Bundestagswahl 2017: Bettina Kudla und das Stöckchenspiel der AfD

LEIPZIGER ZEITUNG/Mit Auszügen aus Ausgabe 35Bettina Kudla (CDU) hatte es bereits ab der zweiten Septemberwoche auf kuriose Art und Weise in die überregionalen Schlagzeilen geschafft. Die Bundestagsabgeordnete war mit einer Twitterattacke auf den türkischen Journalisten Can Dündar losgegangen. Der Reporter wird von der Erdoğan-Administration politisch verfolgt und gilt der Administration in Ankara als nicht systemtreu. Nun folgte am 24. September, erneut pünktlich zum Wochenende, das nächste Stöckchenspiel im Rahmen eines Wahlkampfes, wie ihn die Leipziger CDU-Abgeordnete versteht. Erneut springen alle auf. Und die Frage „Warum“ wird kaum gestellt.

„Cansel #Dünnschiss, pardon, Can #Dündar sagt, #Beitrittsverhandlungen mit #Türkei nicht abbrechen. Wissen wir selbst.“ Diese Schmähungen bescherten der Abgeordneten vor wenigen Tagen nicht nur einen Shitstorm im Netz, sondern auch Kritik aus den eigenen Reihen. „Diese Form der Auseinandersetzung ist keine, die wir als Bürgerliche pflegen. Wir können hart in der Sache sein, aber Beleidigungen gehören nicht dazu“, sagte der sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer gegenüber dem Nachrichtenportal „Spiegel Online“.

Anlass für Kudlas verbalen Ausfall war offensichtlich ein ZDF-Interview mit Dündar am 8. September. Am Sonntag, den 11. September legte Kudla nämlich auf Twitter noch einmal nach, während Medien sich erfolglos um eine Stellungnahme zum ersten „Mausrutscher“ bemühten. „Kein gewählter #Politiker (Volksvertreter) kommt zu Wort. Etwas läuft schief in unserem Land #Deutschland!“ Immerhin nutzte sie in dem zweiteiligen Tweet Dündars richtigen Namen, nun jedoch mit einem leichten Anfall von AfD-Sprech.

Übersetzt: Während sich die halbe Bundesrepublik seit Monaten ohne die Beteiligung Kudlas unter unzähligen Argumentationen mit den Vorgängen in der Türkei befasste, möchte die Leipzigerin offenbar nun gern mit einer Erdoğan-freundlichen Haltung einsteigen.

Erste gezielte Provokation mit Hintersinn

Dabei ist dieser Einstieg in ihren ganz persönlichen Wahlkampf für 2017 nicht ganz so ungeschickt, wie es auf den ersten Blick aussieht. Ist doch der Flüchtlingsdeal zwischen Deutschland und der Türkei derzeit eine der obersten Prämissen einer amtierenden Kanzlerin. Platzt die Vereinbarung, ist angesichts von drei Millionen notdürftig am Bosporus aufgehaltener Flüchtlinge Europa wohl endgültig zu einer eigenen Lösung aufgefordert und das Zäunebauen gerät ins Wanken. Der Law and Order-Fraktion anderer Parteien, zuerst der AfD, würde dies in jedem Fall in die Hände spielen, ein CDU-Wahlerfolg bis hinunter in die Kommunen dürfte fraglich werden.

Namensverunstaltungen als politisches Mittel. Screen: twitter.com/KudlaLeipzig

Namensverunstaltungen als politisches Mittel. Screen: twitter.com/KudlaLeipzig

Der gebürtigen Münchnerin Kudla missfiel offenkundig die Art und Weise, wie der türkische Journalist über die deutsche Türkeipolitik sprach. Die ehemalige Leipziger Finanzbürgermeisterin fiel jedoch nicht das erste Mal mit Erdoğan-freundlichen Positionen auf. Im Juni hatte die Politikerin als einzige Abgeordnete im Bundestag gegen die Armenien-Resolution votiert. In einer persönlichen Erklärung argumentierte sie, es sei „nicht Aufgabe des Deutschen Bundestages, historische Bewertungen von Ereignissen in anderen Staaten vorzunehmen.“

