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Sport, Integration, Rassismus: Monika Lazar (MdB) im langen L-IZ-Interview (1)

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    Monika Lazar ist seit 2005 im Deutschen Bundestag. Die Politikerin der Grünen ist Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus. Sie ist Mitglied im Sportausschuss und im Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Leipzigerin ist Bäckerin und Betriebswirtin. Im Netzwerk für Demokratie und Courage e.V. ist sie stellvertretende Vorsitzende. Themen des Interviews sind u. a. Rechtsextremismus in Sachsen, Asylpolitik, Griechenland und Europa.

    Integration durch Fußball?

    Sie sind langjährige Fußballspielerin und Mitglied bei Roter Stern Leipzig in Connewitz. Trägt Sport zur Verständigung bei oder führt er doch eher zu noch mehr Streit?

    Sport und ganz besonders Fußball trägt sehr viel zur Integration bei. Wenn man Fußball spielt, macht man etwas miteinander. Andererseits sehen wir natürlich, dass im Fußball die Post auch anderweitig abgehen kann. Zwei rivalisierende Vereine können sich auch schnell in die Wolle bekommen. Es gibt natürlich ein Konfliktpotential im Sport und besonders im Fußball. Aber gerade bei den vielen jungen Männern, die z. Zt. nach Deutschland kommen, ist es gut, diese Möglichkeit zur körperlichen Betätigung anzubieten. Damit kommen sie raus aus ihrer Unterkunft und in Kontakt mit anderen. Besonders für Kinder, die noch nicht zur Schule gehen und tagsüber noch nicht wissen, was sie machen sollen. Das wird von einigen Vereinen und Initiativen in Leipzig schon sehr vorbildlich angeboten.

    Integration durch Sport ist ja auch das Anliegen von Kicking Girls. Bei der Vorstellung in der Grundschule am Rabet waren Sie dabei.

    Genau. Das betrifft dann die Situation, wo die Mädchen schon in die Schule gehen. Da soll dann das Interesse der Mädchen für Fußball geweckt werden. Entweder dadurch, dass man sie in benachbarte Vereine bringt oder dass sie im Rahmen des Ganztagesangebots in der Schule Fußball spielen.

    Rassismus und Rechtsextremismus

    Es gab eine Bundestagsdebatte am 19. Juni, bei der sie eine Rede gehalten haben (Top 31: Schutz für Opfer rechter Gewalt). Sie sprachen über rassistische Einstellungen im Alltag und in staatlichen Institutionen. Wo zeigt er sich im Alltag?

    Ich versuche ja immer mitzubekommen, was da bei Legida und Pegida gesprochen wird. Das ist wirklich das Allerletzte: rechtspopulistisch, rassistisch, demokratiefeindlich. Wenn da Woche für Woche mehrere hundert Leute dabei sind und sich das anhören, dann ist das in den Köpfen dieser Menschen verankert. Auch bei den Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte sehen wir, dass sich hier ein rassistischer Mob austobt – Stichwort Heidenau. Auch die Kanzlerin hat bei ihrem Besuch zu spüren bekommen, wie die Stimmung in Teilen der Bevölkerung ist. Da ist es dann auch sehr wichtig, sichtbar zu machen, wie viele den Flüchtlingen helfen und z. B. gegen Legida auf die Straße zu gehen.

    Wo zeigt sich in Institutionen Rassismus?

    Da ist es teilweise nicht ganz so offensichtlich. Bei den NSU Untersuchungsausschüssen und dem Prozess in München wurde das Problem wohl hoffentlich allen klar. Es wurde jahrelang ermittelt, nur nicht nach der Möglichkeit, dass es rassistische Morde waren. Wir haben erfahren, dass Behörden auf dem rechten Auge blind waren, dass man aneinander vorbeigearbeitet hat. Jedesmal, wenn man neue Enthüllungen hört oder liest, kann man nur mit dem Kopf schütteln. Deshalb ist uns als Grüne wichtig, dass man die Themen in die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern in Behörden, auch bei Polizei und Justiz, integriert: gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Willkommenskultur. Heute ist das oft nur freiwillig. Da gehen dann nur die hin, die schon sensibilisiert sind. Die es nötig hätten, kriegen es gar nicht mit. Deshalb muss es verpflichtend werden, an diesen Weiterbildungen teilzunehmen.

    Es ist eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft, sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu stellen. Die Politik sollte da mit gutem Beispiel vorangehen. Welche weiteren Strategien gegen Rechtsextremismus gibt es?

    Leider gibt es keine Drei-Kräuter-Tropfen, die man gibt, um die Menschen zu aufrichtigen Demokraten zu machen. Wir merken, dass es ein Problem ist, dass sich nicht auf Deutschland beschränkt. Wir haben das Problem in Deutschland schon seit vielen Jahren. Man gibt sich in den vergangenen Jahren verstärkt Mühe und setzt auch finanzielle Mittel ein, etwa mit dem Bundesprogramm und dem Landesprogramm gegen Rechtsextremismus. Man unterstützt Menschen und Initiativen vor Ort, die sich im Alltag gegen Rassismus und Rechtsextremismus aussprechen und engagieren. Es ist eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft, sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu stellen. Die Politik sollte da mit gutem Beispiel vorangehen. Die wichtigen Leute des öffentlichen Lebens sollten klare Worte finden, wenn es etwa zu Anschlägen kommt und sich moralisch auf die Seite der Opfer stellen. Jeder einzelne ist im Alltag gefragt, wenn Vorurteile gegen Flüchtlinge geäußert werden, klare und deutliche Worte zu finden. Sportvereine und kulturelle Vereine spielen ebenfalls eine große Rolle. Auch Gewerkschaften und Kirchen sind häufig sehr aktiv. Das gilt besonders für Leipzig. Auch die Medien sind gefragt. Wir alle dürfen im Engagement für Demokratie und Menschenfreundlichkeit nicht nachlassen. Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten und die Politik sollte das moralisch und finanziell unterstützen.

    Im zweiten Teil geht es um die Ursachen des Rechtsextremismus in Sachsen und um das laufende Ermittlungsverfahren gegen Monika Lazar.

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