Im Bund wird sich ja noch heftig gestritten, woher die Finanzierung für das 9-Euro-Ticket kommen soll. Aber die regionalen Verkehrsunternehmen haben eigentlich keine Zeit mehr, sich darauf noch länger vorzubereiten. Für sie wird die Sache am 1. Juni ernst. Und so war die Einwohneranfrage von Gerd Sklaar nur zu berechtigt, ob auch die LVB auf den „vermutlichen Fahrgastzuwachs“ vorbereitet sind.

Eine Frage, die Dauernutzer der Bahnen und Busse der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) ja auch beschäftigt. Denn im Berufsverkehr sind diese schon zu normalen Zeiten rappelvoll. Auch die Zeit, dass die Fahrzeuge wegen Corona nur halb gefüllt waren, sind vorbei.

Wird das Gedrängel in den Bahnen also noch größer, wenn jetzt alle, die wollen, drei Monate lang für 9 Euro pro Monat mit dem ÖPNV fahren dürfen?

„Grundsätzlich ist der Nachfragezuwachs, welcher durch die Einführung des 9-Euro-Tickets im Zeitraum Juni bis August 2022 ausgelöst wird, schwer vorhersehbar“, erklärt das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) jetzt auf die Frage und ist sich sicher: „Es spricht jedoch einiges dafür, dass dieser Zuwachs in Leipzig mit den vorhandenen Kapazitäten beherrscht werden kann. Zum einen fällt die Gültigkeit des Tickets in die Sommermonate, welche im Jahresverlauf durch eine unterdurchschnittliche Nachfrage geprägt sind.“

„So lag das Nachfrageniveau im Juli und August schon vor der Corona-Pandemie regelmäßig ca. 20 % unter dem Jahresdurchschnitt. Hinzu kommt, dass der Öffentliche Nahverkehr mit einem generellen pandemiebedingten Nachfragerückgang zu kämpfen hat. In Folge der durch Quarantäne, Homeoffice, Online-Shopping, Veranstaltungsausfälle etc. ausgelösten Verhaltensänderungen liegt die Fahrgastzahl generell auch ca. 20 % unter dem Normalniveau.“

Was nur zu einem Teil für Entspannung sorgt. Das weiß man auch im VTA.

Denn: „Natürlich hat der höhere Krankenstand in der Vergangenheit auch die Personalsituation der LVB geprägt. Momentan bessert sich die Situation jedoch deutlich, sodass ab Mitte Mai eine vollständige Rückkehr zum Regelangebot vorgesehen ist.“

Man gibt sich trotzdem gelassen, denn damit, Mitarbeiter/-innen aus der Leipziger Verkehrsplanung ausgerechnet in der Straßenbahn zu treffen, muss man in Leipzig nicht rechnen. Wären sie regelmäßige Nutzer der LVB, würden sie viel vorsichtiger sein bei ihren Aussagen zur Auslastung der Fahrzeuge.

„Ungeachtet dieser Entwicklungen kann und wird es durch ein 9-Euro-Ticket auch einmal zu Situationen hoher Auslastung kommen. Dies gilt insbesondere in denjenigen Teilen des Netzes, in denen durch Baumaßnahmen ohnehin Kapazitätsengpässe bestehen“, merkt das Amt noch die zusätzliche Schwierigkeit im aktuellen Netz an.

„Hierauf wird die LVB versuchen, durch operative Umschichtungen innerhalb der vorhandenen Kapazitäten zu reagieren. Andererseits ist die Beförderung von vielen Menschen auf begrenztem Raum nun einmal ein Systemmerkmal des öffentlichen Nahverkehrs. Gerade das macht ja seine Vorzüge hinsichtlich Energiebedarf, Schadstoffemissionen und Flächenverbrauch gegenüber dem wenig effizienten motorisierten Individualverkehr aus.“

Mit der 9-Euro-Ticketaktion werde generell die Chance gesehen, abgesprungene Kunden zurück- und darüber hinaus auch neue Kunden zu gewinnen und langfristig an die LVB zu binden, meint das VTA in seiner Antwort an Gerd Sklaar noch.

„Die Steigerung der Fahrgastnachfrage ist auch wirtschaftlich notwendig, damit die LVB den Kurs der weiteren Verbesserung des Angebots (bspw. Taktverdichtungen Linie 14 und 89 im vergangenen Jahr) und der Beschaffung neuer, kapazitätsstärkerer Fahrzeuge weitergehen kann.“

Was dann doch eher klingt, als hätte man Sklaars Anliegen auf den Kopf gestellt, der ja ganz explizit nach der Gewährleistung eines „erträglichen Fahrkomforts insbesondere auch in Hauptverkehrszeiten“ gefragt hatte.

Aber auf die Hauptverkehrszeiten ging die Verwaltung in ihrer Antwort gar nicht erst ein. Ganz so, als hätte man gar nicht gemerkt, dass es da ein besonderes Problem gibt.

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