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Quartalsbericht 4/2020: Die Bevölkerung wächst weiter, junge Familien wandern ab

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    Das Leipziger Amt für Statistik und Wahlen kommt nach dem Corona-Jahr 2020 langsam wieder in Tritt. Am Dienstag, 30. März, stellten Dr. Andrea Schultz und Jens Vöckler den neuesten Quartalsbericht vor, die Nr. 4 für 2020 mit einigen Beiträgen, die dieses durchwachsene Jahr noch einmal bilanzieren. Zum Beispiel die Bevölkerungsentwicklung.

    Die war ja deutlich gedämpft und im Sommer sah es kurz so aus, als würde Leipzig sogar schrumpfen, etwas, was die Stadt an Pleiße und Weißer Elster so seit 20 Jahren nicht mehr erlebt hat. Am Ende gab es doch wieder ein Plus von 3.739 Einwohnern. Selbst in so einer Zeit, in der für viele Menschen das Leben geradezu stillzustehen schien, erlebte die Stadt weiter Zuzug.Auch wenn Ulrike Hofmann in ihrem Beitrag feststellen muss: „Die Anzahl der Geburten erreichte 2017 mit 6.976 Geburten ihren Höhepunkt seit 1990. Seither ist die Geburtenzahl rückläufig, verzeichnete aber 2020 mit 6.468 Geburten ein leichtes Plus von 24 Geburten gegenüber dem Vorjahr. Auf 1.000 Einwohner kamen in Leipzig zuletzt 10,7 Lebendgeborene, in Deutschland lediglich 9,4 (2019). Trotz der hohen Geburtenzahl gab es 2020 erstmals seit sieben Jahren eine negative natürliche Bevölkerungsentwicklung. 6.468 Geburten standen 6.554 Sterbefälle gegenüber, was einem Minus von 86 Personen entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr starben 358 Personen mehr. Inwieweit COVID-19 ursächlich für die gestiegene Anzahl an Todesfällen ist, bedarf einer weiterführenden Detailanalyse.“

    Weiter gewachsen ist Leipzig durch die auch durch Corona nicht beendete Zuwanderung. Womit Leipzig in Sachsen ein ziemlich einsamer Leuchtturm war, wie Jens Vöckler betont. Denn der Freistaat selbst verlor weiter Einwohner, und auch Dresden und Chemnitz, die beiden anderen Großstädte, mussten Verluste hinnehmen.

    Jens Vöckler warb bei der Gelegenheit auch gleich noch für das am 26. März vorgestellte neue Modul, das das Amt für Statistik und Wahlen und das Amt für Geoinformation und Bodenordnung gemeinsam programmiert haben und das jetzt das für Leipzig bietet, was für Sachsen der Demografie-Monitor ist.

    Die Information dazu:

    Leipzig.de bietet neue Anwendung zur Bevölkerungsentwicklung

    Über eine neue Webanwendung können interessierte Bürgerinnen und Bürger ab sofort detaillierte Daten zur Bevölkerungsentwicklung der letzten 20 Jahre in Leipzig abrufen. Sie beantwortet unter dem Link www.leipzig.de/bevoelkerungsentwicklung statistisch fundiert Fragen wie: Wie viele Einwohner leben im Zentrum-Nordwest? Wie viele Babys wurden im Jahr 2000 in Schleußig geboren? Wie hoch ist das Durchschnittsalter in Böhlitz-Ehrenberg? Die Daten werden nutzerfreundlich als interaktive Diagramme sowie als Karten ausgegeben.

    Als Datenbasis dienen Angaben unter anderem zum Einwohnerbestand, zu Geburten und Sterbefällen, zu Weg- und Zuzügen sowie zum Durchschnittsalter in den 63 Leipziger Ortsteilen von Althen-Kleinpösna bis Zentrum-West, jeweils für die Jahre 2000 bis 2020. Künftig werden die Daten einmal jährlich aktualisiert.

    Das Dashboard Bevölkerungsentwicklung der Stadt Leipzig. Screenshot: LZ
    Das Dashboard Bevölkerungsentwicklung der Stadt Leipzig. Screenshot: LZ

    Die Anwendung wurde durch das Amt für Geoinformation und Bodenordnung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Statistik und Wahlen als interaktives Dashboard gestaltet, das auch große Mengen Daten leicht verständlich visualisieren soll: Nutzer von Leipzig.de können sich die verschiedenen Kennziffern und Zeitreihen-Diagramme aufrufen, die um eine zentrale thematische Kartendarstellung angeordnet sind. Ein Stadtplan oder wahlweise ein Luftbild als Hintergrund hilft, sich im Stadtgebiet zu orientieren.

    Alle Angaben im Dashboard basieren auf den Einwohnerdaten des Melderegisters der Stadt Leipzig und werden vom Amt für Statistik und Wahlen Leipzig aufbereitet und auch im Leipzig Informationssystem sowie im Open Data Portal der Stadt Leipzig veröffentlicht. Weitere Informationen zu Einwohnerdaten gibt es stets aktuell unter statistik.leipzig.de.

