54 Millionen Euro wollen die Leipziger Verkehrsbetriebe 2022 in ihre Gleisnetze investieren. Das bedeutet stellenweise wieder die Sperrung wichtiger Straßen und entsprechend weiträumige Umleitungen. Eine Baustelle begleitet den Leipziger Westen nun schon seit zwei Jahren: die Baustelle am Adler.

Dort geht es im Mai weiter mit den Bauarbeiten. Diesmal auch mit der Konsequenz, dass der Gleisast nach Lausen über Monate gesperrt wird, die Linie 3 also in dieser Zeit nicht mehr nach Grünau fährt. Entsprechend groß ist das Liniennetz der dann nötigen Ersatzbusse, die nicht nur die Verbindung nach Kleinzschocher, sondern auch zur Linie 15 herstellen.

Die Sperrzeit für die Straßenbahnlinie nach Lausen beginnt am 25. Juni und dauert bis zum 31. Oktober. In dieser Zeit werden die LVB auf dem Streckenast mehrere Gleisabschnitte grundhaft ausbauen, einige davon in Zusammenarbeit mit den Wasserwerken.

Die 2022 geplanten Gleisbaumaßnahmen vom Adler bis zur Wendeschleife in Lausen. Grafik: LVB
Die 2022 geplanten Gleisbaumaßnahmen vom Adler bis zur Wendeschleife in Lausen. Grafik: LVB

Allein dieses Bauprojekt kostet 20 Millionen Euro.

Noch viel einschneidender wird die kommende Baustelle am Wilhelm-Liebknecht-Platz in den Fahrbetrieb der LVB eingreifen, denn der Wilhelm-Liebknecht-Platz ist ein Nadelöhr. Hier fahren wichtige Linien wie die 10, 11 und 16, aber auch die Linie 9. Sie alle müssen in der geplanten Sperrzeit vom 16. Mai bis zum 14. Oktober umgeleitet werden

Dabei wird die Haltestelle Wilhelm-Liebknecht-Platz komplett erneuert und die Bahnsteige werden verlängert, was dazu führt, dass die Gleiskurve in die Erich-Weinert-Straße zurückgebaut wird. Dieser Umbau wird von den LVB mit 3,6 Millionen Euro beziffert. Da in dieser Zeit auch keine Straßenbahnen durch die Kurt-Schumacher-Straße fahren können, nutzen die LVB die Gelegenheit, auch die Gleise in der Kurt-Schumacher-Straße instand zu setzen.

Geplante Baustellen Wilhelm-Liebknecht-Platz, Georg-Schumann-Straße, Waldstraße und Käthe-Kollwitz-Straße. Grafik: LVB
Geplante Baustellen Wilhelm-Liebknecht-Platz, Georg-Schumann-Straße, Waldstraße und Käthe-Kollwitz-Straße. Grafik: LVB

In der Karte ist es die Baustelle Nr. 2.

Dort zu sehen ist auch die Baustelle Nr. 7, noch so ein um Jahre überfälliges Projekt, bei dem eigentlich der komplette Abschnitt der Georg-Schumann-Straße von Chauseehaus bis Böhmestraße umgebaut werden soll, mit einer neuen Haltestelle und einer Aufweitung des Gleisabstands, damit hier die neuen, breiteren Straßenbahnen fahren können.

Wenn der Umbau schlicht zu spät kommt

Aber umgebaut wird der Straßenabschnitt nicht vor 2024, was hier zum selben Problem führt wie in der Käthe-Kollwitz-Straße: Die Gleise sind heruntergefahren. Der seit Jahren angekündigte Umbau kommt zu spät. Die Bahnen fahren schon seit langem im Schneckentempo und Flicken und Schweißen helfen nicht mehr.

Also müssen die desolatesten Abschnitte jetzt noch einmal instandgesetzt werden, damit bis zum Umbau weitergefahren werden kann. Das führt hier zwischen der Kanalstraße und der Bleichertstraße vom 14. März bis zum 3. April zur Sperrung. Die Linien 10 und 11 müssen Umleitungen fahren.

In dem Zusammenhang wird auch gleich noch die heruntergefahrene Gleiskreuzung Georg-Schumann-Straße / Lützowstraße für 100.000 Euro erneuert.

