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„Da zerbrechen die Träume“ – Der Leipziger Slalom-Kanute Franz Anton verpasst den Startplatz für Tokio

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    Nach seinem 4. Platz im Zweier-Canadier bei den letzten Olympischen Spielen in Rio wollte Franz Anton diesmal in Tokio mit dem Einer für Furore sorgen. Doch daraus wird nichts. Dem Slalom-Kanuten vom LKC Leipzig unterlief im entscheidenden Qualifikationsrennen – dem EM-Finale im italienischen Ivrea – ein folgenschwerer Fehler. Dadurch konnte sich der Augsburger Sideris Tasiadis den hart umkämpften letzten Quotenplatz sichern.

    Für Franz Anton gilt es nun, die Enttäuschung aus den Klamotten zu schütteln und neue Ziele anzuvisieren. Für die Leipziger Zeitung (LZ) blickt der 31-Jährige noch einmal auf den schicksalhaften Wettkampftag zurück und schildert seine sportlichen Pläne für die kommende Saison.Herr Anton, Anfang des Monats fiel nun endlich die Entscheidung in Sachen Olympia-Qualifikation. Leider ist dabei Ihr persönlicher Traum von Tokio nicht in Erfüllung gegangen. Wie geht es Ihnen damit inzwischen?

    Mir geht es gut. Am Tag, an dem die Entscheidung fiel, und noch am Tag danach war ich natürlich niedergeschlagen. Aber es lässt sich leichter akzeptieren, weil es ein sehr gutes Rennen war. Es war ein fairer sportlicher Wettkampf gegeneinander und keine Entscheidung, die durch eine Jury oder anderweitig beeinflusst war – sondern es kam ganz klassisch darauf an, wer die schnellere Zeit fährt.

    Ich ärgere mich natürlich darüber, dass ich gerade in diesem Rennen nicht die Leistung abgerufen habe, mit der ich noch ein bisschen schneller gewesen wäre. Denn das wäre definitiv möglich gewesen. Daher sind nun neue Ziele in den Fokus gerückt, wie zum Beispiel der Weltcup-Gesamtsieg oder die Weltmeisterschaft in Bratislava.

    Nehmen Sie uns doch bitte noch einmal mit nach Ivrea, zum Tag der Entscheidung. Wie lief der für Sie ab?

    Die Strecke in Ivrea ist etwas völlig anderes als das, was wir regelmäßig trainieren. Das hat dort eher Naturcharakter, während der Kanupark Markkleeberg sozusagen von vorn bis hinten künstlich ist. Die Strecke in Ivrea ist mit großen Steinen gebaut und wirklich in einem Fluss gelegen. So eine Naturstrecke muss man ein bisschen anders fahren als künstliche Strecken. Das war das Erste, an das ich mich anpassen musste.

    Aber das ist mir sehr gut gelungen. Deshalb hatte ich im Finale und auch in den Läufen davor keine Angst, das nicht geregelt zu bekommen. Ich bin im Semifinale einen guten, sicheren Lauf gefahren. Da war der Druck schon groß, den Schritt ins Finale zu schaffen. Als ich das geschafft hatte, aber gesehen habe, dass auch zwei Italiener und Sideris noch mit dabei waren, ging der Kampf sozusagen wieder bei Null los, und es blieb bis zum Schluss spannend.

    Was lief dann für Sie im Finale schief?

    Im Finale wollte ich nicht „auf Krawall“ fahren und bin die Sache daher nicht aggressiv, sondern sehr überlegt angegangen. Trotzdem ist mir direkt am dritten Tor ein Fehler passiert. Ich war zu eng drangefahren, und dann hat mich die Walze zu nah an die Torstange gedrückt und ich habe sie berührt. Ich habe dann sofort gedacht, du musst jetzt noch ein bisschen schneller fahren.

