Samstag-Nachmittag. Kanupark Markkleeberg. Die Sonne lacht. Der Oberbürgermeister nicht. Soeben hatte Karsten Schütze (SPD) mit einigen Mitstreiter/-innen im Livestream die Entscheidung für den offiziellen deutschen Olympiabewerber erfahren: Es ist München. Bis zuletzt ruhten die Hoffnungen des Stadtoberhauptes auf Köln/Rhein-Ruhr, denn im dortigen Olympia-Konzept war die Markkleeberger Wildwasser-Anlage als Austragungsort für Kanu-Slalom und Kajak-Cross fest eingeplant. Daraus wird nun nichts. Oder doch?

Zusammen mit Mitarbeiter/-innen der Markkleeberger Stadtverwaltung, mit Leipzigs Olympiabüro-Leiter Stefan Schedler und dem einstigen Olympiateilnehmer Jan Benzien verfolgte Oberbürgermeister Karsten Schütze die Verkündungs-Veranstaltung des Deutschen Olympischen Sportbundes in Baden-Baden live per Laptop auf der Seeterrasse im Kanupark. Gespannt hatten sich alle Blicke auf den kleinen Bildschirm gerichtet. Wird das Wunder wahr? Genau um 14:45 Uhr stand fest: Leider nein. Enttäuscht ließ sich Schütze in die Lehne seines Stuhles fallen.

„Natürlich sind wir enttäuscht“, machte der 59-Jährige aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Sportpolitisch halte ich die Entscheidung nicht für richtig, weil der komplette Osten Deutschlands aus der Bewerbung raus ist. Rhein-Ruhr hatte den Charme, eine gesamtdeutsche Bewerbung zu sein, die mit Warnemünde und dem Kanupark auch den Osten der Republik berücksichtig. Das ist in München leider nicht der Fall.“ Und er fügt hinzu: „Ich finde ich es schade, dass man diese historische Chance nicht genutzt hat, erstmals nach der Wiedervereinigung Olympische Spiele auch in Gesamt-Deutschland auszurichten. Für Ostdeutschland ist das schon nachteilig.“

Keine Olympischen Spiele im Kanupark Markkleeberg. Foto: Jan Kaefer

Auch wenn es in diesem Moment noch schwerfiel, so wusste Karsten Schütze, diese Niederlage dennoch sportlich zu nehmen: „Wir haben aber die Größe, München natürlich zu gratulieren“, unterstrich er. „Im Vordergrund muss stehen, dass Deutschland Olympische Spiele ausrichtet. Da ist es am Ende egal, wo diese stattfinden. Olympische Spiele sind etwas Einmaliges, da steckt eine Begeisterungsfähigkeit dahinter. Und wenn ich es in dem höheren Alter dann schaffe, bin ich sicherlich auch in München dabei.“

Einen klitzekleinen Spalt möchte der OBM die Olympia-Tür für Markkleeberg aber trotzdem offenhalten. Denn: „Es gibt in ganz Deutschland nur zwei international fähige Wettkampfanlagen für den Kanuslalom und Kajakcross. Augsburg hat das Problem, nicht genügend Wasser zu haben und müsste dort viel Geld investieren. Der Freistaat Bayern muss entscheiden, ob sie dort viel Geld reinstecken oder vielleicht doch mal mit Markkleeberg reden. Wir stehen bereit, auch wenn München den Zuschlage bekommen hat, auch unseren Kanupark zur Verfügung zu stellen.“

Stefan Schedler (Olympiabüro Leipzig) und Karsten Schütze (OBM Markkleeberg) hofften vergeblich auf eine Olympia-Entscheidung pro Köln/Rhein-Ruhr. Foto: Jan Kaefer

Für den Leipziger Olympiabüro-Leiter Stefan Schedler war diese Entscheidung bereits die zweite Niederlage innerhalb nur einer Woche. „Es war ohne Frage eine schwere Woche“, gestand er.

„Die Enttäuschung ist groß. Insbesondere, nachdem schon innerhalb dieser Woche Berlin die Bewerbung zurückgezogen hatte. Wir stehen aber weiterhin dazu, dass es initiativ völlig die richtige Entscheidung war, auf Berlin zu setzen. Meiner Meinung nach hätte dieses Konzept international die größte Strahlkraft und die größte Chance gehabt. Aber das ist vergossene Milch. Jetzt sind wir mit Markkleeberg und der Region Rhein-Ruhr ins Rennen gegangen. Auch da ist es nichts geworden.“ Doch auch bei ihm blitzt noch der Funken Hoffnung, dass Bayern am Ende vielleicht doch noch auf die Markkleeberger Sportanlage zurückgreift.

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