Für Aufsehen sorgte die Leipzigerin, die seit 2009 dem Bundestag angehört, in der Vergangenheit auch mit Tweets zu den Themen Rechtsextremismus und Islam. In ihrer Fraktion gilt die Hinterbänklerin, die sich auf ihrer Homepage großspurig als „Anwältin für Leipzig“ begreift, auch in der zweiten Legislaturperiode als Außenseiterin. In ihrem Wahlkreis in der Messestadt begrenzte sich ihr bisheriges politisches Wirken weitestgehend auf die Wahrnehmung repräsentativer Verpflichtungen, einem sporadischen Einsatz gegen Standorte von Flüchtlingsunterkünften im eigenen Wahlkreis und der zeitweiligen Ablehnung der Ahmadiyya-Gemeinde in Gohlis. Eine Interpretation ihres Bundestagsmandates, welche 2017 nicht mehr für eine Wiederwahl nach bereits zwei Legislaturen genügen könnte.

Während im Netz bereits bei der ersten Attacke gegen Dündar zahllose User Kudlas Rücktritt forderten, hielt sich ihre Unionsfraktion lange dezent zurück. Offensichtlich wollte niemand die Leipzigerin unnötig aufwerten, Rückendeckung gibt es für die Einzel-Offensive offenbar noch keine. Der Deutsche Journalisten-Verband forderte von Kudla eine Entschuldigung, da ihr Verhalten einer Bundestagsabgeordneten nicht würdig sei. Fraglich ist jedoch, ob im längst begonnenen Wahlkampfjahr 2017 Würde noch eine herausragende Rolle spielen dürfte. Die Entschuldigung seitens Kudla jedenfalls fiel aus, der Tweet ist weiterhin online.

Stattdessen legte die CDU-Abgeordnete am heutigen 24. September nach

In Teil zwei der Stöckchenstrategie der innerhalb der CDU längst rechtsaußen zu verortenden Münchnerin äußerte sie auf Twitter: „BK #Merkel streitet es ab, #Tauber träumt. Die #Umvolkung #Deutschlands hat längst begonnen. Handlungsbedarf besteht!“. Mit der Anlehnung an den nationalsozialistischen, homogenen Volksbegriff wird heute eine drohende Ausrottung „der Deutschen“, also der deutschstämmigen Bevölkerung durch Zuwanderung und Flüchtlingsbewegungen gemeint.

Die Rhetorik ist dabei vor allem in rechtsextremen und identitären Nationalistenkreisen anzutreffen, welche aufgrund der ausländerfeindlichen und grundgesetzwidrigen Ausrichtung längst Beobachtungsgegenstand des Verfassungsschutzes sind.

Statt einer Entschuldigung - es geht weiter.Screen: twitter.com/KudlaLeipzig

Statt einer Entschuldigung – es geht weiter. Screen: twitter.com/KudlaLeipzig

Wie schon bei der ersten Provokation versuchte es Bettina Kudla anschließend ganz AfD-like mit einer nachgeschobenen Erläuterung zum neofaschistischen Sprachausfall. Dieses Mal mit der Nationalhymne in der nachfolgenden Wortmeldung per Tweet: „Einigkeit und #Recht und #Freiheit für das #deutsche #Vaterland! Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand! Ungültig?“

Inwieweit die Freiheit eines Landes mit der Zuwanderungsfrage zu verbinden ist, wird Kudla sicherlich nach dem Wochenende im Haus- und Hofblatt LVZ erläutern. Bereits beim ersten Twitter-Aufruhr hatte sie eines der ganz wenigen Interviews ebenda absolviert – wohl wissend, dass die Fragen nicht besonders tief gehen würden.

Auf ihre Zukunft in der CDU angesprochen, hatte sie so am 13. September 2016 widerspruchslos geäußert: „Ich bin mit Leib und Seele CDU-Mitglied und Bundestagsabgeordnete für diese Partei. Mit einer Partei wie der AfD verbindet mich nichts.“ Dass dem wirklich so ist, darf man nun umso deutlicher bezweifeln. Nach der ebenfalls im Stöckchenspiel kürzlich aufgeworfenen Begrifflichkeit „völkisch“ seitens Frauke Petry (AfD), scheint es eher einen Überbietungswettkampf beim Weg zurück in nationalsozialistische Zeiten und der da üblichen Sprache zu geben. Inwieweit Kudla hierbei längst Wahlkampf für die AfD betreibt, ist noch das Geheimnis der auf Pressenachfragen für gewöhnlich schweigsamen Abgeordneten.

