvollziehbar, wer wofür verantwortlich ist. Zurück bleibt häufig der Eindruck: Ich kann wenig beeinflussen, und niemand hört wirklich zu.

In einer beschleunigten Medienöffentlichkeit verstärkt sich dieses Gefühl. Politik ist ständig präsent, aber selten erklärend. Sie wirkt widersprüchlich, aufgeregt, manchmal belehrend – und oft weit entfernt vom eigenen Leben. Nähe entsteht so kaum – eher Ermüdung.

Was dabei verloren geht, ist politische Beziehung. Viele Menschen fühlen sich nicht mehr gemeint, nicht mehr gehört, nicht mehr vertreten. In dieses Vakuum stoßen Akteure wie die AfD. Sie bieten keine Auflösung der zugrunde liegenden Konflikte, aber sie bieten etwas anderes: emotionale Ordnung, kommunikative Eindeutigkeit und das Versprechen von Zugehörigkeit.

Politische Kommunikation ist mehr als Inhalt

Politische Kommunikation wirkt dabei nicht nur über Inhalte. Sie wirkt immer zugleich über Beziehung, Selbstoffenbarung und Appell. Der Erfolg der AfD lässt sich vor diesem Hintergrund als gezielte Reduktion von Komplexität lesen – als eine strategische Schließung von Ambivalenz, die Orientierung verspricht, bevor politische Lösungen beginnen.

Besonders deutlich werden diese Muster in parteiinternen Räumen. Die folgenden Beobachtungen stützen sich auf eine Analyse von Redebeiträgen auf dem Gründungskongress der Generation Deutschland, gehalten vor Mitgliedern und Funktionären. Dort geht es nicht um die Überzeugung unentschlossener Bürger, sondern um die Festigung von Zugehörigkeit.

Gerade deshalb erlauben solche Räume einen unverstellten Blick darauf, wie politische Beziehung hergestellt, Loyalität stabilisiert und emotionale Ordnung erzeugt wird – bevor diese Formen politischer Kommunikation nach außen getragen werden.

Beispiel für politische Kommunikation. Grafik: Frank Beutner
Beispiel für politische Kommunikation. Grafik: Frank Beutner

Die Sachebene – Klarheit durch Vereinfachung

Auf der Sachebene benennt die AfD Probleme, die viele Menschen real erleben: steigende Preise, überlastete Schulen, Unsicherheit im öffentlichen Raum, den Eindruck von Kontrollverlust. Diese Erfahrungen sind nicht konstruiert. Sie haben materielle Grundlagen und konkrete Ursachen.

Die kommunikative Wirksamkeit entsteht jedoch durch eine spezifische Form der Vereinfachung. Komplexe soziale, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge werden auf wenige, klar benennbare Faktoren reduziert. Verantwortung wird eindeutig zugewiesen. Widersprüche bleiben außen vor.

Migration wird zur Hauptursache gesellschaftlicher Spannungen, „links“ zur Chiffre für Chaos, „die da oben“ zur Quelle aller Ungerechtigkeit. Die Welt wird übersichtlich. Wer verunsichert ist, erhält klare Schuldzuweisungen und einfache Erklärungen.

Diese Reduktion folgt keiner analytischen Logik, sondern einer emotionalen. Überforderung, diese wird nicht bearbeitet, sondern beendet. Wo politische Realität Ambivalenz verlangt, wird Eindeutigkeit angeboten. Für das subjektive Erleben wirkt das entlastend: Unsicherheit wird in Ordnung übersetzt, Ohnmacht in klare Verantwortlichkeit. Der Preis dieser Klarheit liegt in der Verzerrung der Wirklichkeit – ihre Wirkung ist jedoch unmittelbar.

Die Selbstoffenbarung – Authentizität als Haltung

Auf der Ebene der Selbstoffenbarung sendet die AfD ein konsistentes Signal: Wir sind ehrlich. Wir sagen, was andere sich nicht trauen. In einer Öffentlichkeit, die viele als moralisch aufgeladen empfinden, wirkt diese Haltung für manche befreiend.

Innere Ambivalenzen – Zweifel, Wut, Kränkung – werden dabei nicht ausgehalten, sondern umgedeutet. Zweifel gilt als unterdrückte Wahrheit, Ärger als Zeichen von Authentizität. Verantwortung für die Folgen dieser Zuspitzung wird häufig nach außen verlagert. Schuld tragen jene, die angeblich nicht zuhören oder die Realität verweigern.

So entsteht der Eindruck innerer Geschlossenheit. Widersprüchliche Impulse müssen nicht mehr ausgehandelt werden. Eine dominante Haltung übernimmt die Führung. Diese Form von Authentizität wirkt stabilisierend – nicht, weil sie differenziert, sondern weil sie Ambivalenz vermeidet.