    ***

    Dort ist dann auch einiges von dem zu finden, was Ulrike Hofmann im Quartalsbericht zur Entwicklung der letzten 20 Jahre erläutert. Zum Beispiel: „Seit den letzten Eingemeindungen im Jahr 2000 nahm Leipzigs Bevölkerung um rund 125.000 Personen bzw. um über 26 Prozent zu. Maßgeblich für das Bevölkerungswachstum im Jahr 2020 war wie bereits in den Vorjahren ein Wanderungsgewinn. 30.302 Zugezogenen standen 25.367 Weggezogene gegenüber.“

    Bevölkerungsentwicklung nach Geburtsjahrgängen. Grafik: Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen
    Bevölkerungsentwicklung nach Geburtsjahrgängen. Grafik: Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen

    Aber sie liefert auch eine eindrucksvolle Grafik, die zeigt, wie genau Leipzigs Bevölkerung wächst. Denn die größte Zuwanderung hat Leipzig in den Jahrgängen von 20 bis 30, jenen Jahrgängen also, die in Leipzig entweder Ausbildung und Studium beginnen oder eine Arbeit aufnehmen.

    Doch man sieht auch, wie auf einmal mit Beginn er 30er-Jahrgänge die Wanderungssalden ins Minus rutschen. Natürlich sterben gerade diese Jahrgänge nicht wie die Fliegen. Hier passiert etwas anderes, denn viele haben in diesem Lebensjahrzehnt ihre Berufskarriere stabilisiert, haben einen gut bezahlten Arbeitsplatz und auch die Familiengründung hinter sich. Sie stehen schlicht vor der Frage: Wo wollen sie mit ihrer gewachsenen Familie eigentlich leben?

    Und an dieser Stelle schlägt der Leipziger Wohnungsmarkt mit seinem riesigen Manko an bezahlbaren familiengerechten Wohnungen unbarmherzig zu. Wollen diese jungen Familien ihr Budget nicht in einer überteuerten Wohnung in der Großstadt verbrennen, suchen sie seit mindestens drei Jahren vermehrt nach Wohnraum außerhalb von Leipzig, in dem sich der Raumbedarf für die Familie und das familiäre Budget miteinander vereinen lassen.

    Das hat nicht nur zur Folge, dass die Jahrgänge der 30-Jährigen abschmelzen im Melderegister der Stadt, sondern dass auch eine Menge Kinder statistisch die Stadt verlassen. Das sieht man bei den Minusbalken bei den unter 10 Jahre alten Kindern. Der Effekt ist nicht neu. Darüber haben Leipzigs Statistiker/-innen schon mehrfach berichtet.

    Nur die Botschaft kommt bei den Wohnungsmarktverantwortlichen einfach nicht an. Es gibt kein wirklich belastbares Bauprogramm für bezahlbare familiengerechte Wohnungen in Leipzig. Den angrenzenden Landkreisen hilft das natürlich, denn so stabilisiert sich dort die Bevölkerung, Kitas und Schulen werden ausgelastet und die Steuereinnahmen verbessern sich.

    Aber der Quartalsbericht bietet natürlich noch weitere spannende Themen. Zum Beispiel das alte Bauchschmerz-Thema: Wie ist es eigentlich mit Armut und Reichtum in Leipzig? Dazu in Kürze mehr an dieser Stelle.

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    4 KOMMENTARE

    1. Es wird auch junge Familien mit Kindern geben, die ein Häuschen im grünen haben wollen. Aus meiner beruflichen Erfahrung bekomme ich es mit. Ausbildung und Studium in der Stadt, Familie und Beruf, ab auf’s Land. Ist ja auch schön in der Umgebung von LE. Baufinanzierung ist günstig, warum nicht.

    2. @ C.
      Das ist nur zu verständlich.
      Würde ich jetzt meine Wohnung aufgeben und in eine gleich große Wohnung ziehen, müsste ich doppelt so tief in meine flache Tasche greifen. Das wird zum größten Teil die Erklärung dafür sein.
      Sinnvoll wäre das, ja, aber der Markt will hier Rendite abgreifen.

      Übrig bleiben Hochverdiener, die sich für 500.000 eine große Wohnung leisten können oder eine entsprechende Miete.

    3. @Christian Das ist wahr, denn diese Familien wollen eigentlich nicht aus der Stadt weg, sondern möchten hier gern bleiben.
      Eine andere Beobachtung mache ich allerdings in meinem Wohnumfeld auch: (ältere) Menschen, deren Kinder längst ausgezogen sind, bewohnen weiterhin allein oder zu zweit – sicher aus den unterschiedlichsten Gründen – eine Wohnung oder ein Haus in der Größe, die für eine Familie ausreichen würde. Diese Wohnungen/Häuser stehen dem Markt dann leider nicht zur Verfügung.

    4. Bereits objektiv im Umfeld gespürt und bei der Recherche nach Familienwohnraum bestätigt.
      Eine traurige und ärgerliche Entwicklung.
      Weil, statt Familien bewohnen nun immer mehr wohlhabende Menschen kleine teure Wohnungen in der Stadt. Familien wandern ab in die Provinz und fahren dann mit dem MIV in die Stadt.
      Was soll das perspektivisch nur (für ein Milieu) werden?

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