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Quartalsbericht: Immer mehr Nutzfahrzeuge auf Leipzigs Straßen und eine E-Auto-Überraschung fürs Wirtschaftsdezernat

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    Zumindest Jens Vöckler, Abteilungsleiter Statistik und Open Data im Amt für Statistik und Wahlen, sagte am Dienstag bei der Vorstellung des Quartalsberichts Nr. 1 für 2021 des Öfteren mal: „Das müsste man mal untersuchen.“ Denn auch Leipzigs Amt für Statistik weiß nicht alles und hat auch einige für Leipzigs Entwicklung elementare Fragen nicht genauer untersucht. Auch nicht die Autofrage.

    Obwohl die im Quartalsbericht eine wesentliche Rolle spielt. Denn die Zahl der Kraftfahrzeuge in Leipzig wächst. Und das, obwohl immer mehr Stadtquartiere rappeldicht vollgestellt sind mit den Fahrzeugen. Da geht eigentlich nichts mehr. Außer – so Christian Schmidt, der Leiter des Amtes für Statistik und Wahlen, – wenn die Leute an den Stadtrand ziehen und sich jetzt ein Auto kaufen müssen, um beweglich zu bleiben.Was zumindest einige Zahlen erklären könnten, die durch den medialen Raum wabern. Zahlen, bei denen man nicht richtig weiß, woher sie kommen.

    Denn auch die von Jens Vöckler vorgestellte Statistik zum Kfz-Bestand in Leipzig zeigt selbst für das Corona-Jahr in Leipzig keine überraschende Entwicklung. Außer dass – wie man in der Grafik sieht – der Kfz-Bestand weiter linear wächst, während der Zuwachs der Bevölkerungszahl zuletzt einen Dämpfer erhielt.

    Aber dass diese Kurven jetzt wieder auseinandergehen, hat weniger mit den Pkw der Leipziger/-innen zu tun. Dazu ziehen zu wenige in ein neues Eigenheim am Stadtrand, was man sich nämlich leisten können muss genauso wie das neue Auto.

    Und ein gewisses Verdienst hat der Quartalsbericht auch, weil er endlich einmal genauer definiert, wer eigentlich zu den Armen, den Reichen, der Oberen und der Unteren Mittelschicht gehört. Und es ist beim Autokauf genauso wie beim Kauf von Wohneigentum: die Armutsgefährdeten und die Untere Mittelschicht spielen in diesem Spiel so gut wie gar nicht mit. Sie haben die Gelder gar nicht frei, mit denen sie – wie es die Gutbetuchten so gern nennen – „investieren“ können.

    Sie ziehen also auch nicht ins eigene Häuschen aus dem Bausparkatalog und kaufen sich dann auch nicht, weil auf einmal der Anschluss zu ÖPNV fehlt, notgedrungen ein Auto. Im Gegenteil.

    Und sie haben auch im Corona-Jahr nicht aus lauter Panik ein Auto gekauft, um diesem schrecklichen Gedränge im ÖPNV zu entkommen. Auch das ist ein Schreckbild aus den Wohnzimmern der Gutbetuchten, die auch in Leipzig in einer völlig anderen Welt leben als die Menschen, die unterhalb der Einkommensmedians (der lag 2020 bei 1.596 Euro bei Ein-Personen-Haushalten) über die Runden kommen müssen.

    Entwicklung des Kfz-Bestandes nach Antriebsformen in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig
    Entwicklung des Kfz-Bestandes nach Antriebsformen in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig

    Was also sorgt wirklich dafür, dass der Kraftfahrzeugbestand in Leipzig seit 2010 um 21 Prozent gestiegen ist und gleichzeitig der Anteil von 436 auf 443 Kfz pro 1.000 Einwohner?

    Der Grund liegt im Kürzel Kfz. Und das kann auch jeder beobachten, der offenen Auges durch Leipzigs Straßen geht: Nicht der Pkw-Bestand pro Einwohner hat zugelegt, sondern der auch im Straßenraum abgestellte Bestand an Nutzfahrzeugen und Krafträdern.

