Der Stadtrat tagte: Freibeuter-Fraktion fordert „Runden Tisch“ für die Jahnallee, Gewerbetreibende wollen Parkplätze erhalten

Für alle LeserGlaubt man Robert Maihöfner, dem Inhaber der „Löwen-Tanke“, haben sich die Gewerbetreibenden der inneren Jahnallee geschlossen dafür ausgesprochen, dass die Kurzzeitparkplätze vor ihren Geschäften erhalten bleiben. Andere Initiativen forderten zuvor das Gegenteil, unterschrieben von 5.700 Unterstützern einer entsprechenden Petition: geschützte Wege für Radfahrer. Die „Freibeuter“ haben im Stadtrat einen „Runden Tisch“ beantragt, um die verschiedenen Lager miteinander ins Gespräch zu bringen. Es wird um ökonomische Fragen und eine sich wandelnde Stadt gehen.

Die Situation für Radfahrende und Gewerbetreibende in der Jahnallee beschäftigt weiterhin den Stadtrat. Am Donnerstag, den 22. November, wurde ein Antrag der „Freibeuter“-Fraktion in die Gremien zur Beratung verwiesen. Sie fordern bis Ende Februar 2019 einen „Runden Tisch“ für Stadträte und Vertreter der Gewerbetreibenden, des Bürgervereins, der Initiative „autofrei leben!“, verschiedener Verkehrsmittel-Vertreter und vor allem der Stadtverwaltung. Etwas, was der Radweg-Petitent Volker Holzendorf (Grüne) ebenfalls seit September 2018 fordert.

Kurz vor der Ratsversammlung lud die Fraktion zu einem Pressegespräch. Sie sei auf der Suche nach kurzfristigen Lösungen, erklärte FDP-Stadtrat Sven Morlok zu Beginn. „Wir haben das Gefühl, dass die Interessen der Gewerbetreibenden nicht ausreichend berücksichtigt werden.“

Kurzzeitparkplätze seien wichtig

Diesen Eindruck bestätigte Robert Maihöfner. Er betreibt die „Löwen-Tanke“, einen Spätverkauf. Seitens der Stadtverwaltung habe es zu keinem Zeitpunkt einen Kontaktversuch mit ihm gegeben. Zu den aktuellen Überlegungen sagte er: „Es wäre geschäftsschädigend bis existenzbedrohend, wenn die Kurzzeitparkplätze auf der Jahnallee wegfielen.“ Stattdessen schlägt er vor, den Radverkehr über die Gustav-Adolf-Straße umzuleiten. „Das wäre ein Umweg von zwei bis drei Minuten.“

Zudem wäre es für die Radfahrer dort angenehmer und weniger gefährlich. Was aber auch bedeuten könnte, dass etwa 4.000 potentielle Kunden die Geschäfte auf der Straße nicht mehr zu sehen bekommen und woanders anhalten. An seinem Laden würden sie dann jedenfalls nicht mehr vorbeifahren – um den zu erreichen, müssten sie die vielbefahrene Jahnallee aus einer Nebenstraße heraus kreuzen.

Anne-Kathrin Habermann, Inhaberin der „Einhorn-Apotheke“, schloss sich ihren Vorrednern an. Die Kurzzeitparkplätze seien sowohl für gehbehinderte Kunden als auch Lieferanten wichtig. Sie äußerte – genau wie die anderen Anwesenden – ihren Unmut über eine Aktion im August, als ab dem 17.08. für vier Tage ein Probe-Radweg von verschiedenen Initiatoren in Form einer Demo stadtauswärts eingerichtet wurde. Damals war das Parken auf der stadtauswärtigen Seite nicht möglich – diese wurde für den Radverkehr genutzt.

So kam es offenbar dazu, dass mehrere Geschäfte Probleme damit bekamen, die angelieferten Waren entgegenzunehmen, auch, weil es für einige trotz mehrfacher medialer Vorankündigung offenbar überraschend geschah.

Fahrradfahrer als Kunden. Während des Proberadweges auf der Jahnallee war der Freisitz der Pizzaria jeden Abend voll. Foto: L-IZ.de

Fahrradfahrer als Kunden. Während des Proberadweges auf der Jahnallee war der Freisitz der Pizzaria jeden Abend voll. Foto: L-IZ.de

Unterschriftenliste für den OBM

„Ich habe alle 50 Geschäfte besucht“, so Maihöfner. Überall habe man gesagt: Kurzzeitparkplätze sind für die Läden enorm wichtig. Deshalb hätten alle einen Zettel unterschrieben, mit dem die Verwaltung dazu aufgefordert wird, diese Parkplätze zu erhalten. Die Unterschriftenliste wurde Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) vor der Ratsversammlung übergeben. In der LVZ wurde kolportiert, es würden 60 Prozent der Gäste der Unternehmen in der Inneren Jahnallee nach Schätzungen der Geschäftstreibenden mit dem Auto anfahren – angesichts der zirka 3-4 Parkplätze pro Laden eher unwahrscheinlich, doch die Frage des Lieferverkehrs bleibt.

Gleichzeitig existiert die Petition des Grünen-Politikers Volker Holzendorf. Diese wurde mehr als 5.700 mal unterzeichnet. Offenbar sind also Anwohner und Radfahrer auch Kunden der Geschäfte in der Inneren Jahnallee. Holzendorf und seine Unterstützer fordern eine „protected bikelane“ im Waldstraßenviertel – also reine Radfahrspuren – um zukünftig die Unfallhäufung in der Inneren Jahnallee durch die parkenden Autos zu beenden. Die Kurzzeitparkplätze direkt vor den Geschäften könnte es dann nicht mehr geben, sie müssten in die anliegenden Seitenstraßen verlegt werden.

„Für eine sachgerechte Lösung müssen wir alle an den Tisch bekommen“, bekräftige Stadtrat Morlok nochmal. Schuld an der Situation seien nicht die Gewerbetreibenden, sondern die Stadtverwaltung, die keine langfristige Radverkehrsplanung vorweisen könne. Diese müsste – was die Jahnallee betrifft – allerdings schon 2006 begonnen haben. Da wurden die Auto-Parkplätze an der hier verlaufenden Bundesstraße 87 als „Modellprojekt“ eingerichtet und blieben seither 12 Jahre lang bei wachsendem Verkehrsaufkommen bestehen.

Was auch im Stadtrat am 22. November fast am Rande Thema war. Es besteht angesichts der vielen Unfälle in den letzten zwei Jahren praktisch „Gefahr im Verzug“ auf diesem Streckenabschnitt. Die Stadt ist auch rechtlich gefordert, hier Abhilfe zu schaffen, will sie nicht irgendwann wegen Unterlassung von den Angehörigen einer hier verunglückten Radfahrerin verklagt werden.

Voraussichtlich im Dezember 2018 wird der Stadtrat über den Antrag der „Freibeuter“ diskutieren und entscheiden. Um den runden Tisch wird man so oder so nicht herumkommen.

Innere Jahnallee: Bürgerbeteiligung mal richtig machen

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