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Das Leipziger Bewässerungskonzept soll im Dezember vorliegen und wird frühestens 2021 wirksam

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    Da waren nicht nur einige unserer Leser/-innen entsetzt über die Bilder der gefällten Bäume im Mariannenpark, die die drei Dürrejahre hintereinander nicht überstanden haben. Einer schrieb uns: „Die Trockenheit wird noch Jahre andauern. Wenn also nicht bald mal jemand von städtischer Seite etwas unternimmt, wird es dann in 2 oder 3 Jahren keine alten Parkbäume mehr geben.“ Leipzigs Politik reagiert zu langsam. Das steht eigentlich seit Juni fest.

    Da stimmte nämlich der Stadtrat über einen Antrag der Linksfraktion ab, den diese schon im Februar gestellt hatte, wohl wissend, dass es regelrecht blauäugig ist damit zu rechnen, dass nach zwei Dürrejahren nicht noch ein drittes und viertes folgen könnten.

    Denn vorgesorgt hat Leipzig ja nicht. Die Stadt hat zwar eine Klimaanpassungsstrategie. Aber die wurde um 20 Jahre zu spät verabschiedet. Verwaltungen sind noch viel träger beim Umsteuern als normale Stadtbewohner. Sie brauchen erst belastbare Fakten und eindeutige Einzelfallprüfungen, bevor sie handeln. Meistens zumindest.

    Der Klimawandel aber war lange Zeit kaum spürbar in Leipzig, auch wenn auch hier die jährlichen Durchschnittstemperaturen seit den 1990er Jahren allmählich anstiegen. Das Jahresmittel lag schon damals um 0,8 Grad über dem Referenzwert. Es war also in den meisten Jahren schon deutlich wärmer, aber die Niederschläge waren noch im üblichen Mittel.

    Nach 2000 aber begannen die Anomalien stärker zu werden – man denke nur an die diversen Hagel- und Starkregenereignisse Anfang der Nullerjahre. Und die Temperaturen stiegen jetzt deutlich an, jetzt schon auf durchschnittlich 1,5 Grad über dem langjährigen Mittel. 2018 wurde eine neue Höchstmarke erreicht: der Jahresdurchschnitt von 11,3 Grad Celsius lag schon 2,5 Grad über dem Referenzwert.

    Aber erstmals verzeichneten die Meteorologen für Leipzig ein Phänomen, das es vorher so nicht gab: Die Jahresniederschlagsmenge blieb um ein Drittel unter den üblichen Niederschlagsmengen zurück.

    Die Leipziger erlebten also erstmals ein Jahr, das ganz klassisch genau das abbildete, was die Klimaforscher schon 30 Jahre zuvor prognostiziert hatten. 30 Jahre, in denen auch Politiker so taten, als wäre das alles nur eine Möglichkeit, etwas, was man aussitzen kann, weil ja „doch nie so heiß gegessen wird, wie gekocht wird“.

    Gefällte Bäume im Mariannenpark. Foto: Jan Kretzschmar
    Gefällte Bäume im Mariannenpark. Foto: Jan Kretzschmar

    In diesem Fall schon. Das Problem ist beim Klima: Es ist ein langwirkender Prozess. Den Klimaforscher schon lange sehr genau modellieren können. Es wäre ein Idealbeispiel für menschliche Klugheit gewesen, wenn die Politik gehandelt hätte – und zwar lange bevor die Folgen der Prozesse spürbar werden.

    Hat sie aber nicht.

    Die Weltklimakonferenzen sind zu Schwatzbuden verkommen.

    Und auch Leipzigs Verwaltung hat das Thema nie erst genommen. Auch nicht 2014, als sie das aktuell noch geltende Klimaschutzprogramm verkündete, zu dem die jüngste Auswertung trocken feststellen musste: Die Ziele wurden meilenweit verfehlt.

    Und zwar nicht, weil man dran vorbeigelaufen wäre. Man ist gar nicht erst losgelaufen. Die großen Weichenstellungen zu einer Klimaanpassung hat allesamt erst der Stadtrat beschlossen – vom Kohleausstieg bis zur neuen Mobilitätsstrategie. Und nicht zu vergessen: der Klimanotstand 2019 auf Antrag des Jugendparlaments.