Diese Selbstbeschreibung bleibt jedoch nicht auf der individuellen Ebene. Sie prägt auch, wie politische Beziehung hergestellt wird.

Die Beziehungsebene – Nähe als Loyalitätsangebot

Am wirksamsten ist die Beziehungsebene. Die AfD spricht ihre Adressaten nicht primär als distanzierte Bürger an, sondern als Teil eines kollektiven „Wir“. Dieses Wir verspricht Anerkennung: Wir sehen dich. Wir nehmen dich ernst. Wir stehen auf deiner Seite.

Diese Form von Nähe ersetzt für viele, was andernorts verloren gegangen ist: politische Repräsentation, soziale Einbindung, manchmal auch Anerkennung im eigenen Umfeld. Beziehung entsteht dabei nicht über Aushandlung, sondern über Übereinstimmung. Kritik von außen wird leicht als Angriff auf die eigene Zugehörigkeit erlebt.

Politische Auseinandersetzung verschiebt sich so von der Sachebene auf die Ebene von Loyalität und Identität. Resonanz entsteht innerhalb des Wir, Widerspruch wird externalisiert. Beziehung wird nicht zur Grundlage demokratischer Verständigung, sondern zum Mittel stabiler Bindung.

Die Appellebene – Handlung ohne Lösung

Auf der Appellebene verwandelt die AfD Ohnmacht in Aktivität. Setz ein Zeichen. Wehr dich. Wähl uns. Der Appell ist niedrigschwellig und emotional anschlussfähig. Er verspricht Selbstwirksamkeit dort, wo politische Prozesse als fern und unüberschaubar erlebt werden.

Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen realistisch, rechtlich tragfähig oder gesellschaftlich integrierbar sind, tritt dabei in den Hintergrund. Entscheidend ist das subjektive Erleben: Ich bin nicht mehr passiv. Ich handle.

Nicht jede Handlung verändert politische Realität – aber jede verändert das Gefühl von Kontrolle. Zustimmung wird so weniger zu einer Entscheidung für ein Programm als zu einer Entscheidung gegen das Gefühl politischer Ohnmacht.

Die AfD als neue Flamme – Zukunft offen

Dass die AfD weiter wächst, ist deshalb weniger Ausdruck ihrer politischen Stärke als ein Hinweis auf eine Leerstelle. Es zeigt, wie groß der Wunsch nach Orientierung, Zugehörigkeit und Wirksamkeit geworden ist – und wie oft demokratische Politik diese Bedürfnisse kommunikativ offenlässt.

Diese Analyse entschuldigt keine rechte Politik. Sie relativiert weder Inhalte noch Folgen. Sie macht jedoch deutlich: Demokratie verliert dort Bindung, wo sie korrekt, aber fern bleibt.

Demokratische Politik kann Nähe nicht durch Vereinfachung oder Feindbilder herstellen. Sie lebt von der Zumutung von Komplexität, vom Aushalten von Widersprüchen und vom offenen Austragen von Konflikten. Das ist anstrengender als einfache Antworten – aber unverzichtbar.

Der Erfolg der AfD verweist damit auf eine Aufgabe, die größer ist als jede einzelne Partei. Politik muss nicht nur Lösungen anbieten, sondern Beziehung herstellen – erklärend, verbindlich und konfliktfähig. Diese Verantwortung lässt sich jedoch nicht allein an Parlamente und Regierungen delegieren. Auch eine demokratische Zivilgesellschaft muss beziehungsfähig bleiben: in Vereinen, Initiativen, Betrieben, Nachbarschaften, Medien und im alltäglichen Gespräch.

Dort, wo politische Orientierung, Anerkennung und widerspruchsfähiger Austausch verloren gehen, entsteht ein Vakuum. Bleibt es offen, gewinnen jene an Einfluss, die Nähe durch Vereinfachung herstellen, komplexe Zusammenhänge verkürzen und Konflikte nicht austragen, sondern zuschreiben.

Zu Teil 1 – Alexander Eichwald & die Generation Deutschland: Ein radikaler Weckruf

Zu Teil 2 – AfD setzt sich von der CDU/CSU ab: Das ist ein statistischer Weckruf

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Es gibt 21 Kommentare

So eine Frage, welches Grundprinzip wieder Beachtung finden möge, damit hiesige Politik wieder glaubwürdiger werde, lieber Autor, ist gut gemeint. Aber man weiß vor Trümmern eigentlich nicht wo anfangen! Der von “Sebastian” benannte Medieneinfluß ist zudem Teil des Gesamtproblems.

Die Leute sind abgelöscht. Die Politiker sind es längst. Deren und der Leitmedien Hypermoralisieren muß ein Ende finden. Wie man Herz in die Politik zurückbringen könnte, dafür gibt es tausend Wege, das muß ein Politiker oder eine Politikerin schon selbst wissen. Oder scheitern.

