Als es um die Bewerbung um die Olympischen Spiele von 2012 ging, war da schon so ein Hoffnungsschimmer am Horizont, das Olympische Komitee würde vielleicht zurückkehren zu Spielen, die verträglicher wären für die Umwelt, nicht so gigantomanisch, teuer und ruinös für die Austragungsorte. Da rechnete man zumindest in Deutschland mit guten Chancen für Leipzig. In Runde eins, der nationalen Bewerbung, funktionierte das noch prima. „Small is beautifull“ sah wie ein Selbstläufer aus.
Doch in Runde zwei hatte Leipzig keine Chance gegen die großen Millionenmetropolen. Nun hoffen wieder einige Leipziger auf einen möglichen Erfolg. Aber nicht ohne richtige Nachhaltigkeit, mahnen die Grünen. Und sie machen ihre Zustimmung zur erneuten Olympiabewerbung davon abhängig, dass die Stadt belastbare Nachhaltigkeitskriterien vorlegt.
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Leipziger Stadtrat hat sich jetzt nach ausgiebigen Beratungen dazu verständigt, die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele im Rahmen von „Berlin+“ nur zu unterstützen, wenn die Verwaltung bis zum 30. Juni 2026 ein verbindliches Konzept vorlegt, das strenge Nachhaltigkeits- und Beteiligungskriterien als Ziel definiert. Denn wenn Leipzig bei Olympia 2036 dabei sein sollte, dürften olympische Investitionen keine Eintagsfliege sein, sondern müssten der Stadt dauerhaft zur Verfügung stehen.
Dazu gehören die Nachnutzung des Olympischen Dorfs als mietpreisgebundener Wohnraum, die Ertüchtigung bestehender Sportstätten, die Kompensation von Flächenversiegelung, die Pflanzung eines „Olympischen Waldes“, der Ausbau von Rad- und ÖPNV-Netzen sowie ein verbindliches Nachhaltigkeitskapitel, listen die Grünen in ihrem Antrag „Leipziger Olympiabewerbung ‚Berlin+‘ nur mit verbindlichen Nachhaltigkeits- und Beteiligungskriterien“ auf.
Den Antrag haben sie jetzt ins Ratsverfahren eingereicht. Richtig gestaltet, so stellen sie fest, könne „eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele zudem große Begeisterung und gemeinsames Mitfiebern auslösen und damit Identifikation und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Leipzig und der Region stärken“.
„Wir wollen sicherstellen, dass diese Bewerbung zu einem Motor für sozial-ökologische Stadtentwicklung wird und Leipzig sowie die Region langfristig stärkt“, sagt Stadträtin und sportpolitische Sprecherin der Fraktion, Sylvia Herbst-Weckel. „Ohne verbindliche Nachhaltigkeitskriterien und klare Kostengrenzen wäre das Risiko von Kostensteigerungen und Umweltbelastungen zu hoch.“
Nicht ohne Bürgerbeteiligung
Der nun eingereichte Antrag der Fraktion sieht vor, dass das Olympische Dorf auf einer geeigneten, verkehrlich gut an den Umweltverbund angebundenen Fläche errichtet wird, sodass möglichst 70 Prozent, idealerweise 100 Prozent, der Wohnungen nach den Spielen als mietpreisgebundener Wohnraum durch die LWB bereitgestellt werden können.
Zudem sollen statt Neubauten von Sportstätten bestehende Anlagen ertüchtigt, modular erweitert und unter der Bedingung einer gesicherten Nachnutzung qualifiziert werden. Jede im Zuge der Bewerbung notwendige Flächenversiegelung soll zwingend entsprechend des Stadtratsbeschlusses zur Netto-Null-Versiegelung durch mindestens gleich große Entsiegelungsmaßnahmen kompensiert werden, ferner soll ein „Olympischer Wald“ angelegt werden.
Weiterhin wird der Ausbau von Rad- und ÖPNV-Netzen gefordert, um eine klimaneutrale Mobilität zu gewährleisten. Ein verbindliches Nachhaltigkeitskapitel soll Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und soziale Gerechtigkeit im gesamten Projekt verankern. Ein umfassendes Bürgerbeteiligungsverfahren soll die demokratische Legitimation stärken, die Akzeptanz erhöhen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.
„Olympische und Paralympische Spiele versprechen internationales Ansehen, touristische Impulse, internationale Begegnung, neue Chancen für Ehrenamt und Vereinsleben sowie Investitionen in die Infrastruktur. Sie haben das Potenzial, Leipzig als weltoffene Stadt mit einer ausgeprägten und gelebten Willkommenskultur zu stärken“, kommentiert Sylvia Herbst-Weckel den Voprstoß der Grünen.
„Gleichzeitig können sie Begeisterung für Sport auslösen, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und mehr Bewegung in den Alltag bringen, indem neue Sportarten erlebbar werden, der Einstieg in Vereine erleichtert wird und mehr Menschen motiviert werden, sich im Ehrenamt einzubringen, zum Beispiel als Trainerinnen und Trainer oder in der Vereinsarbeit. Gerade die Paralympischen Spiele können Inklusion und Barrierefreiheit sichtbarer machen und dauerhaft voranbringen.
Auf der anderen Seite ist Leipzig jedoch mit einer akuten Wohnungsnot und einer stark versiegelten Stadtfläche konfrontiert. Mit einem umfassenden Nachhaltigkeitskonzept bieten Olympische und Paralympische Spiele enorme Chancen und Möglichkeiten. Ohne klare Vorgaben überwiegen aus unserer Sicht jedoch die Risiken und Nachteile.“
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