Dass in Deutschland so oft und in immer wiederkehrenden Schleifen über Maßnahmen diskutiert wird, Klima und Umwelt zu entlasten, hat auch damit zu tun, dass sämtliche Verbesserungen in diesen Feldern von einer konservativen Politik ausgebremst, vertagt, verschoben werden. Die Themen bleiben also immerfort als Streitthemen präsent und die Bürger glauben, es ginge in Deutschland tatsächlich die ganze Zeit um Klima und Umwelt.

Auch Leipzigs Verwaltung hat beim Thema Umwelt die Zügel angezogen. Das betrifft auch das scheinbar so einfach umzusetzende Thema Verpackungssteuer. Die hätte längst eingeführt werden können, erklärt der BUND Leipzig.

Der hat jetzt seine Bilanz für das Jahr 2025 gezogen. Und 2025 war natürlich die Verpackungssteuer auch Thema im Leipziger Stadtrat, nachdem der BUND Leipzig jahrelang dafür die Sinne geschärft hat. Nur will Leipzigs Verwaltung bei dem Thema lieber auf Nummer sicher gehen und hat die Einführung der Take-away-Steuer auf das Jahr 2027 verschoben. Für den BUND Leipzig ist das viel zu lange hin. Denn gleichzeitig schmoren ein Dutzend andere Themen zu Klima und Umwelt unerledigt vor sich hin.

Die Politik ist am Zug

Der BUND Leipzig zieht zwar aus seiner Sicht für das Jahr 2025 eine äußerst positive Bilanz, formuliert seine Erwartungen an die Leipziger Stadtpolitik in einem Brief mit klaren Forderungen. „Unsere Arbeit zeigt, dass konstruktiver, fachlich fundierter Umweltschutz in Leipzig wirkt. Jetzt ist die Politik am Zug“, erklärt die Co-Vorsitzende des BUND Leipzig, Anika Jahn.

Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf aus Sicht des BUND Leipzig beim Thema Verpackungssteuer.

„Ein umsetzungsreifer Vorschlag liegt seit Langem auf dem Tisch – passiert ist nichts. Das ist angesichts von Vermüllung, Mikroplastikbelastung und steigenden Entsorgungskosten nicht länger hinnehmbar“, erklärt Lisa Falkowski, Vorstandsmitglied des BUND Leipzig. Eine Verpackungssteuer würde Müll vermeiden, Leipzig sauberer machen und Mehrwegsysteme stärken – genau dort, wo andere Städte längst vorangehen.

Mit Unterstützung sächsischer Fördermittel wünscht der BUND Leipzig sein Projekt zur Vermeidung von Verpackungsmüll 2026 unter dem Namen ‚ToGo & Together‘ weiter auszubauen. Denn Mehrweg-Systeme funktionieren natürlich nur dann, wenn auch die Nutzer wissen, welche Vorteile sie haben – für die Umwelt und für die Sauberkeit in ihrer eigenen Stadt.

Schwammstadt und Klimaanpassung

Ein weiterer Schwerpunkt des BUND Leipzig für 2026 ist die Klimaanpassung nach dem Schwammstadtprinzip. Angesichts zunehmender Hitzeperioden und Starkregenereignisse fordert der BUND Leipzig eine Stadtentwicklung, die Entsiegelung – auch und gerade in benachteiligten Stadtquartieren – endlich vorantreibt, Regenwasser besser nutzt, Stadtgrün stärkt und besonders belastete Quartiere gezielt schützt.

„Klimaanpassung ist keine freiwillige Kür, sondern kommunale Pflichtaufgabe. Wer hier spart, zahlt später doppelt – mit steigenden Schäden, Gesundheitskosten und sozialer Ungerechtigkeit“, betont Co-Vorsitzender Martin Hilbrecht. Entscheidend sei, dass Maßnahmen sozial gerecht umgesetzt werden und nicht zulasten von Mieterinnen und Mietern gehen.

Auf seiner Mitgliederversammlung im Dezember 2025 hat der BUND Leipzig mit großer Mehrheit einen neuen Leitantrag beschlossen, der die inhaltlichen Schwerpunkte für 2026 festlegt und sich ausdrücklich als konstruktiver Beitrag zur stadtpolitischen Debatte versteht.

Der Leitantrag des BUND Leipzig.

„Leipzig steht vor schwierigen Haushaltsentscheidungen. Aber Klimaschutz und Klimaanpassung aufzuschieben, ist die teuerste Option von allen“, sind sich Hilbrecht und Jahn einig. „Wir sind bereit zum Dialog – erwarten aber, dass Worten endlich Taten folgen.“

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