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Naturschutzverbände kritisieren Entscheidung des Bornaer Stadtrats: Ein fatales Signal für den Naturschutz am Bockwitzer See

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    Haben die Mitglieder des Bornaer Stadtrates die Zeichen der Zeit nicht erkannt? Oder waren sie einfach von Dollarzeichen geblendet und gaben damit Grünes Licht für ein weiteres fatales Großprojekt im Leipziger Neuseenland? Am 16. September stimmten 15 Stadträte für den Verkauf eines zehn Hektar großen Gebiets an die Firma Stoke für 1,5 Millionen Euro.

    Von den 20 an der Sitzung teilnehmenden Stadträt/-innen stimmten 15 für die Vorlage, fünf dagegen. Protest gab es im Grunde nur von einer Linke-Stadträtin und von der CDU-Fraktion, während die Stadtratsmehrheit aus AfD, Bürger für Borna (BfB), Linke und SPD dem Flächenverlauf zustimmte.Die Firma Stoke will am nordwestlichen Ufer des Bockwitzer Sees ein künstliches Wellenbecken errichten und damit eine künstliche Surfattraktion mitten im Neuseenland schaffen, zu der aber die Surftouristen perspektivisch mit ihrem Auto anreisen werden.

    Der NABU Sachsen, die GRÜNE LIGA Sachsen und der Naturschutzverband Sachsen sehen mit großer Besorgnis die Bemühungen der Stadt Borna, in der Bergbaufolgelandschaft Bockwitz einen Surfpark anlegen zu lassen. Denn mit der Entscheidung des Bornaer Stadtrats vom vergangenen Donnerstag, 16. September, eine rund zehn Hektar große Fläche für 1,5 Millionen an die Firma Stoke zu verkaufen, ist die Tür für die Etablierung einer solchen massentouristischen Freizeitstätte am Bockwitzer See ein Stück weit aufgestoßen worden.

    Anträge während der Sitzung, um einen Bürgerentscheid herbeizuführen, scheiterten ebenso wie ein Antrag, einem Vertreter der Sächsischen Landestiftung Natur und Umwelt (LaNU)  ein Rederecht einzuräumen. Dieser freistaatlichen Stiftung gehören im Gebiet 470 Hektar.

    „Die Entscheidung der Stadträtinnen und Stadträte stellt ein fatales Signal gegenüber der Natur, dem Naturschutz und einer sanften Erholung im Gebiet dar“, erklärt Bernd Heinitz, Landesvorsitzender des NABU Sachsen. „Es gibt auch heute bereits genügend Seen, wo eine aktive Freizeitnutzung möglich ist, zum Beispiel am nur wenige Kilometer entfernten Störmthaler See.“

    Dort sind unter anderem Segel- und Schifffahrtstouren sowie deutschlandweit einmalige Erlebnistouren mit Amphibienfahrzeugen möglich. Ähnliches gilt für den Zwenkauer, Markkleeberger und Cospudener See. „Es muss doch möglich sein, einen einzigen See im Südraum Leipzigs in Ruhe zu lassen und der Natur Vorrang einzuräumen“, postuliert Heinitz.

    „Wir erwarten nun vom grün geführten Umweltministerium, dass es zum Schutz von Natur und Landschaft gegen das Vorhaben Stellung bezieht und ministeriell ordnend  eingreift“, formuliert Tobias Mehnert, Vorsitzender der GRÜNEN LIGA Sachsen. „Und der Freistaat Sachsen wird aufgefordert, das Europäische Vogelschutzgebiet und Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ‚Bergbaufolgelandschaft Bockwitz‘ auf seinen Flächen in vorbildlicher Weise, so wie es das Gesetz vorschreibt,  zu schützen.“

    Auf die reiche Artenvielfalt mit über 180 Vogelarten, zwölf Amphibienarten, vier Reptilienarten, 31 Libellenarten, 20 Heuschreckenarten und fast 400 Arten der höheren Pflanzen hat der NABU Sachsen im Vorhinein, zuletzt kurz vor der Abstimmung, wiederholt hingewiesen. Diese ist durch eine Errichtung des Surfparks akut gefährdet – schon allein dadurch, dass über 200.000 Besucher jährlich erwartet werden, die für massive Beunruhigungen  und Störungen im Gebiet sorgen werden.

    „Wir werden deshalb, wie angekündigt, die Unterlagen des Bebauungsplans sehr genau prüfen, auch unter Hinzuziehung eines Rechtsbeistands“, erklärt der NABU-Landesvorsitzende Heinitz.

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      2 KOMMENTARE

      1. Da der mehrheitlich politische Wille in der Stadt Borna scheinbar eine Bebauung am/im Bockwitzer See möchte, ist nun die Fach-/und Klagearbeit der Naturschutzverbände gefragt. Angesichts der üppigen ökolog. Ausstattung des Gebietes in Bezug auf FFH-Lebensraumtypen und FFH-Arten, sollte der Nachweis der Verträglichkeit des Projektes mit den Schutz- und Erhaltungszielen des Gebietes dem Vorhabenträger ausgesprochen schwer fallen. Unabhängig davon sind die einschlägigen Ausnahmegründe offensichtlich jetzt schon nicht vorhanden, also erstmal kommen lassen … Nicht das erste Projekt was sich am EU-Umweltrecht die Zähne ausbeißt.

      2. Ist es nicht so, dass das Surfergelände gar nicht IM See, sondern westlich davon auf einem extra Gelände entstehen soll?
        Ich verstehe es so, dass das bei dem bestehenden großen Parkplatz Richtung Kreisverkehr irgendwo sein soll, dort wo die Rinder grasen. Oder liege ich falsch? Gibt es irgendwo einen Plan?

        Der Bockwitzer See ist ja ansonsten maximal unattraktiv, außer man will mit dem eBike cruisen und Vögel beobachten.

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