Nun, als Grundmaxime würde ich mir mehr Ehrlichkeit und Verantwortungsübernahme im Umgang mit politischen Entscheidungen wünschen.
Sehr viele Bürger spüren, dass fachliches Wissen durchaus vorhanden ist, aber politisch nur sehr selektiv genutzt wird. Dies erzeugt meist den Eindruck von Inszenierung und Vorentscheidung, statt offener Abwägung.
Wenn dann noch ‘Alternativlosigkeit’ bemüht wird, anstatt Konflikte und Sachfragen nachvollziehbar zu erklären, geht weiter Vertrauen verloren.

Hilfreich wäre zudem, erkannte Fehlanreize und strukturelle Defizite des demokratischen Systems, etwa Wahltermine, Wahlperioden oder Amtszeiten, offen und ernsthaft zu diskutieren, statt sie permanent auszuklammern. Nach über 70 Jahren Erfahrungen legitim.
Das wird einfach so als Schicksal hingenommen, könnte aber zu einer fruchtbareren politischen Arbeit führen.

Es hilft schon sehr, wenn sich Politiker nicht so von den Medien treiben lassen. Nicht jedes Mikro unter der Nase verdient eine Antwort und nicht jeder Vorfall im Land oder irgendwo außerhalb ein sofortiges Statement. Sie sollten nicht so oft in Talkshows gehen und wenn sie schon da sind, sich nicht vorführen lassen und moralisch – medial augenscheinlich akzeptable Antworten aus dem Laib schnitzen. Dabei kommt oft Unsinn raus, der bei der nächsten Talkshow eingeblendet und mit der nächsten Ichstelldich-Frage gekoppelt werden kann. Dieser ganze mediale Betrieb ist in sich oft unglaubwürdig (ich verweise auf den Blog uebermedien.de) und schafft durch Druck unglaubwürdige Aussagen.

Die Intensität der Beiträge zeigt, dieses Thema wird hier nicht oberflächlich diskutiert, sondern es berührt.

Trotz sehr unterschiedlicher Positionen lassen sich auch Gemeinsamkeiten erkennen:
Viele äußern ein deutliches Vertrauensproblem gegenüber politischer Praxis und Kommunikation.
Viele sind unzufrieden mit der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und den politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre.
Und viele wünschen sich mehr Klarheit, Ehrlichkeit und Verantwortungsübernahme, statt Inszenierung oder taktischer Manöver.

Diese Kritik kommt aus unterschiedlichen Richtungen, zielt aber auf einen ähnlichen Kern: die Frage, wie Demokratie heute als glaubwürdig erlebt wird.

Daher eine gemeinsame Rückfrage an alle, die noch Lust & Muse haben – das würde mich interessieren:

Wenn die Politik Sie fragen würde: Welches Grundprinzip müsste aus Ihrer Sicht wieder stärker gelten, damit Politik in Deutschland glaubwürdiger wird?

Doch, die maßgeblichen, also durch die medialen Ventilatoren gepusteten, Ökonomen möchte ich pauschal treffen. Denn die Sache ist doch (unter der Grundannahme, daß Wirtschaftspolitik überhaupt einen wirklichen Einfluß ausüben kann): wenn es Absicht wäre, diese BRD ökonomisch an die Wand zu fahren, wäre es ein Verbrechen. Wenn es Unvermögen ist, die zum Kollisionskurs führt, wäre es eine Schande. Es gäbe dazwischen noch Fahrlässigkeit und Leichtfertigkeit, aber egal. In jedem Falle: schon bei Anschein etwa von bewußt herbeigeführter, volkswirtschaftlichen Schaden erzeugender Zinspolitik müßte die vierte Gewalt alles daransetzen, die Lage aufzuklären. Wo passiert das? In den “Redaktionsstuben” herrscht eine hochgradig anpaßlerische, affirmative Atmosphäre.

Um mit Walter Ulbricht zu fragen: Quo vadis – wem nützt das? Also ein Dümpeln oder Wegrutschen der hiesigen Volkwirtschaft? Anderweitigen externen Playern, die dann zum Zeitpunkt einer Talsohle zugreifen und dann alles nach eigenem Gusto umkrempeln? Man weiß es nicht.

Jedenfalls können wir sicher sein, daß die AfD-Wähler wenigstens zu Teilen zur Überzeugung gelangt sind, daß – ob mit Vorsatz oder ohne – die Wirtschaftspolitik falsch ist. Ich glaube wahrzunehmen, daß allerdings die Majorität der AfD-Wähler nicht erfaßt hat, daß die Partei mindestens denselben Brei wie CDU und SPD und davor FDP und B90/DG rühren würde, mit demselben Unverständnis über die Rolle des Staates bei Stagnation. Und mit nicht minder Suppression der Habenichtse, wie wir es gestern neu von Bärbel Bas (SPD) vernommen haben, aber bestimmt würde die AfD noch etwas expressiver agieren. Tja.

