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Bitte setzen Sie sich für nächtliche Betriebsbeschränkungen am Flughafen Leipzig/Halle ein!

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    Natürlich protestieren Menschen in Deutschland nicht nur, um ihr „Großes Nein“ (Armin Nassehi) in die Welt zu schreien. Manchmal fordern sie auch nur, dass Versprechen und Beschlüsse von den gewählten Politikern auch umgesetzt werden. Denn unsere Demokratie ist nicht nur kleinteilig. Sie ist auch verzerrt. Und wenn es um Profite und Arbeitsplätze geht, sind die Verzerrungen besonders groß. Deshalb bekommt Marian Wendt nun binnen kurzer Zeit seinen zweiten Offenen Brief.

    Geschrieben hat ihn Thomas Pohl, stellvertretender Vorsitzender der IG Nachtflugverbot Leipzig/Halle e. V. und direkt Betroffener. Er lebt in der Einflugschneise des Flughafens. Bei ihm wackeln die Wände, wenn uralte (vor allem russische) Transportflugzeuge in wenigen hundert Metern Höhe übers Dach donnern und dabei Lärmpegel von 70 oder 80 dB(A) erzeugen.

    Auch dann, wenn sie nach dem seit Januar gültigen, mit viel Tamtam angekündigten neuen Flugverfahren unterwegs sind. Es ist – wie so oft – ein falsches Versprechen, ein bisschen Weihrauch für die Fluglärmbetroffenen, die die Starts der schweren und lauten Frachtflieger nicht nur tagsüber erleben.

    Die Maschinen reißen die Anwohner auch nach 22 Uhr aus dem Schlaf. Und es werden immer mehr. Während in Paris und Frankfurt am Main während der Coronapause wohltuende Stille einzog, ging der Frachtflugbetrieb in Leipzig munter weiter. Darunter auch etliche Maschinen, die in militärischem Einsatz unterwegs waren – nicht nur, um Mundschutzmasken aus China zu holen. Die Bundeswehr transportierte schweres Gerät nach Afghanistan. Und selbst die Amerikaner buchten die riesige Antonov, um damit – wer weiß was – auf einen amerikanischen Stützpunkt zu fliegen.

    Und währenddessen warten die Fluglärmbetroffenen seit drei Jahren verzweifelt darauf, dass der Bundesverkehrsminister die Beschlüsse des Bundestags zum Flughafen Leipzig umsetzt.

    Der aus Nordsachsen stammende CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt ist mittlerweile Vorsitzender des Petitionsausschusses. Doch damit hat sich augenscheinlich auch seine Einstellung zum Fluglärm vollkommen geändert. Hatte er noch vor kurzem die Bundestagsabgeordneten aus Leipzig in ihrer Forderung unterstützt, die versprochenen Fluglärmminderungen am Flughafen Leipzig/Halle tatsächlich umzusetzen, verteidigt er mittlerweile die Ausbaupläne des Flughafens und findet die Lärmbelastung gar nicht mehr so gravierend.

    Am 22. Mai ging nun ein neuer Offener Brief an ihn auf die Reise.

    Hier ist er zum Nachlesen:

    Sehr geehrter Herr Wendt,

    Sie vertreten im Deutschen Bundestag die Interessen der Menschen im Landkreis Nordsachsen und sind zugleich auch Vorsitzender des Petitionsausschusses im Deutschen Bundestag. In dieser Funktion haben Sie eine besondere Verantwortung für die Belange der Bürger, daher wenden wir uns heute wegen der hohen Dringlichkeit mit einem Offenen Brief an Sie.

    Der Fluglärm und hier insbesondere der Nachtfluglärm rund um das Frachtdrehkreuz am Flughafen Leipzig/Halle ist für die Menschen nicht nur im Landkreis Nordsachsen unerträglich geworden. Durch die uneingeschränkte Nachtflugerlaubnis landen und starten derzeit jede Nacht bis zu 90 Fracht- und Militärmaschinen (180 Flugbewegungen), Tendenz weiter steigend.

    Die Nachtflugerlaubnis ist weder auf Expressfracht beschränkt, noch auf die Nutzung von ausschließlich „leisem“ Fluggerät. Extrem laute Frachtflugzeuge, die anderswo aus Lärmschutzgründen ein Nachtflugverbot haben, fliegen den Flughafen Leipzig/Halle ohne jegliche Beschränkungen an.

    DHL verzeichnet seit Jahren regelmäßig neue Rekorde im Luftfrachtgeschäft, die hiesigen Medien berichten sehr ausführlich. Dass diese Frachtrekorde zulasten der Gesundheit der Bevölkerung gehen, wird dabei verschwiegen.