Schuld daran, dass auch sie ihre Wortwahl in Richtung AfD-Sprech geändert hat, seien dann auch wohl die Medien. Kudla jedenfalls zur LVZ auf die Frage nach der Art der Äußerungen: „Wie auch schon zuvor ausgeführt, ist es bedauerlich, dass es offenbar mitunter Aufmerksamkeit erregender Worte bedarf, um Inhalte zu vermitteln. Insofern wäre dies auch eine interessante Frage an die Medien.“ Von diesen scheint die Wahlkämpferin offenbar zu erwarten, dass es zu ausführlichen Berichterstattungen kommt, wenn sie Präsentationsbesuche bei Leipziger Fußballvereinen absolviert.

Der Wahlkampf 2017 hat begonnen

So deutete bereits der erste Twitterdurchgang Mitte September eher darauf hin, dass die Äußerungen Kudlas vielmehr ein Auftakt sein könnten. Der Bundestagswahlkampf dürfte auch in Leipzig härter werden, als noch vor gut drei Jahren. Denn die bisherige Wahlarithmetik bei den bislang zwei CDU-Direktmandaten von Bettina Kudla und Dr. Thomas Feist könnte sich 2017 auch in der Messestadt durch die derzeit von Erfolg zu Erfolg eilende AfD verschieben.

Bislang machten sich in den beiden Leipziger Wahlkreisen die Kandidaten der Linken, SPD und Grünen in dieser Reihenfolge mit gemeinsam über 50 Prozent die Erfolge über die beiden CDU-Kandidaten streitig, wobei Linke und SPD es ohne Grüne auf jeweils rund 40 bis 50 % schafften. Beiden CDU-Kandidaten genügten so jeweils 54.000 und 52.000 Stimmen zum Einzug in den Bundestag. Im Falle Kudlas (40 %) ist die Gefahr zwar scheinbar geringer als bei Dr. Feist (34,3 %), doch 2017 könnten alte Gewissheiten fallen.

Radau im beginnenden Wahlkampf. Zwischendurch noch die Forderung dem alternativen Leipziger Club "Conne Island" die Mittel zu streichen, nun gehts bei Bettina Kudla um die stattfindende "Umvolkung". Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel (Archiv)

Radau im beginnenden Wahlkampf. Zwischendurch noch die Forderung, dem alternativen Leipziger Club „Conne Island“ die Mittel zu streichen, nun gehts bei Bettina Kudla um die stattfindende „Umvolkung“. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel (Archiv)

Die AfD hatte bei Kudlas Wiederwahl 2013 keinen Kandidaten im Bundestagsrennen und wird derzeit auf bis zu 15 % im Jahr 2017 geschätzt. Sollte die „Flüchtlingskrise“ zurückkehren, eher mehr. Von wem sich die noch unbekannten Spitzenkandidaten der Partei in der urbanen Großstadt Leipzig die Stimmen holen könnten, ist ungewiss. Dass die AfD vor Wahlen gezielt Wohnsitzwechsel nach Erfolgschancen vornimmt, zeigt dabei der Fall Hans-Thomas Tillschneider.

Das AfD-Mitglied und Vertreter des „Patriotischen Forums“ war vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt von Leipzig aus in einen aussichtsreichen Wahlkreis gezogen und sitzt heute im Landtag des sächsischen Nachbarlandes. Und hartnäckig hielten sich Gerüchte über einen Umzug von AfD-Parteichefin Frauke Petry in die Messestadt. Seit einem offensichtlich linksextremen Brandanschlag auf ihren Pkw ist mindestens klar, dass sie einen Wohnsitz in Leipzig hat und als Bundesvorsitzende im Wahlkampf 2017 von Leipzig aus ins Rennen gehen wird.

Gerade Bettina Kudla muss also bereits jetzt besonders aufpassen – ihre bisherigen Themenfelder „Islam“, „Flüchtlinge“ und „Wirtschaft“ werden bundesweit aktuell von ganz rechts außen aufgerollt und sind kein Alleinstellungsmerkmal der konservativen Konservativen aus Leipzig mehr. Hinzu kommt: Mit Jens Lehmann und Michael Weickert, beides Stadträte der Leipziger CDU, haben in den vergangenen Tagen zwei weitere parteiinterne Kandidaten für die Wahl 2017 ihren Hut in den Ring geworfen. Sie wollen im ersten Schritt innerhalb der Leipziger und der sächsischen CDU überzeugen, dass sie ebenfalls in der Lage sind, über einen bisher nahezu sicheren CDU-Wahlkreis in den Bundestag einzuziehen. Aufgrund von Wahlgewohnheiten würden dafür wohl auch 30 % genügen.