    Ich hatte das Risiko nicht unnötig erhöht, aber versucht, an vielen Stellen noch etwas aggressiver zu fahren, um vielleicht die zwei Sekunden wieder rausholen zu können. Das hat aber nicht ganz so gut geklappt und ich habe diesen Verlust bis ins Ziel getragen. Im Ziel habe ich dann sofort das Ergebnis gesehen, und da zerbrechen ganz schnell die Träume.

    Ich saß dann im Ziel, war Sechster und musste noch ein paar Leute abwarten. Ein Italiener hatte das Halbfinale gewonnen und hatte als letzter Fahrer noch die Chance, das Ganze rumzureißen. Währenddessen fängt man schon an, darüber nachzudenken, woran es gelegen hat, was man falsch gemacht hat. Als dann klar war, dass Sideris nach Tokio fährt, bin ich hingegangen und habe ihm gratuliert.

    Aus deutscher Sicht kann ich mich ja nur freuen, dass wir diesen letzten Startplatz bekommen haben und nicht die Italiener oder Russen. Aus persönlicher Sicht ist es natürlich schade, dass ich nicht derjenige bin. Aber es zeichnet uns Leistungssportler aus, dass wir dann nicht die Flinte ins Korn werfen und sagen, es war alles umsonst. Im Gegenteil, das hat uns nur stärker gemacht. Und ich will jetzt in den Weltcups und bei der Weltmeisterschaft beweisen, dass ich auch derjenige hätte sein können, der vielleicht eine Medaille holt.

    Wird mit Blick auf die Corona-Pandemie, Ihrer Einschätzung nach, überhaupt eine reguläre Saison über die Bühne gehen können?

    Ich gehe fest davon aus, dass wir dieses Jahr eine Saison haben werden. Die wird sicherlich an vielen Stellen ohne Zuschauer stattfinden und damit leider ohne dieses Flair, was dadurch aufkommt. Denn man zieht ja auch Kraft daraus, wenn die Zuschauer während des Wettkampfs so nah dran sind und man hört, wie sie einen anfeuern. Jetzt ist das alles etwas ruhiger, aber ich denke, es wird alles stattfinden, und ich freue mich auf die Rennen.

    Welche sportlichen Höhepunkte stehen jetzt in nächster Zeit für Sie an?

    Wir fahren am Pfingstmontag nach Prag ins Trainingslager. Dort will ich den Weltcup vorbereiten, denn am zweiten Juni-Wochenende (11.–13.06.) ist der Saisonauftakt in Prag, und am dritten Juni-Wochenende (18.–20.06.) haben wir den Weltcup in Markkleeberg. Bei diesen ersten beiden Terminen will ich mich schon sehr weit vorn platzieren und die nötigen Punkte für den Weltcup sammeln.

    Danach geht es mit verschiedenen Trainingslagern weiter. Wir werden zweimal zur Strecke in Bratislava fahren, wo dieses Jahr die Weltmeisterschaft stattfinden wird (21.–26.09.). Diese Strecke wurde neu gebaut, und ich will mir damit den Vorteil erarbeiten, dass die anderen eben noch nicht dort waren.

    Danach geht es in der zweiten Saisonhälfte mit zwei Weltcups weiter, in La Seu d’Urgell, Spanien (03.–05.09.) und in Pau, Frankreich (10.–12.09.). Dort gilt es, sich für die WM zu qualifizieren. Das Olympia-Boot ist gesetzt, und es gibt dann nur noch zwei Startplätze, um die Mannschaft in jeder Disziplin vollständig zu machen. Wir haben im C1 aber drei qualifizierte Athleten, die sich darum streiten werden. Das sind Timo Trummer (Zeitz), Lennard Tuchscherer (Leipzig) und ich. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft, und man bleibt stark.

    „„Da zerbrechen die Träume“ – Der Leipziger Slalom-Kanute Franz Anton verpasst den Startplatz für Tokio“ erschien erstmals am 28. Mai 2021 in der aktuellen Printausgabe der LEIPZIGER ZEITUNG.

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