    Und mit der Bewässerung des Leipziger Grüns geht es weiter. In seiner Stellungnahme zum Antrag der Linksfraktion, endlich ein Bewässerungskonzept für Leipzig zu entwickeln, gestand das Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport zu, dass es um mehr geht als das Bewässern der von Trockenheit bedrohten Straßenbäume.

    „Für die Erarbeitung des Bewässerungskonzeptes sind neben Straßenbäumen und öffentlichen Grünflächen die Liegenschaften aller flächenverwaltenden Ämter der Stadt Leipzig zu berücksichtigen. Eine Begrenzung auf Stadtbäume und Stadtbegrünung greift dafür zu kurz. Bewässerung ist ein Thema von weitreichender Bedeutung und ein konzertiertes Handeln aller beteiligten Akteure kann erhebliche Synergieeffekte erzeugen“, heißt es in der Vorlage.

    „Das Bewässerungskonzept soll auch die möglichen Leistungen Dritter und externer Firmen, z. B. beim Thema Gießwasserbereitstellung, berücksichtigen. Für die Umsetzung des Bewässerungskonzeptes wird ein Bewässerungsmanagement in der Stadt Leipzig aufgebaut, welches Aussagen z. B. zu bisherigen Bewässerungsaktivitäten, den zu bewässernden Liegenschaftsbestandteilen, Wasserbedarfen, Personal, Technik enthält und strategische Ansätze zur Umsetzung des Bewässerungskonzeptes aufzeigt.“

    Oder einmal so formuliert: Die anhaltende Trockenheit hat auch Leipzigs Verwaltung auf dem falschen Fuß erwischt. Sie hat auch die Warnungen des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie nicht ernst genommen, das seit 20 Jahren gewarnt hat, dass es in Sachsen genau so kommt: steigende Temperaturen, ausgeprägte Hitzeperioden und dramatischer Rückgang der Niederschläge. Das betrifft eben nicht nur die Bauern und Forstleute, sondern auch das bisschen Grün in der Stadt.

    Baumstumpf im Mariannenpark. Foto: Jan Kretzschmar
    Baumstumpf im Mariannenpark. Foto: Jan Kretzschmar

    Jetzt steckt Leipzig natürlich schon mittendrin in dieser Entwicklung. Der Klimawandel ist mit aller Wucht angekommen. Und die Stadt ist nicht darauf vorbereitet.

    Das Umweltdezernat beschrieb auch die Probleme, die jetzt mit einem Bewässerungskonzept zusammenhängen, das das noch existierende Grün retten soll: „Als Grundlage für die weiteren Planungen wäre eine Bilanzierung aufzustellen, welche Gießwassermengen bei Betrachtung verschiedener meteorologischer und vegetationsspezifischer Szenarien jeweils notwendig sind.

    Des Weiteren ist in die Betrachtungen mit einzubeziehen, dass in aufeinanderfolgenden trockenen Jahren mit geringer bis keiner Grundwasserneubildung und geringen Abflüssen in den oberirdischen Gewässern auch eine angespannte Wasserhaushaltssituation zu verzeichnen ist, welche möglicherweise nur reduzierte Entnahmen aus den Gewässern (sowohl oberirdische als auch Grundwasser) zulässt.

    Jede Form der Gewässerbenutzung bzw. Wasserentnahme bedarf einer wasserrechtlichen Erlaubnis, für deren Erteilung die Auswirkungen auf den Wasserhaushalt (Bewirtschaftungsermessen) zu betrachten sind. Auch die Rückhaltung bzw. Speicherung von Niederschlagswasser und die Bereitstellung und Nutzung von Grünflächen für Niederschlagswasser aus angrenzenden Bebauungen ist dabei stärker in den Fokus zu rücken und zu betrachten.“

    In der Stadtratssitzung im Juni beschloss der Stadtrat übrigens den Linke-Antrag, sodass die Verwaltung jetzt bis zum vierten Quartal (Oktober bis Dezember) ein belastbares Bewässerungskonzept für Leipzig vorlegen muss. Die Stellungnahme des Umweltdezernats wurde dabei zur Kenntnis genommen.

    Dort kann man natürlich auch lesen, dass auch die Kommunalen Wasserwerke Leipzig gefragt sind, bei der Lösung mitzuhelfen: „Die Leipziger Wasserwerke werden die Erarbeitung eines Bewässerungskonzeptes für die Stadt Leipzig bis Ende des 4. Quartals 2020 unterstützen. Die Nutzung von alternativen Wasserquellen wie Brauch- und Brunnenwasser im Stadtgebiet wird dabei im Vordergrund stehen.