    Der Bestand an privaten Pkw ist seit 2010 sogar gesunken, von damals 354 Pkw auf 1.000 Einwohner auf nunmehr 339. Was nur zu logisch ist: Wer innenstadtnah wohnt, braucht eigentlich kein Auto, hat bessere Angebote im ÖPNV, erreicht fast alles zu Fuß oder mit Pkw. Und gleichzeitig sind die Stellplätze knapp. Das erleichtert die Entscheidung, auf ein eigenes Auto komplett zu verzichten. Und der Trend wurde 2020 auch nicht gedreht, auch wenn der durchschnittliche Bestand an privaten Pkw wieder leicht von 336 auf 339 stieg.

    Vielleicht stecken da die beiden oben genannten Erklärungsansätze drin. Wobei ja die jährlichen Bürgerumfragen auch zeigen, dass beide Erklärungen vor allem für die Besserverdienenden gelten. Denn je geringer die Haushaltseinkommen, umso geringer ist auch der Besitz von Pkw.

    Was die Klimafrage nun einmal auch zu einer sozialen Frage macht. Geringverdienerhaushalte sind schon aus finanziellen Zwängen heraus meist umweltfreundlicher unterwegs als die Besserverdienerhaushalte. Haben Erstgenannte in drei Viertel der Fälle (Bürgerumfrage 2019) kein Auto, so ist es bei den Einkommensgruppen über 2.300 Euro Monatseinkommen (die Grenze zur Oberen Mittelschicht) genau andersherum.

    Da macht es schon etwas aus, wer eigentlich Politik macht in der Kommune und im Bund. Und warum es so schwer ist, selbst in Leipzig eine klimafreundliche Verkehrspolitik zum Normalzustand zu machen.

    Der kleine Lichtblick: 2020 wurden erstmals 7.631 Fahrzeuge mit Elektromotor (darunter auch Hybridfahrzeuge) in Leipzig gezählt. Das waren schon deutlich mehr als noch 2019, wo nur 743 registriert waren. Und da wird es jetzt ganz spannend, denn bis zum Jahr 2025 rechnet das Leipziger Wirtschaftsdezernat nur mit 10.000 Elektrofahrzeugen in Leipzig und plant die Ladeinfrastruktur entsprechend.

    Das kann nicht klappen und droht gerade zum nächsten Desaster zu werden. Denn die Autokäufer werden ja 2021 ff. nicht einfach aufhören, E-Autos zu kaufen, gerade jetzt, wo die Fahrzeuge anfangen, auch in der Umweltbilanz die Verbrenner abzuhängen.

    Das Corona-Jahr hat hier zumindest eine nicht ganz unwichtige Entwicklung beschleunigt. Die natürlich eine Stadt, die wieder bei der Ladeinfrastruktur trödelt, ausbremst. Erreichte der Anteil der E-Autos im Vorjahr nicht mal 1 Prozent, sind es inzwischen 3 Prozent. Da sagt nicht nur Jens Vöckler, dass das eine Entwicklung ist, die man nicht ignorieren kann.

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      9 KOMMENTARE

      1. Es stimmt, dass man sich sehr selektiv an Beispielen orientiert, wie es einem gerade passt. Will ich die LVB kritisieren, verweise ich gern auf Dresden oder Stuttgart. Aber welche Beispiele für Städte in ähnlicher Größenordnung gibt es denn für den schlechteren Vergleich? Ich finde selbst Chemnitz oder Halle recht ordentlich.

        Der Versandhandel bringt sicher einiges an Emissionen. Allerdings entfallen dafür auch individuelle Fahrten in Kaufhäuser usw., die dann eben nur mit „einem“ Postauto für viele Pakete kompensiert werden. Weiß nicht, ob das der große Hebel ist.
        Man denkt ja auch, wenn man auf den wenigen Strecken auf der Autobahn, wo mehr als 130 erlaubt ist, den nicht vielen Leuten, die dort 160 und mehr fahren, genau das verbietet, dass dann noch viel rauskommt. Mit dem E-Auto geht das eh viel schlechter, und wenn der Tesla dann noch mit „Ökostrom“ geladen ist, entfällt auch dort das letzte kleine Verbrauchsargument.