Urs, interessanter Aspekt.
Der Eindruck ist nachvollziehbar, aber pauschal “Ökonomen“ zu treffen, greift meines Erachtens zu kurz.
Das Problem ist vielleicht weniger grundsätzliches oder ökonomisches Unvermögen, sondern eher, dass es sehr unterschiedliche ökonomische Einschätzungen gibt, und politisch immer nur bestimmte herausgegriffen werden.

Es gibt doch seit Jahren renommierte Ökonomen (Bofinger, Truger, De Grauwe, auch Ihr Herr Flassbeck), die vor Deflation, Investitionsschwächen und anderen strukturellen Problemen warnen.
Lagen die in zentralen Punkten nicht eher richtig als falsch?

Politisch durchgesetzt haben sich jedoch meist jene Gutachten und Erzählungen, die bestehende Interessen, Haushaltsdogmen oder Lobbypositionen gestützt haben.
Die “Beratung” ist also durchaus vorhanden, aber sie wird nur sehr selektiv genutzt.

Und genau diese Lücke zwischen vorhandenem Wissen und tatsächlichem politischen Handeln trägt zur Entfremdung und Politikverdrossenheit bei, von der auch im Artikel die Rede ist.
Und ja, davon zehrt die AfD.

Danke., lieber Autor, für den Text und das Interesse an einer gewissen Diskussion.

Daß die maßgeblichen hiesigen Ökonomen es notorisch nicht raffen, wie die wirtschaftliche Lage im Land und dessen Beziehungen zur Weltwirtschaft aussehen, sei eine weitere Komponente, die bei einem Teil von AfD-Wählern den Eindruck verstärken mag, daß etwa Absicht oder dergleichen im Spiel sein muß. Meine Meinung ist, daß es sich zuvörderst um Unvermögen handelt. Empfohlen sei ein Essay von Heiner Flassbeck von heute: https://www.relevante-oekonomik.com/2026/01/15/europa-auf-deflationskurs-und-die-ezb-sitzt-schon-wieder-auf-dem-falschen-dampfer

Danke für alle Beiträge, @Kaisen schade um die Sachinformation, die sie vermitteln wollen.. Eine abwertende Beziehungsebene ( “Ihr Geseier”) stört die Sachebene ebenso wie eine unverhältnismäßige Beziehungsnähe… ein wesentlicher Punkt, den der Artikel vermitteln wollte.

Ja, “Kaisen”, die von mir genannten Namen verwundern nicht.

Und es war etwas ungenau von mir, ich meinte mit “Virologen” genau “reine Virologen”, Klaus Stöhr, primär ein Tierarzt, ist prominent als sehr erfahrener Infektologe, was die Epidemiologie und bei ihm die Virologie mit einschließt. Und dann lesen Sie ihn bitte hier: https://www.monitor-versorgungsforschung.de/wp-content/uploads/2024/03/MOVS-202402_stoehr.pdf

Jedenfalls hat nicht zuletzt die sog. Corona-Politik die AfD beflügelt.

@Usr Wall of text – conclusio: hätten wir doch alle nur auf Klaus Stöhr gehört, der anno dazumal in Leipzig Veterinärmedizin studierte. *sigh* Zu “… man hat Virologen bemüht. Das war grundfalsch, man hätte Infektologen herzuziehen müssen.” Ihr hochgepriesener Herr Stöhr IST Epidemiologe und Virologe!

Und welchen PolitikerInnen sie Herz und Verstand zuschreiben, ist selbstverständlich ebenso höchst subjektiv. Die Namen verwundern bei Ihnen allerdings nicht…

“Die Repräsentanten der AfD brillieren durch glaubwürdige Emotionen und politische Empathie, gleichzeitig sind ihre Vertreter die mit der höchsten Bildung aller Parteien und haben auch regelmäßig vor ihrer politischen Karriere Steuern gezahlt.”

Ihr Geseier zum Bildungsstand etc. wurde ja nun schon faktisch widerlegt. Den subjektiven Teil, dass AgD-PolitikerInnen mit glaubwürdigen Emotionen und Empathie “brillieren”, kann ich persönlich nicht im geringsten nachvollziehen. Die VertreterInnen der AgD wirken auf mich allesamt arrogant, selbstbezogen und in höchstem Maße verlogen.

