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Leipzig erhebt deutlichen Einspruch gegen Markkleeberger Parkplatz-Pläne

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    Die kleine Stadt Markkleeberg bringt es tatsächlich fertig, den großen Nachbarn Leipzig so richtig vor den Kopf zu stoßen. Die Parkprobleme in der Nähe des Cospudener Sees waren schon immer Thema zwischen den beiden Anliegerkommunen. Der Parkplatz am Südufer, auf Leipziger Flur, wird zu selten genutzt. Autofahrer parken lieber gleich am Zöbigker Hafen. Und die Stadt Markkleeberg will hier einen neuen Riesenparkplatz schaffen.

    Das hat damit zu tun, dass die anliegenden Straßen an heißen Tagen oft randvoll zugeparkt sind. Was einer der Gründe dafür war, dass sich Leipzig und Markkleeberg vor drei Jahren darauf verständigt haben, ein Verkehrskonzept für den Cospudener See zu entwickeln. Das ist bis heute nicht passiert.

    Stattdessen hat sich Markkleeberg ein ÖPNV-Konzept zugelegt, das auch noch die  Straßenbahnlinie 9 vom Markkleeberger Osten abgeklemmt hat. Was logischerweise nicht nur Markkleeberger wieder zum Umstieg aufs Auto animiert, wenn sie nach Leipzig wollen – auch die Leipziger Ausflügler fahren dann wohl lieber mit dem Auto zum See.

    Und damit möglichst viele Autofahrer möglichst nah an die Uferpromenade kommen, plant Markkleeberg jetzt den Bau eines Parkplatzes für 250 Fahrzeuge und vor allem auch Reisebusse.

    Aber da beide Kommunen sich in den See teilen, hat Leipzig ein Wörtchen mitzureden und reagiert jetzt auf ein „Zielabweichungsverfahren zur geplanten Erweiterung des Parkplatzes am Hafen Zöbigker am Cospudener See“, das die Landesdirektion betreibt.

    Eigentlich hat Leipzig genug Grund, richtig sauer zu sein: „Die Stadt Markkleeberg plant die Erweiterung des Waldparkplatzes an der Hafenstraße östlich des Hafens Zöbigker am Cospudener See einschließlich der Neuerrichtung von Reisebusstellplätzen und der Neuordnung der verkehrlichen Anbindung. Hierzu hat der Stadtrat der Stadt Markkleeberg die Aufstellung des Bebauungsplans ‚An der Hafenstraße‘ am 15.10.2014 beschlossen.

    Gleichzeitig mit dem Aufstellungsbeschluss wurde beschlossen, das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans ‚Parkplatz Zöbigker Winkel‘ einzustellen. (…) Gegenüber dem Bebauungsplan ‚Parkplatz Zöbigker Winkel-, welcher die Neuerrichtung von 170 Stellplätzen vorsah, sind im aktuellen Bebauungsplan ‚An der Hafenstraße‘ 250 neue Stellplätze vorgesehen. Zudem sind – basierend auf der 2015 vom Planungsbüro IVAS erstellten ‚Verkehrsuntersuchung Zöbigker Winkel‘ nun auch Stellplätze für Reisebusse und die teilweise Umverlegung des Uferrundwegs Cospudener Sees im Bereich des Hafens vorgesehen. Insgesamt sind der Eingriff in den bestehenden Wald in der Größenordnung von 2,1 ha vorgesehen.“

    Das hat mit naturnahem Wassererlebnis dann nichts mehr zu tun.

    Logisch, dass Leipzigs Verwaltung deutlich feststellt: „Die geplante Erweiterung des Parkplatzes widerspricht dem Ziel 23 des Braunkohlenplans Tagebaubereich Zwenkau/Cospuden zum Waldschutz, da das betreffende Gebiet vollumfänglich als Vorranggebiet Waldschutz im Braunkohlenplan ausgewiesen ist. (…) Die geplante Erweiterung des Parkplatzes widerspricht auch dem Ziel 4.5.1 des Regionalplans Westsachsen 2008 i.V.m. Ziel 4.1.4.1 des Landesentwicklungsplans Sachsen 2013, nach dem das Gebiet der geplanten Erweiterung als Frischluftentstehungsgebiet festgelegt ist. Frischluftentstehungsgebiete sind vor schwerwiegenden Eingriffen zu schützen. (…) Die Stadt Leipzig ist direkt durch die geplante Erweiterung des Parkplatzes nicht betroffen. Allerdings hat das Vorhaben indirekt insbesondere im Hinblick auf umwelt- und verkehrsrelevante Belange Bedeutung für die Stadt Leipzig.“

