Viele Straßen in Leipzig sind so zugeparkt, dass man das Gefühl bekommen könnte, der Zuwachs an immer neuen Pkw hört nicht mehr auf. Doch augenscheinlich ist an vielen Stellen in der Stadt der Sättigungsgrad tatsächlich erreicht. Für das Jahr 2022 meldet die Stadt Leipzig den geringsten Zuwachs an neuen Kraftfahrzeugen seit Jahren. Tatsächlich dürfte der Kraftfahrzeugbestand 2022 sogar stagniert sein.

Das zeigt dann der Blick ins Detail. In den Vorjahren gab es immer einen deutlichen Zuwachs um mehrere tausend Fahrzeuge. 2019 kamen 3.823 neue Kfz dazu, 2020 dann 4.433 und im Jahr 2021 dann 3.158. Alles Argumente für die konservativen Fraktionen im Leipziger Stadtrat, immer wieder zu behaupten, immer mehr Leipziger würden sich ein Auto kaufen und die Mobilitätswende in Leipzig sei gescheitert.

Da wird dann schnell ausgeblendet, dass Leipzig parallel einen beständigen Bevölkerungszuwachs verzeichnete, der Zuwachs an Kraftfahrzeugen also mit dem Bevölkerungswachstum parallel lief. Nicht ganz parallel. Denn tatsächlich sank der Pro-Kopf-Anteil von Kraftfahrzeugen die ganze Zeit. Eine differenzierte Statistik nach Dienstfahrzeugen und Privat-Pkw hat die Stadt zwar noch nicht vorgelegt, aber es sieht ganz so aus, dass in beiden Kategorien die Grenze der Aufnahmefähigkeit so langsam erreicht ist.

Und so stehen für das Jahresende 2022 bei einem Bevölkerungswachstum von rund 12.500 lediglich noch 562 zusätzliche Kraftfahrzeuge in der Bilanz.

Sondereffekte in einzelnen Stadtteilen

Und der Blick ins Detail zeigt dann, dass in mehreren Leipziger Stadtbezirken die Zahl der Kraftfahrzeuge sogar gesunken ist. Ausnahmen bilden die Stadtrandlagen Nordwest, Ost und Nordost. Und – überraschenderweise – ausgerechnet der Stadtteil Mitte, wo man eigentlich überhaupt kein motorisiertes Gefährt braucht, um schnell überall hinzukommen. Allein hier gab es einen Zuwachs an registrierten Fahrzeugen von rund 750 – und die meisten wurden im Zentrum-Süd angeschafft.

Was verblüfft, denn dort gibt es ja nicht wirklich so viel zusätzlichen Platz für neue Fahrzeuge.

Eine Erklärung wäre natürlich, dass ein dort mit seiner Zentrale ansässiges Unternehmen seinen Fahrzeugpark neu angemeldet hat.

Dabei kann es im einen Ortsteil – wie Gohlis-Nord – noch weitere Zuwächse gegeben haben, während der Kfz-Bestand in benachbarten Ortsteilen – wie Gohlis-Mitte und Gohlis-Süd – schon wieder sank.

Aber dieser Sondereffekt überblendet nun einmal nicht, dass es sonst in fast allen Stadtbezirken eher stagnierende bis rückläufige Anmeldezahlen gab. Was noch nicht bedeutet, dass es so bleibt. Denn für eine richtige Trendwende braucht es deutlich mehr Anstrengungen beim Ausbau des Radwegenetzes und des ÖPNV.

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Es gibt 2 Kommentare

Die Bevölkrungsdaten gibt’s auch im Portal, da kann man zumindest für die ortsteilmäßigen Fahrzeugzahlen pro Einwohner bei Bedarf selbst Hand anlegen. Zuletzt veröffentlichte das Amt dies im statistischen Quartalsbericht I/2022 (https://static.leipzig.de/fileadmin/mediendatenbank/leipzig-de/Stadt/02.1_Dez1_Allgemeine_Verwaltung/12_Statistik_und_Wahlen/Statistik/Statistischer_Quartalsbericht_Leipzig_2022-1.pdf), für 2021, auch getrennt nach privaten und gewerblichen PKW und auf erwachsene Personen bezogen.

Schön, lieber Autor, daß Sie diese Erhebung bekannt machen. Ich denke, die Zahlen stimmen auch mit der Wahrnehmung überein, die jede(r) selbst machen kann. Was die eigentlich schöne Tabelle des Amts aber m.E. leider nicht hergibt, sind ortsteilmäßige Fahrzeugzahlen pro Einwohner. Noch töller (auch ein schöner Helvetismus) wäre es, wenn das Amt auch Angaben zum Alter der Kfz angeben könnte, also etwa das arithmetische Mittel (oder bei Schiefe der Verteilung eher den Median). Eine Trendwende, also ein Minus vor der Differenz zum Vorjahr (über den Gesamtbestand gesehen), wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Schreiben Sie einen Kommentar