Die Osterferien sind mit einem überraschenden Ortsderby der Leipziger Fußball-Kontrahenten zu Ende gegangen. Der Abstiegskandidat BSG Chemie bezwang im eigenen Stadion den blau-gelben Tabellenführer. Das Amtsgericht in Halle verhandelt heute 20 mutmaßliche Fälle von Betrug an einer in Leipzig geborenen Diskuswerferin, die um fast zweihunderttausend Euro geprellt worden sein soll. Und am frühen Abend gedenken Leipzigerinnen und Leipziger mit einem Gedenkmarsch der 6 Millionen während der NS-Diktatur ermordeten Jüdinnen und Juden.
Prozess um Betrug an Leipziger Olympia-Legende
Als Sportlerin hat sie gekämpft und gesiegt. Doch gegen Krankheit und falsche Freundschaft konnte sie nur verlieren. Am Amtsgericht Halle beginnt heute der Strafprozess gegen einen 1953 geborenen Mann, der in 20 Fällen die inzwischen verstorbene und in Leipzig geborene Olympiasiegerin Ilke Wyludda betrogen haben soll. Der Angeklagte war zuvor gemeinsam mit der Sportlerin Mitinhaber einer Physiotherapiepraxis in Halle.
Ilke Wyludda gehörte während ihrer aktiven Laufbahn zur Weltspitze. Zwischen 1986 und 2014 gewann sie u.a. bei Olympia, Europa- und Weltmeisterschaften sechs Mal Gold und fünf Mal Silber. 2010 unterzog sich die Athletin einer Amputation des rechten Unterschenkels, weil die bakterielle Entzündung einer Wunde eine Sepsis verursachte. Doch schon 2012 startete sie bei den Sommer-Paralympics in London.
2020 wurde ihr der linke Unterschenkel amputiert, nachdem sie drei Jahre zuvor ihre sportliche Laufbahn mit mehreren Medaillen bei verschiedenen internationalen Wettbewerben krönte und schließlich beendete. Sie gab nicht auf, orientierte sich neu als Diplom-Sportlehrerin, studierte Medizin, wurde Ärztin und eröffnete mit dem heute Beschuldigten eine physiotherapeutische Praxis.
Wie die Ermittler darlegen, verschlechterte sich der Gesundheitszustand der einstigen Olympiasiegerin bereits im ersten Quartal 2024 erheblich. Sie konnte sich demnach nicht mehr ausreichend um den Praxisbetrieb kümmern. Diese Situation soll der Angeklagte mutmaßlich gezielt ausgenutzt haben: In 20 Einzelüberweisungen habe er sich selbst sowie dem Finanzamt Halle Geld vom Geschäftskonto der Geschädigten überwiesen – unter anderem zur Begleichung eigener Steuerschulden. Insgesamt geht es laut Anklage um eine Summe von 198.173,77 Euro.
Für jede einzelne Tat der Untreue sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor. Zusätzlich hat die Staatsanwaltschaft die Einziehung des gesamten mutmaßlich erlangten Betrages beantragt. Ein möglicher letzter Sieg bleibt der Sportlerin, die nie aufgab, verwehrt. Die Geschädigte verstarb am 1.Dezember 2024 mit nur 55 Jahren.

Leipzig gedenkt deportierter Jüdinnen und Juden
An der Parthenbrücke Pfaffendorfer Straße beginnt heute um 18 Uhr ein öffentlicher Gedenk- und Demonstrationszug unter dem Titel „Marsch des Lebens“. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Für jüdisches Leben und gegen Israelhass“ und ist rund um den internationalen Holocaust-Gedenktag Jom haSchoa organisiert, der an die sechs Millionen während der Nazidiktatur ermordeten Juden erinnert.
Neben dem Deportationsdenkmal auf dem Leipziger Hauptbahnhof und dem Gedenkort Gottschedstraße ist der Stein an der Parthe einer der wichtigen Erinnerungsorte an die Verbrechen, die nicht zuletzt Leipzigerinnen und Leipziger an ihren Mitmenschen und Nachbarn durch die Deportation in Vernichtungslager verübten. Er markiert die Stelle, an der die Opfer im Zuge der Reichskristallnacht zusammengetrieben und schließlich deportiert wurden. Beim Blick in den Kanal und dem Gedanken daran, dass dort bei bitterster Kälte in einem Flussbett Menschen zusammengetrieben wurden, können einem nur Beklemmung und Scham widerfahren.
In Leipzig lebten bis zur Machtergreifung der Faschisten mehr als 12.000 Jüdinnen und Juden. Damit war die Messestadt regional ein Zentrum jüdischen Gemeindelebens und der dazugehörigen Kultur. Ausgelöscht durch Rassen- und Größenwahn. Um 19 Uhr ist auf dem Markt eine Abschlusskundgebung geplant.

Abstiegskandidat bezwingt Tabellenführer: Leipzig freut sich über friedliches Ortsderby
Dieses Duell überraschte in mehrfacher Hinsicht. Denn die siegverwöhnte Leipziger Lokomotive aus dem Südosten der Stadt hatte wohl ausgerechnet beim lokalen Erzfeind nicht genug Dampf auf dem Kessel, während beim Abstiegskandidaten aus dem Westen offenbar die Chemie stimmte.
Mit einem 1:0, spendiert von Nils Lihsek in der 57. Minute, trennten sich die Leutzscher Gastgeber von der Probstheidaer Elf, und nun schauen vielleicht beide verwundert und die Augen reibend in die neue Woche. Für die einen geht es um die Krone. Fünf Spiele stehen noch an, bevor die Blaugelben eine Titelparty schmeißen könnten. Und für die Grünweissen geht’s um nicht weniger als den Klassenerhalt, dem sie mit diesem gestrigen Sieg zumindest ein kleines Stück nähergekommen sind. Aufatmen heisst es aber nicht nur für den Spielsieger.
Auch die Polizei, für die Wettkämpfe zwischen den beiden Traditionsvereinen grundsätzlich eine Herausforderung darstellen, weil es immer wieder zu hässlichen Szenen der verfeindeten Fanlager kommt, gibt sich zufrieden. Über 500 Einsatzkräfte konnten sich über einen relativ ruhigen Verlauf der Partie freuen. Ein Polizeisprecher bestätigte am Morgen zwar das Zünden von ein paar Nebeltöpfen und Feuerwerkskörpern, bezeichnete das Geschehen insgesamt jedoch als “störungsarm”.
Lizenzhinweis: Das Foto der Sportlerin Ilke Wyludda stammt von Ulrich Häßler und wird mit entsprechender Lizensierung durch das Bundesarchiv auf Wikimedia Commons zur Nutzung freigegeben. Es wurde für die Verwendung auf dieser Seite nicht bearbeitet.
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