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Von der Brückenstraße bis zum Cospudener See

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    LeserclubGroßzschocher streifen wir tatsächlich nur, tauchen unsere Nase an der Brückenstraße kurz in Apfelduft (hier riecht es dieser Tage tatsächlich nach Äpfeln, sind also keine genmanipulierten Bäume), fahren 200 Meter mal offiziell falsch herum die Brückenstraße hinauf und biegen dann in den Lauerschen Weg- und das auf einer Kreuzung, die so aussieht, als käme man hier nach Prag oder Warschau.

    Deswegen wundern wir uns auch nicht über eine ganze Kolonne junger Männer in winzigen Autos, die hier falsch eingebogen ist und nun irgendwie versucht, aus der Sackgasse wieder rauszukommen. Denn eigentlich lohnt sich die Einfahrt nur für die Kleingärtner, die hier werkeln. Manche rechterhand mit hübschen Grundstücken direkt an der Weißen Elster. Wären wir vorhin über die Brücke weitergefahren, hätten wir auch den Zickmantelschen Mühlenpark besuchen können. Noch so ein verstecktes Kleinod in Großzschocher. Jetzt umkurven wir elegant die Schranke am „Gasthof an der Lauer“.

    Apfelfreude an der Brückenstraße. Foto: Ralf Julke
    Apfelfreude an der Brückenstraße. Foto: Ralf Julke

    Es ist die erste von vielen Schranken, die uns noch erwarten.

    Die Lauer ist eigentlich das Gebiet hinter den ganzen Kleingärten. Die Lehmlache Lauer erinnert noch daran. Aber natürlich öffnet auch das „Gasthaus an der Lauer“ seine Küche erst um 11 Uhr. Wer zu früh kommt, muss einfach seine Verpflegung im Rucksack mitbringen. Es hilft alles nichts. Langsam fahren sollte man sowieso, je tiefer man in den Lauerschen Weg hineinfährt, umso löchriger und rustikaler wird er, romantischer auch, spätestens, wenn man singenden Spaziergängerinnen mit wolligen Hunden begegnet. Denn hier hat der erste Leipziger Wagenplatz seine Heimstatt gefunden. Eine gefährdete, wie wir wissen.

    Im Rathaus sitzen lauter Aktenfüchse, die die ganze Zeit darüber nachzudenken scheinen, wie man dem Wunsch einiger Leipziger, in Bauwagen zu wohnen, die amtliche Basis entzieht. Da prallen Philosophien und Weltsichten aufeinander. Bürokratische Unlust trifft auf den Freiheitswunsch der Unangepassten. Deswegen stehen ja seit 26 Jahren die „Unangepassten Zeitgenossen“ auf der Grimmaischen Straße. Als dauerhafte Erinnerung daran, was Leute anrichten, wenn sie stur nach Aktenvermerk agieren.

    Und so schwebt auch über dem Lauerschen Weg eine Atmosphäre der Unsicherheit. Und der Wegweiser erzählt wieder Blödsinn, weil er den „Vergnügungspark Belantis“ dem Elsterradweg zuordnet. Dabei berührt der Radweg den Vergnügungspark gar nicht. Warum auch? Auch das sind zwei völlig verschiedene Welten. Denn eigentlich ist man mit dem Rad ja unterwegs, um die Welt ohne Bespaßung und Nervenkitzel zu erleben. Das ist für manche Zeitgenossen nicht mal mehr vorstellbar, dass man eigentlich eine Menge mehr vom Leben hat, wenn man es nicht mit ständigem Nervenkitzel zulötet.

    In eleganter Kurve durchs Hochflutbett. Foto: Ralf Julke
    In eleganter Kurve durchs Hochflutbett. Foto: Ralf Julke

    In diesem Fall führt uns der Lauersche Weg (nach der nächsten Schranke) direkt zum Hochflutbett der Elster, dessen Ende wir bei Großzschocher gesehen haben. Jetzt fahren wir in einer schönen Serpentine mitten hindurch. Gleich noch mal am besten. Es ist einfach schön und bestätigt, dass man auch gute Radwege bauen kann, wenn man will. In diesem Fall führt der Weg uns schwungvoll hinauf aufs andere Hochufer, hinter dem nichts anderes liegt, als der morgendlich ausgebreitete Connewitzer See.

    Was 2013 auch für große Sorgen in Rathäusern und Talsperrenverwaltungen sorgte, weil man befürchtete, das Elsterhochwasser könnte auch in den Cospudener See schwappen und das ganze sensible Gewässersystem samt Klärwerk Markkleeberg durcheinander rühren.

    Das ist zum Glück nicht passiert. Der seit dem legendären EXPO-Jahr 2000 gern und intensiv genutzte Bergbaufolgesee liegt friedlich und unbeschadet. Und wer Zeit und Lust hat, verliert sich hier ins Gesträuch. Denn dieser Abschnitt des Cospudener Sees gilt als FKK-Strand. Zumindest ist es einer der ruhigsten Strandabschnitte, anders als das Nordufer, wo regelmäßig laute Partys gefeiert werden. Natürlich steht auch hier ein ordentlicher Wegweiser: 3,5 Kilometer bis zur Bistumshöhe, 2,9 Kilometer bis zum Elsterstausee.

    Am Westufer des Cospudener Sees. Foto: Ralf Julke
    Am Westufer des Cospudener Sees. Foto: Ralf Julke

    Der Elsterradweg führt hier tatsächlich 3 Kilometer am Westufer des Cospudener Sees entlang. Immer wieder blitzt das Wasser zwischen Birkenstämmen. Und nach einem Dutzend fröhlicher Kurven kommt auch der versprochene Abzweig zum Elsterstausee. Mit „Bootsverleih“, steht da. Und inwendig kichert der Schalk. Was für Boote müssen das sein? Seit der einst so beliebte Stausee ein Loch hat und die Stadt Leipzig sich weigert, die Pumpe wieder in Gang zu setzen (weil es zu teuer ist), ist der See trocken und die Natur hat sich den vor 80 Jahren so mühsam gebauten Seegrund wieder zurückgeholt. Der Birkenwald steht meterhoch im alten See. Da könnte man so eine Art Boot auf Stelzen brauchen, um sich durch den Bäumchensee zu pflügen. Wer es sehen will, kann hier abbiegen (und stößt nach 200 Metern natürlich auf eine Schranke).

    Aber den Abschweif machen wir heute nicht.

    Denn vor uns liegt das Ende der Leipziger Strecke. An dem wir die Tour aber nicht beenden werden. Das versprechen wir. Denn ein paar Hingucker drüben jenseits der Flurgrenze wollen wir heute noch sehen.

     

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