Noch ist Leipzig auf keinem guten Weg, was die Entsiegelung betrifft. Im Gegenteil: Immer mehr zuvor begrünte Flächen werden zugebaut. Über 50 Prozent des Stadtgebietes sind versiegelt. In der Innenstadt sind es sogar 90 Prozent. Das Ergebnis: brütende Hitze gerade an Sonnentagen. Kein Schatten, kein Grün. Und das ist sogar aus dem Weltall zu sehen.

Mit dem digitalen Vegetations- und Flächenmonitoring Urban Green Eye hat die Stadt sehr genaue Informationen über den Versiegelungsgrad. Könnte man das nicht auch für ein Monitoring nutzen? Das fragten sich die Fraktionen von Grünen und SPD.

Denn wenn die Stadt diese Satellitendaten schon einmal hat, könnte sie daraus ja auch ein jährliches Monitoring erstellen, das zeigt, ob und wie die Versiegelung der Stadt zurückgebaut wurde. Oder eben auch nicht. Ein richtiges Instrument für den Stadtrat, der natürlich wissen will, ob die Stadt mit ihrem Entsieglungsversprechen vorankommt.

Dass das Programm Urban Green Eye dafür geeignet ist, bestätigt auch das Umweltdezernat in seiner Stellungnahme zum Antrag der beiden Fraktionen.

„Die Stadt Leipzig hat unter Federführung des Amts für Stadtgrün und Gewässer im Zeitraum von 2022 bis 2025 als kommunaler Projektpartner maßgeblich an der Bearbeitung des Forschungsvorhabens UrbanGreenEye mitgewirkt und beabsichtigt, die daraus resultierenden Daten kontinuierlich zu verwenden. Die hier entwickelten Indikatoren aus den Themenfeldern thermische Belastung, thermische Entlastung sowie hydrologische Entlastung sollen in ein fortlaufendes jährliches Monitoring überführt werden“, kann man darin lesen.

Und: „Inwieweit die aus dem Forschungsvorhaben vorliegenden Datengrundlagen für ein konkretes Monitoring von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Sinne einer Umsetzungskontrolle und eines Monitorings der Erfolgskontrolle geeignet sind, ist mit konkreten Anwendungsbeispielen ab dem Jahr 2026 Folgendes zu überprüfen. Diese Anwendung war nicht Gegenstand des Forschungsvorhabens und wird auch künftig keine Überprüfungen vor Ort ersetzen können.

Andreas Geisler (SPD) im Leipziger Stadtrat am 25.03.2026. Foto: Jan Kaefer

Hinsichtlich des beabsichtigten Monitorings der Versiegelung ist ein Rückgriff auf die Daten ebenfalls sinnvoll und zielführend. Auswertungen auf Luftbildbasis lassen zwar generell eine größere Detailschärfe zu, sind allerdings nicht kontinuierlich verfügbar und bedürfen eines hohen finanziellen Aufwandes zur Ermittlung des Versiegelungsgrades. UrbanGreenEye liefert im Gegensatz dazu jährliche Angaben, welche somit in ein kontinuierliches Monitoring überführt werden können.“

Daten auch für leipzig.de

Eigentlich will das Umweltdezernat sogar noch mehr berichten. Denn bei Versiegelung geht es nun einmal um Hitzebelastung. Und damit um den Hitzeschutzplan der Stadt: „Die hier entwickelten Indikatoren aus den Themenfeldern thermische Belastung, thermische Entlastung sowie hydrologische Entlastung sollen in ein fortlaufendes jährliches Monitoring überführt werden.“

Da geht es also um mehr als nur versiegelte Flächen.

Das positive Votum fand der Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Tobias Peter, gut. Und auch SPD-Stadtrat Andreas Geisler bat die Ratsversammlung dringend, dem gemeinsamen Antrag von Grünen und SPD zuzustimmen. Denn in der Neufassung hat dieser auch die Anregungen aus dem Umweltdezernat übernommen.

Schon im ursprünglichen Antrag stand der Wunsch, die Daten aus der Satellitenerfassung „für das Stadtgebiet auf www.leipzig.de bzgl. der Indikatoren Überschirmung, Grünvolumen, Vitalität und Versiegelung öffentlich zur Verfügung zu stellen“, und das möglichst bis zum II. Quartal 2026, also bitte noch im Frühjahr. Da kann man gespannt sein, ob das geschafft wird.

Dazu kommt dann das jährlich zu erstellende Monitoring, das 2026 erstmals aufgelegt werden soll, und „bis Juni des laufenden Jahres in den relevanten Beiräten und Fachausschüssen (mindestens Fachausschuss Umwelt, Klima, Ordnung sowie Klimaschutzbeirat) vorgestellt“ werden soll. Womit Leipzig dann erstmals wirkliche Vergleichsdaten bekommen sollte, wie sich die Versiegelung in der aufgeheizten Stadt entwickelt. Und ob es tatsächlich gelingt, die Versiegelung zurückzubauen und mehr Grün dort wachsen zu lassen, wo die Stadt im Sommer unter Hitze leidet.

Der neugefasste Antrag jedenfalls wurde am 25. März in der Ratsversammlung mit 42:10 Stimmen bei sechs Enthaltungen angenommen.

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