Ja ich habe einen Fehler gemacht in Bezug auf die Bildungsabschlüsse, ich glaube Lucke hatte sich einst über den Anteil der Hochgebildeten in der AfD so geäussert, die damalige Professorenpartei ist heute nicht mehr belegbar. Das ändert aber nichts an dem “Sichnichtmehrvertretenfühlen” in Bezug auf die Regierungsparteien der letzten Jahre.”Quereinsteiger” ist das Schlüsselmoment. Verlassen kann sich das Einheitskonglomerat von CDU/CSU, FDP, SPD, Grüne und Linke nur noch auf die, die wirklich nichts begriffen haben, ja letztendlich ihre Autonomie freiwillig an eine Höhere Macht abgeben, weil sie sich sonst mit einer eigenen Meinung so einsam fühlen würden, Tagesschau und Heutejournal in der Dauerschleife. Petry nannte es einst die Infantilisierung der Politik. Das sind die, die selbst heute nachdem der ganze Coronabetrug aufgefallen ist, immer noch sagen, sie wollten doch nur das Gute und haben es nicht besser gewusst.

Nun ja, SARS-CoV-2 und COVID-19 hat es gegeben, und es gab viele Opfer (in meiner Verwandschaft einen ursächlichen Toten). Was es aber nicht gegeben hat sind Impfstoffe, die durchweg immunisieren. Auch etliches mehr, was damals verbreitet wurde, lag leider eher so, wie es weithin beizeiten von “Querdenkern” vermutet worden war (ich kannte einen persönlich, der war so aufgedreht, daß man nur noch mit Mühe mit ihm reden konnte, aber man konnte, und ich habe es getan, auch wenn ich den irren Tunnelblick durchdringen mußte).
Ich kenne einen redlichen, gut beleumundeten Mathematiker, der aus der Leopoldina rausgeworden worden ist, weil er mit theoretischen Abschätzungen an die Öffentlichkeit getreten war, die eher der dann stattgefundenen Realität entsprochen haben, als das, was in “Presse, Funk und Fernsehen” zu vernehmen gewesen war. Die ganze sog. Corona-Politik war ein einziges Trauerspiel. Hier wurde moralisierend vereinfacht was das Zeug hielt. Wer verantwortet die Schäden? Und es reicht auf Dauer nicht immer wieder zu betonen, man hätte es nicht besser gewußt. Im Innenministerium in Berlin hat man im März 2020 was von einer Million Toten in der BRD als Schreckensbild an die Wand gemalt. Und den Entschluß gefaßt, eine Schockwirkung in der Bevölkerung erzielen zu wollen (das stand damals wörtlich im Pressematerial).

Man hat nicht etwa Klaus Stöhr, der übrigens in Leipzig einstmals in den frühen Achtzigern Veterinärmedizin studiert hatte und der bei der WHO für derlei Pandemien mal zuständig gewesen war, Gelegenheit gegeben die Lage zu beurteilen und zu beeinflussen, man hat Virologen bemüht. Das war grundfalsch, man hätte Infektologen herzuziehen müssen. Warum hat man aber nicht die Infektologen herzugezogen (man hat auch die Experten der sog. Nationalen Kohorte nicht oder nur spät und spärlich hinzugezogen, dabei gibt es diese NaKo ausdrücklich auch für Epidemien oder gar Pandemien)? Ich weiß es nicht, ich weiß nicht, ob das jemand weiß, ich ahne nur, daß die WählerInnen der AfD hier einen bösen Plan vermuten.
Und ich frage mich, wie man das politisch wieder reparieren will oder gar kann? Später kam dann Klaus Stöhr, der wunderbar erklären kann, übrigens auf eine Weise, wie ich sie noch von anderen klugen, damals den Siebzigern oder Achtzigern in Leipzig in der Medizin ausgebildeten Leuten kenne, doch noch zu Wort, und er mußte berichten, daß ihn seine früheren Kollegen aus der WHO und anderen internationalen Organisationen besorgt gefragt hätten, ob man denn in der BRD den Verstand verloren hätte, weil immer noch etliche Restriktionen aufrechterhalten worden waren. Mit anderen Worten, die politischen Fehler erstreckten sich bis in die absolute Endphase der Pandemie.

Man hatte anfangs die Pandemiepläne nicht berücksichtigt und zunächst mal Schulen geschlossen, obwohl genau derlei als ungeeignet in eben den Pandemieplänen stand. Man hat kaum wieder aufhören können die Schulen geschlossen zu halten. Man hat Milliarden zum Fenster rausgeworfen für Tinnef. Man hat Polymerasekettenreaktionen absurderweise bis in die 40. Passage laufen lassen, wodurch man sinnlos viele falsch positive Fälle generierte.
Man hat Testzentren gesäht und damit Betreiber reich gemacht, hat einen “Digitalisierungsschub” gefeiert (klingt wie ein Kranksheitsverlauf), Klinikpersonal wohlfeil vom Fenster aus beklatscht, man hat eine kaum für möglich gehaltene politische Sturheit kultiviert und Folgsamkeit in einer Weise verlangt, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr Usus war, gelinde gesagt. Wohlgemerkt, um Leben zu retten, Ausbreitung einzudämmen, Kurven flachzubiegen, und die Krankheitswirkung abzudämpfen. Wer kann dazu schon nein sagen? Dabei wußte Klaus Stöhr von Anfang an: die Pandemie ist zuende, wenn alle infiziert sind. Und so war es dann auch. Ja, man hat Leben gerettet, aber um den Preis eines sehr anderweitigen Schadens.

