Jetzt brennen die Wälder in Sachsen tatsächlich, in Nordsachsen genauso wie in der Sächsischen Schweiz. Seit Jahren war das absehbar, mit ausbleibenden Niederschlägen, dauerhaft heißen Sommern und Wäldern, die an die neuen Klimabedingungen nicht angepasst sind. Wo aber bleibt das Waldbrandkonzept für Sachsen, fragt der linke Landtagsabgeordnete Mirko Schultze.

Vor Monaten kündigte Innenminister Armin Schuster ein neues Waldbrandkonzept sowie entsprechende Neuerungen im Gesetz über den Brandschutz, Rettungs- und Katastrophenschutz (SächsBRKG) an, mahnt Mirko Schultze, Sprecher der Linksfraktion für Feuerwehr und Katastrophenschutz. Der Sommer 2022 mit seinen neuen Rekordtemperaturen und Waldbränden in Sachsen, Brandenburg und Tschechien kam. Die Feuerwehren arbeiten am Limit.

Die Zeit rennt davon: „Fangen Sie endlich an, Herr Innenminister!“

„Im Freistaat und in den Nachbarländern lodern die Flammen und vernichten riesige Waldflächen. Unser Dank und unser Respekt gilt allen, die sich den Flammen entgegenstellen. Der Ausbaubedarf ist massiv, was sowohl die Führungsunterstützung sowie die technische Ausstattung der Feuerwehren als auch Finanzhilfe für betroffene Gemeinden angeht, um Einsätze angemessen umsetzen zu können“, kommentiert das Schultze.

Und sitzt trotzdem wie auf glühenden Kohlen, denn: „Das Gesetz über den Brandschutz, Rettungs- und Katastrophenschutz wird aller Voraussicht erst zum Ende des Jahres überarbeitet – wir haben nicht so viel Zeit! Die Waldbrände lodern jetzt und bedrohen neben der Natur auch Menschen in ihren Wohnumfeldern. Wir wissen: Das Waldbrandkonzept mit vielen klugen Ideen, die nicht alle teuer sind, liegt längst in der Schublade. Fangen Sie endlich mit der Umsetzung an, Herr Innenminister!“

Nötig sei mehr moderne Technik, die vegetationsbrandtauglich ist und Wasser gezielt ins Ziel bringen könne, fordert der Landtagsabgeordnete der Linken.

„Die Feuerwehrleute brauchen andere Schutzkleidung, da die aktuelle nur bedingt geeignet ist, Fahrzeuge benötigen zum Beispiel Unterbodenbrandschutz. Benötigt werden mehr Fachleute zur Verstärkung der örtlichen Kräfte und Prävention, die über Waldbrandstufenwarntafeln hinausgeht“, zählt Mirko Schultze auf.

„Wir brauchen ein finanzielles Sofortprogramm Vegetations- und Waldbrand, das kurzfristig Technik, Personal und dessen Ausbildung fördert, mittelfristig Prävention und Bildung stärkt und langfristig trockentolerantere Waldstrukturen zum Ziel hat.“

Wettrennen im Gang: Anpassung vs. Klimawandel

Der Waldumbau in Sachsen ist spät in Gang gekommen. Wirklich als Warnung verstanden wurden erst die gewaltigen Verluste durch die Dürre der Jahre 2018 und 2019 mit dem massiven Borkenkäferbefall gerade in den Nadelbaumbeständen der Mittelgebirge. Auch die sächsischen Forstleute haben die jahrzehntelangen Warnungen vor den Folgen der Klimaerwärmung lange nicht ernst genommen.

Jetzt stecken sie mitten drin in einem Wettlauf, in dem die Wälder viel schneller den Klimawandelfolgen erliegen, als sie resilienter gemacht werden können für die zunehmend trockeneren und heißeren Bedingungen.

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