    Seit Monaten verzeichnen wir im Nachtflugbetrieb eine signifikante Zunahme von sehr lauten Frachtflugzeugen, sogenannte Großraummaschinen, die DHL und andere Frachtfluggesellschaften wegen der großen Nachfrage im Frachtgeschäft einsetzen. Aber gerade diese Großraum-Frachtflugzeuge verursachen in der besonders schützenswerten Nacht die höchsten Lärmemissionen.

    Bei diesem furchtbaren Frachtfluglärm ist an einen gesunden Nachtschlaf nicht mehr zu denken. Vielen Anwohnern fällt durch den Lärm von landenden Frachtflugzeugen das Einschlafen schwer, aber wehe, wer nachts aufwacht. Da starten die Frachtmaschinen im Ein- bis Zweiminutentakt kriegsähnlich über die Köpfe der 1,5 Millionen Fluglärmbetroffenen zwischen Leipzig, Halle und Merseburg. Die Akzeptanz des Frachtflughafens ist bei der Bevölkerung mittlerweile auf einen neuen Tiefststand gesunken. Die berechtigten Ängste der Menschen um ihre Gesundheit werden von den Behörden und auch vom sächsischen Wirtschaftsministerium nicht ernst genommen. Die Flughafenverantwortlichen reagieren nicht einmal auf die Fluglärmbeschwerden …

    Das gibt es in der deutschen Flughafenlandschaft nirgendwo, das zeigt aber auch die besondere Ignoranz gegenüber den berechtigten Ängsten und Sorgen der fluglärmbetroffenen Menschen.

    Die Fluglärmkommission hat in einer seiner letzten Beratungen der Forderung von DHL nach einer Kapazitätserweiterung auf mehr als 31 Frachtflugzeuge pro Stunde IN DER NACHT stattgegeben und der Deutschen Flugsicherung (DFS) ein neues Anflugverfahren vorgeschlagen. So wird seit dem 30.01.2020 ab etwa 22:30 Uhr jede zweite Frachtmaschine im Landeanflug auf die Nordbahn geleitet.

    Die Anflüge machen einen Höllenlärm und finden auf der Nordbahn durchschnittlich alle 6 Minuten statt. Jeder einzelne dieser Überflüge verursacht an der stationären Lärmmessstation MP 8 in der Rackwitzer Hauptstraße 11 ausnahmslos Maximalpegel von weit über 70 Dezibel. Eine beispielhafte Aufzeichnung vom 12./13.05.2020 fügen wir diesem offenen Brief bei.

    Die Gemeinde Radefeld ist mit einem nächtlichen Dauerschallpegel von 57,8 dB(A) in den letzten sechs Monaten kurz davor, vom Flughafen verpflichtend übernommen werden zu müssen. Die Grenze liegt bei 58,7 dB(A). Es folgen kurz dahinter weitere extrem lärmgeplagte Gemeinden wie Großkugel, Hohenheida und seit neuestem mit einer massiven Zunahme an Fluglärm auch Rackwitz.

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. So steht es im Grundgesetz! Doch das scheint für die Menschen rund um den Flughafen Leipzig/Halle in der Nacht nicht zu gelten.

    Fluglärm erhöht das Risiko für Bluthochdruck und Herzinfarkt. Epidemiologische Studien zeigen schon seit Jahren einen kausalen Zusammenhang zwischen der Fluglärmbelastung und negativen gesundheitlichen Auswirkungen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen, Depressionen und Entwicklungsstörungen bei Kindern sind die wichtigsten Gesundheitsschäden, die vor allem bei nächtlichem Fluglärm vermehrt auftreten.

    Der menschliche Organismus reagiert im Schlaf auf Lärm viel empfindlicher als im Wachzustand. Bereits ein Schallpegel ab 35 Dezibel führt beim schlafenden Menschen zu vermehrter Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin. Das Ohr schläft nie! Und der Lärm nimmt keine Rücksicht darauf, ob wir ihn wahrnehmen wollen oder nicht, auch in der Nacht. In dieser Zeit wirkt Lärm sogar als zehnfach stärkerer Stressfaktor als am Tage.

    Deshalb fordert auch das Umweltbundesamt bereits seit Jahren ein generelles Nachtflugverbot in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr für stadtnahe Flughäfen.

    Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat neue Leitlinien für Verkehrslärm veröffentlicht und empfiehlt für Fluglärm, dass der Dauerschallpegel (Lden) am Tag auf weniger als 45 dB(A) und in der Nacht auf weniger als 40 dB(A) reduziert werden sollte, weil Fluglärm oberhalb dieser Werte mit schädlichen gesundheitlichen Auswirkungen bzw. mit negativen Auswirkungen auf den Schlaf verbunden ist. Ziel der Leitlinien ist es, der Politik in Europa klare Empfehlungen für den Schutz der Gesundheit abzugeben.