Man hat nicht zuletzt bewirkt, daß die Leute ihre Oberfläche weiter verkleinern, viele sind seither bei der idealen Kugelform angekommen. Und man hat damit insgesamt Leute in Scharen zur AfD rücken lassen.

Und woher sollen plötzlich Politiker mit Rückgrat kommen? Rudolf Dreßler ist tot, Regine Hildebrandt noch viel länger. Und Boris Pistorius (der Boris Becker unserer Tage, kleiner Namenswitz), könnte berühmt werden, wenn er die “Koalition der Willigen” aufkündigte, anstelle Schneidkeit zu verbreiten die Kunst der Deeskalation nicht zu praktizieren. Daß heutzutage der greise Klaus von Dohnanyi, im Grunde ein Konservativer, der in der SPD dementsprechend dem Seeheimer Kreis angehört, eigentlich der letzte in der SPD ist, der mit Siebenundneunzigeinhalb Jahren noch so klar sieht, wie man es von einem Politiker erwarten möchte, zweigt die hochbetrübliche Lage. Es gibt nahezu keine aktiven Politiker von überregionalen Rang mit Herz und Verstand. Das klingt vielleicht jetzt fast wie AfD-Sprech, aber man möge Namen aufzählen, die vielleicht doch noch erwägenswert sein könnten.

Urs, ich würde Vereinfachung nicht generell verurteilen. Ich denke sogar, ohne Vereinfachung ist Demokratie kaum massenwirksam kommunizierbar.
Entscheidend ist jedoch, wie vereinfacht wird.
Eine „gute Vereinfachung“ bleibt offen und revidierbar, sie benennt Zielkonflikte und schließt auch Verantwortlichkeiten nicht aus.
Die problematische Variante dagegen moralisiert, schließt Widerspruch aus, personalisiert Schuld und verspricht Endzustände statt politischer Prozesse.
Man könnte zum Beispiel sagen: ‘Migration muss gesteuert werden, humanitär und rechtsstaatlich. Aber auch: ‘Migration ist die Ursache, und wir beenden sie’.

In den letzten Jahrzehnten haben wir oft erleben dürfen, dass etablierte Parteien zwar vereinfacht, dabei aber zunehmend den Bezug zur realen Erfahrung vieler Menschen verloren haben.
Vereinfachungen oder Narrative wirkten dadurch immer hohler, während Fehler nicht mehr politisch verantwortet, sondern nur noch kommunikativ verwaltet wurden.
Deswegen profitiert die AfD meines Erachtens weniger von ihrer eigenen Kommunikation, als von einem ‘Vertrauensverschleiß der demokratischen Vereinfachung’.
Sie wächst nicht nur, weil sie vereinfacht, sondern weil die Glaubwürdigkeit derer, die lange vereinfacht haben, sehr stark gelitten hat, oder gar verloren gegangen ist. Das ist schade, weil diese Möglichkeit den “etablierten Parteien” nun nicht mehr wirksam zur Verfügung steht.

Was mir vor allem fehlt, sind politische ‘Akteure mit Rückgrat’: die Fehlentscheidungen benennen, Konflikte offenlegen, Komplexität erklären und auch mal aushalten, anstatt fertige Ergebnisse zu präsentieren. Ohne auf das Parteiabzeichen zu schauen, wäre z.B. Herr Pistorius einer, der zu viel mehr in der Lage imstande wäre.

@unzeitgeist
Ich glaube, Sie lesen da mehr Dünkel hinein, als ich hineingelegt habe.
Ich habe nicht behauptet, dass Akademiker per se bessere Politiker seien, sondern darauf hingewiesen, dass das von gerd stefan bemühte Argument (‘die haben vorher richtig gearbeitet und Steuern gezahlt’) kein Alleinstellungsmerkmal der AfD ist. Und das “gleichzeitig sind ihre Vertreter die mit der höchsten Bildung aller Parteien” faktisch an der Realität vorbeigeht.
Außerdem sagt „Quereinsteiger“ zudem nichts darüber aus, was vorher getan wurde, wie lange oder wie erfolgreich.

Dass der Bundestag stark akademisiert ist, das ist ein Strukturproblem der Parteien, aber kein Qualitätsbeweis für oder gegen irgendeine Fraktion.
Aus Ausbildung oder Abschluss lässt sich weder politische Kompetenz noch Steuerleistung zuverlässig ableiten. Wer das dennoch tut, vereinfacht genau so unzulässig, wie er es anderen vorwirft.

