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1. FC Lok vs Hertha II 4:0 – Viel „uiuiui“ und „Oh la la“ zum Ligaschluss

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    Kurzweiliger Fußball(nachmit-)tag beim 1. FC Lok Leipzig: Die erste Männermannschaft fiedelte zum Liga-Abschluss Hertha II mit 4:0 (3:0) vor 2.248 Zuschauern ab. Maurer traf doppelt und auch Brügmann und Becker machten ihr Tor. Für die Europapokalhelden von 1987 hatte der Fußballtag schon zeitiger begonnen. Sie sahen eine Kino-Weltpremiere in der Innenstadt.

    Da ist es: „Uiuiui“. Und noch eins hinterher „Uiuiui“. „Oh la la“ – Es ist ein grauhaariger Mann mit Brille, der diese Laute ausstößt und sich damit an längst Vergangenem erfreut. 30 Jahre ist es her, dass Hans-Ulrich Thomale die meisten der Szenen, die er da an diesem Samstagvormittag vorgeführt bekommt, schon einmal gesehen hat. Verschossene Elfmeter von Uwe Zötzsche und Mats Liebers, ein Tor von Zlatko Vujovic und Menschen, überall Menschen.

    „73.000 und ich glaube es sind noch ein paar mehr.“ Die Stimme von Sportkommentator Achim Schröter erfüllt den Kinosaal. Hier sitzen noch einmal viele der Helden des Europacup-Halbfinales 1987 gegen Girondins Bordeaux: Ronald Kreer, René Müller, Frank Baum, Dieter Kühn, Wolfgang Altmann, Hans-Ulrich Thomale, Frank Edmond, Uwe Bredow, Olaf Marschall, Mannschaftsleiter Wolfgang Fichtner und Torsten Kracht, der damals im Europacup nicht zum Einsatz kam.

    64 Minuten ist die Zeitreise in das Jahr 1987 lang, in ein Stadion, das es in der Form nicht mehr gibt, zumindestens 100.000 Menschen in dieser Schüssel, zu Loks bisher größtem Erfolg. Marketing-Professor und Lok-Aufsichtsratsmitglied Sören Bär und Lokruf-Kommentator Thomas Franzky sind für die Dreharbeiten bis nach Frankreich zum ehemaligen französischen Nationalspieler und damaligen Bordeaux-Spieler Gernot Rohr gereist, sprachen mit den Lok-Kickern von damals und mit Thomale.

    „Eine würdige Feierstunde“

    Ihre Dokumentation beeindruckte das Team von damals und auch Lok-Präsident Kesseler. „Eine würdige Feierstunde für die erfolgreiche Mannschaft von damals“, jubilierte dieser nach der Vorführung in den Passage Kinos. Rohr gratulierte im Video übrigens nach 30 Jahren Lok noch einmal zum Finaleinzug und gestand: „Trotzdem war 1987 für Girondins der absolute Höhepunkt.“

    Die Franzosen wurden immerhin Meister und Pokalsieger unter dem späteren Weltmeister-Trainer Aimet Jacquet. Der Film „Prima, René“ soll durch eine Crowdfunding-Aktion in die Probstheidaer Wohnzimmer gebracht werden. „Wir brauchen dafür allerdings Geld, denn das Material des Deutschen Rundfunkarchivs ist nicht billig“, so Bär.

    Anschließend fuhren die Europacup-Helden zum Spiel ihres damaligen Jungspunds. Lok-Trainer Heiko Scholz war 1987 zarte 21 Jahre jung und spielte vermutlich seine beste Saison im Lok-Dress. Er ist im Prinzip der Erste und Einzige, der von dieser „Class of ’87“ dauerhaft in Probstheida Fuß gefasst hat, ist über 1.300 Tage im Amt, würde im Herbst 2018 sogar Thomale überholen, was die Dienst-Tage bei Lok angeht.

    Die Zeichen stehen gut: Scholz hat in der ersten Regionalliga-Saison seit dem Wiederaufstieg starke 47 Punkte mit seinem Team geholt und Platz zehn belegt. „Schade, ich wäre gern Neunter geworden, aber so ist es“, so Scholz nach dem letzten Saisonspiel. Seiner Mannschaft sah man regelrecht die Lust am Kicken an. Nach 26 Minuten führte das Team nach zwei Traumtoren von Paul Maurer und einem Dribbling von Brügmann mit 3:0 gegen die zweite Mannschaft von Hertha.

    Kann Heiko Scholz nach dem Derbysieg im Viertelfinale nun auch bald den Pokalsieg feiern? Foto: Jan Kaefer (Archiv)
    Kann Heiko Scholz nach dem Derbysieg im Viertelfinale nun auch bald den Pokalsieg feiern? Foto: Jan Kaefer (Archiv)

    „Im Gegensatz zu Heikos Team trudelte es bei uns etwas aus. Das hat man gesehen“, so Hertha-Trainer Ante Covic, der gleich vier Spieler in dieser Saison hoch zu den Profis gebracht hat. Scholz gibt auch Spieler ab, allerdings an andere Vereine: Publikumsliebling Ramón Hofmann wird künftig genauso wenig für Lok spielen wie Außen Kevin Zimmermann, Torwart Christopher Schulz, Linksverteidiger Steven Heßler und Mittelfeldregisseur Daniel Becker.

    Der setzte in seinem letzten Ligaspiel für Lok den Schlusspunkt – natürlich per direktem Freistoß. Ob Jonas Arnold bleiben darf, ist noch nicht sicher. Sein derzeitiger Trainer sagte vielsagend: „Er hat mir heute sehr gut mit seinen 19 Jahren gefallen.“ Riecht nach neuem Vertrag. Tony Hartmann (A-Jugend des Halleschen FC) und Maik Salewski (Budissa Bautzen) stehen schon als Neuzugang fest. Ein Sechser soll noch kommen und noch mindestens zwei weitere Akteure.

    Eventuell spielen die gleich im DFB-Pokal. Mittwoch um 18 Uhr steigt der Saisonhöhepunkt im Bruno-Plache-Stadion, wenn Lok gegen den Drittligisten Chemnitzer FC im Finale um den Sachsenpokal spielt. Der Sieger darf nächste Saison im DFB-Pokal starten und kassiert schon eine üppige Antrittsprämie. Lok ist optimistisch: „Die Chancen stehen 50:50 und es geht bei 0:0 los.“ Heiko Scholz kann sich diese Floskeln erlauben. Er weiß, dass sie stimmen. In Bordeaux wissen sie das seit 30 Jahren auch.

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