        > Es sollte trotzdem das Ziel sein, dass möglichst viele Menschen zu Fuß, mit dem Rad oder mit ÖPNV unterwegs sind.
        Da bin ich völlig dabei. Und dabei nicht nur an Sonnenschein denken, sondern auch an Regen oder die paar Tage im Jahr, wo Schnee liegt. Da fällt das Rad für die Meisten flach, im Extremfall auch Bus und Bahn, und dann dürfen wir uns alle über enge, verkehrsberuhigte und radfahrfreundliche Straßen freuen, auf denen wir dann zur Arbeit kommen.

      2. Ich mag dieses generelle Auto Bashing nicht. Es gibt Menschen, die auf Ihr Auto angewiesen sind. Ich stimme aber mit den meisten Kommentaren überein, dass viele eigentlich „nur“ ihr Verhalten ändern müssten und dann auf ein Auto verzichten könnten.

        Die Klimabilanz von E-Fahrzeugen ist in Europa deutlich besser, als die von herkömmlichen Fahrzeugen. Das hat eine Studie des ICCT mal wieder bewiesen. Aktuell liegt der Vorteil über den gesamten Lebenszyklus, also von Herstellung über Fahrstrom bis hin zur Entsorgung bei 70 %. Da lohnt sich der Umstieg vom herkömmlichen Verbrenner aufs E-Auto aus Klimagesichtspunkten schon. Ja, es wird zusätzlicher Strom benötigt, der Ausbau Erneuerbarer nimmt aber weiter zu, das deckt den Mehrbedarf locker ab. Sonst müsste man ja auch sagen, jeder zusätzliche TV verbraucht künftig Atomstrom. Ein Teil des Energiebedarfs wird ja auch kompensiert durch geringere Produktion von Diesel und Benzin. Das E-Auto ist daher ein Teil der Lösung.

        Es sollte trotzdem das Ziel sein, dass möglichst viele Menschen zu Fuß, mit dem Rad oder mit ÖPNV unterwegs sind. Der ÖPNV ist in Leipzig übrigens deutlich besser als sein Ruf. Ich bin beruflich viel unterwegs (im Übrigen mit der DB) und in anderen Städten ist der ÖPNV bei weitem nicht so gut.

        Ich denke, es sollte sich auch mal jede/r an die eigene Nase fassen, was sie/er da im Internet bestellt und wie das zu ihm kommt. Hier liegen die großen Potenziale.

      3. @Stefan, da gebe ich Ihnen recht.

        @J.
        Gerade deswegen bin ich nun gespannt, inwieweit die Kommunen das den ÖPNV, die Radfahrer und Fußgänger spüren lassen, da ja über 100 Mill. Euro bei der Straßensanierung fehlen (OTon Leipziger Parteiblatt).
        Wird denn die Stadt NUR bzw. ausschließlich Radwege sanieren oder Fußwege, und die Straßen so defekt sein lassen? Ich fürchte nicht.
        Die förderungswürdige Infrastruktur wird mit der Unfähigkeit der Kommunen, Straßen zu reparieren, mitleiden.

      4. Trotzdem wäre die Förderung von ÖPNV, aber auch Rad- und Fußverkehr gut… gerade wenn man vom Stadtrand in die Innenstadt will per Rad gibt es schon einige üble Radwege (schlecht geführt, Schlaglöcher, gefährliche Verkehrssituationen)… und als Fußgänger wird man oft irgendwie gar nicht berücksichtigt. Aber irgendwie scheint die Politik (nicht nur in Leipzig, bundesweit) kein Interesse an mehr ÖPNV, Rad- und Fußverkehr zu haben. Die Autoindustrie ist der Politik wichtiger.

      5. Lustig hier, wie Elektroautos gegen den Wunsch nach Mobilität ausgespielt werden sollen.

        Elektroautos helfen „nur“, dass in dichten Verkehrsgebieten es sauberere Luft und weniger Lärm gibt. Die Zeche wird woanders bezahlt, da hat J. schon sehr recht.

        Elektroautos sind in der Energiebilanz mitnichten sparsam, für diese müsste man sogar noch mehr Elektrizität bereitstellen, was wiederum eigene Riesenprobleme darstellt. Rein rechnerisch müsste man wieder Kernkraftwerke bauen und auch in Europa Drei-Schluchten-Dämme errichten zur Energiespeicherung.