Eine Baustelle wurde zeitlich verschoben

Ebenso in diesem Kartenabschnitt zu sehen sind die Baustellen 4 und 6. Die Nr. 6 ist die eigentlich schon ab Februar geplante Baustelle am Waldplatz, die aber kurzfristig verschoben wurde, weil es sich die LVB nicht leisten können, während RB-Spielen die Jahnallee nicht anzufahren. Man wolle möglichst noch in diesem Jahr einen neuen Termin für die Baustelle finden, möglichst ein Zeitfenster, das nicht mit RB-Spielen kollidiert, so LVB-Geschäftsführer Ronald Juhrs.

Die Baustelle Nr. 4 ist eine mit der Stadt Leipzig abgestimmte Baustelle. Denn wenn die LVB vom 10. Oktober 2022 bis zum 23. Februar 2024 die Waldstraße vom Waldplatz bis zur Primavesistraße komplett umbauen, fährt hier für anderthalb Jahre auch keine Linie 4. Das nutzt die Stadt Leipzig, um die 90 Jahre alte Waldstraßenbrücke komplett neu zu bauen. Die Sperrzeit für die Straßenbahn ist vom 17. Oktober 2022 bis zum 10. Dezember 2023 angesetzt.

In dieser Zeit bauen die LVB dann auch gleich noch die Gleisschleife Feuerbach-/ Fregestraße und Max-Planck-Straße grundhaft aus, damit sie danach wieder als Sonderhaltestelle bei Fußballspielen und Großveranstaltungen im Sportforum fungieren kann. Hier ist die Bauzeit vom 10. Oktober 2022 bis zum 8. Juli 2023 terminiert.

Und ebenfalls auf diesem Kartenabschnitt ist die Baustelle Nr. 5 zu sehen – die Käthe-Kollwitz-Straße. Die hätte zwar schon seit Jahren angepackt werden müssen, aber der Komplettumbau der Straße ist erst ab 2025 geplant. Die Gleise sind aber trotzdem runtergefahren, sodass auch hier die LVB noch einmal die Gleise instand setzen müssen, um bis 2025 weiterfahren zu können.

Diese Instandsetzung ist vom Westplatz bis zur Ferdinand-Lassalle-Straße vom 4. April bis zum 28. Mai 2022 geplant, was dann für die Straßenbahnlinien 1, 2 und 14 weiträumige Umleitungen bedeutet.

Die Baustellen Schlachthofbrücke und in der Zwickauer Straße. Grafik: LVB
Die Baustellen Schlachthofbrücke und in der Zwickauer Straße. Grafik: LVB

Ein Riesenpaket mit Überraschungen

Einen gewissen komödiantischen Aspekt hat die scheinbar in der Luft schwebende Baustelle Nr. 3. Das ist die Schlachthofbrücke im Verlauf der Richard-Lehmann-Straße, die von der Stadt neu gebaut wurde. Dass sie so in der Luft hängt, hat damit zu tun, dass sie im Liniennetz der Straßenbahn derzeit keine Rolle spielt. Früher fuhr hier die Linie 22. Heute bedient der Bus Nr. 70 die Strecke.

Die LVB wollten die Gleise auf der Brücke deshalb auch komplett entfernen lassen. Aber der Stadtrat stimmte dagegen, denn wenn Leipzig seine Mobilitätsstrategie umsetzen will, werden perspektivisch auch Erweiterungen im Straßenbahnnetz nötig. Und als Umleitungsstrecke, wenn auf der Karl-Liebknecht-Straße mal nichts geht, ist der Abschnitt auch unersetzlich.

Also wurden die LVB dazu verpflichtet, die 292 Meter Gleis auf der Brücke auch wieder neu zu verlegen. Das soll vom 20. April bis zum 3. Juni passieren. Kostenpunkt: 600.000 Euro.

In diesem Kartenabschnitt noch mit abgebildet ist Baumaßnahme Nr. 9, eine Instandhaltungsmaßnahme in der Zwickauer Straße im Abschnitt Arno-Nitzsche-Straße bis Triftweg, die vom 19. September bis zum 15. Oktober geplant ist. Hier werden die Gleise auf 100 Meter für 260.000 Euro instand gesetzt, was freilich im Zeitraum bis zum 9. Oktober Einschränkungen für die Straßenbahnlinien 10 und 16 bedeutet.

In der Summe also ein Baustellenpaket, das für viele Straßenbahnnutzer/-innen in diesem Jahr so einige Überraschungen bereithält.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

- Anzeige -

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar