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Erst die Wohnung, dann die Probleme: Wie Leipzig gegen Obdachlosigkeit vorgeht

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    Am 28. April 2021 hat der Leipziger Stadtrat das Modellprojekt „Eigene Wohnung“ beschlossen – und damit eine Kehrtwende vom bisher herkömmlichen Weg zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit in Leipzig. Das Projekt geht die Ursachen, wie Verschuldung, Sucht- und psychiatrische Erkrankungen, sozusagen „mit einem Dach über dem Kopf“ an.

    Damit verfolgt die Stadt den Ansatz „Housing First“. Der stammt aus den USA und basiert auf dem Ansatz, dass eine eigene Unterkunft die Sicherheit und Stabilität bietet, die es als Grundlage zur Problembewältigung braucht.

    Wie wird entschieden, wer eine Wohnung bekommt?

    Als Grundlage für das Leipziger Modell dienten Befragungen von Trägern der Wohnungsnotfallhilfe, Fachexperten und auch obdachlosen Personen. Die Auswahl der 174 Projektteilnehmenden erfolgte nach einem mehrstufigen Verfahren, wobei vor allem Personen mit psychischen und Suchterkrankungen bevorzugt Zugang erhielten. Gründe, die eine Person von der Teilnahme ausschließen, gibt es nicht.

    Die Stadt definierte im Vorfeld drei Dringlichkeitsstufen. Während der niedrigsten Dringlichkeitsstufe Personen zugeordnet wurden, die angegeben hatten, bei Freunden oder Verwandten zu leben, inhaftiert zu sein oder eine neue Wohnung zu suchen, befanden sich in der nächsten Stufe Bewerber/-innen, die die bestehenden Angebote der Wohnungslosenhilfe nutzen.

    In der höchsten Dringlichkeitsstufe wurden schließlich Personen zusammengefasst, die angaben, auf der Straße, in Abrisshäusern oder Gartenlauben zu leben, oder seit vielen Jahren zwischen Notübernachtungseinrichtungen und dem Leben auf der Straße wechseln. Insgesamt 52 Personen fielen unter diese letzte Kategorie.

    Aus diesen wurden im August in einem transparenten Losverfahren schließlich 26 Personen, darunter ein Pärchen, ausgewählt, die in den kommenden Monaten 25 Wohnungen der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) beziehen werden. Ab dem nächsten Jahr sollen auch Wohnungsgenossenschaften und private Vermieter/-innen in das Projekt mit einbezogen werden.

    Beständige Unterstützung

    Zeitung
    Die letzte LZ des Jahres 2021, Nr. 97 Titelblatt. Foto: Screen LZ

    Zur Bewältigung ihrer Probleme stehen ihnen Sozialarbeiter/-innen zur Seite. Diese Begleitung läuft fortwährend über den gesamten Zeitraum des Modellprojekts, der bis Ende 2024 festgelegt ist.

    „Die Teilnehmenden werden, so notwendig und gewünscht, bis zum Ende des Projekts durch die Sozialarbeiter/-innen unterstützt. Wenn Teilnehmende im Laufe des Projekts ihre Ziele erreichen und der Wohnraum langfristig gesichert werden konnte, kann die soziale Unterstützung einvernehmlich beendet werden“, heißt es aus dem Leipziger Sozialdezernat.

    Mit dem Ansatz verfolgt die Stadt ein klar formuliertes Ziel: „Mit dem Modellprojekt ‚Eigene Wohnung‘ ist auch die Erwartung verbunden, Impulse für die Weiterentwicklung von Hilfen für Wohnungslose in Leipzig zu schaffen.“

    Deshalb wird während des gesamten Projektzeitraums auch eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation erfolgen.

    Lesen Sie mehr zum Schwerpunkt Wohnen unter www.l-iz.de/tag/wohnen

    „Erst die Wohnung, dann die Probleme: Wie Leipzig gegen Obdachlosigkeit vorgeht“ erschien erstmals am 17. Dezember 2021 in der aktuellen Printausgabe der Leipziger Zeitung (LZ). Unsere Nummer 97 der LZ finden Sie neben Großmärkten und Presseshops unter anderem bei diesen Szenehändlern.

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