        Wesentlicher ist es, dass der Alltag dezentraler gestaltet wird. Dass man im eigenen Stadtteil leben, einkaufen und arbeiten kann. Dass einiges geht, hat – natürlich muss das jetzt kommen^^ – die Pandemie gezeigt: lokale Händler aufsuchen und im Home-Office arbeiten. Dann würde es schon weniger Mobiltät geben.

        (Durch Home-Office ist mein LVB-Aboflex beinahe überflüssig geworden, es sind fast nur noch die familiär bedingten Fahrten mit der Deutschen Bahn, die mich aus A-C heraustreiben…)

        Im dümmsten Falle kann es noch passieren, dass Mobilität wieder sehr teuer wird wie vor vierhundert Jahren. Wo die Leute für Jahrzehnte nicht aus dem Dorf herauskamen…

        Für jetzt finde ich, dass man die Elektroautos nicht zu sehr hypen sollte. Die Ökobilanz eines E-Autos ist lange nicht was von supertoll.

      6. L.
        Das Argument höre ich immer wieder…. “ Viele müssen mit PKW fahren da sie sonst nicht anders ans Ziel kommen.“
        Es gibt aber auch viele die es eigentlich nicht brauchen, der ein oder andere denkt es zwar, aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und muss sich „nur“ anpassen…
        Finde es auch fraglich das nicht mal 1/3 der Leipziger einen eigenen PKW besitzt, dafür das ihm soviel Platz zur Verfügung steht. Die Hälfte davon nutzt es warsch nicht mal jeden Tag.
        Denke ein Mix aus verschiedenen Mobilitätsformen wäre Sinnvoll. Fahrrad/S-Bahn nutze ich selber ganz gern für Strecken ab 10km…

      7. J.
        Denken Sie die meisten fahren zum Spaß mit dem Auto in Leipzig.
        Sie müssen, da sie nicht anders dorthin kommen wo sie hinwollen.
        Es hilft nur den ÖPNV konsequent auszubauen.
        Flächendeckende Verfügbarkeit, kurze Taktung und genügend Platz. Ansonsten wird sich kaum was ändern.

      8. Elektromobilität verbessert nichts, sondern verlagert Probleme nur. Wenn man sie massiv befördert bzw. die meisten Menschen in Zukunft auch weiterhin nicht auf Automobilverkehr etc. verzichten wollen, wird es in einigen Jahrzehnten anstatt der alptraumartigen Tagebaufolgelandschaften mehr oder weniger flächendeckende alptraumartige Energielandschaften geben, in welcher Natur keinen Platz mehr hat. Es wird massive Probleme geben mit mehr Pestizideinsatz, mit Desertifikation und auch Überschwemmungen (weil die Böden solcher Agrarsteppen einfach irgendwann im Eimer sind). Es wird massive Probleme mit dem Grundwasser geben, mindestens in einigen Regionen. Irgendwann kann es schwierig werden, noch Lebensmittel anzubauen (vielleicht klont man sich bis dahin das Essen?). Das Artensterben wird so gigantisch sein, dass es das bisherige Artensterben in den Schatten stellen wird. Aber Hauptsache, Mensch kann Auto fahren und Hauptsache, die Wirtschaft kann hiervon profitieren. Das Problem mit dem CO2 meint man mit Elektromobilität lösen zu können und schafft doch wieder nur zahlreiche andere Probleme. Möge sich jeder freuen, noch mal eine Feldlerche zu hören, die wird sicher in einigen Jahren weg sein. PS: Die Bundesregierung weiß dies und es gibt Schriften dazu, aber es ist ihr – egal.

      9. Liebes LZ Team,

        ich fand das einen sehr spannenden Artikel, vor allem im Hinblick auf die E-Mobilität. Mich würde aber doch noch interessieren, wie viele der angesprochenen E-Autos tatsächlich auf Ladesäulen angewiesen sind. Ein großer Teil der als E-Fahrzeuge bezeichneten Autos sind doch sicherlich „Alibi“E-Autos, also Hybride oder PluginHybride (wahrscheinlich der größte Teil ohne extra Lademöglichkeit – sogenannte MildHybride).

        Vielleicht könntet Ihr hier noch ein wenig Aufschluss geben.

        Beste Grüße
        Theobald Tiger

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