Nicht überraschend also, dass hier frühe protürkische und nun auch deutschtümelnde Signale von einer bislang eher unscheinbaren Leipziger Abgeordneten kommen. Es geht längst um ihren Sitz im deutschen Parlament und den Versuch, wahrscheinliche AfD-Stimmen für sich zu mobilisieren.

Teile des Beitrages sind bereits am 16. September 2016 in der LEIPZIGER ZEITUNG erschienen. Dieses und weitere Themen finden sich in der aktuellen LZ-Ausgabe, welche neben den normalen Leipziger Presseshops hier im Szeneverkauf zu kaufen ist.

In eigener Sache – Eine L-IZ.de für alle: Wir suchen „Freikäufer“

CDUBettina KudlaBundestagswahlMichael WeickertJens Lehmann
Print Friendly, PDF & Email
 
Ein Kommentar


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Fast 4.000 Mal ließ das Leipziger Ordnungsamt 2019 falsch geparkte Fahrzeuge abschleppen
Hier war es eine ausgeschilderte Baustelle, wegen der mehrere geparkte Fahrzeuge abgeschleppt wurden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDiese Geschichte bewegt die Leipziger nun schon seit Jahren. Denn mit dem zunehmenden Autobestand in Leipzig sind immer öfter auch Fußwege, Radwege und Kreuzungen zugeparkt. Und selbst die LVB-Fahrer verzweifeln zuweilen, weil rücksichtslose Autofahrer einfach die Gleise zuparken und damit den Straßenbahnbetrieb zum Erliegen bringen. Ein Thema, das sogar die Freibeuter-Fraktion im Stadtrat aufregte. Warum wird da nicht häufiger abgeschleppt, wollte die Fraktion schon im Februar wissen.
Der Stadtrat tagte: OBM-Vorschlag zum Neuzuschnitt der Verwaltung bekommt klare Mehrheit im Stadtrat
Burkhard Jung in der Ratsversammlung am 28. Mai 2020. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, in der Fortsetzung der Stadtratssitzung vom 20. Mai in der Kongresshalle, wurde auch über die von OBM Burkhard Jung vorgeschlagene künftige Dezernatsstruktur im Rathaus abgestimmt. Im Herbst sollen ja vier Dezernatsleitungen neu besetzt werden. Dafür müssen im Sommer die Ausschreibungen raus. Die Gelegenheit will Jung nicht verpassen, um die neuen Bürgermeister/-innen auch schon passend zur neuen Dezernatsstruktur zu finden.
Heidelberg an einem Tag: Die Neckarstadt mit der berühmtesten Burgruine Deutschlands
Andrea Reidt: Heidelberg an einem Tag. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWohin fährt man eigentlich jetzt in den Urlaub, wenn so viele Urlaubsländer noch immer mit den Nachwirkungen von Corona zu kämpfen haben? Oder selbst dann, wenn sie wieder einladen wie Italien, dort aber mit einem riesigen Ansturm der befreiten Touristen zu rechnen ist? Vielleicht sollte man die seltene Chance nutzen, einige deutsche Städte zu besuchen, die sonst von ausländischen Besuchern überlaufen sind. Heidelberg zum Beispiel.
Pfingsten ohne Gruftis? Tag 4 – Das Darkstream Festival zeigt Düster-Pop aus Leipzig + Livestream
David Gray und "Kruppe" bei der gemeinsamen Moderation in der Moritzbastei. Screen Livestream