@Christian

Das ist nicht meine Agenda, aber bei ihnen muss ich mal “reingrätschen”:

Ihren ganzen Wust von Zahlen und Quellen können sie sich sparen. Es genügt für das Argument von Gerd Stefan bereits die eine Vergleichszahl der “Quereinsteiger” denn das belegt sein Argument voll. Die Leute haben im Leben vorher etwas anderes gemacht und es wird eher nicht – mit Verlaub – “hartzen” gewesen sein. Insofern ist die Identifikation mit Leuten, die richtig gearbeitet und Steuern gezahlt haben schon nicht völlig hanebüchen.

Aber den Vogel schießen sie ab mit einer anderen Aussage, die vor allem etwas über ihre Denke und einen gewissen elitären Dünkel bei ihnen offenbart: Die AFD hat die geringste Quote von Hochschulabsolventen. Und das spreche gegen sie und ihre Qualifikation.

Ich glaube das muss ich eigentlich nicht erklären. Aber ich tue es dennoch damit es hier nicht weggewischt werdn kann.

Erstens ist es abenteuerlich, “Macher” oder “Leister” nur an der Ausbildung und dann noch an einer spezifischen Ausbildungsform festzumachen. Es gibt z.B. Techniker und Handwerker und manche von denen haben auch Betriebe. Andere Berufsgruppen halten unser Leben und ihre Bequemlichkeit mit großem Einsatz am Laufen. Aber da kommt noch etwas Wichtiges:
Die, zweitens, Akademisierung des Bundestages ist ein Zeitenphänomen. Zu früheren Zeiten waren sehr viel mehr Nichtstudierte, Handwerker, z.T. Leute mit “Arbeiter”-Hintergrund dort vertreten. Haben sie schon mal von Repräsentation und einer solchen “Lücke” gehört? Haben sie schon mal den Vorwurf der entrückten Lebenswelt der Politiker gehört? Das hängt im Übrigen auch mit dem “Erstens” oben zusammen.
Und, drittens, tut mir Leid es kommt noch ein gutes Argument, haben wir im seit mindestens 1995 Land eine große Akademikerzahl in den Kohorten, weswegen auch die Aussage bzgl. Qualität der Ausbildung und Intelligenz der Absolventen bei Weitem nicht mehr so aussagekräftig sind, wie sie es zu früheren Zeiten waren. Ich verweise hier auch noch auf die stetig abgesenkten Bildungsanforderungen im Gymnasium in diversen Fächern, die auch nicht dafür bürgen, dass alleine schon der Hochschulzugang für gute geistige Kapazität verbürgt. Und, es muss leider sein, haben sie sicher schon von den Vorbereitungskursen in diversen Fächern für junge Zugänge an Universitäten gelesen. Diese Klagen, dass die Universitäten versuchen müssen Grundlagen zu legen, die eigentlich Schulabgänger mitbringen sollten, die ist ihnen genau wie die Klagen, dass das generelle Niveau der Studenten gesunken ist, sicher nicht entgangen.

Insofern muss ich ihre Kapazität wirklich loben. Chapeau!

Die AfD ist ganz bestimmt “ein Hinweis auf eine Leerstelle”, gelinde gesagt. Also im Grunde auf einen Haufen von Leerstellen. Allerdings, ob die, wie Sie, lieber Autor, schreiben, Demokratie “korrekt, aber fern” geblieben ist, fragt sich. Das mit der Korrektheit ist so eine Sache. Ich würde eher betrachten: oft genug unkorrekt und nah. Die ganze Agendapolitik hat nicht zuletzt “mit einem der besten Niedriglohnsektoren”, wie Gerhard Schröder sich lobte, ziemlich viel Völkisches erzeugt, als nämlich, wie AfD-Wähler sagen würden, spätestens ab 2015 “die ganzen Ausländer reingeholt” worden waren. Da kann man sich auf den Kopf stellen, die mit dem Namen von Peter Hartz bezeichneten “Reformen” rächen sich bis heute. Nun kann man sich auch an Helmut Kohl erinnern, der einen “kollektiven Freizeitpark” beklagt hatte, in der zahlreiche “soziale Hängematten” aufgespannt seien.

