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Noch kommen auf jeden Leipziger Einwohner 15 Quadratmeter öffentliches Grün

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    Für FreikäuferMit dem Bevölkerungswachstum und der Verdichtung der Stadt wächst natürlich auch die Angst, dass beliebte Grünflächen verschwinden. Und damit auch Orte, an denen man an heißen Sommertagen ein bisschen frische Luft tanken kann. Die Grünen im Leipziger Stadtrat wollten jetzt schon gern wissen, wo Leipzig in Sachen Grünzeug steht. Im Großstädtevergleich auf den ersten Blick nicht mal schlecht.

    Ihre Besorgnis hatten sie in der etwas größeren Stadtratsanfrage extra deutlich formuliert: „Leipzig wächst seit einigen Jahren sehr stark, was zu einer regen Bautätigkeit im gesamten Stadtgebiet geführt hat. Damit verbunden nimmt demnach auch die Flächenkonkurrenz in unserer Stadt immer mehr zu. Zahlreiche Grünflächen, Hecken, Büsche und Bäume müssen neuen Bauvorhaben weichen. Dabei sind gerade diese für unsere Stadt elementar wichtig – als Lebensraum für die Leipziger und Leipzigerinnen, aber auch für die Biodiversität und das Stadtklima.

    Nach der Recherche einer Berliner Tageszeitung liegt Leipzig mit nur etwa 42 % Vegetationsfläche auf Platz 78 von 79 verglichenen Großstädten Deutschlands. Als Richtwert zur Grünflächenversorgung wird ein Bedarf an 13 m² uneingeschränkt nutzbarer Grünfläche pro Einwohner/in angegeben. Davon fallen 6 m² auf wohnungsnahe und 7 m² auf siedlungsnahe Flächen, die jeweils innerhalb von Grünflächen von mindestens 1 ha bzw. 5 ha Flächengröße liegen sollen. Die Stadt Leipzig hat laut aktuellem Landschaftsplan von 2013 eine im Bundesvergleich nur durchschnittliche Versorgung mit uneingeschränkt nutzbarem öffentlichen Grün (15,9 m²/EW). Auch die aktuell vorliegende Informationsvorlage DS 02442 ‚Freiraumstrategie‘ bezieht sich auf diesen Wert.“

    Leipzig verliert zwar Grün. Aber das sind – so die Auskunft der Stadt – alles Flächen, die nicht als öffentlich zugängliches Grün gezählt werden.

    „Öffentliches Grün im Sinne dieses Indikators umfasst öffentliche Grünanlagen, zu denen Parks, Stadtplätze, Spielplätze sowie sonstige Grünanlagen gehören. Diese werden im Grünflächenkataster des Amtes für Stadtgrün und Gewässer geführt und können im Sinne der Anfrage gleichgesetzt werden mit uneingeschränkt nutzbarem öffentlichen Grün“, heißt es in der Auskunft des Umweltdezernats. Diese Flächen müssten auch nicht extra mit Bebauungsplänen geschützt werden.

    „Da, wie beschrieben, im Flächennutzungsplan keine Bauflächen innerhalb der ‚Regionalen Grünzüge dargestellt sind, werden dort in der Regel auch keine Bebauungspläne (inkl. Grünordnungspläne) aufgestellt. Damit ist dem dargestellten Schutzanspruch der ‚Regionalen Grünzüge entsprochen. Eine gesonderte Sicherung durch Aufstellung von Bebauungsplänen ist nicht erforderlich.“

    Was ja wohl bedeutet: Parks und Stadtwälder sind nicht gefährdet im Bestand.

    Aber die Berliner Statistik schien ja irgendwie das Märchen vom „grünen Leipzig“ zu beerdigen. Was ist da dran?

    Wirklich vergleichbare Zahlen gibt es nicht, teilt das Umweltdezernat mit. Die einzigen Zahlen, die es liefern kann, zeigen zumindest, dass Leipzig unter den Großstädten nicht allzu schlecht dasteht. Kommen Frankfurt/M. und München auf 7 bzw. 8 Quadratmeter öffentliche Grünfläche je Einwohner, liegt Leipzig mit 13 Quadratmetern auf Augenhöhe mit Hamburg.

    Dabei sind die 8.431 Hektar öffentliches Grün der Maßstab, die im Stadtgebiet liegen, davon sind 5.443,6 Herktar als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Das ist vor allem der Leipziger Auenwald, der die Stadt als grüner Gürtel durchzieht. Ohne den Auenwald sähe die Leipziger Durchgrünung schon deutlich schlechter aus.

    Die Grünzüge spielen – wie ja die Klimaerforschung im Jahr 2016 ergab – als Kaltluftschneisen eine enorme Rolle. Wo es diese durchgängigen Grünzüge nicht gibt, steht die Luft und heizt sich immer mehr auf. Da lohnt sich auch in der Nacht kein offenes Fenster, weil das Quartier einfach nicht auskühlt. Nur wo es Zugänge zum tiefer gelegenen Auenwald gibt, entstehen auch in heißen Sommernächten leichte Entlastungsströmungen.

    So richtig gelöst hat Leipzigs Verwaltung das Thema Klimaanpassung bei dem Thema noch nicht.

    Gleichzeitig aber sorgt der Zuzug nach Leipzig dafür, dass sich immer mehr Menschen in die vorhandenen Grünreservoire teilen müssen. Was dann – rechnerisch – ein Schrumpfen der Grünfläche pro Einwohner bedeutet. Kamen 2009 noch 19,7 m² öffentliches Grün auf jeden Leipziger, so waren es 2014 noch 16,5 m² und 2016 noch 15,3 m². Die Zahlen differieren. Die weiter oben genannten 13 m² beziehen sich auf jene Grünflächen, die innerhalb der Ortsteile nur 250 Meter zu Fuß entfernt sind. Deshalb fehlen hier wesentliche Stücke des Leipziger Auenwaldes, was sich zum Beispiel bei den extrem niedrigen Pro-Kopf-Werten für Connewitz und Südvorstadt bemerkbar macht, obwohl sie den südlichen Auenwald direkt vor der Nase haben. Zumindest jene Bewohner des westlichen Teils dieser Ortsteile.

    Aber die Tendenz ist klar: Immer mehr Leipziger müssen sich in ein nicht mitwachsendes Grünreservoir teilen, der Nutzungsdruck auf zentrale Parkanlagen wird wachsen. Nur zum Vergleich: der hochbeliebte Clara-Zetkin-Park ist nur 42 Hektar groß.

    Die komplette Antwort auf die Grünen-Anfrage.

    Grün-Anteil nach Ortsteilen und Einwohnern.

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