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In Sachsen sind vor allem technische Denkmale der Industriegeschichte vom Abriss bedroht

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    Am morgigen Sonntag, 10. September, ist Tag des offenen Denkmals. Und es ist auch ein Tag der Besinnung. Denn für viele Denkmale in Sachsen kam der wirtschaftliche Aufschwung um 15 Jahre zu spät. Und besonders technische Denkmale haben mittlerweile ganz schlechte Karten, stellt der Grünen-Abgeordnete Wolfram Günther nach seiner neuesten Landtagsanfrage fest.

    Die Anzahl der geschützten Kulturdenkmale in Sachsen belief sich zum Mai 2017 auf nur noch 101.600. Nach Angaben von Innenminister Ulbig sind 6.827 davon technische Denkmale. Im November 2014 gab es noch 102.911 Denkmale in Sachsen.

    Das geht aus der Antwort von Innenminister Markus Ulbig (CDU) auf eine aktuelle Kleine Anfrage des grünen Landtagsabgeordneten Wolfram Günther hervor, der in seiner Fraktion auch Sprecher für Denkmalschutz ist.

    „Der Abrisstrend ist ungebrochen: In den letzten zweieinhalb Jahren gingen somit mehr als 1.300 Kulturdenkmale endgültig verloren. Die Größenordnung dieses unwiederbringlichen Verlusts an gebauter Kultur und Heimat ist absolut erschreckend. Sachsens Städte und Gemeinden haben ein gewaltiges Entwicklungspotenzial verloren“, erklärt Günther. „In Sachsen sind insgesamt seit dem Jahr 2000 4.967 Denkmale vollständig oder teilweise abgerissen worden. Überdurchschnittlich betroffen davon waren technische Denkmale. Während diese nur 6,5 Prozent des aktuellen Denkmalbestandes ausmachen, stellten sie zehn Prozent der abgerissenen Denkmale seit dem Jahr 2000.“

    Mit 14.016 registrierten Baudenkmalen hat Leipzig nach dem Landkreis Görlitz sachsenweit die höchste Zahl solcher Schmuckstücke, davon 489 Technische Denkmale.

    Aktuell liegen bereits mindestens 266 Genehmigungen für Abrisse bzw. Teilabrisse von Kulturdenkmalen und mindestens weitere 109 in der Abwägung befindliche Anträge auf Abriss vor.

    Leipzig ist da nicht mehr vorn dabei. Hier ist die Abrisswelle durch, und das, was noch steht, harrt eigentlich dringend einer Neunutzung, auch wenn die Besitzer, die sich die alten Industriegebäude gekauft haben, oft noch zögern mit dem Bauen. Abrissanträge erfolgen oft, wenn die Bausubstanz so ruinös geworden ist, dass kaum noch eine Chance besteht, den Bau zu retten. Drei solcher Anträge liegen aus Leipzig vor.

    Allein 74 Abrissgenehmigungen kommen dabei aus dem Landkreis Görlitz, 55 aus dem Landkreis Mittelsachsen und 51 aus dem Landkreis Bautzen. Der Vogtlandkreis hatte als einziger keine Zahlen für Abrissgenehmigungen geliefert.

    In der Stadt Leipzig waren mit 882 Denkmalabrissen seit dem Jahr 2000 die meisten Verluste zu verzeichnen – gefolgt vom Landkreis Leipzig mit 584 Denkmalabrissen. Der Landkreis Leipzig hat damit auch den größten Prozentsatz an Denkmalen in Sachsen verloren. Seit dem Jahr 2000 wurden knapp zehn Prozent der dortigen Kulturdenkmale abgerissen. In den Städten Leipzig und Chemnitz waren es sechs Prozent. Wobei in Leipzig besonders die Jahre 2000 bis 2010 noch Abrissjahre waren. Dass die Zahl der Abrisse so hoch war, hat damit zu tun, dass auch in den alten denkmalgeschützten Gebäudebeständen für viele Häuser die Sanierungswelle zu spät kam. Viele prägende Häuser wurden aus Sicherheitsgründen abgerissen, zuletzt noch verstärkt durch die Abrissprämien des Freistaats, der damit den Rückbau leerstehenden Wohnraums auch in Leipzig forcierte.

    Nur wenige Jahre später fehlten diese Gebäude.

    Der höchste Bestand an Kulturdenkmalen findet sich im Landkreis Görlitz mit 14.491. Die Stadt Leipzig verfügt mit 14.016 Denkmalen über den zweithöchsten Denkmalbestand. Mit einigem Abstand folgt der Landkreis Mittelsachsen mit einem aktuellen Bestand von 9.583 Denkmalen.

    „Heute befinden sich trotz der Rettung zehntausender Kulturdenkmale in den vergangenen Jahren ganze Denkmalgruppen in einem dramatischen Zustand“, bemängelt Wolfram Günther, der sich in Leipzig über Jahre für einen Abrisstopp für viele wichtige Baudenkmale einsetzte. „Dies betrifft verstärkt die technischen Denkmale. Von aktuell noch etwa 30 existenten Spinnmühlen in Sachsen sind nur zehn saniert und baulich gesichert. Die architektonisch bedeutsamsten verfallen weiterhin und drohen verloren zu gehen.“

    Und gerade in den Landkreisen findet sich für die auch landschaftlich prägenden Denkmale oft kein Investor und auch niemand, der die Gebäude wenigstens durch neue Nutzungen im Bestand bewahrt.

    „Vor wenigen Wochen wurde in Tannenberg im Erzgebirge die Baumwollspinnerei Höffer abgerissen. Wie bereits vor einem Jahr bei der Meinertschen Spinnmühle in Lugau (Erzgebirge) wurde auch hier ein Komplettabriss, ohne Vergleich zum finanziellen Aufwand einer Notsicherung, vorgezogen. Dabei handelte es sich bei der Spinnmühle Höffer aus dem Jahr 1838 (Baumeister C.F.Uhlig) um das größte in originaler Substanz erhaltene Fabrikgebäude bis zum Baujahr 1840 in Deutschland. Ein Kulturdenkmal von internationalem Rang. Fast zeitgleich fiel auch die Spinnmühle Röhling in Lauter im Erzgebirge (Bj. 1838, Baumeister C.F.Uhlig) dem Bagger zum Opfer“, kritisiert Günther. Sachsen verliert also prägende Denkmale aus seiner frühen Industriegeschichte.

    „Denkmalschutz genießt im Freistaat Sachsen zu wenig Priorität“, stellt Günther fest. „Deshalb fordern wir Grünen ein Denkmal-Notsicherungsprogramm ‚Dächer dicht! für die Sicherung akut verfallsbedrohter Denkmale‘. Unseren Schutz benötigen nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern gerade die vielen kleinen Denkmale, die in ihrer Summe die geschichtliche Entwicklung Sachsens nachvollziehbar und erlebbar machen.“

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