Und das Gemeine an Komplexität (die es zweifellos gibt) ist, daß sich die Politik diese auch als Nebelwand zunutze macht, und genau das merken die Leute. Die “Riesterrente” ist ein einziger Betrug. Carsten Maschmeyer, der übrigens noch in den Neunzigern im alten LVZ-Gebäude persönlich die damals knarren Stufen hochgestiegen war, um parfümiert und mit Einstecktuch die Redaktion zu beschwatzen und seine Anlageprodukte zu bewerben, sprach von einer der “Riesterrente” als Ölquelle, die es anzubohren gelte, und sie würde sprudeln. So ist es gekommen. “Die Politik” hat die ganze BRD mit dem Irrsinn verpestet, daß die gesetzliche Rente Ähksbähks sei. Man hat sich über Nobbi lustig gemacht, das war billig, aber leider wirksam. Und derlei böse Taten rächen sich heute. Man hat damals geglaubt, sich das politisch leisten zu können. Und die damaligen sog. “Akteure” (ein Irrsinnswort unserer Zeit) sind im wesentlichen über alle Berge oder im Grab.

Und machen wir uns nichts vor: für eine massenwirksame Argumentation muß Vereinfachung her. Das klingt bekloppt, trifft aber zu: die Essenz muß noch praktisch alle erreichen können. Wenn wir also an Autobahn-PPP denken, hat man sich große Mühe gegeben, Lieschen-Müller-tauglich zu behaupten, daß damit ja Geld des Staates gespart würde. Und bei Lieschen ist Wohlwollen erzeugt worden. PPP aber ist auch Betrug, von der Grundanlage her. Die Zerleger dessen, was wir Demokratie nennen mögen, waren sich nicht zu schade für Vereinfachung. Es ist schwierig der AfD, die auf diesem Boden gediehen ist, Vereinfachung vorzuwerfen.

Und dann: ich möchte mal auf den großen Georg Schramm kommen. Der hat Papst Gregor aus dem sechsten Jahrhundert zitiert mit “Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht.” Es braucht Zorn, wenn dieses Gemeinwesen BRD noch eine ersprießliche Zukunft erleben will. Jetzt käme es noch auf Vernunft an. Und eben Herz. Ohne Letzteres geht sowieso nichts, und man kann es nicht herbeizaubern. Nur mit Empathie begünstigen.

@gerd stefan
Abgesehen von Ihren subjektiven Eindrücken möchte ich einige Punkte ergänzen, und die von Ihnen verwendete Argumentationslogik einmal konsequent zu Ende denken.

Die Aussage, AfD-Vertreter hätten „regelmäßig vor ihrer politischen Karriere Steuern gezahlt“, trifft selbstverständlich ebenso auf zahlreiche Politiker anderer Parteien zu.

Zu den Qualifikationen gibt es belastbare Zahlen:
https://www.ue-germany.com/news-centre/press/share-of-academics-in-the-bundestag

• CDU/CSU und Grüne weisen mit jeweils ca. 91 % den höchsten Anteil an Abgeordneten mit Hochschulabschluss auf.
• Die AfD liegt mit rund 61 % am unteren Ende aller Fraktionen.

Bundestagsweit haben etwa 81 % der Abgeordneten ein Hochschulstudium abgeschlossen, weitere 15 % verfügen über eine klassische Berufsausbildung; der Rest sind Quereinsteiger.

Nach Fraktionen aufgeschlüsselt zeigt sich zudem:
* CDU/CSU und Grüne: sehr geringer Quereinsteigeranteil
* SPD, FDP, Linke: mittlere Werte
* AfD: höchster Anteil an Quereinsteigern (ca.34 %)

Wenn man, wie Sie, Bildung, berufliche Vorprägung und ‘Steuern zahlen’ als Maßstab politischer Legitimation heranzieht, stellt sich daher zwangsläufig die umgekehrte Frage:

Warum sollten ausgerechnet jene Abgeordneten als besonders qualifiziert gelten, deren Fraktion beim formalen Bildungsniveau und bei klaren Berufsabschlüssen am unteren Ende liegt?

Es ließe sich sogar mutmaßen, dass die AfD-Fraktion im Durchschnitt weniger lang regulär steuerpflichtig erwerbstätig war als andere, was wiederum zeigt, wie wenig belastbar das Argument ‘Steuern zahlen’ insgesamt ist.

Schwache Analyse: “politische Orientierung, Anerkennung und widerspruchsfähiger Austausch” gab es eher selten in der BRD. Das Ding ging halt nur solang gut wie die Masse im Schaufenster und später die zusätzlich Zurückgewonnenen auch Zucker bekommen haben. Als das nicht mehr nötig war, konnte die BRD wieder ihre deutsche Fratze zeigen, derzeit offiziell als Zeitenwende und offene Sozialstaatsabwicklung. Und jetzt ein Nickerchen, wie Gott im Sudan.

Der Artikel ist gut. Ich möchte aber noch etwas ergänzen. Die Repräsentanten der AfD brillieren durch glaubwürdige Emotionen und politische Empathie, gleichzeitig sind ihre Vertreter die mit der höchsten Bildung aller Parteien und haben auch regelmäßig vor ihrer politischen Karriere Steuern gezahlt.Die Menschen haben es satt empathielos von überwiegend ungebildeten Politschmarotzern geführt zu werden.

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