Als Russland am 24. Februar mit einem Angriffskrieg die Ukraine überfiel, war ganz Europa geschockt und fassungslos. Das Bedürfnis, den unter diesem Krieg leidenden Menschen in und aus der Ukraine in irgendeiner Form helfen zu wollen, war in kürzester Zeit enorm. Auch in der Leipziger Sportszene stellten sich viele die Frage: Was können wir tun?

Schnell ins Handeln kam in dieser Situation der Olympiastützpunkt Leipzig am Sportforum. „Eigentlich wollten wir unsere Kräfte erst einmal bei uns bündeln und eine kleine Aktion starten, mit der wir unseren Teil beitragen können – vor allem was Sachspenden angeht“, erklärt Katharina Baum, Prokuristin bei der Olympiasport Leipzig GmbH (OSL), gegenüber der Leipziger Zeitung (LZ).

„Doch aus dieser kleinen Idee ist dann recht schnell ein großer Ballon geworden.“ Denn es blieb nicht beim Einsammeln von ein paar Taschen, Mützen und warmen Pullovern, die anfangs von den Sportler/-innen im näheren OSL-Umfeld zur Verfügung gestellt wurden.

„Wir sind dann mit Karsten Günther von den SC DHfK-Handballern zusammengekommen, der sagte, dass wir das Ganze gut organisieren müssen. Denn es macht keinen Sinn, wenn jeder nur für sich etwas tut, lasst es uns ordentlich machen“, so Baum. Eine erste Rückmeldung seitens der Stadt Leipzig gab der zunächst noch vagen Idee von Hilfe schließlich eine klare Richtung.

„Das Feedback der Stadt war, dass die Spendenbereitschaft zwar riesig ist, aber aktuell alle Spenden in die Ukraine gehen und es somit in den Leipziger Erstaufnahmeeinrichtungen an den notwendigsten Dingen fehlt. Also haben wir als Sport es uns zur Aufgabe gemacht, genau dort zu helfen.“

Sieben LKW voller Spenden

Nachdem die Richtung nun einmal klar war, nahm die Sache schnell Fahrt auf. Gemeinsam hoben OSL, SC DHfK Handball und o.Group das Projekt „Leipziger helfen“ aus der Taufe, einschließlich dazugehöriger Homepage. Und es wurde innerhalb der Sportszene nochmal richtig mobil gemacht: „Wir haben einen zentralen Aufruf über den Stadtsportbund gestartet, der alle Vereine in Leipzig angeschrieben hat und sind außerdem gezielt auf Vereine zugegangen, mit denen wir viele Kontakte haben“, berichtet Katharina Baum.

Der Titel der 100. Ausgabe der LZ, seit 1. April 2022 im Handel. Foto: LZ

„Wir haben bei den Sächsischen Meisterschaften der Schwimmer einen Aufruf gestartet und Spenden gesammelt – so haben wir das auch im olympischen System bei uns im Olympiastützpunkt gemacht. Die SG LVB hat ebenfalls etwas gestartet, der Landessportbund hatte eine eigene Aktion, und so kam eins zum anderen. Alle haben nun ihre Sachspenden in dieses eine System inkludiert, wodurch wir inzwischen bereits den siebenten LKW an eine Aufnahmeeinrichtung rausschicken konnten.“

Handball-Manager Karsten Günther steht mit diesen Einrichtungen im stetigen Kontakt. Jede Woche flattert eine aktuelle Bedarfsliste ins Haus, um genau die Sachspenden sammeln zu können, die dort wirklich benötigt werden. Auf der Homepage www.leipzigerhelfen.de ist die Liste für alle einsehbar. „Viele der Dinge konnten wir mit unseren Sachspenden abdecken, wie zum Beispiel Taschen, Bademäntel oder Badelatschen.