Screen Livestream

Für alle LeserPfingsten ohne ein schwarzes Leipzig? Geht gar nicht, waren sich Dave, Kruppe und Christian einig, als Corona mehr und mehr drohte, das 2020er „Wave-Gotik-Treffen“ zu kippen. Am Ende musste das WGT in diesem Jahr ausfallen, noch immer ist es nicht möglich, Konzerte durchzuführen. Dafür haben die drei mit weiteren Szenefreundinnen etwas auf die Beine gestellt, was sie selbst am Beginn nicht für möglich gehalten hätten. Das gesamte Pfingsten 2020 gibt es erstmals mit dem „Darkstream-Festival“ einen nahezu durchgehenden Livestream mit Moderation aus der Moritzbastei, Eindrücken aus Leipzig, über 60 Bands, DJs und Autorenlesungen.
Die ausgefallene Revolution: „Zeigt uns den Virus, dann zeigen wir unsere Masken“ + Videos
Die Ich-Perspektive - möge Angela Merkel langsam verrecken, weil das eigene Kind die Coronamaßnahmen erleben muss. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit Freitag, 29. Mai 2020 im HandelFür alle LeserNoch am Samstag, 16. Mai, freute man sich bei der „Bewegung Leipzig“ über einen neuen Zahlenrekord bei ihrer Kundgebung auf dem Leipziger Marktplatz. Rund 400 Teilnehmer waren gekommen, darunter auch einer der drei „Widerstand 2020“-Partei-Gründer und Leipziger Rechtsanwalt Ralf Ludwig. Was am letztlich geringen Interesse an seinem Redebeitrag und an der eher kleinen Kundgebungsbeteiligung selbst stutzig machte, war der Umstand, dass der „Widerstand 2020“ bis zu diesem Zeitpunkt über 100.000 Online-Parteieintritte ohne Mitgliedsbeitrag vermeldet hatte. Gigantische Zahlen einer Bewegung, deren Zeit gekommen schien und welche mehr bundesweite Parteimitglieder als bei B90/Die Grünen, Linke und AfD zusammen bedeutet hätten.
Gastkommentar von Christian Wolff: Mikrosa, Pfingsten und die Aufgabe der Kirche
Christian Wolff (beim Brückenfest 2018). Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserDer Traditionsbetrieb Schaudt Mikrosa GmbH in Leipzig-Plagwitz soll stillgelegt werden (dort werden spitzenlose Außenrundschleifmaschinen für die Autoindustrie hergestellt). Die 165 Beschäftigten legten am Donnerstag, 28. Mai 2020, die Arbeit nieder und gingen auf die Straße. Arbeitnehmer/innen anderer Unternehmen schlossen sich dem Protestzug durch den Stadtteil Plagwitz an.
Der Stadtrat tagte: Große Zustimmung für „RuDi“ und digitale Ratlosigkeit in der AfD-Fraktion + Video
Straßenbahn in Stötteritz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, entschied der Leipziger Stadtrat auch zu einem neuen Förderprojekt „Ruhenden Verkehr digitalisieren – RuDi“, das die LVB als Pilotprojekt in Stötteritz umsetzen sollen. Kurz vor Sieben kam es da zu einer kleinen Debatte, nachdem AfD-Stadtrat Christian Kriegel noch einmal dieselben falschen Bedenken vorgebracht hatte, die zuvor schon die LVZ veröffentlicht hatte. Er mutmaßte ein „Abkassieren von Autofahrern jetzt auch bis zum Stadtrand“.
Fridays for Future Leipzig ruft jetzt erstmals am Dienstag zum großen Protest gegen die Abwrackprämie auf
Fridays-for-Future-Demo im April 2019. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserEs ist tatsächlich so: Weil deutschlandweit die Corona-Berichterstattung dominiert, hat die Bundespolitik augenscheinlich den fatalen Eindruck bekommen, dass die Klimakrise vergessen ist und die Deutschen nur zu bereit sind, den Wirtschaftsaufschwung nach Corona mit dem Kauf von neuen Verbrennern zu erwirtschaften. Zumindest scheinen die Bosse der großen Autokonzerne mit dieser Botschaft durchzudringen, obwohl die Mehrheit der Deutschen ganz und gar nicht vergessen hat, wie drängend die Lösung der Klimakrise ist.
Leipziger Gruppe schafft trotz erhöhter Zahlungen an die LVB auch 2019 ein positives Konzernergebnis
Seit 2016 firmiert die Leipziger Gruppe mit dem gelben L. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn normalen Jahren gab es immer im Mai eine große Pressekonferenz mit Oberbürgermeister und allen Managern der Leipziger Kommunalbetriebe, auf der stolz die Konzernergebnisse des Vorjahres bekannt gegeben wurden. Die fiel nun wegen Corona natürlich aus. Und die Zahlen wirken wie aus der Zeit gefallen, erzählen von einem regelrecht normalen Jahr, in dem sich der Leipziger Kommunalkonzern weiter stabilisierte und es auch schaffte, mehr Geld für die LVB zu erwirtschaften.
Leipziger Animal Rebellion-Gruppe protestiert mit „Schließung“ von Fastfood-Filialen gegen Billigfleischproduktion
Abgesperrte McDonald's-Filiale. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserEs wird ja jede Menge rebelliert in diesen Tagen. Die einen rebellieren gegen Corona-Maßnahmen, die nächsten gegen Atomkraftwerke, andere gegen eine neue Abwrackprämie oder gegen die fossile Klimapolitik. Alles Zeichen dafür, dass sich gerade grundlegend einige Dinge ändern. In der Nacht zum Freitag rebellierte auch eine Leipziger Gruppe von Animal Rebellion. In diesem Fall gegen das Geschäftsmodell von Fastfood-Ketten und damit auch gegen das viel zu billige Fleisch.
Leipzig Automobil: 140 Jahre Leipziger Auto-Geschichte und ein mutiger Blick in die mögliche Mobilitätszukunft
Kulturstiftung Leipzig (Hrsg.): Leipzig Automobil. F

