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Trotz sächsischer Fördergelder hinterlässt Wehrsport-Hoffmann eine Ruine in Kohren-Sahlis

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    Das Rätselraten ging schon ein paar Jahre: Wie kommt es, dass sich bekannte Rechtsradikale aus dem Westen in Ostdeutschland reihenweise alte Burgen, Schlösser, Gutshäuser kaufen konnten? Wovon haben sie das bezahlt? Und warum bekamen sie auch noch Fördergelder? Und wofür eigentlich? In Kohren-Sahlis zum Beispiel, wo sich mit Karl-Heinz Hoffmann einer der bekanntesten Rechtsextremen der Republik eingekauft hatte.

    Klar: Es gibt einfach zu viele alte Herrensitze, die auf einen Investor warteten, wo die zumeist verantwortlichen Gemeinden oft genug froh waren, wenn sich einer fand. Da fragte man nicht nach den Meriten, sondern hoffte, dass der einfach genug Geld mitbrachte, um den denkmalgeschützten Bau zu retten.

    Das Rittergut Sahlis hat dabei eine gewisse Beziehung auch zu Leipzig. Denn es gehörte der Familie Crusius, ab 1805 gehörte das Rittergut dem Leipziger Verleger Siegfried Leberecht Crusius, bekannt durch seine Herausgabe von pädagogischen Schriften und die erfolgreiche Zeitschrift „Der Kinderfreund“ von Christian Felix Weiße. Nach seinem Tod ging das Gut an seinen Sohn, den Ökonomen Wilhelm Crusius, über, der sich in der Leipzig-Dresdner Eisenbahngesellschaft genauso engagierte wie in der Ökonomischen Societät in Möckern. Später kam das Rittergut an den mit den Nazis sympathisierenden Dichter Börries von Münchhausen.

    1756 im Barockstil erbaut, 1858 durch den Leipziger Architekten Oskar Mothes umgebaut, gehörte das Rittergut zu den Kleinoden im Leipziger Südraum.

    Und selbst der heutige Anblick zeigt, dass der zeitweilige Besitzer Karl-Heinz Hoffmann hier augenscheinlich nicht viel unternommen hat, das Ensemble zu sanieren. Stattdessen steht die Immobilie nun zur Zwangsversteigerung an. Und die sächsische Staatsregierung muss sich fragen lassen, ob sie überhaupt kontrolliert hat, wofür die seit 2005 bewilligten Fördergelder eigentlich verwendet wurden. 2004 hatte der durch seine „Wehrsportgruppe“ bekannt gewordene Karl-Heinz Hoffmann das Rittergut erworben. Aber das Geld, den Besitz zu erhalten, hat ihm augenscheinlich gefehlt.

    Zumindest die anstehende Zwangsversteigerung findet Kerstin Köditz, Sprecherin für antifaschistische Politik der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, jetzt folgerichtig.

    „Das ist mal ein gutes Zeichen: Das seit mehr als zehn Jahren durch Karl-Heinz Hoffmann – Gründer der berüchtigten und verbotenen ‚Wehrsportgruppe Hoffmann‘ – in Kohren-Sahlis (Landkreis Leipzig) genutzte ehemalige Rittergut wird am 20. Januar am Amtsgericht Leipzig zwangsversteigert (Aktenzeichen: 0467 K 0823/2013). Was der 78-Jährige hinterlässt, ist allerdings ziemlich wertlos“, stellt sie fest.

    Auf seiner privaten Website erkläre Hoffmann seit Kurzem, er sei „praktisch aller Möglichkeiten zur Erhaltung des Baudenkmales beraubt“, und verweist auf strenge Denkmalschutz-Vorschriften, die den Eigentümer verpflichten, „das Objekt vor dem Verfall zu bewahren“.

    „Das war ihm sicher vorher bekannt. Er hat als ‚Kurator‘ gar eine gemeinnützige Stiftung aufgezogen, Zweck: ‚Erhaltung des Kulturdenkmals Rittergut'“, kommentiert Köditz diese etwas seltsame Wehleidigkeit. „Genau das scheint dem rechten Glücksritter nicht gelungen zu sein. Ein mir vorliegendes Gutachter-Exposé vermerkt nicht zu Ende geführte Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen, befürchtet wird eine weitere Verschlechterung des Bauzustandes bis hin zu einer ruinösen Lage. Der Verkehrswert des bebauten, mehr als 60.000 Quadratmeter großen Grundstückes beträgt nur mehr einen symbolischen Euro.“

    Und dann ist da die Sache mit den Fördergeldern, die Hoffman vom sächsischen Staat kassiert hat. Immerhin 131.848 Euro, von denen er 2010 mal 16.905,85 Euro zurückzahle sollte.

    „Weniger gut ist, dass in Hoffmanns Rittergut trotz alledem beträchtliche Fördermittel, also Gelder der Steuerzahler, versenkt wurden“, sagt Köditz. „Schon vor fünf Jahren war durch eine meiner parlamentarischen Anfragen (Landtags-Drucksache 5/4674) herausgekommen, dass in den Jahren 2005 bis 2007 der Freistaat Sachsen mehr als 130.000 Euro an Fördermitteln für ‚Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmalen‘ ausgereicht hat. Zugleich war das Sahlis-Projekt, entgegen früherer Ankündigungen, keineswegs unpolitisch: So berichtete Hoffmann selbst über den ‚Arbeitseinsatz von einem halben Dutzend junger Männer, die sich zum rechten Lager bekennen.’“

    Dabei will es die Abgeordnete nicht belassen. Zu Hoffmanns Aktivitäten in Sachsen und möglichen Rückforderungen von Fördermitteln will sie sich nun durch zwei weitere Anfragen kundig machen, die derzeit im parlamentarischen Geschäftsgang sind. Und darin geht es dann auch um die Kontrolle der Verwendung der ausgereichten Fördergelder.

    Die Anfrage von Kerstin Köditz aus dem Jahr 2011.

    Die neue Nachfrage von Kerstin Köditz zu den Fördergeldern für Rittergut Sahlis.

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