Nicht nur die Bürger müssen sich umgewöhnen, wenn es um die künftige Wärmeversorgung von Leipzig geht. Auch die Unternehmen müssen umdenken, wenn künftig Kohle, Öl und Gas aus dem Wärmesystem verschwinden sollen. Als ein Baustein der Wärmewende in Leipzig gilt der Anschluss Leipzigs an die Abwärme der Unternehmen in Leuna. Der Bau der Leitung ist begonnen.

Nur hat die CDU-Fraktion im Leipziger Stadtrat die nicht ganz unberechtigte Frage: Ist denn diese (Ab-)Wämelieferung tatsächlich langfristig gesichert? Was ist, wenn Leuna selbst ausfällt?

Oder mit den Worten aus einer entsprechenden CDU-Anfrage im Stadtrat: „Im September 2025 erfolgte der Spatenstich für den Bau der ca. 19 km langen Fernwärmetrasse Leuna-Leipzig. Über sie soll künftig die überschüssige industrielle Abwärme der Total-Raffinerie nach Leipzig transportiert werden und hier den Wärmebedarf von bis zu 100.000 Haushalten decken.

In den vergangenen Monaten wurde bekannt, dass Dow Chemicals unter anderem sein Werk in Leuna stilllegen wird. Nun stellt auch Domo seine Produktion am Standort ein. Der Chemiesektor in Deutschland ist in einer tiefen Krise.“

Eine nur zu berechtigte Sorge.

Und so ganz kann die Stadt die Sorge auch nicht ausräumen: „Grundsätzlich gibt es im globalen Kontext im Wettbewerb von Industriezweigen keine risikolosen Investitionen und/oder Bestandsgarantien von Industriezweigen. In dem in der Anfrage angesprochenen Zusammenhang liegen jedoch bis dato weder der Stadt Leipzig, noch den Stadtwerken Indikationen hinsichtlich einer nicht erfolgreichen und auch nachhaltigen Umsetzung des Projektes zur Nutzung von industrieller Abwärme aus Leuna für die Versorgung der Stadt Leipzig vor.

Das Ganze ist durch langfristige Verträge untersetzt. Diese Sichtweise wird von den Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt, sowie auch seitens des Bundes (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) geteilt. Deren bisherige Verlautbarungen und Handeln lassen jedenfalls keinen Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Chemie-Standortes Leuna im Allgemeinen und am Projekt der Nutzung industrieller Abwärme erkennen, was sich insbesondere auch an der bisherigen millionenschweren Förderung des Vorhabens ablesen lässt.

Die Leipziger Stadtwerke folgen auch im vorliegenden Fall ihrer Strategie der Diversifizierung und Technologieoffenheit, um auch auf etwaige, heute noch nicht absehbare Entwicklungen reagieren zu können.“

Das haben aus ihrer Sicht auch die Stadtwerke Leipzig selbst in einer Stellungnahme zusammengefasst.

Die Stellungnahme der Stadtwerke Leipzig zur Wärmelieferung aus Leuna

Die Wärmewende geht weiter

Worin sie aber auch erklären, wie sie bei einem Komplettausfall von Leuna agieren würden.

„Ein – durch die Leipziger Stadtwerke nicht erwarteter – vollständiger Ausfall von Leuna wäre zweifellos relevant, aber er würde die Wärmewende in Leipzig nicht ‚stoppen‘, sondern zu einer Re-Priorisierung innerhalb des ohnehin diversifizierten Transformationspfads führen: beschleunigte Erschließung lokaler Quellen (insb. Rosental/Umweltwärme), zusätzliche EE-Wärme- und Abwärmepartnerschaften im Südraum (Nutzung der vorhandenen Leitungssysteme), verstärkte Nutzung von Power-to-Heat und Speichern sowie – wo sinnvoll und wirtschaftlich umsetzbar – Vorziehen/Skalieren weiterer EE-Erzeugungsbausteine. Der Transformationsplan ist zudem ausdrücklich als fortzuschreibender Pfad angelegt, sodass neue Erkenntnisse und geänderte Rahmenbedingungen systematisch eingearbeitet werden.“

Der Vertrag mit Leune läuft übrigens von 2028 bis 2048. Und ein Komplettausfall des Chemie-Standorts Leuna wäre für die gesamte Region verheerend. Die Stadtwerke Leipzig sind also gut beraten, auch die anderen Teile ihres Umbaus der Wärmeversorgung voranzutreiben und in diesem Zeitraum auch umzusetzen.

In der Stellungnahme der Stadtwerke heißt es dazu: „Der Transformationspfad für die klimaneutrale Fernwärme bis 2038 basiert auf einem Mix aus industrieller Abwärme, Großwärmepumpen (Umwelt-/Abwärme), Solarthermie, Geothermie, Biomasse (ergänzend, sofern weitere Grundlast erforderlich), Power-to-Heat sowie einem perspektivischen Einsatz von Wasserstoff nach 2045; flankiert durch Speicher und die schrittweise Absenkung der Netztemperaturen.

Damit ist konzeptionell bereits vorgesehen, dass einzelne Projekte/Quellen ersetzbar sind und das System über mehrere Bausteine stabil betrieben werden kann. Weitere Optionen, insbesondere aus Rechenzentren und aus der Transformation am Standort Lippendorf, werden ergänzend permanent geprüft und beobachtet.“

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