Das sind alles Sachen, die wir aus dem Sport heraus aktivieren konnten. Aber wenn es dann in den Bereich Babypflege-Produkte geht, steht auf der Liste zum Beispiel 100 mal Babyöl. Das haben wir in der Masse nicht schaffen können“, so Baum. „Zu diesem Zweck haben wir über die Crowd-Aktion der Leipziger Gruppe eine Geldspende erhalten, mit der wir die noch fehlenden Dinge zukaufen konnten – vor allem Windeln, Hygieneartikel und Schlafsäcke.“

Stadt Leipzig und L-Gruppe haben es sich mit ihrer Crowdfunding-Aktion zum Ziel gesetzt, Spendengelder in Höhe von 609.869 Euro zu akquirieren. Das entspräche 1 Euro von jede/r Leipziger/-in. Die eingespielten Spenden werden dann humanitären Projekte in der Ukraine und auch schutzsuchenden Ukrainer/-innen in Leipzig zugute kommen. Partner dieser Crowd-Aktion sind aus dem Sportbereich der 1. FC Lok Leipzig sowie die SC DHfK-Handballer, die als Prämien Fanartikel und Heimspiel-Tickets zur Verfügung stellen.

Sondertrikots mit Friedensbotschaft

Viel Anklang fand zudem eine weitere Aktion der Handballer. Im Vorfeld des Bundesliga-Krachers gegen die SG Flensburg-Handewitt, legten die Leipziger ein Sondertrikot auf. Dieses zeigt auf der Vorderseite eine große Friedenstaube und auf der Rückseite den Hashtag „#GemeinsamFürFrieden“. Damit wollen die Grün-Weißen „einen eindringlichen Appell für ein friedliches Miteinander und das sofortige Ende von Waffengewalt senden“, wie sie auf ihrer Homepage mitteilten. Die Trikotsponsoren des SC DHfK hatten zugunsten dieser Aktion auf die Abbildung ihrer Logos verzichtet.

Die auf 100 Exemplare limitierte erste Auflage des Sondertrikots war bereits einen Tag nach der offiziellen Präsentation restlos ausverkauft. Kurzerhand brachte der Verein eine zweite Auflage mit 500 Exemplaren auf den Weg. Im Fanshop (www.handballzeit.de) kann dieses Trikot zum Preis von 66,91 Euro aktuell noch erworben werden. Der Verkauf dieser Trikots, die Versteigerung der originalen, gegen Flensburg-Handewitt getragenen Spielertrikots sowie weitere Geldspenden, generierten insgesamt eine Summe von 35.000 Euro. Damit möchten die SC DHfK-Handballer Kinder unterstützen, die Opfer von Kriegen und Vertreibung wurden.

Die Chemie-Fußballer und die SC DHfK-Handballer legten jeweils ein Sondertrikot auf. Fotos: Jan Kaefer
Die Chemie-Fußballer und die SC DHfK-Handballer legten jeweils ein Sondertrikot auf. Fotos: Jan Kaefer

Auch die Regionalliga-Fußballer der BSG Chemie Leipzig reagierten mit einem Benefiz-Trikot auf den Überfall auf die Ukraine. Im Heimspiel gegen den BFC Dynamo trugen die Leutzscher daher den Schriftzug „Peace for the People of Ukraine“ auf der Brust. Das Trikot ist ebenfalls noch im Fanshop (www.chemie-fanshop.de) erhältlich und kostet dort 59 Euro. Bereits am Morgen des Spieltages hatten sich rund 300 Chemiker zu einem Solidaritätslauf durch das Leutzscher Holz eingefunden. Die Teilnehmer/-innen spendeten insgesamt 2.705 Euro zugunsten der geflüchteten Menschen.