    Und da kommt man nun zum eigentlich abgesprochenen neuen Verkehrskonzept: Es ist immer noch nicht da und so arbeitet man auch nicht an gemeinsamen und vor allem umweltgerechten Verkehrslösungen für den Cospudener See.  Der Druck erhöht sich auch vor dem Hintergrund der geplanten „Schiffbarkeitserklärung“. Mit der dann einige hundert  Motorboote auf dem Cospudener See genehmigt werden könnten. Und Motorbootbesitzer kommen nun mal mit Auto und Anhänger. Die Aufmotorisierung des Neuseenlandes ist in vollem Gang.

    Was Leipzig dann zu der Forderung bringt, dass die Parkplatzbauerei zurückzustellen ist, bis die Ergebnisse der Evaluierung des Verkehrskonzeptes Cospudener See endlich vorliegen. Und in der Stellungnahme betont Leipzig auch, dass die Auswirkungen auf den Umweltverbund einfach nicht nachvollziehbar sind. Umweltverbund – das sind Rad- und Fußverkehr und ÖPNV. Statt diese drei Verkehrsarten zu stärken und zu schützen, holt Markkleeberg noch mehr Autofahrer in Ufernähe und macht das Seenerlebnis für Erholungssuchende kaputt.

    Die Auswirkungen aufgrund gegebenenfalls verkehrserzeugender Wirkung sind nicht nachvollziehbar, stellt Leipzig fest.

    Dazu noch der zur Abholzung vorgesehene Wald als Kaltluftentstehungsgebiet an einem Ufer, an dem sonst kaum ein Baum vor brütender Hitze schützt – die Stellungnahme ist mehr als deutlich. Sie zeigt aber auch wieder, dass alle „Steuerung“ im Neuseenland nichts nützt. Wenn es um „touristische“ Einnahmen geht, macht jeder (Ober-)Bürgermeister seins und das eigentlich mal zur Erholung gedachte Neuseenland wird zu einer Freizeitindustrielandschaft, die mit Erholung und Ruhe nichts mehr zu tun hat.

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    https://www.l-iz.de/bildung/medien/2017/03/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

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    3 KOMMENTARE

    1. Das ist genau die Diskussion, die Freistaat, Landesdirektion, der sogenannte Grüne Ring, die Steuerungsgruppe und wie sie alle heißen, wollen.

      Es wird um Zahlen gerungen, die völlig unerheblich, weil falsch sind.
      Das zu Grunde liegende Gesetz ist vermutlich rechtswidrig. Denn auch die Föderalismusreform hat nichts an den Grundlagen geändert, die erfüllt sein müssen, um eine Straße für den Verkehr zu widmen – volkswirtschaftlich maßgeblicher Güter- und Personentransport.
      Diesen gibt es ausweislich der Gesetzesbegründung genau nicht. Weshalb alle Gutachten diesen Verkehr auch nicht erfassen. Nicht erfassen können.
      Lediglich Personenschifffahrt als Tourismusverkehr wird erfaßt. Der ist nun aber gerade keine Begründung für die Schiffbarkeit. (Lediglich Personentransport als öffentlicher Verkehr. Für die stinkenden Sightseeingbusse würde auch keine Straße gebaut.)

      Die derzeit öffentlich zugänglichen Gutachten beziehen sich beispielsweise auf den Bodensee und die Elbe. Das sind schiffbare Gewässer. Auf diesen Gewässern findet ein maßgeblicher volkswirtschaftlicher Güter- und Personentransport statt. Da dieser auf den Tagebaurestlöchern nicht stattfindet, können die dortigen Zahlen hier auch keine Anwendung finden.

      M. a. W., die Gutachten und die dort aufgeführten Zahlen sind für die Gosse.

      Aber rätselt ruhig weiter, welche falschen Zahlen falscher sind. Das lenkt vom Grundproblem ab, der marktkonformen gelenkten Demokratie, die wir schon lange haben.

    2. Stimmt. War wirklich die Zahl aus dem Gutachten für den Zwenkauer See. Für den Cospudener gibt es noch keine offiziellen. Wir haben die Zahl rausgenommen.

    3. Ich bin kein Kommentar Schreiber, habe von 462 Motorbooten für Zwenkauer See gelesen, bin nun überrascht und frage woher kommt die gleiche Zahl für den wesentlich kleineren Cosi… ?

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