Der ehemalige Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Volker Rodekamp hätte bei dem Thema bestimmt wieder seine Lieblingsphrase von der longue durée angewendet: Es ist ein sehr, sehr langer Langstreckenlauf, bis Leipzig sein Sportmuseum bekommt. Am 15. März war es im Stadtrat wieder Thema.

Da hatte Linke-Stadtrat Adam Bednarsky so ein paar Nachfragen zu den Antworten aus dem Dezernat Kultur zum Stand der Dinge. Denn so richtig geht es nicht voran, obwohl es 2018 sogar eine Fördergeldzusage des Freistaats Sachsen gab in Höhe von 2,079 Millionen Euro. Die hätten bis Ende 2022 verwendet werden können. Aber bis dahin schafft es die Stadt nicht, den Museumsbau am Sportforum auf den Weg zu bringen.

Zwar weiß man seit Jahren, dass man das Sportmuseum in der Nordtribüne des ehemaligen Schwimmstadions unterbringen möchte. Aber da die Bebauung des danebenliegenden Geländes nicht geklärt war, verzögerte sich alles.

Wer sich erinnert: Hier sorgten Pläne der Stadt, das Gelände an RB zu verkaufen, damit der Fußballclub hier seine neue Geschäftsstelle bauen konnte, für mächtigen Streit im Stadtrat. Denn viel dringender wird hier eine neue Grundschule gebraucht. Das Stellplatzproblem funkte auch noch dazwischen.

Erst als RB verkündete, die neue Verwaltung würde an der Capastraße entstehen, wurden hier die Bremsen rausgenommen und die Verwaltung öffnete den Weg für den Bau einer neuen Schule. Aber all das hat wieder drei wertvolle Jahre gefressen.

Die Fördermittel des Freistaats werden jedenfalls für das Sportmuseum nicht mehr eingesetzt. „Durch intensive Gespräche mit dem Freistaat Sachsen ist es gelungen, einen Teil der Mittel in Höhe von 1,0 Mio Euro für die laufende Baumaßnahme Haus zum Arabischen Coffebaum einzusetzen“, teilte das Kulturdezernat mit. Wenigstens etwas.

Aber wie geht das nun mit dem Sportmuseum weiter? Wird es irgendwann in den nächsten Jahren spruchreif?

„In enger Abstimmung zwischen dem Amt für Gebäudemanagement, dem Amt für Schule und dem Kulturamt werden Schnittmengen bei der Realisierung des Sportmuseums und der Grundschule am Standort der Nordtribüne des ehemaligen Schwimmstadions geprüft. Gegenwärtig wird vom Amt für Gebäudemanagement auf der Grundlage der Flächenbedarfe von Sportmuseum, Grundschule und weiteren kommunalen Bedarfen eine Grundstücksanalyse vorgenommen“, hatte das Kulturdezernat mitgeteilt.

Womit jetzt gleich mal drei Dezernate beteiligt sind, was die Planungen für das Gelände betrifft: Kulturdezernat, Sportdezernat und Schuldezernat.

Aber man habe ein Ziel vor den Augen, teilte das Kulturdezernat mit: „Für den Planungsbeschluss wird eine Beschlussfassung bis zum 1. Quartal 2023 angestrebt.“

Etwas kryptisch klang dann für Bednarsky der Satz: „Die Finanzierung der weiteren Planung des Sportmuseums soll mit der HH-Aufstellung 2023/24 gesichert werden.“

Was bedeutet das? Bezahlt Leipzig dann das Sportmuseum ganz aus eigener Tasche oder gibt es doch noch Fördermittel vom Freistaat? Eine Frage, auf die auch Sportbürgermeister Heiko Rosenthal nur vorsichtig antworten konnte, das stünde dann wohl 2023 in der Planungsvorlage. Da Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke nicht da war, konnte er nur stellvertretend antworten.

Was eben bedeutet, dass sich das Kulturdezernat um neue Fördermittel für das Sportmuseum bemühen muss. Ein Planungsbeschluss 2023 bedeutet aber noch nicht, dass das Museum tatsächlich schon gebaut wird. Denn das ist erst möglich, wenn alle Planungen abgeschlossen und ein Baubeschluss vom Stadtrat gefasst wird. Wenn der schon 2024 kommen sollte, könnte das Museum ab 2025 möglicherweise Gestalt annehmen.

Die Debatte vom 15. März

Video: Livestream der Stadt Leipzig

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