    Vor dem Hintergrund, dass die Entwicklung der Grundwasserstände vom Landesamt für Umwelt als kritisch kommuniziert wurde, ist die Situation auch bei den Leipziger Wasserwerken seit zwei Jahren unter verstärkter Beobachtung. In regelmäßiger Abstimmung zwischen den Verantwortlichen werden die Erkenntnisse ausgewertet und gegebenenfalls Maßnahmen abgeleitet.

    Trotz der Niederschläge in den vergangenen Wochen hat sich die Grundwassersituation in den Einzugsgebieten der Leipziger Wasserwerke bisher nicht wesentlich verbessert. Es ist davon auszugehen, dass dieser Trend auch im Jahr 2020 anhält. Es gilt also, die Ressource Wasser schonend zu nutzen. Prioritär muss diese wertvolle Ressource für den eigentlichen Gebrauch als Trinkwasser zur Verfügung stehen.“

    Trotzdem bleibt das dort zu lesende Fazit: „Einer klimaangepassten und klimafolgenberücksichtigenden Grün- und Freiflächenplanung kommt daher künftig eine besondere Bedeutung zu.“

    Für die gefällten Bäume im Mariannenpark kommt das Konzept natürlich zu spät. Und wahrscheinlich auch noch für hunderte andere alte Bäume in den Leipziger Parkanlagen.

    Im Mariannenpark mussten aus Sicherheitsgründen ganze Baumreihen gefällt werden

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      3 KOMMENTARE

      1. Übrigens wurde uns ebenfalls mitgeteilt, daß wir uns um das Wohlbefinden des Baumes nicht kümmern müssten. Dies würden die Mitarbeiter des Grünflächenamtes erledigen.

      2. Wir haben für 250,-€ eine Patenschaft für eine 4 Jahre alte Platane 2016 in der Karl Heine Str. übernommen. Im zuge der Brückensanierung wurde “unser“ Baum nicht etwa umgesetzt, er wurde gefällt. Auf Nachfrage im Grünflächenamt erklärte man uns, eine Entsorgung und Neuanschaffung wäre Kostengünstiger. Wir bekommen jetzt einen neuen…. Schade um den dazumal 5 Jahre alten Baum. Ebenso wurde uns 2016 nicht mitgeteilt, daß unser Bäumchen nur noch 1 Jahr leben darf. Für Baumpaten sehr motivierend.

      3. Wenn man diese Bilder sieht, kann man als erholungsbedürftiger Bürger nur hoffen, dass die Gemeinden möglichst rasch wieder greifbare Baumschutzsatzungen erlassen können, die auch beinhalten, dass die vorhandenen Altbäume nicht nur vor dem Einschlagen geschützt werden, sondern auch pfleglich behandelt werden sollten, dh. das in Trockenzeiten ein Straßenbaum auch mal mit Wasser versorgt wird. Vom Bürger um die Ecke oder in jedem Fall durch die Kommune – also dringend erforderliches Bewässerungskonzept.
        Nunmehr im 3. trockenen Jahr gehen besonders die jungen Bäume ein und vertrocknen an den Straßen und in Parkanlagen. Sie wurden als Starkbaum gepflanzt und wurden am neuen Standort oft noch nicht mal bis 10 Jahre alt!!!
        Leider gibt es wahrscheinlich nicht mal eine Statistik dazu, wieviele der neu gepflanzten Jungbäume, deren Patenschaft für den Bürger immerhin 250 € beträgt, weiviele Jungbäume nicht anwachsen, vertrocknen, durch Vandalismus abgebrochen oder durch Fahrzeuge umgefahren werden.
        Die Altbäume sollten also besonders gepflegt werden, denn sie stehen oft schon 30, 50 oder mehr Jahre an den oft ungemütlichen Standort an einer Straße oder mit etwas mehr Glück in einer Parkanlage.
        Dieses Alter erreichen die meisten der neu gepflanzten Bäume leider nicht. Man muss es sich einfach mal vorstellen – ein heute 50zig jähriger Baum wurde 1970 gepflanzt, also noch in der DDR, die es schon seit 30 Jahren nicht mehr gibt.

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