    Doch im Freistaat Sachsen scheinen die Verantwortlichen im Wirtschaftsministerium für diese legitimen Forderungen nach Gesundheitsschutz schwerhörig zu sein. Der mit Abstand lauteste Flughafen in der Nacht soll zudem im Frachtbereich noch ganz massiv erweitert werden. So sollen u.a. die Flugzeugstellplätze von jetzt 60 auf dann 96 erhöht werden. An der Nordbahn soll zudem eine völlig neue Cargo-City Nord errichtet werden. Auch die dortigen Stellplätze sollen in Größenordnung aufgestockt werden.

    Ein absolutes Unding an einem stadtnahen Flughafen mit einer so dichten Wohnbebauung im nahen Umfeld!

    Sehr geehrter Herr Wendt,

    – wir gehen davon aus und erwarten es auch von Ihnen, dass Sie den Gesundheitsschutz der Menschen vor wirtschaftliche Interessen des Flughafens stellen. Die Wirtschaft ist für den Menschen da, nicht umgekehrt.

    – Wir erwarten von Ihnen weiterhin, sich dafür einzusetzen, dass im Frachtbereich des Flughafens keine bauliche Erweiterung erfolgt. Jedwede Planungen für noch mehr nächtliche Frachtflüge, die, wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, auf Kosten der Gesundheit der Anwohner und zu einer weiteren Verschlechterung der Lebensqualität erfolgen, sind sofort einzustellen!

    – Bitte setzen Sie sich als Bundestagabgeordneter dringend und für nächtliche Betriebsbeschränkungen am Flughafen Leipzig/Halle ein, damit die Menschen wenigstens für ein paar Stunden in der Nacht zur Ruhe kommen. Dazu muss zeitnah ein Nachtflugverbot für besonders laute Fracht- und Militärflugzeuge wie die Antonov 124-100, Boeing 747-400, Boeing 747-800, Airbus A300-600, Boeing 767 und Boeing 777F sowie ein gänzliches Flugverbot von russischen Iljuschin 76 eingefordert werden!

    – Nachtflüge dürfen ausschließlich nur mit Expressfracht erfolgen!

    – Die Nacht zum Sonntag ist zwischen 22 und 6 Uhr gänzlich frei von Frachtflugzeugen zu halten!

    Es entspricht zudem nicht gerade christlichen Werten der CDU, anderen Menschen körperlichen oder seelischen Schaden zuzufügen. Dauerhafter Schlafentzug macht krank und ist eine anerkannte Foltermethode!

    Der Frachtflughafen darf nicht weiter ausgebaut werden! Die Nachtflüge der Fracht- und Militärmaschinen müssen sukzessive und zeitnah weniger anstatt mehr werden, um die Gesundheit der Menschen wirksam schützen zu können!

    „Die Forschung zeigt, wie viele Menschen statistisch im Umfeld des Flughafens zusätzlich von Herz- Kreislauferkrankungen, Depressionen oder anderen schweren Erkrankungen bedroht sind, wie viele Schüler darüber hinaus Lerndefizite haben … Der Gesundheitsschutz steht schließlich in der Verfassung, das Funktionieren des Güterkraftverkehrs nicht.“ (Wolfram Günther, sächsischer Umweltminister, LVZ vom 11./12.01.2020)

    Bitte teilen Sie uns mit, ob wir mit Ihrer Unterstützung rechnen können. Gern sind wir auch zu einem persönlichen Treffen mit Ihnen bereit.

    Mit freundlichen Grüßen

    i.A. Th. Pohl
    IG Nachtflugverbot Leipzig/Halle e. V.
    Stellv. Vorsitzender und 2. Pressesprecher

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    1 KOMMENTAR

    1. Spart euch die Tinte, denn hier wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Der Pöbel, die Ratten, der Abschaum und der Mobb, haben da gar nichts zu melden, das war schon immer so und die Ergebnisse von Gerichtsverfahren und alten Zusagen interessieren nun auch schon längst nicht mehr. Und noch was, durch den Eisenbahnlärm, angefeuert durch zwei scheppernden Blechbrücken und einem Provisorium aus Stahl, das auch nett klingt, kombiniert mit staatlich finanzierten Flüstergleisen (danke liebe Bahn, das wir dir das bezahlen durften) und alter Waggon- und Antriebstechnik, kann ich den Fluglärm nicht genießen. Das hat aber bisher noch nie jemanden interessiert.

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