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Ein Interview über fehlende Bauunternehmen, positive Stimmung und Nachhaltigkeit in Delitzsch

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    Für FreikäuferLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 73, seit 29. November im HandelHäufig wurde in den vergangenen Wochen beklagt, dass der ländliche Raum zu kurz kommt – in der Politik, aber auch in den Medien. Die LEIPZIGER ZEITUNG hat sich deshalb dazu entschlossen, mal nachzufragen, wie es in den Kleinstädten läuft und wo die Probleme liegen. Von den 13 angefragten Kleinstädten beziehungsweise Gemeinden rund um Leipzig antworteten jedoch nur zwei: Markkleeberg und Delitzsch.

    Nachdem die Antworten aus dem südlich von Leipzig gelegenen Markkleeberg bereits veröffentlicht wurden, folgt nun ein Sprung in den Norden: in die 25.000-Einwohner-Stadt Delitzsch. Die Stadtverwaltung antwortete auf Fragen zur gesellschaftlichen Stimmung in der Stadt, aktuellen Problemen, Verkehr, Kriminalität und Nachhaltigkeit. Grundsätzlich sei die Lage gut, heißt es.

    Laut einer Allensbach-Umfrage bewerten viele Menschen in Deutschland die Veränderungen in der Gesellschaft als negativ. Sie beklagen unter anderem zunehmende Aggressionen, viel Egoismus und immer weniger Respekt voreinander. Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Stimmung in Ihrer Stadt/Gemeinde in den vergangenen Jahren entwickelt?

    Grundsätzlich schätzen wir die Stimmung in Delitzsch als positiv ein. Die Stadt hat sich gut entwickelt, was wohl in der Bevölkerung auch so wahrgenommen wird. Dass es Ausnahmen gibt, liegt in der Natur der Sache.

    Welche wichtigen Projekte können Sie in Ihrer Stadt/Gemeinde aus finanziellen Gründen aktuell nicht umsetzen? Was wäre nötig, um eine Lösung zu finden?

    Das Titelblatt der LZ 73, Ausgabe November 2019. Foto: Screen LZ
    Das Titelblatt der LZ 73, Ausgabe November 2019. Foto: Screen LZ

    Alle relevanten Projekte sind durch die Beschlüsse des Stadtrates auf den Weg gebracht beziehungsweise in der mittel- und langfristigen Finanzplanung vorgesehen.

    In welchen Bereichen sehen Sie für Ihre Stadt/Gemeinde in den kommenden fünf bis zehn Jahren die größten Herausforderungen und was wären die Voraussetzungen für das Meistern dieser Themen?

    Die größte Herausforderung ist aktuell und auch mittelfristig, Bauunternehmen zu finden, um die geplanten Vorhaben zügig und zu realistischen Preisen umzusetzen. Da es sich hier um eine Auswirkung der wirtschaftlichen Entwicklung handelt, ist eine Einflussnahme schlechterdings nicht möglich.

    Warum ist Ihre Stadt/Gemeinde für Sie ein lebenswertes Stück Sachsen?

    Delitzsch bietet als zentral in Mitteldeutschland gelegene Stadt gute Anbindungen im Straßen-, Bahn- und Flugverkehr. In der Stadt sind alle Schulformen vertreten, die Versorgung mit Kitaplätzen ist gewährleistet, mit Fachärzten und einem Krankenhaus ist auch die medizinische Versorgung vorhanden. Menschen können hier günstig zur Miete wohnen oder auch individuell bauen. Ausreichend Grundstücke sind noch vorhanden. Größere innerstädtische Grünflächen und die Seen der Umgebung bieten Erholung in direkter Nähe.

    Wie schätzen Sie die konkrete wirtschaftliche, verkehrliche und gesamtgesellschaftliche Situation in Ihrer Stadt/Gemeinde ein und was könnte sich verbessern?

    Die wirtschaftliche Lage schätzen wir als stabil ein. Die meisten größeren Unternehmen sind seit mindestens drei Jahrzehnten vor Ort und reagieren auch auf neue Herausforderungen besonnen und nachhaltig. Beispielhaft ist hier etwa die Neuausrichtung der Firma frunol delicia zu nennen, die früher ausschließlich Schädlingsbekämpfungsmittel herstellte und seit einigen Jahren Vogelfutter produziert. In den Gewerbegebieten gibt es kaum noch freie Flächen, auch innerstädtische Einzelhandelsflächen sind nahezu alle belegt.

    Der Verkehr wird ebenfalls gut eingeschätzt. Anbindung an Autobahnen, zwei Eisenbahnlinien, S-Bahn und Flughafen sind sehr gut. Der Busverkehr ist wie überall aufgrund des Personalmangels beeinträchtigt. Hier bemüht sich der Landkreis um Lösungen. In und um die Stadt gibt es ein dichtes Radwegenetz, das entsprechend dem Radwegekonzept weiter ertüchtigt und ausgebaut wird.

    Was die Kriminalität betrifft: Der Leiter des örtlichen Polizeireviers schätzt die Gesamtlage laut einer Information vom September 2019 als ruhig und stabil ein. Statistische Fallzahlen liegen jedoch nur bis 2018 vor. Im Vergleich zu 2017 waren Fahrraddiebstähle und sonstige Diebstähle gesunken. Gestiegen waren Sachbeschädigungen sowie Rauschgift-, Vermögens- und Fälschungsdelikte. Genaue Aussagen kann hier allerdings nur die Polizeidirektion Leipzig treffen.

    Die Familienfreundlichkeit hat Priorität in Delitzsch. Kitaplätze sind ausreichend vorhanden, sogar der Bedarf an Hortplätzen kann gedeckt werden. Es gibt ein dichtes Netz an Spielplätzen und ein breites Angebot von Vereinen. Seniorenangebote werden hauptsächlich von Freien Trägern und Kirchen vorgehalten, Jugendliche können sich im Jugendhaus im Stadtteil Nord oder im Jugendzentrum in der Altstadt treffen oder die Vereinsangebote wahrnehmen.

    Welches Ergebnis erhoffen Sie sich von den laufenden Koalitionsgesprächen zwischen CDU, SPD und Grünen?

    Wir sind gespannt auf die Verhandlungsergebnisse und hoffen auf eine Stärkung der Kommunen und kommunalen Selbstverwaltung.

    Was haben wir vergessen zu fragen, was Ihre Stadt/Gemeinde besonders prägt beziehungsweise ausmacht?

    Als nachhaltige Stadt bemüht sich Delitzsch seit den 2000ern um die Steigerung von Energieeffizienz und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Nachhaltigkeit. Es ist ein steiniger Weg, weil man das eigene Handeln immer wieder überprüfen muss und natürlich auch Fehler feststellt. Trotzdem ist in rund zehn Jahren schon einiges gelungen. Zuletzt konnte zum Beispiel eine Energiegenossenschaft gegründet werden und die Stadt setzt mit Unterstützung des Landschaftspflegeverbandes Nordwestsachsen rund 20 Blühwiesen um. 2016 ist Delitzsch als Stadt mittlerer Größe mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden.

    Markkleebergs Oberbürgermeister Karsten Schütze im Interview: „Mir fehlt die Frage zum Klimawandel“

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