Sportangebote für Kinder

Neben den Geld- und Sachspenden stellen die Sportvereine noch eine weitere wertvolle Ressource zur Verfügung: Die Möglichkeit zur Nutzung ihrer Sportangebote. Damit soll geflüchteten Kindern und Jugendlichen Abwechslung und sportliche Betätigung angeboten werden. Auf der Homepage des Stadtsportbundes Leipzig (www.ssb-leipzig.de) sind alle von den Vereinen gemeldeten Trainingsmöglichkeiten in einer Übersicht aufgeführt. Von Badminton über Eishockey, Rugby und Schach, bis hin zu Zumba, ist alles dabei.

„Auch wir als Verein wollen einen kleinen Beitrag leisten“, teilten die L.E. Volleys in einer Pressemeldung mit. Ab sofort bietet der Verein deshalb immer donnerstags von 15-16 Uhr eine offene, wöchentliche Sportstunde für 20 geflüchtete Kinder und Jugendliche im Alter von 8-14 Jahren an. Betreut wird dieses kostenlose Angebot von den Regionalliga-Spieler/-innen der L.E. Volleys.

„Die Bereitschaft zu helfen war sofort da. Tanita Königsheim und Lena Kröber aus unserer ersten Damenmannschaft haben direkt zugesagt, das Projekt federführend zu betreuen“, sagt Jan Zangrando, Initiator dieser Aktion und Co-Trainer der Bundesliga-Männer.

„Wir sind uns bewusst, dass wir mit der angebotenen Sportstunde das erfahrene Leid und die große Leere und Unsicherheit der aus der Ukraine geflüchteten Menschen in keiner Weise mindern können. Wir möchten jedoch den Kindern und Jugendlichen zumindest die Möglichkeit geben, das zu machen, was Kinder eigentlich machen sollten: Kind sein, mit Gleichaltrigen unbeschwert spielen, miteinander Sport treiben und Spaß haben“, beschreibt der Verein die Idee, die hinter dem Angebot steht. (Anmeldung per Mail: [email protected])

Die Situation der Kinder in den Erstaufnahmeeinrichtungen geht auch Katharina Baum vom OSL nahe. Ihr Besuch in der letzten Dienstag erst neu eröffneten Unterkunft in der Ernst-Grube-Halle, hat bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen. „Wenn man die Kinder dort sieht, blutet einem das Herz. Das ist ein Thema, bei dem keiner wegschauen will, wo man sich an die eigene Nase fasst und fragt: Was können wir jetzt wirklich tun?“ Um diesen Kindern ein bisschen Ablenkung zu bieten, haben Katharina Baum und ihre Mitstreiter/-innen jede Menge Outdoor- und Indoor-Spielzeug für sie gesammelt.

Auf große Fahrt hingegen ging der 1. FC Lok mit seinem Mannschaftsbus. Vollgeladen mit Hilfsgütern, machten sich die Probstheidaer auf den Weg in den Nordwesten Rumäniens. Dort holten sie 49 ukrainische Kinder und Betreuer eines Kinderheims ab, denen zuvor die Flucht aus der belagerten ukrainischen Stadt Mariupol gelungen war. Diese brachten die Leipziger anschließend nach Lage bei Bielefeld in Sicherheit. Was die Helfer/-innen auf ihrer insgesamt 3.000 Kilometer langen Reise erlebten, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Mehr Informationen:
Geldspenden: www.leipziger-crowd.de/ukraine-hilfe
Sachspenden: www.leipzigerhelfen.de

Öffnungszeiten der Spendenannahmestelle:
Montag bis Freitag: 12-19 Uhr, Samstag 9-16 Uhr.
Olympiastützpunkt Sachsen, Am Sportforum 10

„Wenn man die Kinder dort sieht, blutet einem das Herz – Wie der Leipziger Sport den vor dem Ukraine-Krieg geflüchteten Menschen hilft“ erschien erstmals am 1. April 2022 in der aktuellen Printausgabe der Leipziger Zeitung (LZ). Unsere Nummer 100 der LZ finden Sie neben Großmärkten und Presseshops unter anderem bei diesen Szenehändlern.

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