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich ist ja „Jahr der Industriekultur“. Aber davon war aufgrund der Corona-Beschränkungen bislang wenig zu spüren. Außer, man besucht zum Beispiel die bis August verlängerte Ausstellung „Silber auf Glas“ im Stadtgeschichtlichen Museum, die eine Menge Fotos aus der frühen Zeit der Leipziger Industrialisierung zeigt. Oder man schnappt sich jetzt diesen Themen-Sonderband, den die „Leipziger Blätter“ herausbringen und der die Leipziger Automobilgeschichte einmal in hunderten Bildern und vielen Facetten zeigt.
Freitag, der 29. Mai 2020: Experten buddeln am Bahnhof und Tierschützer „schließen“ Filialen + Video
Fastfood-Filiale in der Leipziger Innenstadt nach der symbolischen Schließung. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserIn der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es in der Leipziger Innenstadt viel Aktivität. Während Expert/-innen am Hauptbahnhof eine vermeintliche Bombe untersuchten, die sich als Brunnen herausstellte, starteten Tierschützer/-innen eine Aktion gegen Fastfood-Filialen. Rund um Zwickau wiederum war die Polizei gegen Neonazis aktiv. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 29. Mai 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Panometer Leipzig: Veränderte Öffnungszeiten ab 1. Juni
CAROLAS GARTEN mit Insektenmodellen. Foto: Tom Schulze © Panometer

Foto: Tom Schulze © Panometer

Ab Pfingstmontag, den 1. Juni 2020, verändern sich die Öffnungszeiten des Panometer Leipzig temporär für die kommenden Monate. Das Panorama CAROLAS GARTEN ist ab nächster Woche montags bis freitags von 10 – 16 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen von 10 – 17 Uhr geöffnet.
Leipziger Forschungsergebnis: Frauen mit Neandertaler-Gen bringen mehr Kinder zur Welt
Svante Pääbo mit dem Schädel eines Neandertalers. Foto: MPI für evolutionäre Anthropologie

Foto: MPI für evolutionäre Anthropologie

Für alle LeserEs war nur eine kleine Meldung, die das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie am Dienstag, 26. Mai, herausgab. Aber sie macht doch nachdenklich. Denn dass die späte Vermischung von modernen Menschen und Neandertalern vor ungefähr 47.000 bis 65.000 Jahren in Europa Folgen bis in unser Erbgut hatte, das haben schon mehrere Untersuchungen aus dem Institut belegt. Aber selbst auf die Fruchtbarkeit von Frauen soll eine kleine genetische Veränderung aus dem Erbe der Neandertaler Auswirkungen haben.
Die neue Leipziger Zeitung Nr. 79: Von Gier, Maßlosigkeit, Liebe und Homeschooling in Corona-Zeiten
Leipziger Zeitung Nr. 79: Liebe in Zeiten von Corona. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserZeitungen leben davon, dass sie den Blick schärfen, dass sie uns aufmerksam machen – und zwar ohne Geschrei, ohne das bunte Flackern im Internet und das dortige Gebuhle um Aufmerksamkeit. Zeitungen könnten der Ruhepol in einer zunehmend irrelaufenden Welt sein. Wenn sie denn nicht selbst auch noch anfingen, die Welt irre zu machen und jedes Problemchen zum Skandal aufbliesen, wie es die LVZ jüngst mit dem Brief einer empörten Mutter eines Schulkindes tat.