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Hilfen zur Erziehung

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Eltern-Kind-Konflikte betreffen nicht nur finanziell schwache Familien. Foto: Ralf Julke

Die dunkle Seite des Wirtschaftsaufschwungs: Weniger Kinder in Sozialhilfe und trotzdem steigende Fallzahlen in den Hilfen zur Erziehung

Was bedeutet das eigentlich, wenn eine Gesellschaft sich entsolidarisiert, ganze Bevölkerungsschichten in schlecht bezahlte Jobs abdrängt und damit auch schlechter ausgestattete Stadtquartiere, schlechtere Wohnungen, überlastete Schulen? Genau das, was deutschlandweit zu beobachten ist: Die Summen, die die Kommunen für die „Hilfen zur Erziehung“ ausgeben, steigen deutschlandweit. Nicht nur in Leipzig. Auch wenn die Leipziger Kosten atemlos machen.

Juliane Nagel (MdL, Linke) Foto: LZ

Mehrkosten bei Hilfe zur Erziehung: Endlich in Richtung Prävention umsteuern

Der Finanzbericht der Stadt Leipzig zum 30.06. weist im Bereich Hilfen zur Erziehung (HzE) einen Mehrbedarf von 17,4 Millionen Euro gegenüber dem Ergebnis 2019 aus. Bereits in den vergangenen Jahren lagen die Ausgaben in diesem Bereich deutlich über Plan. Seit dem 1. Oktober hat Vicki Felthaus (Bündnis 90/Die Grünen) das Amt der Bürgermeisterin für Jugend, Schule und Demokratie inne.

Amt für Jugend, Familie und Bildung. Foto: Marko Hofmann

Nach Budgetüberschreitung um 37 Millionen Euro: Grüne fordern auch personelle Konsequenzen im Leipziger Jugendamt

Die Teilung des Riesendezernats Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule war schon seit einigen Jahren überfällig. Der Neuzuschnitt der Dezernate, die OBM Burkhard Jung im Frühjahr vorschlug, hatte einen langen Vorlauf. Doch Vicki Felthaus, die am 1. Oktober ihr Amt als Bürgermeisterin für Jugend, Schule und Demokratie übernommen hat, hat auch ein schweres Erbe übernommen. Eines, das Leipzig richtig teuer gekommen ist, wie gerade erst Finanzbürgermeister Torsten Bonew vorgerechnet hat.

Juliane Nagel (Linke). Foto: L-IZ.de

Weiterer Anstieg der Kosten für Hilfen zur Erziehung

25 Millionen Euro muss die Stadt Leipzig auf das für 2018/2019 veranschlagte Budget für Hilfen zur Erziehung drauf legen. Der Bedarf wächst und die Stadtverwaltung stellt jedes Jahr von neuem überrascht fest, dass die Planzahlen und die tatsächliche Fallzahlenentwicklung stark voneinander abweichen. Außerdem werden die Hilfen, insbesondere die stationäre Unterbringung in Wohngruppen teurer, auch durch Tarifsteigerungen für die in den Angeboten arbeitenden Fachkräfte. Dabei begrüßen wir ausdrücklich, dass die lange Zeit geringeren Gehälter bei den freien Trägern endlich an den Tarif des öffentlichen Dienstes angepasst werden.

Graffiti im Leipziger Jugendamt. Foto: LZ

Kosten für Hilfen zur Erziehung laufen nicht nur in Leipzig aus dem Ruder

Was passiert eigentlich mit einer Gesellschaft, in der viele Familien dauerhaft in prekären Verhältnissen leben und die verantwortlichen Politiker so tun, als sei das nicht ihr Problem? Es wird ihr Problem. Denn prekäre Familiensituationen entwickeln sich oft zu familiären Konflikten, unter denen die Kinder leiden. Dann muss die Kommune eingreifen. Und die Kosten explodieren.

Die Kosten für „Hilfe zur Erziehung“ wachsen Leipzig jetzt über den Kopf. Foto: Ralf Julke

Hilfen zur Erziehung kosten Leipzig in diesem Jahr 16 Millionen Euro mehr als geplant

Es wurde zwar in den letzten Monaten auch im Stadtrat wie wild über die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (umA) debattiert, die auch Leipzig unterbringen muss. Aber das sind nicht wirklich Leipzigs brennende Probleme. Die brennen ganz woanders, was der Blick auf die aus dem Rahmen brechenden Kosten für die „Hilfe zur Erziehung“ zeigt.

Leipziger Dächermeer. Foto: Ralf Julke

Seit 2005 sind die Problemzahlen in der Kinder- und Jugendhilfe in Leipzig drastisch angestiegen

Das war eigentlich eine Warnboje, die Finanzbürgermeister Torsten Bonew da gesetzt hat, als er die Gründe für das derzeitige Leipziger Haushaltsminus im Jahr 2016 benannte. Neben den vom Freistaat nicht ausgeglichenen 32 Millionen Euro für die Unterbringung von Flüchtlingen nannte er die mit 16 Millionen Euro aus dem Ruder gelaufenen Hilfen zur Erziehung. Aus dem Leipziger Armutsproblem wird ein teures Sozialproblem.

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